Posts mit dem Label waffengeschichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label waffengeschichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

03 November 2024

Vom MG1 über das MG1A1 zum MG3 die Geschichte des Mehrzweckmaschinengewehrs bei der Bundeswehr

Sehr geehrte Damen und Herren, im heutigen Beitrag geht es um die doch sehr verworrene Geschichte des, auf dem MG42 basierenden, Mehrzweckmaschinengewehrs bei der Bundeswehr. Dabei sehen wir uns zunächst die verschiedenen Deutungen der Nomenklatur MG1 an, widmen uns aber so schnell wie möglich dem eindeutig definierten MG1A1. Anfangen müssen wir jedoch zunächst mit dem MG42.

MG42 beim Bundesgrenzschutz

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in der Bundes Republik Deutschland zwei bewaffnete militärische Formationen aufgestellt. Die erste war das Bundesgrenzschutz, welche vorwiegen die Aufgabe hatte, den Schmuggel zwischen der alliierten und der sowjetischen Besatzungszone zu unterbinden. Diese Truppe wurde vorwiegen aus Restbeständen der Wehrmacht ausgerüstet, darunter das MG42. Die zweite Formation war die Bundeswehr, welche mit us-amerikanischen Uniformen und Waffe ausgerüstet wurde. Der Hintergedanke dieser unterschiedlichen Uniformierung und Bewaffnung war, dass bei eventuellen Zusammenstößen an der Grenze mit Sowjettruppen der Grenzschutz einfacher von der Bundeswehr zu unterscheiden sein sollte. Eine Verwechslung von Grenzschutz und Bundeswehr, oder sogar der US-Armee, hätte in der Frühphase den Kalten Krieges fatale Folgen für die ganze Welt haben können.

MG1 beim Bundesgrenzschutz

Zunächst gab es mit dem MG42 keine Probleme, solange noch 7,92x57mm mit schwerem Spitzgeschoss aus Wehrmachtsbeständen in Stahlhülsen verschossen wurde. Als diese Munition zu neige ging und man auf neu produzierte und importierte Munition mit Messinghülsen umstieg, zeigte sich er erneut, der schon vom MG42 bekannte, Verschlussrückprall. Um diesen zu verhindern, liest man MG42 bei Rheinmetall mit Verschlusssperren nachrüsten. Diese hatten zwar die gleiche Aufgabe wie die Zwangsjacke, welche während des Zweiten Weltkrieges für das MG42 entwickelt wurde, unterschied sich jedoch in der äußeren Form. Derart abgehänderte Waffen erhielt die Bezeichnung MG1.

MG2 bei der Bundeswehr

Die Bundeswehr war mit teilen ihrer US-Bewaffnung unzufrieden, vor allem das schwere MG Browning M1919A6 wurde als zu umständlich erachtet. Viele Soldaten des Bundesgrenzschutzes, welche in die Bundeswehr übernommen wurde, verlangen nach dem MG42. Dieser Bitte wurde stattgegeben und so wurden einige MG1 vom Grenzschutz übernommen.

Das Problem war jedoch die nicht NATO konforme Patrone 7.92x57mm sS. Aus diesem Grund lies die Bundeswehr MG42 und Grenzschutz MG1 (MG42 mit Rückprallsperre) von Rheinmetall zu 7,62x51mm umrüsten und als MG2 einführen. Durch denen Patronen und Kaliberwechsel änderte sich die Kadenz der Waffe von theoretischen 1500 s/m auf 1300 s/m.

MG42/58

Als umrüstbare MG42 und Grenzschutz MG1 zu neige gingen, bestellte die Bundeswehr neue Waffen bei Rheinmetall. Dort hatte man schon kurz nach dem Krieg mit der Rückentwicklung des MG42 begonnen, welches man für den Export fertigen wollte. Die Pläne zu Produktion des MG42 waren verloren gegangen und die Maschinen zu dessen Herstellung waren von den Sowjet erbeutet und nach Jugoslawien verschickt worden. Die Entwickler bei Rheinmetall mussten die Waffe also teilweise neu erfinden. Dies gelang erst 1958, weswegen die Waffe intern als MG42/58 bezeichnet wurde.

MG1 bei der Bundeswehr

Die Bundeswehr führte das MG42/58 offiziell zunächst als MG1 ein, was jedoch zu Verwechslungen mit dem MG1 in 7,92 mm des Bundesgrenzschutzes führe. Zudem bezeichnete auch Rheinmetall die ersten Versionen des MG42/58 als MG1, so kommen folgende Verwendungen der Nomenklatur zustande:

  • Der Bundesgrenzschutz bezeichnet mit MG1, originale MG42
  • Rheinmetall bezeichnet mit MG1 neu gefertigte Waffen in 7,62mm (angeblich auch in 7,92mm)
  • Die Bundeswehr bezeichnet mit MG1 neu gefertigte Waffen in 7,62mm

MG1A1 bei der Bundewehr

Erst die Nomenklatur MG1A1 ist eindeutig und bezieht sich auf ein beim Rheinmetall neu gefertigtes MG in 7,62x51mm NATO und darauf angepasstem Visier.

MG1A2

Das MG1A2 gleicht dem MG1A1, ist jedoch auch für das Verwenden von modernen M13 Zerfallgurten geeignet.

MG1A3

Dieses Version den MG1A1 erhielt das erste mal die deutlich vereinfachte einteilige Gasstaudüse und ein verbessertes Zweibein.

MG1A4

Eine Version des MG1A3 für Fahrzeuge.

MG42/59

Als der Bedarf der Bundeswehr mit dem MG1A3 gesättigt war, bemühte man sich um den Export der Waffe. Als großes Hindernis erwies sich dabei die extrem hohe Kadenz der Waffe. Besonders Länder mit geringerem Militärbudget wiesen das MG42/58 immer wieder zurück. da zu hohe Munitionskosten befürchtet wurden.

Aus diesem Grund entschied man sich für ein System mit zwei verschiedenen Verschlüssen für die nächste Stufe der Waffe. Das MG42/59 konnte zum einen mit dem Verschluss-550 oder dem Verschluss-950 ausgerüstet werden. Dabei steht die Zahl hinter dem Wort Verschluss für die angepeilte Kadenz. Dabei benötigt der schwerere Verschluss-550 jedoch eine hydraulisch gepufferte Abfedereinrichtung im hinteren Teil des Waffengehäuses, welche mit dem Schaft entnommen werden kann. Zudem war das MG42/59 mit den meisten damals üblichen Patronengurten kompatibel.

MG3

Nach der Entwicklung eigener Patronengurte, namentlich dem DM-1 und DM-6, sowie einer Gurttrommel aus Plastik, sollte das MG1A3 entsprechend angepasst werden. Die Bundeswehr lehnte das neue Verschlusssystem des MG42/59 ab, sondern wollte die Kadenz von 1200 s/m beibehalten. Neu beim MG3 war jedoch eine Gurthaltekralle, welche einen frei herunterhängenden Patronengurt am herunterrutschen hindern sollte, sobald der Deckel geöffnet wurde. Auch wurde dem Deckel eine Lamellenbremse gegeben, welche seinerseits verhindern sollte, dass dem Schützen ein geöffneter Deckel mit voller Wucht auf die Finger fallen konnte.

Im Gegensatz zu Gerüchten innerhalb der Bundeswehr besitzt das MG3 keine NATO-Bremse. Die geringere Kadenz rührt vorwiegend vom Patronenwechsel her. Bei der angeblichen NATO-Bremse, handelt es sich um eine Rückprallsperre in Form einer Nachschlagmasse, welche schon in einigen MG3 aber in allen MG1A1 zu finden war.

MG3A1

MG3 optimiert für den Einsatz in Fahrzeugen.

MG3A1A1

MG3 optimiert für den Einsatz in automatischen Fahrzeugtürmen.

Italien, Beretta 42/59

MG42/59 produziert von Beretta in Italien mit einem Zwischenschritt zwischen Verschluss-550 und 950, welcher die Waffe auf 800 s/m bringt und keine extrem ausgeprägte Puffereinrichtung voraussetzt.

Österreich, MG74

Das MG74 Produziert von Steyr für das österreichische Bundesheer ist eine Abzweigung des deutschen MG3. Es unterscheidet sich vor allem durch eine andere Abzungsgruppe, welche das Abgeben von Einzelfeuer erlaubt. Die Waffe besitzt eine Kadenz von 850 s/m und ist oft an der grünen Lackierung der Schaftteile zu erkennen.

Schweden, Ksp m/94

Das in von deutschland gelieferten Leopard Panzern verbaute MG3 wird von Schweden als Ksp m/94 bezeichnet.

Grundlagen

  • Machine Gun, The Development of the Machine Gun from the Nineteenth Century to the Present Day von Maxim Popenker & Anthony G. Williams
  • Arbeiten zu Studium und Praxis im Bundesgrenzschutz: Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre von Wolfgang Pietzner
  • Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch von Rheinmetall GmbH, Dr. R. Germershausen
  • Waffenlehre für die Bundeswehr von Heinz Dathan
  • Handwaffen und Panzerabwehrwaffen der Bundeswehr - Geschichte, Taktik, Technik von Jan-Phillipp Weisswange
  • German Machineguns von Daniel D. Musgrave, Smith Hempstone Oliver
  • Full Circle, A Treatise on Roller Locking von R. Blake Stevens

24 September 2024

Geschichtsrevision im Bezug auf den SKS Karabiner

Willkommen alle zusammen, heute widmen wir uns leider erneut dem leidigen Thema der Geschichtsrevision, ergo der absichtlichen Verfälschung der Geschichte. Was für den Historiker der jüngeren Zeitgeschichte die Holochaustleugnung ist, das ist für den Kenner der Waffengeschichte die Verfälschung der Geschichte des AR-15 sowie des SKS.

Mit den Verzerrungen rund um das AR-15, haben wir uns bereits in einem anderen Beitrag beschäftigt, heute geht es um den SKS-Karabiner, in der DDR als Karabiner-S bezeichnet. Im Gegensatz zum AR-15 geht es den Sportschützen dieses Mal nicht darum eine Waffe als harmloser erscheinen zu lassen. Im Bezug auf den SKS geht es um nichts geringeres als sich Zugang zu einer Kriegswaffe zu erschleichen, indem dessen historischen Daten dreist einseitig umgeschrieben werden.

Hintergrund

Den Hintergrund bildet das Kriegswaffenkontrollgesetz, welches Sportschützen den Besitz von sogenannten Halbautomaten mit einer Hülsenlänge von unter 40 mm nur erlaubt, wenn die betreffende Waffe vor 1945 eingeführt wurde.

Geschichtsfälschung

Dies ist jedoch beim SKS-Karabiner nicht der Fall, da dieser erst 1949 zusammen mit der AK, dem RPD offiziell eingeführt wurde.

Die Basis der Erzählung, dass der SKS 1945 eingeführt worden sei sind Angaben in veralteter Fachliteratur, wo eine Erprobung des SKS-45 im Jahre 1945 zu einer offiziellen Einführung hochstilisiert wurde. Dabei kann nicht eindeutig bewiesen werden, dass diese Erprobung in der Form stattgefunden hat. Experten halten dies auch für äußerst unwahrscheinlich, wenn man sich die strenge Geheimhaltung rum und das sowjetische Kurzpatronenprojekt ansieht. Deutlich wahrscheinlicher sind begrenze Erprobungen des SKS-44 für die alte Gewehrpatrone 7,62 x 54 mm R.

Eine Erprobung, geschweige denn eine Einführung, des SKS in 7,62 x 39 mm ist alleine aus dem Grund nicht möglich, da die Patrone mit 39 mm langer Hülse frühestens 1947 zur Verfügung stand.

Ursache

Für diese Geschichtsverfälschung kommen zwei Ursachen in Betracht. Zum einen könnte es sich um ein Versehen handeln, da die Informationslage vor dem Fall des Eisernen Vorhanges, im Bezug auf Waffen, sehr dürftig war.

Zum anderen kommt aber auch in Frage, dass hier Sportschützen gezielt um das Kriegswaffenkontrollgesetz herumgelogen haben, um so Zugang zu einer bestimmten Waffen zu erhalten, welche ihnen sonst verboten wäre.

Historische empirisch Adäquate Darstellung

SKS in 7,62x39mm

Der SKS-Karabiner eingerichtet für die Patrone 7,62x39mm M43 wurde offiziell 1949 mit der GAU-Nummer 56-A-231 in die Sowjetarmee (bis 1946 Rote Armee) eingeführt. Nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz ist die für Sportschützen nicht zugänglich, da die durch ihre Hülsenlänge unter 40 mm sanktioniert wird, durch die Einführung nach 1945 wird diese Sanktion nicht aufgehoben. Auch die früheste theoretisch mögliche Einführung der Waffe liegt im Jahre 1947, da erst zu diesem Datum die Patrone 7,62x39mm existiert.

SKS-45 in 7,62x41mm

Der SKS-45 wurde nie offiziell eingeführt, er besitzt demnach keine GAU-Nummer. Wären SKS-45 auf dem Mark verfügbar, so wurden diese, wegen ihrer Hülsenlänge von über 40 mm nicht vom Kriegswaffenkontrollgesetz sanktioniert und wären für Sportschützen verfügbar.

