15 April 2026

Die geniale Technik der .300 Blackout verständlich erklärt

Wenn man einen Schalldämpfer auf ein herkömmliches Gewehr schraubt, ich das leider nur die halbe Miete, denn neben dem Mündungsknall entsteht noch der Geschossknall. Dieser wird dadurch verursacht, dass das Projektil die Schallmauer durchbricht. Möchte man diesen Knall vermeiden, muss man dafür sorgen, dass die Projektil-Geschwindigkeit unter Schallgrenze bliebt.

.300 Blackout,
die Königin der Unterschallpatronen.

Das macht man meist einfach dadurch, dass man weniger Pulver in die Hülse lädt. Denn weniger Pulver erzeugt weniger Gasdruck und weniger Gasdruck beschleunigt das Geschoss im Lauf weniger stark und es fliegt am Ende deutlich langsamer. Das Problem ist nur, dass dann eine Hülse etwas so aussieht, wie hier auf dem Bild die zweite Patrone von links. Die Brennkammer der Patrone ist fast leer.

Zudem bekommen wir aufgrund der niedrigen Geschwindigkeit Probleme mit der kinetischen Energie, denn der Verlust an Geschwindigkeit resultiert auch in einem nicht unerheblichen Verlust von Zielwirkung.

Da unsere Geschwindigkeit begrenzt ist, wir wollen ja auf keinen Fall über die Schallgeschwindigkeit kommen, müssen wir unsere Zielwirkung aus der Masse des Projektils ziehen. Das tun wir, indem wir ein schweres Geschoss verladen, wie auf bei der dritten Patrone von links auf dem ersten Bild. Das hat zudem den Vorteil, dass wir bei einem schwereren Geschoss nun auch wieder etwas mehr Pulver verladen können, da ein schwereres Geschoss bei  gleichem Druck weniger stark beschleunigt wird, vereinfacht aus gedrückt.

Pulverwelle in einer Unterschallhülse

Nun ist unsere Brennkammer nicht mehr ganz so leer aber trotzdem haben wir ein großes Problem. Hält der Schütze die Waffe vor dem Schuss, zb. in der low ready Position, vor dem Schuss nach unten, befindet sich das meiste Pulver in der Geschossringniesche. Hat der selbe Schütze, die selbe Waffe mit dieser Munitionssorte vor dem Schuss jedoch nach Oben gehalten, so liegt das meiste Pulver in der nähe des Zündkanals aufgeschüttet. Bei beiden Fällen verhält sich die selbe Munition deutlich unterschiedlich bei Schuss. Beim Zweiten Fall kommt es sogar zu einer Pulverwelle, bei welcher das noch nicht entzündete Pulver wellenartig durch die Brennkammer schwabbt und am Geschossheck bricht. Was natürlich ebenfalls nicht gut für die Präzision ist.

Die erste Form der Abhilfe schafft hier Füllmaterial, welches beim Schuss mit dem Pulver verbrennt aber keine eigenen Rauchschwaden erzeugt. DieVerbrennungsrückstände sind jedoch meist schädlich für Lauf und Mechanik der Waffe.

Die wohl eleganteste Lösung sind Reduzierhülse, wie auf dem ersten Bild die vierte Patrone von links. Diese verfügen über eine reduzierte Brennkammer und können so wieder Ladedichten von 100% erreichen. Leider sind diese Hülsen zum einen sehr teuer und zum anderen recht schwer, die Ursache dafür ist, dass sie aus dem vollen gedreht und nicht aus Messingblech gezogen werden können.

Unterschallmunitionssorten für herkömmliche Patronen muss demnach entweder Abstriche bei der Präzision machen oder aber sie ist deutlich teurer in der Herstellung mit einem hohen Gewischt pro Patrone. Zudem müssen automatische Waffen, welche herkömmliche und Unterschall-Patronen verschießen sollen meist ein Geregeltes Gassystem anbieten oder bei der Verwendung von herkömmlicher Munition mit erheblicher Überfunktion zurecht kommen.

.300 Blackout als Über und
Unterschalllaborierung

.300 Blackout geht nun den Weg einer sehr kleinen Hülse in Verbindung mit einem sehr großen Geschoss. Diese Kombination ermöglich es herkömmliche und Unterschalllaborierungen mit hoher Ladedichte zu erschaffen. Bei der herkömmlichen Munition, hat das Geschoss eine vergleichsweise geringe Masse und eine hohe Setztiefe, das Geschoss ragt demnach nicht weit in die Pulverkammer hinein, welche ihrerseits mit viel Pulver gefüllt ist. Ergebnis ist ein rasantes Projektiv.