Fazit

Den deutschen Sportschützen ist es im Bezug auf den SKS-Karabiner in 7,62x39mm gelungen sich durch das reine erfinden einer Einführung dieser Waffe, zu einem Zeitpunkt, zu welches es diese Waffe gar nicht gegeben haben kann, den Zugang zu einer Kriegswaffe zu erschleichen.

Quellen

  • The World's Assault Rifles von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson
  • Эволюция Стррелкового Оружия von Wladmimir Fjedorow
  • Kalaschnikow, Das Genie und sein Lebenswerk von Edward Clinton Ezell
  • Visier Spezial Nr.25 Kalaschnikow Der Konstrukteur und seine Waffe Vom AK 47 zum PK

Geschichtsrevision im Bezug auf das AR-15

Willkommen zu einem neuen Beitrag zum Thema Waffengeschichte beziehungsweise zu dunklen Seite der Geschichte und zwar der Geschichtsfälschung und wissenschaftlich korrekt dem Geschichtsrevisionismus oder umgangssprachlich der Geschichtsklitterung. 

In diesem Beitrag geht es darum, wie Sportschützen die Geschichte des AR-15 verbiegen, um diese Waffe, im angeblichen Gegensatz zum M16, als harmlos erscheinen zulassen. Aber sehen wir uns erstmal die Erzählungen im einzelnen an.

Im übrigen ist es wichtig, von Erzählungen zu sprechen und nicht von Theorien, da diese mit wissenschaftlichen Theorien nicht viel zu tun haben.

pre Populos Erzählung

Die schärfste Form der Geschichtsfälschung rund um das AR-15 ist die Behauptung, dass AR-15 Projekt habe von Anfang an einen zivilen Charakter gehabt und das M16 sein eine spätere Auskopplung aus diesem Programm. Dies ist jedoch nicht richtig, da die Entwicklung des AR-15 auf eine Anfrage des US-Militärs im Zuge des SCHV-Programms zurückgeht. Zudem waren schon die ersten Prototypen des AR-15 (XAR-15) schnellfeuerfähige Kriegswaffen.

Die Theorie (eigentlich eine reine Erzählung ohne wissenschaftlichen Anspruch) ist demnach zurückzuweisen.

silum Populos Erzählung

Die weniger scharfe Form der Leugnung des militärischen Ursprungs des AR-15 besagt, dass AR-15 und M16 zeitglich entwickelt wurden aber auch dies lässt sich anhand historischer Dokumente widerlegen, welche die Korrespondenz zwischen dem US-Militär und der Firma Armalite widergeben.

Da zwischen dem Start der Entwicklung des AR-15 1957 und der ersten zivilen Version der Waffe GX-4968 1963 sechs Jahre liegen, muss die Erzählung, dass zivile und militärische Modelle zeitgleich entwickelt wurden zurückgewiesen werden.

post Populos Theorie

Die Theorie, wobei es sich tatsächlich um eine wissenschaftliche Theorie handelt, gibt historisch nachvollziehbar an, dass erst nach dem militärischen Projekt eine zivile Version des AR-15 auf dem Markt angeboten wurde. Eine frühe zivile Version wurde als GX-4968 1963 von US Behörden geprüft und für den Zivilmarkt für geeignet befunden. Aufgrund dies Vietnamkrieges verzögerte sich jedoch die Herstellung von zivilen Waffen, so das erst 1964 mit dem Colt AR-15 SP1 Sporter, mit der internen Nummer R6000, auf den Mark kam.

Die bloße Aussage, dass nach den militärischen AR-15 Modellen auch zivile AR-15 Modelle angeboten wurden, ist demnach empirisch adäquat.

Begriffsverzerrung AR-15

Zum nachträglichen umschreiben den Geschichte des AR-15, kommt meinst noch eine nachträglich Begriffsverzerrung. So wird in der häufigsten Form der Erzählung behauptet, dass es sich beim AR-15 um eine rein zivile Waffe handelt soll, wohingegen das M16 die militärische Variante sei.

Die ist jedoch nicht richtig, da die ersten Versionen der Waffe auf ihren Gehäusen und in offiziellen Dokumenten als AR-15 bezeichnet werden. Dabei besitzen diese Waffe eine AUTO Einstellung an ihren Feuerwahlhebeln und werden in den Dokumenten als fully automatic (dt. vollautomatisch) oder select fire (dt. ~Wahlfeuer) beschrieben.

Die ersten AR-15 01 (Colt Model 601), welche in Vietnam eingesetzt wurden waren schnellfeuerfähig. Die später von der US-Luftwaffe als XM16 getestete AR-15 02 trägt noch die Bezeichnung AR-15 auf ihrem Gehäuse. Das gleiche gilt für das AR-15 03 der US-Armee, welches als XM16E1 eingeführt wurde, wie für das AR-15 04, welches die Luftwaffe als M16 führe. Auch das M16A1 führt noch die Beschriftung AR-15.

Waffen, welche Colt für andere Länder wie Singapur fertigte, tragen ebenfalls die Aufschrift AR-15 und wurden also solche vermarktet.

Demnach ist die Erzählung, nach der es sich beim AR-15 per se um eine zivile Version des M16 handelt als Geschichtsfälschung zurückzuweisen.

Ziel

Das Ziel der nachträglichen Änderung oder Umdeutung der Geschichte der Waffe ist, dass AR-15 als harmlosere Waffe darzustellen und von ihrem Ursprung als rein militärischen Projekt abzulenken. Damit soll Unkundigen der Eindruck vermittelt werden, dass das AR-15 harmloser sei als es ist.

Fazit

Viele Sportschützen lügen im Bezug auf die Geschichte des AR-15 und seiner Einführung als M16 und XM16E1, um die Waffe als harmloser darzustellen.

Quellen

  • The Black Rifle, M16 Retrospective von R. Blake Stevens & Edward C. Ezell
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart
  • The M16 von Gordon L. Rottman
  • The M16/AR15 Rifle A Shooter's Guide von Joe Poyer
  • Sturmgewehre der Welt Band III T -V von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16)
  • Visier Special Ausgabe 37 M16 & AR-15

24 Mai 2024

Die Geschichte der 7,92x57mm von der M88 bis zur schweren Spitzpatrone

7,92x57 s.S. (ganz links)
Willkommen zu einem Post zum Thema Waffenkunde oder in diesem Fall Munitionskunde. Es geht um die deutsche 7,92x57mm Patrone in ihrem einzelnen Entwicklungsschritten von der M88 bis zur schweren Spitzpatrone sS.

Schon ab 1870 wollte die Gewehrprüfkommission die damalige M71 Patrone (11 x 60 mm R) durch eine moderne Patrone mit kleinerem Kaliber ersetzen. Tests mit Bleigeschossen ergaben jedoch, dass es bei einem Kaliber unter 11 mm zu starken Bleiablagerungen in gezogenen Läufen kam. Auch Versuche mit Hartbleigeschossen, verlauten lediglich eine Reduzierung auf 9 mm. Erst eine Ummantelung der Geschosse ermöglichte ein Kaliber von 8 mm. Aus diesem Grund, entschied man sich für die Entwicklung einer Patrone mit 8 mm Geschoss. Damalige M71 Gewehre, sollten als M71/84 auf 8 mm Kaliber umgerüstet werden, als Hülse war zunächst eine eingezogene Version der 60 mm langen M71 Patrone geplant.

Der 8mm Lebel Schock

Die Franzosen, der damalige Erzfeind des deutschen Kaiserreiches, führte 1884 mit dem Poudre B erstmal rauchschwaches Pulver in einer Infanteriepatrone ein, welche die Leistung enorm steigerte. Als die Waffe im deutschen Kaiserreich bekannt wurde, war dies ein Schock für das damalige Militär und man verlange sofort die Entwicklung einer ebenbürtigen deutschen Waffe für rauchschwaches Pulver.

M88 Patrone

Die Folge des Lebel Schocks war eine viel zu hastige Entwicklung einer eigenen Patrone. Man verwendete das Kaliber 8 mm, da man dieses zuvor für das geplante M71/84 getestet hatte. Zudem verwendete man eine randlose Hülse aus der Schweiz, welche nach ihrem Entwickler Rubin-Hülse genannt wurde. Als Geschoss wählte man ein langes Rundkopfgeschoss mit großer Masse. Der Grund war die damalige Ansicht, dass ein Geschoss eine möglichst große Querschnittsbelastung aufweisen sollte, um die nötige Stoppkraft gegen die Pferde der Kavallerie zu besitzen.

Das Geschoss sollte im Gegensatz zur M71 eine reine Pressführung erhalten, dabei besitzt ein Geschoss ein Leicht größeres Kaliber als der Lauf der Waffe. Durch das Einpressen in die Züge und Felder wird das Geschoss verformt und erhält so seine Führung. Das M71 hingegen besaß eine Stauchführung, dabei besaß das Geschoss ein mit dem Lauf identisches Kaliber, es wurde jedoch aufgrund seiner länglichen Form und seines Beharrungsvermögens gestaucht und so in die Züge und Felder des Laufes eingepresst.

Die passende Waffen wurde von einer Kommission aus verschiedenen deutschen Waffenentwicklern unter der Oberaufsicht der Gewehrprüfkommission entwickelt. Das Ergebnis wurde das Gewehr Modell 1888 (G88) auch Kommissionsgewehr genannt.

M88 .*. Patrone und *-Patrone

Aufgrund der überhasteten Einführung, ergaben sich immer wieder Probleme. Das erste Problem war ein zu kleiner Geschossraum. Beim setzen der Geschosse, während der Produktion oder dem Wiederladen, konnte sich der Hülsenmund weiten und reißen. Abhilfe schuf die .*.-Patrone (Punkt-Astrix-Punkt) mit erweitertem Geschossraum. Patronen mit nachträglich erweitertem Geschossraum erhielt die Bezeichnung *-Patrone (Astsrix Patrone).

M88 n/A Patrone

Auch der erweiterte Geschossraum führte nicht auf Dauer zur Lösung des Problems, denn auch hier zeigten oft sich feine Risse. Die Lösung bestand in dem Glühen des Hülsenmundes. Durch diese Methode, konnte der Geschossraum sogar wieder die ursprünglichen Maße der M88 bekommen. Die Patrone mit geglühter Hülse erhielt die Bezeichnung Patrone M88 n/A (neue Art).

M88 n/A Pulver 436

Das ursprüngliche Pulver der M88, welches Essigäther als Geliermittel verwendete, hatte die schlechte Eigenschaft sich nach langer Lagerung zu verschärfen. Überlagerte Patrone hatten demnach nicht übliche die Eigenschaft, über Zeit an Gasdruck zu verlieren, sondern zu gewinnen. Da dies durchaus gefährlich sein konnte, änderte man das Pulver zum Pulver 436, welches Schwefeläther als Geliermittel verwendete.

M88/E Einheitspatrone

Als erste Versuche mit im Ausland gekauften Maxim Maschinengewehren durchgeführt wurden, wurden einige dieser Waffen auf die deutsche M88 n/A Patrone umgerüstet. Dabei stellte sich heraus, dass immer wieder zu Abrissen der Hülsenböden kam. Um das Problem zu beheben, wurde die Gewehrprüfkommission damit beauftragt eine Einheitspatrone für Repetiergewehre und Maschinengewehre zu schaffen. Das Ergebnis war 1901 die Einführung der M88/E mit 71/28 Messinglegierung, welche den Belastungen bei der Selbstladefunktion der Maschinengewehre standhielt.

Belastung der Läufe (Militär)

Aufgrund der hektischen Einführung der Patrone, hatte man beim Geschoss vor allem auf eine große Querschnittsbelastung wert gelegt. Das Resultat war ein sehr langes und schweres Rundkopfgeschoss. Zudem hatte man vergessen, neben der gewünschten Pressführung auch die Tauchführung zu berechnen. Das Lange Rundkopfgeschoss stauchte sich wie das M71 Geschoss und nahm so im erstrebten Kaliber deutlich zu. Ergebnis war eine starke Belastung der Gewehrläufe und ein entsprechend schneller verschleißt der Züge und Felder. Dieses Problem wurde 1896 adHoc durch das schneiden tieferer Züge behoben.

Mangelnde Präzision (Jagd)

Ab 1890 wurde die Patrone M88 auch für die Jagd verwendet. Dort stellte sich die Präzision der M88 jedoch als ungenügend heraus. Büchsenmacher, wählten als Lösung ein neues deutlich engeres Laufprofil. Damit ging man im zivilen Bereich den genau umgekehrten Weg. M88 Patronen konnten, zu diesem Zeitpunkt, sowohl aus weiteren Militär, als auch aus engeren Jagdbüchen verschossen werden.

S-Patrone

Unzufrieden mit der M88/E arbeitete die Gewehrprüfkommission ab 1898 an einem besseren Geschoss. Hauptverantwortliche war eine Gruppe um den Hauptmann Thorbeck, dieser erstellte eine Vielzahl an Geschossen, welche alle mit einem Buchstaben, für die Geschossform, und einer fortlaufenden Nummer bezeichnet wurden. In umfangreichen Tests stellte sich das S-2 Geschoss (Spitz No.2) als das beste heraus. Ein kurzes Spitzgeschoss mit geradem Heck und 9,8 g Gewicht. Das lange schwere S-4, welches deutliche Ähnlichkeiten zum späteren sS-Geschoss hatte, wurde als zu langsam und zu teuer in der Fertigung abgelehnt.

Das S-2 hatte einen deutlich kürzeren Führungsteil sowie eine deutlich geringere Querschnittsbelastung, als das M88 Geschoss. Das S-2 neigte es dazu, im Ziel zu taumeln oder sogar dazu sich zu überschlagen. Damit würde ihm eine gute Stoppwirkung, auch gegen Pferde, attestiert. Zudem wurde seine Durchschlagskraft gelobt. Eine Eigenschaft, der zu diesem Zeitpunkt größere Bedeutung beigemessen wurde als noch 1888.

Aufgrund seiner kurzen Bauweise wurde das S-2 Geschoss, im Gegensatz zum M88, kaum noch im Lauf getaucht und besaß wirklich eine reine Pressführung. Was eigentlich ein Vorteil hätte sein können, erweis sich als Nachteil, denn bereits zehntausende Waffen G88 und G98 waren mit tieferen Zügen ausgestattet worden, um M88 Geschosse mit kombinierten Press- und Stauchführung verschießen zu können. Um aus diesen Waffen verschossen werden zu können, erhielt das S-2 ein mit 8,22 mm um 0,2 mm größeres Geschosskaliber. Um das S-2, später vereinfacht nur noch S-Geschoss, verladen zu können, müssten die M88/E Hülsen einen weiteren Mund bekommen. Die geänderten Hülsen würde als S-Hülsen bezeichnet.

Die Kaliberänderung verlange ein Umändern der Waffen. Dazu wurden die Patronenlager von G88 und G98 mit Speziellen Reibahlen auf das neue Maß gerieben. In nicht geänderte G88 und G98 konnte die neue S-Patrone nur mit Gewalt eingeführt werden, gelang dies, könnte die Patrone jedoch gefahrlos verschossen werden. Geänderte G88 erhielten die Beziehung G88S, geänderte G98 sind daran zu erkennen dass deren Lange-Visier bei 400 Metern beginnt, zuvor waren es 200 Meter. Geänderte G88 und G98 können die alte M88 Patrone verschießen, beim Zielen muss jedoch eine um 300 Meter höhere Einstellung verwendet werden.

Zudem wurde ein nun zweibasiges Pulver mit der Bezeichnung 682b verladen, welches deutlich mehr Leistung brachte. Im Zuge der Entwicklung, wurde es später vereinfacht S-Pulver genannt. Dieses besaß einen höheren mittleren Gasdruck, jedoch einen geringeren maximalen Gasdruck (Pmax).

Die S-Patrone wurde auf drängen Kaiser Wilhelms II im geheimen 1903 eingeführt. Erst 1905 geschah dies öffentlich. Mit der Einführung der S-Patrone erscheint das erste mal das Nennkaliber 7,92x57mm, um Verwechslungen mit französischen 8 mm Lebel Beutewaffen zu vermeiden.

SmK-Patrone

Zur Bekämpfung von Schützenschilden und Flugzeugen, wurde während des Ersten Weltkrieges eine Spezialpatrone mit der Bezeichnung Spitz mit Kern, kurz S.m.K., eingeführt. Diese besaß einen gehärteten Stahlkern, ein Gewicht von 11,5g und ein Torpedoheck. Zudem war es deutlich länger als das S-Geschoss der S-Patrone.

Inkompatibilität mit der M88 Jagd

Aufgrund des größeren Kalibers des S-2 Geschosses der S-Patrone ergeben sich erhebliche Probleme, wenn diese aus einer Jagdwaffe mit engeren Zügen verschossen wird. Dieses Problem trat das erste mal zu tage, als im Ersten Weltkrieg, zivile Jagdgewehre an Scharfschützen ausgegeben wurden. Diese enggezogenen Waffen durften nicht mit der S-Patrone, sondern nur mit der M88/E oder älter geladen werden. Aus Sicherheitsgründen, wurden an entsprechenden Waffen Plaketten angebracht, welche vor der Verwendung von S-Munition warnten.

sS Patrone

Schon während des ersten Weltkrieges, wurde ab August 1918 auch eine Patrone mit 12,8 schwerem Geschoss verwendet. Jedoch kam diese nur in schweren Maschinengewehren zum Einsatz, um deren Reichweite zu erhöhen. Das schwere Spitz-Geschoss, kurz sS, besaß zwar, wie das S-4 der Thorbeck-Gruppe, eine geringere Mündungsgeschwindigkeit, jedoch ab 400 Meter eine größere Endgeschwindigkeit als das S-Geschoss. Es war zudem deutlich länger und besaß ein Torpedoheck.

Nach Kriegsende verwendete die Reichwehr der Weimarer Republik sS-Patronen ausschließlich für Maschinengewehre und S-Patronen für Gewehre und Karabiner, was die Logistik erschwerte.

1924 unternahmen die Tschechen erste Versuche mit schweren Geschossen in Infanteriegewehren und verkürzten Universalgewehren. Dabei stellte sich heraus, dass das Universalgewehr vz.24 mit schwerem Geschoss nicht mehr so stark an grellem Mündungsfeuer und lautem Mündungsknall litt, wie bei Verwendung des S-Geschosses. Die Folge war, das viele Staaten nun Mausergewehre mit mittlerer Länge den langen Infanteriegewehren vorzugen. Es worden nun sogar deutlich kürzere Waffen wie der vz.33 (später G98/29) möglich.

Nach der Machtergreifung in Deutschland und im Zuge der Widerbewaffnung, wurde zunächst 1934 die Produktion der S-Patrone gestoppt. Vorhandene Vorräte wurden zum Übungsschießen verwendet. 1935 wurde mit dem Kar98k ein Universalgewehr für die sS-Patrone eingeführt.

Bezeichnungen I und IS

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg wurde die Anzahl an Kriegswaffen im Deutschen Reich deutlich begrenzt. Der private Besitz von Waffen für Militärpatronen wurde verboten. So verschwanden Jagdwaffen für die M88 offiziell aus dem privatem Besitz. Erst als sich ab 1933 die Situation änderte, tauchten diese wieder auf und wurden zur Jagd verwendet.

Zudem brachten einige Waffenhersteller Modelle auf den Markt, welche für die S-Patrone eingerichtet waren, wie den Sauer K18 von Sauer und Sohn. Das Problem bestand nun darin, dass die alten Waffen für die M88 Patrone und die neuen für die S-Patrone auf dem Papier mit 7,92x57mm die gleiche Patrone verschossen, jedoch zu einander inkompatibel waren. Der Grund dafür waren die engeren Züge vielen ziviler Jagdwaffen, im Vergleich zu den erweiterten Zügen militärischer M88 und S-Patronen Waffen.

Im besten Fall lies sich eine S-Patrone nicht gewaltlos in das Patronenlager einer M88 Jagdbüchse einführen. Im schlechtesten Fall konnte die S-Patrone zwar eingeführt und sogar geründet werden. Folge war meist eine Waffensprengung. Ursache dafür war meist eine Kombination aus dem größeren Kaliber der S-Patrone, dem engeren Laufprofil der M88 Jagdbüchsen und dem Leistungsfähigeren 682b Pulver der S-Patrone.

Um Unfälle zu vermeiden, wurde 1939 eine Normierungsorder herausgegeben, welche die jagdlich modifizierte M88 Patrone und ihre Büchsen unter der Zeichnung I (Infanterie) zusammenfasste. Auf der anderen Seite wurden Patronen und Büchsen für S- und sS-Patrone als IS (Infanterie Spitz) zusammengefasst.

Grund war auch, dass selbst 1939 bei Kriegsbeginn noch zivile Jagdgewehre von Scharfschützen verwendet wurden und eine Unterscheidung zwischen der modifizierten M88 und der sS-Patrone dringet nötig war.

Falschbezeichnung 8x57 mm Jagd Stark

Nach der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg, gelangen eine Menge Waffen für die Patrone 7,92x57mm sS in die Hände der US-Amerikaner, welche die Waffen ausgiebig analysierten. Dabei wurde die Waffen nicht als 7,92 mm, sondern als 8mm klassifiziert. Da in den USA, das Kaliber nicht nach dem Feld-Feld, sondern dem Zug-Zug-Kaliber gemessen wird, ergaben sich anderen Messwerte. Nach eine Abrundung wurde das Kaliber als 8 mm Mauser bezeichnet, obwohl Mauser mit der Entwicklung der Patrone nichts zu tun hatte.

Da den meisten Amerikanern die damals in deutschen Dokumenten verwendete Frakturschrift unbekannt war, wurde das (I für Infanterie) als J gelesen und entsprechend eingetragen. Dies führte zu den falschen Bezeichnungen J und JS. Laien behaupten oft, das J würde dabei für das Wort Jagd stehen.

Für Anfänger existiert eine immer wieder angebotene Eselsbrücke, bei welcher das S bei IS fälschlicherweise als stark denn als spitz gelesen wird. Auf diese Weise soll sich der Laie, den Unterschied durch das größere Kaliber der IS besser merken können. Aus diesem Grund, hört man bei Laien häufig die Behauptung, IS/JS stände für Infanterie stark/Jagd stark. Dabei handelt es sich jedoch um Irrtum, den selbst jagdliche Fachliteratur wie Alles über Munition für Jagdwaffen in Theorie und Praxis von Wolfgang Rausch bezeichnet Auf Seite 25 die S-Patrone als Spitz. Auch im Waffenrecht findet sich der Ausdruck stark nicht, so wird im Standardwerk Waffenrecht Band 2: Waffenkunde, Munitionskunde von Andreé Busche IS als Infanterie Spitz erklärt.

Es handelt sich demnach um eine weitere war gewordene Eselsbrücke.

Grundlagen:

  • Mauser Military Rifles von Niel Grant
  • Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945 von Hans-Dieter Götz
  • Mauser Rifles Vol. 1 1870-1918 von Luc Guillou
  • Mauser Rifles Vol. 2 1918-1945 von Luc Guillou
  • Waffensammeln Waffen-Technik 1/87 Karabiner 98 K unter Christian Schönfeld
  • Die Handwaffen des brandenburgisch-preußischen Heeres 1640-1945 von Werner Eckhardt & Otto Morawietz
  • Patronen des 20. Jahrhunderts von J. Lenselink, H.E. Wanting, W.D. de Hek
  • Gewehr & Karabiner 98, Die Schußwaffen 98 des deutschen Reichsheeres von 1898 bis 1918 von Dieter Stolz
  • Mauser Bolt Rifles von Ludwig Olsen
  • Waffen Revue Nr.1 Juni 1971 unter Karl R. Pawlas
  • Alles über Munition für Jagdwaffen in Theorie und Praxis von Wolfgang Rausch
  • Visier Special Ausgabe 56 Repetierfamilie System 98 unter Matthias S. Reckenwald

08 Mai 2024

AK-47 und SKS-45 wurden für 7,62x41mm und nicht für 7,62x39mm entwickelt, eine Quellensammlung

In diesem Post mal wolltet ihr wissen, ob AK-47 und SKS-45 wirklich für die Patrone 7,62x41mm entwickelt wurden und nicht für 7,62x39mm, wie man immer wieder von Unkundigen hört und ob ich denn mal einige Quellen zusammentragen kann.

Natürlich wurde die AK-47 für 7,62x41mm entwickelt, denn die 7,62x39mm existiert erst seit dem Jahreswechsel 1947/1948 und auch eine Quellensammlung kann ich gerne beibringen.

Ihr findet die 7,62x41mm in folgenden Fachbüchern und Sekundärliteratur:

  • In Kalaschnikow, Das Genie und sein Lebenswerk von Edward Clinton Ezell auf Seite 138 findet sich die AK-47 No.1 in 7,62x41mm. Eine Beschreibung der Patrone findet sich auf Seite 287.* 
  • Im Visier Special 25 mit dem Titel Kalaschnikow Der Konstrukteur und seine Waffe Vom AK 47 zum PK findet man die Patrone auf der Seite 15 die AK-47 für 41mm Patronen und auf Seite 28 die Patrone selbst.
  • In Sturmgewehre der Welt Band III steht auf Seite 95 "Die sowjetische Patrone M 43 war ursprünglich im Kaliber 7,62 x 41 mm entwickelt worden. Sie wurde im Jahr 1947 durch die Patrone 7,62 x 39 mm ersetzt."
  • Selbst in Sturmgewehr 44 Vorgänger, Entwicklung und Fertigung der revolutionärsten Infanteriewaffe von Dieter Handrich findet man die Patrone auf der Seite 91.
  • Im Gesamtwerk The World's Assault Rifles, findet sich ab der Seite 1723*² eine genau Beschreibung der Patrone auf der Seite 1729 findet sich dann die AK-47 No.3 in der Patrone mit 41mm.
  • In Оружие Калашникова von Alexei Nedelin  finden wir auf Seite 37 die AK-47 No.1.
  • In История автомата в СССР и России findet wir auf Seite 29 beide Patronen im Vergleich.

* Glücklicherweise stellt der DWJ-Verlag einige Seiten des Bucher als Vorschau zur Verfügung. Hier kann man die Seite 131 betrachten, auf welcher allerdings die AK-46 zu sehen ist.

*² Für Leute, welche die E-Book Ausgabe des Werkes gekauft haben, findet sich hier ein Link auf die Seite 1723 und hier die Seite 1729.