Die Unterschallform jedoch besitzt ein deutlich schwereres Geschoss, welches tief in die Brennkammer hineinragt und so den Brennraum deutlich reduziert, welcher jetzt mit deutlich weniger Pulver gefüllt werden kann, ohne die Ladedichte zu reduzieren. 

.300 Blackout ist so in der Lage Unter- und Überschallmunition mit identischen äußeren Abmessungen zu erlauben, ohne dass die Ladedichte unter präzisionsrelevante Prozentwerte fällt.

Auch automatische Waffen, haben mit den beiden Munitionssorten deutlich weniger Probleme. Die herkömmliche Überschall-Form besitzt zwar deutlich mehr Pulver und dadurch auch deutlich mehr Druck, jedoch verbleibt das leichte Geschoss nicht sehr lange im Lauf. Das Gassystem wird hier in einem kurzen Zeitraum stark angetrieben. Bei der Unterschallvariante steht zwar, durch die geringere Pulvermenge, weniger Druck zur Verfügung, jedoch bewegt sich das schwerere Geschoss deutlich langsamer durch den Lauf und dient so über einen längeren Zeitraum als Stopfen, welcher das Gas im Lauf der Waffe zurückhält, bis das Geschoss als Projektil den Lauf der Waffe verlässt. Hier haben wir weniger Druck, welcher aber über einen längeren Zeitraum wirken kann. Die Leistung, im physikalischen Sinne von Leistung über Zeit, der beiden Liberierungen ist im Idealfall beinahe identisch. Zumindest auf dem Papier, in der Realität muss doch meist das Gassystem der Waffen verstellt werden.

Ein weiterer Vorteil selbst der leichten Geschosse der Überschallvarinate ist, dass dieses immer noch deutlich schwerer ist als zb. ein herkömmliches 5,56mm Geschoss. .300 Blackout besitzt eine deutlich bessere Leistung, wenn die Patrone in Waffen mit sehr kurzen Läufen, von 13 Inch oder weniger, verwendet wird, als die meisten 5,56x54mm Liberierungen, welche oft Probleme bei derart kurzen Läufen aufweisen.

Der große Nachteil der .300 Blackout sind jedoch die hohen Kosten pro Schuss bei der Unterschallmunition. Diese wird dadurch verursacht, dass die extra schweren Geschosse deutlich höhere Materialkosten verursachen, da die auch einiges an Belastung standhalten müssen. Auch gibt es das große Problem, dass .300 Blackout in die Kammern 5,56x45mm Waffen eingeführt und gezündet werden kann, was dann jedoch meist zur Zerstörung der Waffe führt.

Das weit in das innere der Brennkammer ragende Geschoss ist dem starken seitlichen, radialen, Druck der Pulvergase schutzlos ausgeliefert. Würde man hier ein herkömmliches günstiges Bleigeschoss mit einem nur millimeterdicken Tombakmantel einsetzen, würde dieser Druck den Bleikern des Geschosses, wie einen Pickel, aus seinem Mantel herausdrück. Die Folge wäre eine Zerstörung des Unterschallgeschosses noch in der Patronenkammer.

Nun anschließen noch die Frage, warum man nicht einfach die günstigeren Geschosse der herkömmlichen Überschallmunition in Unterschallhülsen verladen kann.

.300 Blackout

Kann man natürlich machen aber dann hat man zum einen wieder das Problem mit der Pulverwelle bei geringer Ladedichte und zum anderen, aller Wahrscheinlichkeit nach, keine Unterschallmunition, da das leichtere Geschoss von der selben Pulverladung deutlich stärker beschleunigt werden würde, als das schwere Geschoss, welche zu dieser Munition gehört. Was die automatische Funktion dieser Mischmunition angeht, sehe ich ebenfalls schwarz, da wir nun wenig Gas über einen geringeren Zeitraum reden, als bei einem schweren Geschoss.

So, ich hoffe ich konnte die Frage beantworten und anschaulich erklären, warum die .300 Blackout so besonders ist.


Ach übrigens, die 9x39 mm von VSS Vintorez und AS Val schafft diesen Spagat aktuell noch nicht, da mit Überschallmunition geladene AS Val wohl einfach explodieren.


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