Besuch der Webseiten auf eigene Gefahr.

15 Dezember 2022

Warum haben die US Delta-Force und Ranger in Mogadischu nicht den M4 Karabiner benutzt?

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag in Form der Beantwortung einer kleinen Frage:

Wenn der M4 Karabiner aus 1987 stammt, warum  haben dann die US-Ranger und die US Delta-Force dann CAR-15 benutzt?

Die Frage zu beantworten, warum etwas in der Geschichte gerade nicht passiert ist, ist immer etwas schwierig aber man kann sich der Antwort annähern. Was wir wissen ist, dass das XM4-Programm 1983 aufgelegt wurde und 1985 zu den ersten 40 realexistierenden Waffen führte. Diese heißen XM4 und trugen meist die Colt-Modellnummer 970. 1987 wurde eine leicht veränderte Version dann offiziell als M4 eingeführt, Colt-Modellnummer M777.

Aber nur weil etwas offiziell eingeführt wurde, heißt dies nicht, dass sofort alle Soldaten damit ausgerüstet wurden. Denn leider blockierte der US-Kongress die nötigen Gelder für die ordonanzmäßige Beschaffung großer Zahlen von M4 Karabinern. Außer den 40 XM4 und 892 M4, welche für Tests gekauft wurden, befanden sich keine M4 bei den US-Streitkräften.

Wie das bei Spezialeinheiten so üblich ist, waren Ranger und Delta jedoch nicht darauf angewiesen, ob eine Waffe offiziell beschafft wurde oder nicht, diese sind in der Wahl ihrer Ausrüstung sehr frei und können Waffen auf dem freien Markt kaufen.

Warum kauften aber die Ranger den M727 und die Delta den M723 und keine M4 Karabiner (M777) von Colt? Hier muss man jetzt anfangen zu vermuten. Eine Vermutung ist, dass Colt wegen des geplatzten Auftragen natürlich keine für den M4 eingerichteten Maschinen bereit hatte, da man aber ohnehin M727 und M723 produzierte, war es wahrscheinlich einfach günstiger und schneller für Ranger und Delta, Waffen zu kaufen, die Colt im aktuellen Programm hatte.

Ebenfalls kann vermutet werden, dass die Spezialeinheiten Dauerfeuer bei M727 und M723, dem mechanisierten 3-Schuss-Feuerstoß beim M4, vorzogen. Da Einheiten wie Ranger und Delta vermehrt in kleinen Gruppen operieren, ist Dauerfeuer von Vorteil, wenn man als kleine Gruppe für kurze Zeit eine Feuerüberlegenheit  gegenüber einem zahlenmäßig überlegenen Gegner herstellen will. Zum Beispiel um einen Kontantabbruch zu erzwingen.

Es ist leider nicht bekommt, was mit den 892 M4 Karabinern in der Zwischenzeit passiert ist. Ob Ranger und Delta überhaupt Zugriff auf diese hatten. Was man jedoch vermuten kann ist dass, wären diese eingesetzt worden, hätte man sicher früher oder später Probleme mit Ersatzteilen für diese bekommen.

Meine Antwort lautet also:

M4 waren nicht so schnell verfügbar wie CAR-15 und hatten kein, bei Spezialeinheiten beliebteres, Dauerfeuer.

Dies genau zu belegen ist allerdings schwierig. Danke für die Frage.

Quellen:

  • Weapon Band 77 The M4 Carbine Chris von McNab,2021
  • Weapon Band 14 The M16 von Gordon L. Rottman, 2011
  • The Black Rifle, M16 RetrospectivevonR. Blake Stevens & Edward C. Ezell, 1992

28 November 2022

Warum die Geschichte des M4 Karabiners so verwirrend ist

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Post zum Thema Waffenkunde und zwar genauer gesagt zur Waffengeschichte.

Es geht um das CAR-15, wer gut genug informiert ist weiß, dass sich der Terminus CAR-15 nicht auf eine einzelne Waffe bezieht, sondern auf eine ganze Gruppe. Kurz gesagt hat die Firma Colt, kurz nach dem Erhalt der AR-15 Lizenz von ArmaLite, eine ganze Produktpalette an Waffen angeboten. Dies ist auch sinnvoll, denn so könnte ein militärischer Kunde seine ganze Armee mit sehr ähnlichen Waffen ausrüsten und so Ersatzteile und Ausbildungskosten sparen.

Nur leider war aus diesem CAR-15 Sortiment, neben der CAR-15 Rifle (beim der US-Armee XM16E1), nur eine Waffe wirklich erfolgreich. Und zwar die CAR-15 SMG, dabei halterte es sich jedoch nur den Abmessungen nach um eine Maschinenpistole, gekammert war die Waffe nach wie vor für 5,56x45mm M193. Intern trägt dieses Modell die Nummer 607 und wurde probeweise als als GX-5857 eingeführt. Aber auch mit diesem Modell gab es Probleme und so wurde mit dem Modell 610 eine stark verbesserte Form angeboten, welche von der Luftwaffe als XM177 erst getestet und dann als GAU-5/A offiziell eingeführt wurde.

Bis auf die merkwürdige Bezeichnung der US-Luftwaffe mit ihren Sonderzeichen, ist das auch nicht weiter ungewöhnliches. Aber jetzt kommt die Armee und besteht auf ihre Extrawurst in Form einer Schließhilfe. So entsteht das Modell 609 welches von der US-Armee als XM177E1 (Echo One) getestet wird. Da sowohl Armee als auch Luftwaffe gerne das Colt XM148 Gartengerät anbringen würden, werden die Waffen nochmal überarbeitet und mit einem leicht verlängerten Lauf ausgerüstet. Das Modell 630 wird bei der Luftwaffe zum GAU-5A/A und das Modell 629 bei der Armee zum XM177E2 (Echo Two). Zu allem Überfluss entscheidet die Marketingabteilung bei Colt, die uns später noch mehr Probleme bereiten wird, die Waffen jetzt nicht mehr als SMG, sondern als Commando zu vermarkten.

Es sind diese fünf Waffen, an die man denkt, wenn man CAR-15 im Kontext des Vietnamkrieges verwendet.

Es ist kein Wunder, dass dem bei diesen sehr ähnlichen Modellen, dem ein oder anderen die Übersicht verloren geht, weswegen einige Beobachter die kurzen AR-15 Modelle alle kollektiv als CAR-15 bezeichnen. Auch wenn es sich komisch anhört, der eigentlich Cluster-Fuu kommt erst noch.

Nach dem Ende dies Vietnamkrieges wird es noch einmal unübersichtlicher, denn die US-Armee entscheidet, dass die kurzen AR-15 nicht länger von Nutzen seien und gibt diese an die US-Luftwaffe ab. Bei dieser herrscht darauf hin ein totales Chaos an verschiedenen Modellen, dessen Teile zu allem Überfluss auch noch wild untereinander gemischt werden, wenn mal eine Waffe ausfällt und für Ersatzteile ausschlachtet wird.

Als immer mehr von den, an den Waffen angebrachten, Halbschalldämpfern ausfallen, ersetzt man diese bei der US-Luftwaffe mit gewöhnlichen Mündungsfeuerdämpfern. Der darauf hin auftretende enorme Mündungsknall macht jedoch Probleme. Die Waffen werden mit verlängerten Läufen ausgerüstet, welche die Commandos wieder in etwa auf die Länge des CAR-15 Carbine (Modell 605) bringen. Die Waffen mit den längeren Läufen werden kollektiv als GAU-5/P bezeichnet.

Die Leistung dieser von der US-Luftwaffe geschaffenen Waffen wird als gut betrachtet und als SMGs und Commandos ausgehen, welche man umbauen könnte, bestellt man fertige Waffen bei Colt, welche intern als Modell 653 bezeichnet werden.

Die Marketingabteilung von Colt beschließt darauf hin, das Modell 653 eigenmächtig als M16A1 Carbine zu bezeichnen und der US-Armee anzubieten, diese lehnt jedoch ab und ein M16A1 Carbine wird niemals offiziell eingeführt. CAR-15 als Bezeichnung für diese Modelle ist zunächst nicht üblich, da man damit nach wie vor die sehr kurzen SMG- und Commando-Modelle bezeichnet.

Quasi die Wiedergeburt der Bezeichnung CAR-15 kommt erst mit der Einführung der NATO-Patrone SS-109 beziehungsweise der US-Version M855. Das schwerere Geschoss, verlieht Waffen mit kürzeren Läufen eine bessere Leistung, als noch das leichte Geschoss der M193.

Als erstes macht die US-Luftwaffe diese Entdeckung, welche ihre verbastelten GAU-5/P mit neuen Läufen ausgestattet hatte, die eine zum neuen Geschoss passende Drallsteigung aufwiesen. Die nun als GUU-5/P bezeichneten Waffen erfreuten sich bald großer Beliebtheit.

Nun kommt es zum erwähnten Cluser-Fuu, denn es passieren nun sehr viele Dinge entweder gleichzeitig miteinander oder unabhängig voneinander. Der Übersicht halber, teile ich die Ereignisse in fünf Sparten, diese Sparten haben sich ohne Zweifel gegenseitig stark beeinflusst, es ist aber nicht klar wann, wie und warum.

Sparte I - Das XM4 Programm

Das während des Vietnamkrieges entwickelte Granatgerät M203 in Kombination mit dem M16A1 war einer feuerstärksten und vielseitigsten Waffensysteme im Arsenal der US-Marines aber es hatte den Nachteil sehr schwer zu sein. Als die US-Marines das schwerere M16A2 einführten, wurden Bedenken laut, dass die neue Kombination zu schwer für den einzelnen Soldaten sein könnte. Man überlegte M203 Grantgeräte nur zusammen mit einer verkürzten Version des M16A2 auszugeben, um den einzelnen Soldaten nicht zu überlasten.

1983 wurde bei der US-Armee ein Programm mit dem Namen High Technology Motorized Division aufgelegt, dieses sollte zu einem neues schnellen Einsatzkonzept für motorisierte und mechanisierte Infanterie führen. Das Problem war jedoch, dass das M16A1 beim schnellen absitzen aus Schützenpanzern hinderlich war. Also suchte man nach einer kompakteren Waffe für diese Aufgabe.

Um keine Inkompatibilitäten oder einer unnötige Doppelentwicklung innerhalb der US-Streitkräfte zu haben. wurde beschlossen einen einheitlichen Karabiner für alle Teilstreitkräfte zu schaffen. Dieser Entschluss fällt 1984. Ein Jahr drauf im Jahr 1985 beginnt die Entwicklung des XM4. Die US-Armee wird sich jedoch aus der Entwicklung zurückziehen und so dauert es bis 1987 bis der XM4 zum M4 wird. Dieser hat jedoch noch nicht alle heute bekannten Merkmale und wird auch nicht in größeren Stückzahlen beschafft, da der US-Kongress entsprechende Gelder nicht freigibt. 

So dauert es bis 1994 also fast zehn Jahre, bis der M4 Karabiner eingeführt wird, wie wir ihn heute kennen. Grund dafür ist die zwischenzeitliche Einstellung der Beteiligung der US-Streitkräfte und der damit verbundenen Fördergelder. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Colt den M4 in  der Zwischenzeit auf eigenen Kosten weiterentwickelt hat.

Als gesichert gilt, dass das heutige M4-Laufprofil mit der Delle für die Aufnahme des M203 Grantgerätes aus diesem Programm stammt. XM4 tragen in der Regel die Modellnummer 720 weisen aber extrem unterschiedliche Eigenschaften auf. Die als M4 früh bezeichneten M4 tragen die Modellnummer 777.

Sparte II -  Die C8 Entwicklung

In etwas zur gleichen Zeit, also kurz nach der Einführung der SS-109 Nato Patrone, drückt die kanadische Armee den Wunsch aus, neben ihrem C7 Gewehr, auch eine Karabinerversion einzuführen. Bei Colt, in den USA, wird darauf mit dem Modell 725 eine Waffe entwickelt, welche dann von der kanadischen Firma Diemaco gefertigt und bei den kanadischen Streitkräften als C8 eingeführt wird. Später werden mit der C8A1 auch eine Version mit Zubehörschiene auf dem Rücken entwickelt. Unbekannt ist das Maß, in dem sich C8 und XM4 Entwicklung gegenseitig beeinflusst haben.

Als gesichert gilt, das dabei kanadisches Know-How nach Colt geflossen ist, darunter auch Wissen über die Verwendung einer Adapterschiene auf dem Gehäuserücken der Waffen. Dabei handelte es sich jedoch bei C7A1 und C8A1 um Waver-Schienen und noch nicht um 1913-Rails.

Sparte III - Die Kommerziellen CAR-15

Auch Colt konnte die Einführung der SS-109 NATO-Patrone nicht ignorieren und versuchte das kommerzielle Angebot so schnell es geht, auf die neue Patrone umzustellen, um möglichste viele NATO-Länder als Kunden anzusprechen. Diese Pläne mussten jedoch verschoben werden, da Colt vor allem mit dem sehr anspruchsvollen M16A1E1-Programm der US-Marines beschäftigt war. Dieses Programm zog das komplette Konzept des AR-15 Gewehrs auf links und führte 1982 zur Einführung des M16A2.

Erst danach konnte Colt das nötige Personal einsetzen, um eigene neue Produkte zu schaffen. Eines davon war mit dem Modell 723 eine Waffe mit starken Ähnlichkeiten zu den GUU-5/P der US-Luftwaffe. Dieses Modell besaß jedoch noch das alte Visier in Form des M16A1. Eine Version mit dem neuen aufwändigeren Visier des M16A2 wurde zum Modell 727.

Besonders diese beiden Modelle erfreuten sich bei US-Spezialeinheiten aller Teilstreitkräfte großer Beliebtheit. Berühmtheit erlangten diese Waffen nach der Schlacht von Mogadischu, wo das Modell 727 von den US-Army-Rangern verwendet wurde. Dagegen bevorzugten die, ebenfalls in Mogadischu eingesetzten, Delta-Force das Modell 723, da man das A2-Visiser für eine kurze Waffe als unnötig erachtete.

Zu den Karabiner Versionen mit ihren 14,5 Inch langen Läufen wurden auch zwei entsprechende Commando Versionen mit 11,5 Inch Läufen von Colt angeboten und angenommen. Bei den Rangern war dies das Modell 735 Mit A2 und bei der Delta-Force das Modell 733 mit A1 Visier.

Um nicht mit den schwer zu merkenden Modellnummern jonglieren zu müssen, werden den Modellen meist Spitznamen gegeben. Ranger Carbine(727), Ranger Commando(735), Delta Carbine(733), Delta Commando(723), Mogadishu Carbine(727) und Mogadishu Commando(735). 

Die Marketingabteilung von Colt hingegen entschloss sich, die Waffen als M16A2 Carbine zu vermarkten und auch der US-Regierung anzubieten, diese zeigte jedoch kein Interesse. Der Grund dürfte gewesen sein, dass ja mit dem M4 eine beinahe identische Waffe vorhanden war. Das Modell 727 wurde als Government Carbine jedoch von einigen US-Behörden beschafft.

Es sind diese vier Waffen, an die man heute denkt, wenn man CAR-15 im Kontext der 90er Jahre verwendet.

Warum die Spezialeinheiten auf kommerzielle Modelle von Colt zurückgriff, könnte daran gelegen haben, dass der M4 früh (777) einen mechanisierten Feuerstoß anbot und nicht das von Spezialeinheiten bevorzugte Dauerfeuer. Ob und wie stark M4 früh und die kommerziellen CAR-15 sich gegenseitig beeinflusst haben, muss noch geklärt werden.

Offensichtlich ist jedoch, dass die Karabiner alle schon die M4 typische Delle im Lauf für das M203 Granatgerät aufweisen. Was den Waffen aber noch fehlt, ist der ovale Handschutz mit dem doppelten Hitzeschild. Gesichert ist auch, das nach der Schlacht von Mogadishu 1993 das M4 Programm plötzlich wieder aufgenommen wurde und schon 1994 die ersten größeren Stückzahlen von M4 Karabinern ausgeliefert wurden. Diese M4 der 90er tragen wieder die Modellnummer 777, weisen jedoch einige Änderungen auf. Unbewiesen bleibt jedoch, dass die Ereignisse in Somalia das M4 Programm wiederbelebt haben.

Sparte IV -  Der Colt M4 für Behörden

Dass die Marketingabteilung von Colt immer wieder Ärger macht, ist bekannt aber mit der Parallelvermarkung des M4, hat sie für einen ganz besonders vertrackten Knoten gesorgt. Es ist nicht bekannt ob Colt vor oder nach der massenhaften Einführung des M4 Carbine 1994 bei den US-Streitkräften damit begonnen hat aber die Firma vermarktete parallel ein Produkt mit dem Namen "Colt M4" an behördliche Spezialeinheiten. Dabei weichen diese kommerziellen Colt M4 teilweise stark vom "US M4 Carbine" ab. 

Ungesichert ist hier lediglich der Zeitpunkt ab dem die Vermarkung genau begann. Auch ist unklar ob der Colt M4 (Modell 927) welcher Dauerfeuer bot, einen Einfluss auf dem US M4A1 Carbine (Modell 921) hatte oder ob dies umgekehrt der Fall gewesen ist.

Sparte V - Die Colt Marketingabteilung

Wie jede kommerzielle Firma will Colt Geld verdienen. Dies ist bekanntermaßen nur dann möglich, wenn man Kunden findet und dabei hilft die Marketingabteilung. Die bei Colt bildet da keinen Unterschied und so werden die Produkte halt in der Werbung so genannt, dass sie möglichst viele kaufen. Dabei wird herzlich wenig Rücksicht auf die eigentlichen Eigenschaften der Produkte genommen oder sich gar um eine einheitliche Benennung bemüht.

Es ist einfach profitabler, wenn man eine neue Waffe nicht kryptisch als Modell 653 bewirbt, sondern als M16A1 Carbine. Damit weiß der potenzielle Kunde genau was er bekommt und es wird effektiv an ein bereits auf dem Markt etabliertes Produkt, das M16A1 Gewehr, angeknüpft. 

Das die M-Nummern eigentlich von der US-Armee vergeben werden und diese nie einen M16A1 Carbine eingeführt oder genutzt hat, ist dabei völlig egal.

Nur leider sorgt die Marketingabtelung von Colt damit bis heute für Verwirrung, weil je nach Laune oder besser je nach Möglichkeit mal Waffen mit diesen oder jenen Eigenschaften mal unter diesem oder jenem Namen beworben wurden. Aus diesem Grund, wird diese Sparte von seriösen Militärhistorikern einfach ignoriert oder beiläufig am Rande erwähnt.

Fazit:

Wir sehen also, wie verworren das Thema CAR-15 ist und man nicht einfach sagen kann, dass der M4 Karabiner aus dem CAR-15 Sortiment hervorgegangen ist. Schließlich beginnt das XM4 Programm schon 1985 und damit weit vor Zeitpunkt an dem die CAR-15 in den 90ern ihren zweiten Frühling erleben. Auch spielt das kanadische C8 eine bedeutende Rolle, die noch nicht abschließend geklärt ist. Zu allem Überfluss spuckt uns die Colt Marketingabteilung ganz kräftig in die Suppe.

Natürlich kann man alle die Fragen klären, wenn sich jemand bereit erklärt einige tausend Seiten an Dokumenten bei Colt und Diemaco zu sichten aber dass muss erstmal jemand machen und Colt wird schön vorsichtig sein, wem sie das zutrauen. Man darf nicht vergessen, der M4 Karabiner ist immer noch Colts Prestigeobjekt Nummer 1.

Nachtrag:

Leider ist es nicht möglich, einfach die Modellnummern abzuzählen um zu beweisen, dass dieses Modell vor jenem das Licht der Welt erblickte. Vom XM177 (610)  wissen wir zum Beispiel, dass es vor dem XM177E1 (609) existierte. Auch folgte die Benennung eine kurze Zeit lang einer gewissen Logik, in welcher die erste Nummer die Generation angabt und die letzten beiden Ziffern die ungefähren Eigenschaften. So ist das Commando der A2 Generation das M733 und das der A4 Generation das M933. So stand eine Weile X01 für das Gewehr, X20 für den Karabiner und X33 für die Commandos. Diese Logik hat sich jedoch nicht durchsetzen können, weswegen man sich nicht sicher an ihr orientieren kann.

zweiter Nachtrag:

Nachdem ich an einige ergänzende Informationen gelangt bin, haben sich einige ursprüngliche Fragen geklärt. So Wird der XM4 bereits 1987 zum M4 und nicht erst 1994, dieser frühe M4 unterscheidet sich jedoch deutlich von unseren heutigen M4 Karabinern und so verschiebt sich nur ein Name, die alten Fragen bleiben bestehen.

Quellen:

  • The Black Rifle, M16 Retrospective vonR. Blake Stevens & Edward C. Ezell, 1992
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci, 2004
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16), 1975
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart, 1973
  • Weapons Band 14, The M16 von Gordon L. Rottman, 2011
  • Weapons Band 77, The M4 Carbine von Chris MCNab, 2021

17 November 2022

Warum die verlängerte Magazinsperre an Valmet und Galil keine dumme Idee ist

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag. 

Ich weiß nicht warum, aber einige Kostumwaffenexperten sind immer sehr schnell damit, das eine oder auch das andere Merkmal an einer Waffe als dumm zu betiteln. Ob sie sich dadurch selber erhöhen oder nur einfach witzig sein wollen, kann ich nicht sagen.

Was ich aber sagen kann ist, dass sie sehr oft mit ihren Behauptungen daneben liegen. Was daran liegt, dass sie die Waffen meist nur aus der Sicht von Endbenutzern kennen, die zudem noch das Privileg genießen, die Waffen in einer sauberen und sicheren Umgebung benutzen zu können.

Aber kommen wir zum Thema und zwar zu der verlängerten Magazinsperre vom Valmet RK m/62, welche sich so auch beim IMI Galil ARM findet. Gemeint ist damit das Bauteil, welcher das Magazin nach dem Einkippen in den Magazinschacht an seinem Platz hält. Dem ein oder anderen Bundeswehrsoldat sollte ein Bauteil mit ähnlicher Funktion vom Gewehr G3 noch als Ausrücker bekannt sein.

Dieses wurde beim Valmet verlängert und dann durch ein erweitertes Blech vor versehentlichem Betätigen geschützt. Von Sportschützen und anderen Kostümexperten hört man dann oft:

"Haha, guck mal, die haben das Ding erst verlängert und dann ein Blech drum rum gemacht, damit man nicht versehentlich dran kommt .. voll unsinnig."

Und genau diese Aussage kann nur von jemandem kommen, der nicht mal das Kapitel Mechanik in einem Physikbuch für die fünfte Klasse gelesen hat. Denn spätestens dort kommt ein normal gebildeter Mensch mit dem Konzept des Hebels in Kontakt.

Die Finnen haben bei ihren Tests der AK unter arktischen Bedingungen schnell gemerkt, dass so ein Magazin schnell mal dazu neigt, im Magazinschloss fest zu frieren. Wenn man jetzt versucht, die Magazinsperre zu betätigen, ist man um jede zusätzliche Hebelwirkung dankbar. Und wie verstärkt man eine Hebelwirkung, richtig, durch eine Verlängerung des Kraftarms. Sprich in unserem Fall des Bedienteils der Magazinsperre.

Wir sehen also, eine verlängerte Magazinsperre erhöht die Kraft, mit welcher man diese bedienen kann. Eine Verlängerung ist also sinnvoll, genau so sinnvoll ist das verlängerte Schutzblech, denn dieses beeinträchtigt die Hebelwirkung nicht.

16 Oktober 2022

Der Unterschied zwischen AR-15, M16 und Colt Model 604

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag. Heute sehen wir uns mal an, was den jetzt genau der Unterschied ist zwischen dem bekannten AR-15, dem ebenfalls bekannten US M16 und dem Colt Model 604 welches weniger bekannt sein dürfte.

Um den Unterschied zu erfassen sehen wir uns erstmal kurz die Geschichte der Waffe an. Ihr geistiger Geburtsort ist die Firma ArmaLite. Diese entwickelt Waffen und zwar nicht eine sondern gleich mehrere. Um die Waffen innerhalb der Firma auseinanderhalten zu können, hat man dort eine interne Zählung. Wäre ja auch doof, wenn die Mitarbeiter untereinander nicht wüssten, von welcher Waffe gerade die Rede ist.

Die ArmaLite Zählung ist denkbar einfach, jede Waffe fängt mit AR an und bekommt dann eine Nummer. Die Waffen werden also einfach abgezählt von 1 bis eben 15. Die AR-15 ist einfach die fünfzehnte Waffe der Firma ArmaLite. Genau genommen ist es eher das fünfzehnte angefangene Projekt, denn Waffen brauchen intern schon einen Namen, wenn es mit der Planung losgeht. Leider ist nicht aus jeder AR etwas geworden, einige Projekten entpuppten sich als Sackgassen.

Nun haben wir aber unser AR-15 Projekt, welches zu real existierenden Waffen führte. Jedoch hatte die kleine Firma ArmaLite nicht die nötigen Einrichtungen, um diese Waffe in Massen zu fertigen. Einer der Verantwortlichen bestand zwar auf der Errichtung einer entsprechenden Produktionsstätte aber konnte sich damit nicht durchsetzen.

Also vergab man eine Lizenz zur Fertigung des AR-15 an die Firma Colt. Colt nahm einige Änderungen an der Waffe vor, bevor diese in Serienproduktion ging. Jetzt hat Colt aber eine eigene Zählung seiner Waffen, die Colt Modell Zählung. Diese ist auch recht einfach und zwar heißen die Waffen immer Modell, dann eine 6 und dann eine fortlaufende Nummer. Das von Colt für die Massenproduktion optimierte AR-15 heiß bei Colt Model 601. Meist wurde auch die 6 einfach weggelassen und nur Model 01 geschrieben.

Wir haben es jetzt also mit zwei Zählungen zu tun, das kommt daher, dass Colt ja nicht einfach für eine andere Firma weiterzählen kann und die geänderte AR-15 zur AR-16 erklären könnte. Das hätte auch ein ziemliches Durcheinander gegeben, denn ArmaLite war nach dem AR-15 nicht untätig und hat noch AR-16, AR-17 und die bekannte AR-18 entwickelt.

Die Waffen von Colt liefen also unter der Bezeichnung AR-15 Model 01, meist auch einfach kurz AR-15 01.

Nun interessierte sich jedoch die US-Luftwaffe für das AR-15 01 und wollte dieses einführen. Und nun kommt die dritte Zählung ins Spiel und zwar die US M-Zählung der US Ordonanzgewehre. Früher hat man da einfach ein M mit nachfolgender Jahreszahl bevorzugt, wie beim M1903 Springfield Gewehr. Das wurde dann aber irgendwann aufgegeben und ab dem M1 Garand Gewehr wird einfach gezählt, auch wenn nach dem M1, das M14 Gewehr kam. Nach dem M14 gab es einige Versuche mit einem M15, welche aber nicht zu einem neuen Gewehr führten. Demzufolge bekam das AR-15 04, null vier weil die Luftwaffe einige Sachen an der Waffe geändert haben wollte, die nächste freie Nummer und wurde als M16 eingeführt. 

Dem entsprechend ist auf dem Gehäuse eines M16 zu lesen:

Colt AR-15, M16

Die Colt interne Nummer 604 lies man auf den an die US-Luftwaffe gelieferten Waffen einfach weg. Auch auf den folgenden Waffen wie XM16E1, M16A1, XM177, XM177E1 und vielen der CAR-15 Familie zugerechneten Waffen, wird man noch AR-15 lesen können.

Erst in den 80er Jahren und dem M16A2 und dem damit verbundenen Änderung der Rechtslage bezüglich des geistigen Eigentums der Firma ArmaLite wird die Aufschrift AR-15 vom Gehäuse der Waffen verschwinden.


Fazit: Wir haben es hier einfach mit drei Zählungen von zwei Firmen und einer Armee zu tun. Das ist nichts ungewöhnliches, wenn man sich mit Waffen und deren Geschichte auseinandersetzt.


Quellen:

  • The Black Rifle, M16 Retrospective von R. Blake Stevens & Edward C. Ezell erschienen bei Collector Grade Publications
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci erschienen bei Collector Grade Publications
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart erschienen bei Profile Publications Ltd.
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16) von Karl R. Pawlas erschienen bei Publizistisches Archiv für Militär und Waffenwesen

23 Mai 2022

100 Fragen zum Thema Waffenkunde, Waffentechnik und Waffengeschichte

 Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen, zu einem neuen Beitrag. Heute widmen wir uns mal einem ganzen Packet an Fragen über welcher wir auf der Plattform Quora gestolpert sind.

Warum bewegt sich in dieser Zeichnung die Patronenkammer (lila) der Pistole PSS nach hinten? Müsste der Rückstoß nicht direkt auf den Verschluss (blau) wirken, ohne dass sich Lila überhaupt bewegt? (Link)

Stichwort Liderung, die Wände der Patrone pressen sich gegen das Patronenlager und übertragen so die Auszugsgerenreaktion auf das Patronenlager.

Was ist das für eine Verschlusssystem einer Feuerwaffe, wie heißt es und wie funktioniert es? (Link

Rollenbelasteter direkter Gasdrucklader.

Wie entscheidet man, ob eine Feuerwaffe ein Rückstoßlader oder eine Masseverschluss hat?

'Stifttest', man rammt einen weichen Stift in den Lauf und guckt, ob man den Verschluss damit aufdrücken kann, während man den Lauf der Waffe fixiert hält.

Ist das G3 ein Masseverschluss-Gewehr oder ein Rückstoßlader? Im Wikipedia-Artikel "Masseverschluss" ist das G3 als Beispiel angegeben, aber im Artikel steht auch, dass Rückstoßlader und Masseverschluss verschieden sind. Wie kommt das?

Masseverschluss, der Stifttest funktioniert. Was weniger gut funktioniert ist Wikipedia, da steht im Bereich Handfeuerwaffen viel Unsinn. 

Was ist ein Universalgewehr und ist ein Universalscharfschützengewehr einfach ein Universalgewehr mit Zielfernrohr?

Ein Universalgewehr ist ein Gewehr mit einer Länge die zwischen einem Infanteriegewehr und einem Karabiner liegt. Ein Universalscharfschützengewehr ist eine Waffe, die man als Scharfschützengewehr und als Zielfernrohrgewehr verwenden kann.

Was ist das für ein Verschlusssystem von einer Feuerwaffe, wie heißt es und wie funktioniert es? (Link)

Rückschlaglader mit beharrendem Entriegelungselement.

Was ist der Unterschied zwischen einem Granatwerfer und einem Granatgewehr?

Granatwerfer sind schwere Waffen auf Lafette oder an Fahrzeugen, Grantgewehre sind Granaten verschießende Handfeuer-Langwaffen.

Wo ist der Unterschied zwischen einer Handfeuerwaffe und einer Kleinwaffe?

Handfeuerwaffen müssen noch knapp freihändig feuerbar sein. Kleinwaffen darf man auch abstellen, dafür müssen sie leichter sein. Ein japanischer 'Kniemörser' ist eine Kleinwaffe aber keine Handfeuerwaffe, weil man ihn abstellen muss. Entgegen seines Spitznamens.

Wofür steht GAU-5A/A bei der Waffe?

Gun AUtomatic, laut Black Rifle I. Oft aber auch Gun Automatic Unit.

Welche Pistole wurde zuerst entwickelt die Nambu Typ 14 oder die Nambu Typ 94?

Die Nambu 14 kam zuerst, beide Waffen sind nach verschiedenen Jahreszählunge benannt. Mehr dazu hier: Link.

Wo ist der Unterschied zwischen einem 'Hebel belasteten' und einem 'Hebel übersetzten' Verschluss bei einer Feuerwaffe?

Belastete Verschlüsse drücken einfach eine Feder ein, bevor sie ganz öffnen. Übersetzte schleudern eine Verschlusshauptmasse ab, meist über ein Winkelgetriebe.

Wie heißen diese Dinger bei Waffen auf Deutsch, die man z. B. hinter ein EOTech-Visier baut, um die Sicht zu vergrößern und die man bei Nichtgebrauch einfach wegklappen kann?

Visier-Lupen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Drehkopfverschluss (AK-47) und einem Drehzylinderverschluss (M1 Garand)?

Beim Drehkopfverschluss dreht sich nur der Kopf, beim Drehzylinder der ganze Zylinder also der komplette und oft einteilige Verschluss.

Wo ist der Unterschied zwischen einem verzögerten und einem verlangsamten Verschluss in einer Feuerwaffe?

Ein verzögerter Verschluss bewegt sich erst gar nicht und fängt erst später an sich zu bewegen, ein verlangsamter Verschluss, fängt sofort an sich zu bewegen aber läuft dann langsamer.

Sind Feuerwaffen, bei denen einfach ganz viele Ladungen hinter einander im Lauf stecken und die per Kettenration zünden, Schnellfeuerwaffen?

Ja, solche Waffen gehören zwar zu den Staplern und nicht zu den Ladern aber trotzdem ist das was sie abgeben Schnellfeuer. 

Warum dreht sich der Drehverschluss einer Waffe erst, wenn er vorne ankommt und nicht schon vorher?

Weil so gut wie alle Waffen einen Schutz gegen die sogenannte vorzeitige Verriegelung haben. Bei AR-15 läuft die Steuerbolzen oben in einer Nut im oberen Gehäuse, die er erst verlässt wenn der Verschluss vorne angekommen ist. Bei der AK läuft der Verschlusskopf mit einer Aussparung in selbigem über eine Wulst im Gehäuse, die enden wenn der Verschlusskopf vorne angekommen ist.

Gibt es aus Waffen die Gasdrucklader sind und keine Bohrung im Lauf haben?

Ja es gibt Waffen, die das Gas an der Mündung aus einer Gasstaudüse zapfen und welche wo das Zündhütchen beweglich ist, welches über den Zündstift die Waffe entriegelt.

Warum hat die Wehrmacht ein Repetiergewehr (Kar98k) eingeführt und kein Selbstladegewehr wie das Mauser M1916?

Den Kar98k konnte man auf den Maschinen des G98 fertigen, von denen man noch viele hatte und zudem konnte man noch vorhandene G98 und Kar98b zu Kar98k umbauen. Für das M1916 hätte man erst noch die Maschinen bauen müssen.

Was ist Feldzuführung bei einer Schusswaffe?

Das ist, wenn ein Kraftfeld die Zuführung der Patronen übernimmt. Klingt nach Science-Fiction ist aber nur nen bessere Ausdruck dafür, dass die Schwerkraft das macht. Die Kugeln fallen also von oben einfach in die Waffe, wie bei den alten Kaffeemühlen MGs.

Wie funktioniert eine Waffe mit "beharrendem Verschluss"?

Der Verschluss der Waffe bleibt wo er ist, während der Rest der Waffe durch den Rückstoß nach hinten geworfen wird. Dabei kann er zb. eine Feder spannen wie bei der M3 Benelli oder einfach nur gegen ein Steuerelement schlagen und dem Rückdruck das öffnen überlassen.

Wie funktioniert eine Waffe mit "nachlaufendem Verschluss" ?

Die komplette Waffe wird nach hinten geschlagen und kommt an der 'Schützenmasse' zum stehen. Der Verschluss läuft aber einfach weiter und geht auf. Wurde so zb. bei der Sjörgen Schrotflinte gemacht.

Wie übersetzt man "inertia operated" aus dem Bereich der Waffenkunde ins Deutsche?

Das wäre schon mal der beharrende Verschluss, zumindest benutzt die Firma Benelli den Begriff für ihre M3.

Was ist ein Rückschlaglader für eine Waffe?

Das sind Waffen, die durch ihren Rückschlag die Waffenfunktion ausführen. Das bedeutet, das zurückschlagen der ganzen Waffe wird benutzt und nicht nur das zurückschlagen des Rohres.

Was macht der Stift der Desert Eagle, welcher links neben dem Verschlusskopf sitzt und beim Schließen des Verschlusses in den Schlitten gedrückt wird?

Das ist eine Sperre gegen vorzeitige Verriegelung. Sie hält den Verschlusskopf davon ab sich zu drehen, bevor er ganz vorne angekommen ist. Erst dann wird der Stift eingedrückt, damit sich der Verschlusskopf drehen kann.

Was bedeuten die Begriffe "delayed blowback" and "retarded blowback" auf Deutsch, wo ist der Unterschied und welche Feuerwaffen wären Beispiele?

Das sind der "verzögerte Rückdrucklader" und der "verlangsamte Rückdrucklader". Der Verzögerte wird irgendwann einmal komplett angehalten, der verlangsamte läuft einfach langsamer zurück. Beispiele wären der MKMO und die MP5. Jedoch dichten einige Leute, die keine oder nur wenig Ahnung haben, fälschlicherweise der MP5 den verzögerten Verschluss an.

Gibt es Handfeuerwaffen bei denen nicht Verschluss und Schlitten das selbe Funktionsteil sind, sondern Lauf und Schlitten?

Ja Luger P-08 und Mauser C96.

Was ist der Unterschied zwischen Fremdpräsentation, Selbstpräsentation und Feldpräsentation bei einer Schusswaffe?

Präsentation ist die Tätigkeit in der dem Verschluss einer Waffe eine Patrone präsentiert wird. Fremdpräsentation wäre zb. durch die Feder eines Magazins. Selbstpräsentation ist, wenn die sich Waffe die Patrone selber holt, zb. aus einem Gurt. Und Feldpräsentation ist nen besseres Wort für Schwerkraft, das heißt die Patronen fallen einfach in die Waffe.

Wie heißen Feuerwaffen die beim Schuss die Rückstoßenergie in einer Feder speichern, um diese dann später für die Entriegelung des Verschlusses zu nutzen?

Rückschlaglader mit beharrendem Verschluss.

Was und wo ist der Führungsteil einer Patrone bei einer Feuerwaffe?

Also das Führungsteil eines Geschosses ist der Teil, welcher Kontakt mit den Feldern des Laufes hat. Der Führungsteil der Hülse ist der Teil welcher mit dem Verschluss oder dem Schieber der Waffe in Kontakt kommt, meist Teile des Verschlusskopfes.

Was versteht man unter Verschlussabstandsdistanz bei einer Schusswaffe?

Das ist die Distanz zwischen dem Stoßboden und dem anliegenden Teil der Patronenhülse. Letzteres kann ein Rand, ein Gürtel, die Hülsenschulter oder der Hülsenmund sein.

Wo ist der Unterschied zwischen Schaft, Kolben und Schulterstütze bei einer Waffe?

Nen Schaft oder die Schäftung kann über die gesamte Waffe gehen und wird sprachlich ein wenig anders verwendet. Der Kolben ist einfach etwas, was nach hinten aus der Waffe ragt, ein Anschlag an die Schulter kann muss aber nicht möglich sein. Anders bei einer Schulterstütze, diese muss sich an der Schulter abstützen lassen, dabei kann muss eine Schulterstütze aber nicht auch gleich einen Wangenaufschlag bieten.

Ist der Schlitten bei einer Pistole immer auch der Verschluss?

Nein, bei Luger P-08 und Mauser C96 ist der Schlitten zb. mit dem Lauf verbunden. Andere Pistolen wie die Ruger Mk2 kommen als Rückdrucklader ganz ohne Schlitten aus.

Wo ist der Unterschied zwischen Schnellfeuer, Dauerfeuer, Voll-Automatik, Reihenfeuer, Stoßfeuer und mechanisiertem Stoßfeuer?

Schnellfeuer die eine mechanische Waffenfähigkeit. Dauerfeuer ist eine Form des Schnellfeuers, um es vom mechanisierten Feuerstoß zu unterscheiden. Zudem ist Dauerfeuer ein Schützenfeuer, bei dem sich der Schütze entscheidet sehr lange zu feuern. Voll-Automatik ist ein unsinniger Begriff, der Schnellfeuer bei Lader- und Transporterwaffen bezeichnet. Reihenfeuer ist Schnellfeuer bei Pistolen da der begriff Schnellfeuer-Pistole bereits von einer Schießsportdisziplin belegt war. Stoßfeuer ist eine verkürzte Schreibweise von mechanisiertem Stoßfeuer. Mechanisiertes Stoßfeuer ist eine Form des Schnellfeuers, wo jedoch die Schussanzahl nicht durch die Magazinkapazität begrenzt ist, sondern die Waffe das Schnellfeuer nach X Schüssen stoppt.

Wo liegt der Unterschied zwischen einem Bajonett und einer Seitengewehr?

Ein Seitengewehr lässt sich unabhängig von der Waffe als Kampfmesser einsetzten. meist hat ein Seitengewehr Griffplatten und Parierelemente. 

Wo ist in der Waffentechnik der Unterschied zwischen Rückstoß und Rückschlag?

Der Rückstoß beinhaltet in der Waffentechnik nur den Impuls, welcher durch das abschießen des Geschosses entsteht. Der Rückschlag umfasst zusätzlich den Raketeneffekt und weitere Krafteinwirkungen welche auf den Schützen wirken.

Gibt es Waffen, die mehr als einen Schuss abgeben können, ohne nach dem ersten Schuss, eine frische Patrone in ein Patronenlager einführen zu müssen?

Ja Transporter also Waffen mit mehreren Patronenlagern wie  Revolver und Drehlinge, Mehrlinge also Waffen mit mehreren Läufen wie Derringer und Doppelflinten und Stapler also Waffen mit mehreren Ladungen hinter einander in einem Lauf wie Metal Storm Produkte und alte Wallbüchsen.

Nach welchem Prinzip Funktioniert der Verschluss der russischen PSS Pistole?

Hülsenschlaglader, angetrieben wird die PSS durch den Bewegungsimpuls welcher während des rotationslosen Geschosswegen auf die Patronenhülse wirkt.

Warum explodiert ein M4, das unter Wasser war, aber ein HK416 nicht?

Weil sich das Gasröhrchen des M4 mit Wasser füllen kann, welches beim Schuss in den Verschluss gepresst wird. Beim HK 416 gibt es hingegen einen massiven Kolben, der sich nicht mit Wasser füllen kann.

Warum haben manche Patronen von Feuerwaffen einen Gürtel?

Damit man den Verschlussabstand schön nah am Stoßboden bestimmen kann, ohne dass man besonders aufwändige Magazine konstruieren muss, wie das bei Patronen mir Rand der Fall wäre.

Was ist eine Schultertasche im Patronenlager einer Feuerwaffe?

Das ist ein Hohlraum zwischen Patrone und Patronenlager der entsteht, wenn mal wieder jemand meint das .308 Winchester und 7,62x51mm NATO das gleiche sind. Bei der Schussentwicklung wird das weiche Hülsenmaterial in diesen Hohlraum gedrückt, was mindestens zu Präzisionsverlust führt.

Gibt es eine Form von Rückstoßladern, wo das ganze Gehäuse nach hinten geschlagen wird, dabei ein Teil stehen bleibt und eine Feder gespannt wird, die dann den Repetiervorgang vornimmt?

Das wären Rückschlaglader mit beharrendem Entriegelungselement aber in der Regel leitet dieses Element den Entriegelungsvorhang nur ein, die Kraft für den Rücklauf kommt in der Regel vom Resteigengasdruck im Lauf. Mauser M1916 wäre so eine Waffe.

Sind 'selbstladent' und 'halbautomatisch' im Bezug auf Handfeuerwaffen das gleiche?

Ganz einfach. Halbautomatisch ist ein kaputtgetretener Begriff und selbstladent nicht. Halbautomatik war mal genau das, was das Wort eigentlich aussagt und zwar die hälfte der Automatik. Halbautomaten sind meist in der Lage, ihre leere Patronenhülse auszuwerfen, können aber keine frische aus einem Magazin zuführen. Ein Beispiel wäre die Panzerbüchse PTRD. Aber viele Leute mit wenig Ahnung haben den Begriff irgend wie so abgewandert, dass man jetzt Waffen meint, die bei einem Abzug einen Schuss abgeben können und nach Freigabe und erneutem Abzug noch einen .. aber nur bei Ladern und Transportern, Mehrlinge sind bei gleicher Fähigkeit dann keine Halbautomaten mehr, Stapler aber plötzlich doch aber nur die neuen. Ach versteht das wer will .. aus diesem Grund wird in der seriösen Waffenkunde das Wort Halbautomatisch gar nicht erst benutzt.

Gab es eine Patrone 5,64x45mm? 

Ja, das ist die offizielle metrisierte Bezeichnung der US-Luftwaffe für .223 Stoner. Erst die US Armee hat .223 Stoner als 5,56x45mm bezeichnet. (.223 Remington ist nochmal etwas anders).

Wo ist der Unterschied zwischen 5,56x45mm NATO und 5,56x45mm M193?

NATO ist stark auf Reichweite und Durchschlagskraft, letzteres im eigentlichen Wortsinn, getrimmt. Beide Patronen benötigen wegen unterschiedlicher Geschossformen und Gewichte andere Läufe.

Warum gibt es kaum Maschinenpistolen in Kaliber wie .357, .44 oder .50 AE?

Gibt es beziehungsweise gab es. In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen gab es zb. Maschinenpistilen in 9x25mm Mauser Export . Das Problem dieser Waffen, zb. des MKMO, war es dass man sie nicht mehr billig als einfache Rückdrucklader bauen konnte und zb. zu zwischenverriegelten Verschlüssen greifen musste. Dies machte die Waffen sehr teuer, ohne bedeutend an Reichweite zu gewinnen. Das was am ehesten an eine Maschinenpistole in .357 rankommt wäre der M3 Carbine mit seinen .30 Carbine Patronen.

Ist das Berdan II Gewehr ein Einzellader oder ein Repetierer?

Kommt auf die Lesart des Wortes Repetierer an. Leitet man es vom Lateinischen her ab, bedeutet es wiederholen und setzt eine Mehrladeeinrichtung voraus. Leitet man es jedoch vom Deutschen ab, in welchem es den 'Repetiervorgang' gibt, welcher nur das zuführen und auswerfen beinhaltet, dann wäre das Berdan II ein Repetierter und ein Eizellader.

Wo liegt der Unterschied zwischen gelbem, rotem und dunkelrotem Mündungfeuer bei Schusswaffen?

Das sind verschiedene Erscheinungen, hinter denen verschiedene Prozesse stehen. Das Gelbe steht aus heißen Gasen die dem Geschoss aus der Mündung folgen. Das Rote entsteht durch das entzünden von Stoffen die im Lauf nicht genug Sauerstoff hatten und sich ein paar Zentimeter hinter der Mündung dann mit dem Sauerstoff aus der Luft verbinden und reagieren. Das dunkelrote ist ein Ring aus stark verdichteter Luft bei Waffen mit sehr hohem Mündungsdruck.

Ist das HK G3 der Bundeswehr ein "Rückstoßlader mit beweglich abgestützem Rollenverschluss" oder ein "Rückdrucklader mit rollenübersetztem Winkelgetriebe"?

Rückdrucklader mit rollenübersetzten Winkelgetriebe. Auch wenn ziemlich viele Leute mit ziemlich wenig Ahnung ständig das Gegenteil behaupten.

Was macht die Verschlusssperre in einer Feuerwaffe und welche Waffen haben eine?

Es gibt drei Teile, welche diese Bezeichnung tragen. Meist ist es einfach ein Riegel welcher den Verschlussblockiert, damit Waffen mit Schalldämpfer erstens weniger mechanische Geräusche machen und zweitens es nicht zum Verschlussfensterknall kommt, weil das Gas einfach hinten aus plöppt, wenn es vorne nicht geht.

Was macht die Verschlusssperre in einer Feuerwaffe und welche Waffen haben eine?Was ist Zwischenverriegelung bei Feuerwaffen und welche Waffen haben diese?

Das ist wenn der Verschluss sich erst ganz normal beginnt zu öffnen, dann aber anhält, kurz bevor die Patronenhülse die S-Strecke erreicht und dann erst wieder mit der Öffnungsbewegung weiter macht, wenn der Gasdruck im Lauf gesunken ist.

Was für eine Waffe ist ein Antimaterial-Maschinenkarabiner?

Ein Maschinenkarabiner, also eine kurze Handfeuerwaffe, zur Bekämpfung von Material, meist PKWs. Beispiele wären AR Gewehre für die Patrone .50 Beowulf oder der russische ShAK-12.

Gibts es heute noch Armeen die Handfeuerwaffen in Form von Vorderladern verwenden?

Jap das russische GP-30 Granatgerät.

Sind Rückstoßlader Formschlüssig oder Kraftschlüssig verriegelt?

Formschlüssig, sonst wären es ja Rückdrucklader.

Warum ist das Geschoss der Patrone 7,92x57mm in der Realität 8,22mm dick?

7,92 mm war mal das reale Zug-Kaliber der M88 Rundkopfgeschosspatrone aber als man auf Spitzgeschosse umgestiegen ist, musste man so gut wie alle Kaliber ändern, weil ein Spitzgeschoss sich halt innenballistisch anders verhält.

Wo liegt der Unterschied zwischen dem K98 und K98k?

Der K98 ist nen polnischer Karabiner von 1921 - der K(ar)98k ist nen deutscher Karabiner von 1935. Der Kar98 'kurz' ist übrigens länger als der K98, weil dessen Länge sich nicht auf den polnischen K98, sondern auf den deutschen Vorgänger Kar98b bezieht.

Gibt es Rückdrucklader wenn ja, welche Waffen sind welche?

Rückdrucklader gibt es nicht! Nein kleiner Spaß, es gibt Rückdrucklader und es gibt eine Menge Waffen welche Rückdrucklader sind zb. Walther PPK, MP40, Uzi, G3, FaMAS etc.

Ist das PSO-1 auf einem Dragunow ein Reflexvisier?

Nein, das ist ein Fehler aus der deutschen Wikipedia.

Was ist der Unterschied zwischen einem Rückstoßlader und einem Rückdrucklader?

Der Rückstoßlader nutzt den Impuls, welcher beim beschleunigen des Geschosses entsteht und der Rückdrucklader nutzt die Drucksäule im Lauf für das ausführen der Repetierfunktion.

Wo ist der Unterschied zwischen einer Kleinstmaschinenpistole und einer Reihenfeuerpistole?

Reihenfeuerpistolen haben die klassische Ergonomie und Baugruppenanordnung einer Selbstladepistole oder stammen direkt von einer solchen ab. Kleinstmaschinenpistolen haben jedoch oft kleinen klassischen Schlitten, ein Magazin außerhalb des Griffstückes, einen zweiten Griff, einen integrierte Schulterstütze oder ein weit nach hinten ragendes Schlittenheck.

Warum muss man eine zuschießende Maschinenpistole trotzdem durchladen, wenn das Magazin leer ist, obwohl der Verschluss doch in der Ausgangsposition hinten sein muss?

Weil der Schütze oft einen 'nullten' Schuss abgibt, bei welchem der Verschluss nach vorne schnellt, ohne eine Patrone aus dem Magazin zuführen und zünden zu können. Der Verschluss bleibt also vorne und muss vor oder nach dem Nachladen erneut gespannt werden.

Wird die Kugelgeschwindigkeit bei einem Schalldämpfer schneller oder langsamer?

Berührungslose Schalldämpfer erhöhen die Geschwindigkeit, da das im Schalldämpfer gefangene Gas in diesem das Geschoss weiter antreiben. Berührende Schalldämpfer nehmen dem Geschoss Kraft, weil es durch die Lamellen des Schalldämpfers stoßen muss.

Was ist ein Schalldämpferentkoppler oder Schalldämpfermasseentkoppler, was tut dieses Ding?

Rohrschlaglader müssen den Lauf bewegen, um die Entriegelung einleiten zu können. Eine zusätzliche Masse am Lauf kann das erschweren. Der Entkoppler ist ein kleiner Kolben, welcher sich mit Gas füllt und den Schalldämpfer sozusagen kurz 'weg wirft', damit sich der Lauf normal bewegen kann.

Wo ist der Unterschied zwischen dem HK36 und dem G36 der Bundeswehr?

Das HK36 ist ein Prototyp nach der internen HK Kodierung das G36 ist ein Sturmgewehr nach bundesdeutscher Militärzählung. Die HK Kodierung fürs G36 war HK50.

Wo ist der Unterschied zwischen AKM-47 und Typ56?

Die AKM-47 ist die Version der AKM aus Cuba. Die Typ 56 ist entweder eine unveränderte AK-53, eine AK-53 mit SKS ähnlichem Bajonett oder eine Mischung aus AK-53 und AKM aus China.

Wie nennt man Waffen, die man am Pistolengriff repetiert?

Es gäbe Pistolengriffrepetierer wie einige Sportgewehre aus der DDR, wo man den Pistolengriff nach vorne abknickt. Und es gäbe einige US-Flinten welche man am Griff also am Kolbenhals repetiert, das wären dann Kolbenhalsrepetierer.

Sind G98 und K98 gleich lang (wie lang sind beide)?

Nein, sie sind nicht gleich lang. Das eine ist ein deutsches Infanteriegewehr und das andere eine polnischer Reiterkarabiner. Längen wären 1250mm und 1092mm.

Wo liegt der Unterschied zwischen einem Granatgewehr und einem Granatgerät?

Das Grantgewehr kann man alleine benutzen, das Granatgerät muss an eine andere Waffe oder an einen speziellen Rahmen.

Warum ging das Visier des Gewehr 98 nur bis minimal 400 Meter?

Weil die Waffen auf eine andere Munition umgestellt wurden und man die Visiere nicht ohne einen Komplettumbau auf 200 Meter neu kalibrieren konnte. Ein neues Visier zu entwickeln wäre zu teuer gewesen und weil man eh meinte, das Infanterie nicht auf so kurze Entfernung kämpfen würde, fing das 'Lange Visier' dann bei 400 Metern an.

Wo ist der Unterschied zwischen den Karabinern K98 und K98a?

Der K98 ist basiert auf dem deutschen Kar98AZ und ist 1092mm lang. Der K98a 1150 mm lang und basiert auf einer Mischung aus deutschen G98 und tschechischem vz.24.

Welches ist das größte Handfeuerwaffen-Kaliber?

Müsste ich wirklich mal aber die Panzerfaust 3 ist mit 110mm schon gut dabei.

Haben alle AKM diesen schrägen Kompensator an der Mündung?

Nein, die AKM ist von 1959, die Kompensatoren kam erst in den 70er Jahren also hat man min 10 Jahre ohne die Dinger. Es wurden jedoch irgendwann fast alle AKM mit Kompensatoren nachgerüstet.

Wurde die AK-47 für die 7,62x39mm oder für 7,62x41mm Patrone entwickelt?

Die AK-47 wurde, wie die AK-46 vorher, für die Patrone M43 entwickelt und diese hatte von 1943 bis 1947 die Abmessungen 7,62x41mm. Erst 1948 wurde die Hülse um 3mm gekürzt und mit der AK-48 eine angepasste Version geschaffen. Die AK-48 wurde für einen wichtigen Test jedoch nicht rechtzeitig fertig und so wurde eine AK-47 auf 7,62x39mm umgekammert.

Wurde die 7,62x51mm NATO Patrone aus der .308 Winchester entwickelt oder umgekehrt?

Die Patrone beginnt als .30 No.8 und wird dann langsam zur 7,62x51mm US. Diese Patrone wird dann von Winchester bei der SAAMI als .308 Winchester angemeldet. Nach der Anmeldung geht die Entwicklung jedoch weiter, bis die Patrone als 7,62x51mm NATO von der NATO standardisiert wird. Die zivile .308 stammt also von der militärischen 7,62x51mm ab. Das steht bei Wikipedia umgekehrt, weil es in Infateriewaffen Heute umgekehrt steht einem Buch von 1985.

Warum ist der K98 kürzer als der Karabiner 98 kurz?

Weil sich die Längen von polnischen Waffen nicht auf deutsche Waffen beziehen vice versa.

Kann man die Schäftr von AK-74M und AKS-74 tauschen?

Nein, der Schanierbolzen hat einen anderen Durchmesser und der Gehäuseabschluss einen anderen Winkel.

Gibt es Pistolen mit beweglicher Patronenkammer?

Ja, PSS, Kimbal Combat und Colt Mk.III haben welche, zudem zählen Mundharmonikapistolen und Revolver zu den Pistolen.

Gibt es Handfeuerwaffen, die nur Dauerfeuer schießen können?

Ja, viele Maschinenpistolen aus dem Zweiten Weltkrieg, wie MP40 oder M3 Greasegun, zudem viele Maschinengewehre.

Sind die Kalaschnikow MPi-KmS und die MPi-KMS die gleiche Waffe?

Nein tatsächlich nicht, die eine ist die 'Kalaschnikow mit Schaft' und die andere die 'Kalaschnikow Modernisiert, Schaft'. Erstere hat ein gefrästes Gehäuse zweite eine blechverformtes.

Muss man eine halbautomatische Waffe modifizieren, damit sie vollautomatisch ist oder eine vollautomatische Waffe modifizieren damit sie halbautomatisch ist?

Ich verstehe 'halbautomatisch' hier mal als 'Selbstladend'. Es kommt auf die Verschlussstellung der Waffe an. Zuschießende Waffen sind von sich aus erstmal für Schnellfeuer eingerichtet und benötigen einen speziellen Unterbrecher damit das abgeben von Einzelfeuer möglich wird. Aufschießendewaffen sind von sich aus erstmal nur selbstladend und benötigen spezielle Unterbrecher um Schnellfeuer abgeben zu können.

Wo ist der Unterschied zwischen G36E und G36V?

Die kommerziellen Formen vom G36 bekamen in den 90er Jahren den Suffix E für Export. Ab etwa 2000 wurde aus dem E ein V für Version. Unter Historikern steht das E für die Version mit einem 1,5x Visier auf dessen Oberseite sich eine Notvisierung befindet. Wobei die V Version ein 1,5x oder 3x Visier besitzt auf dessen Oberseite sich eine Railschiene befindet. Diese Unterscheidung wurde jedoch nie von HK bestätigt.

Wo ist der Unterschied zwischen Einzelschuss und Einzelfeuer?

Einzelfeuer ist ein Feuermodus bei Mehrladern, Selbstladern und Schnellfeuerwaffen. Dabei wird bei einem Abkrümmen des Abzuges ein Schuss abgegeben. Einzelschuss dagegen ist der 'Feuermodus' bein Einzelladern, bei dem für jeden Schuss eine neue Patrone von Außen nachgeladen werden muss.

Wo ist der Unterschied zwischen Schnellfeuer und Dauerfeuer bei automatischen Waffen?

Schnellfeuer ist die Fähigkeit einer Waffe mehrere Schüsse bei einmaligem Abkrümmes des Abzuges aus einem Lauf abzugeben. Dauerfeuer ist ein Feuermodus bei welchem solange Schüsse abgeben werden, bis der Schütze den Abzug freigibt oder der Patronenvorrat der Waffe zu Neige geht. Damit ist Dauerfeuer eine Form des Schnellfeuers. Es existieren jedoch noch weitere Formen des Schnellfeuer wie der mechanisierte Feuerstoß, welche meist kein Dauerfeuer zulässt.

Was sagt die Kaliberangabe .56-.46 aus?

Ursprüngliches Kaliber .56 Hülse jedoch auf .46 eingezogen. Früher waren die meisten Patronen schulterlos, das lohnte sich erst mit dem Aufkommen von modernem Pulver. Da viele jedoch das Kaliber auch nutzten, um in Erfahrung zubringen, wie groß der Hülsendurchmesser war, hat man das alte Kaliber einfach stehen gelassen und dass neue Geschosskaliber dann nach einem Minus angegeben. Bitte dabei auf den Punkt achten eine Zahl nach einem Minus ohne Punkt wäre dann das Pulvergewicht in Grain.

Gehört die AK-74M zur AK-100 Familie?

Jain, es gibt sowohl die AK-74M-74 als auch die AK-74M-100. Es existieren also zwei AK-74M Versionen einmal auf AK-74 stand und einmal auf AK-100 Stand. Di AK-74M-100 erkennt man an der Rotationshilfsniete auf der linken Gehäuseseite hinten den zwei oberen Nieten des Schildzapfens. Zudem haben die AK-74M-100 oft einen glatten Gehäusedeckt aber dieser ist zwischen 74 und 100 austauschbar.

Was ist der Unterschied zwischen einem Mündungsfeuerdämpfer und einem Mündungsmodulator?

Ein Mündungsfeuerdämpfer soll das Mündungsfeuer verbergen oder besser gar nicht erst entstehen lassen. Ein Mündungsmodulator verändert quasi das Mündungsfeuer einer Waffe. Ein Mündungsfeuerdämpfer ist also ein Mündungsmodulator aber nicht der einzige den es gibt. Zudem existieren noch die Mündungsbremse, der Mündungskompensator und der Schalldämpfer.

Um wie viel Schuss die Minute senkt die Verschlusssperre im MG3 die Feuergeschwindigkeit?

.. um 40 Schuss die Minute.

Warum funktioniert das G3 mit Platzpatronen ohne einen Rückstoßverstärker, obwohl es ein Rückstoßlader ist?

Weil es kein Rückstoßlader ist.

Gibt es eine Handfeuerwaffen, die keinen Schalldämpfer braucht, weil sie kein Mündungsfeuer hat?

Ja Waffen mit Treibspiegelfängern und Waffen mit Gassiegelpatronen wie die PSS haben kein Mündungsfeuer.

Warum haben DDR Kalaschnikows oft gemischte Schaftteile, manche Holz und mache Plastik an ein und derselben Waffe?

Weil die 'Plaste'-Teile alle unterschiedlichen Hitze- und Stoßbelastungen ausgesetzt waren, und das Material erst nach und nach gut genug wurde, um dem standhalten zu können. Ab 65 wurden erstmal nur obere Handschutz und Pistolengriff aus Plaste gefertigt, der Rest blieb Holz. 66 kam der Kolben dazu und erst 80 der untere Handschutz, der war dann aber aus glasfaserverstärktes Duroplast und das hatte ne leicht andere Farbe als der obere Handschutz.

Wann wurde die AK-47 bei der Sowjetarmee eingeführt?

1949, das AK-47 ist eigentlich nur ein Prototyp zwischen AK-46 und AK-48. Das was man im Westen als AK-47 bezeichnet, wurde von den Sowjets einfach AK genannt. Die Bezeichnung AK-47 geht auf einen CIA Agenten zurück, der den ungarischen Volksaufstand beobachtete. Warum er die Waffe in seinen Aufzeichnungen als AK-47 bezeichnete ist heute unklar.

Was sind die besten Bücher zum Thema Waffen-Geschichte und Waffen-Technik?

Zur Geschichte am besten das jeweilige Spezialbuch zur jeweiligen Waffe und zur Technik Verschlusssysteme von Feuerwaffen von Peter Dannecker.

Was ist an der AKv-521 so neu, das alle so aus dem Häuschen sind?

Die meisten AK Modelle hatten bis jetzt einen Wannenaufbau. Alles wichtige lag in einer Wanne, das obere Gehäuse war lediglich ein Deckel. die AKV-521 bricht jedoch damit und lässt den Verschluss im oberen Gehäuse laufen und geht damit einen Schritt in Richtung AR-15. Es ist wohl dieser Bruch mit der Tradition, welche einige Leute so aufregt.

Sind Revolver nach dem deutschen Waffengesetz Repetierter?

Noch nicht .. aber da kann man ja was dran ändern.

Quellen:

Assault Rifle, The Development of the Moddern Military Rifle and its Ammunition von Maxim Popenker & Anthony G. Williams erschienen bei The Crowood Press 

Sub-Machine Gun, The Development of Sub-Machine Guns and their Ammunition von Maxim Popenker & Anthony G. Williams erschienen bei The Crowood Press

Handfeuerwaffen Band I von Jaroslav Lugs erschienen bei Militärverlag der DDR

Verschlusssysteme von Feuerwaffen von Peter Dannecker erschienen bei dwj Verlags GmbH

Kalaschnikow, Das Genie und sein Lebenswerk von Edward Clinton Ezell erschienen bei dwj Verlags GmbH

Von der Kalaschnikow zur WIEGER, Militärwaffenproduktion in der DDR von Prof. Dr. Rigo Herold erschienen bei Freunde und Förderer des Waffenmuseums Suhl e.V.

The Black Rifle, M16 Retrospective von R. Blake Stevens & Edward C. Ezell erschienen bei Collector Grade Publications

The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci erschienen bei Collector Grade Publications

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book for, Shooters, Gunsmiths, Ballistics, Historians, Hunter and Collectors von Julian S. Hatcher erschienen bei Military Service Publishing Company

Karabiny i karabinki Mauser 98 w Wojsku Polskim w latach 1918-1939 von Pawel M. Rozdzestwienski, Krzysztof Haladaj erschienen bei ZP Grupa Sp-z o.o

Vom Pulverhorn zum Raketengeschoß Die Geschichte der Handfeuerwaffen-Munition von Manfred R. Rosenberg, Katrin Hanne erschienen bei Motorbuch Verlag

Guns of the Wild West Firearms of the American Frontier 1849-1917 von Georg Markham erschienen bei Arms & Armour Press

Sturmgewehr 44 Vorgänger, Entwicklung und Fertigung der revolutionärsten Infanteriewaffe von Dieter Handrich erschienen bei dwj Verlags GmbH

K98 Der polnische Inter-War Karabiner aus Radom und Warschau von Nina J. Kramer erschienen bei Selbstverlag

Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart erschienen bei Profile Publications Ltd.