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08 Mai 2024

AK-47 und SKS-45 wurden für 7,62x41mm und nicht für 7,62x39mm entwickelt, eine Quellensammlung

In diesem Post mal wolltet ihr wissen, ob AK-47 und SKS-45 wirklich für die Patrone 7,62x41mm entwickelt wurden und nicht für 7,62x39mm, wie man immer wieder von Unkundigen hört und ob ich denn mal einige Quellen zusammentragen kann.

Natürlich wurde die AK-47 für 7,62x41mm entwickelt, denn die 7,62x39mm existiert erst seit dem Jahreswechsel 1947/1948 und auch eine Quellensammlung kann ich gerne beibringen.

Ihr findet die 7,62x41mm in folgenden Fachbüchern und Sekundärliteratur:

  • In Kalaschnikow, Das Genie und sein Lebenswerk von Edward Clinton Ezell auf Seite 138 findet sich die AK-47 No.1 in 7,62x41mm. Eine Beschreibung der Patrone findet sich auf Seite 287.* 
  • Im Visier Special 25 mit dem Titel Kalaschnikow Der Konstrukteur und seine Waffe Vom AK 47 zum PK findet man die Patrone auf der Seite 15 die AK-47 für 41mm Patronen und auf Seite 28 die Patrone selbst.
  • In Sturmgewehre der Welt Band III steht auf Seite 95 "Die sowjetische Patrone M 43 war ursprünglich im Kaliber 7,62 x 41 mm entwickelt worden. Sie wurde im Jahr 1947 durch die Patrone 7,62 x 39 mm ersetzt."
  • Selbst in Sturmgewehr 44 Vorgänger, Entwicklung und Fertigung der revolutionärsten Infanteriewaffe von Dieter Handrich findet man die Patrone auf der Seite 91.
  • Im Gesamtwerk The World's Assault Rifles, findet sich ab der Seite 1723*² eine genau Beschreibung der Patrone auf der Seite 1729 findet sich dann die AK-47 No.3 in der Patrone mit 41mm.
  • In Оружие Калашникова von Alexei Nedelin  finden wir auf Seite 37 die AK-47 No.1.
  • In История автомата в СССР и России findet wir auf Seite 29 beide Patronen im Vergleich.

* Glücklicherweise stellt der DWJ-Verlag einige Seiten des Bucher als Vorschau zur Verfügung. Hier kann man die Seite 131 betrachten, auf welcher allerdings die AK-46 zu sehen ist.

*² Für Leute, welche die E-Book Ausgabe des Werkes gekauft haben, findet sich hier ein Link auf die Seite 1723 und hier die Seite 1729.

Besuch der Webseiten auf eigene Gefahr.

12 Mai 2022

Kalaschnikow-Prototypen und ihre Namen (AK-46, AK-47 & AK-48)

Und damit herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag, dieses mal geht es um den verwirrenden Dschungel der AK-Prototypen und ihre Bezeichnungen.

Um ein wenig  Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir uns auf den Hosenboden gesetzt und eine Liste mit allen Kalaschnikow-Prototypen zusammen getragen und wie wer diese nennt, denn das kann schon mal ziemlich unübersichtlich werden, wenn die Modelle in jeden Fachbuch zum Thema Waffengeschichte anders heißen.


Imgur: http://imgur.com/gallery/VbZai6Q

Hier erstmal als Bild also als praktisches PNG zum speichern und weiter verschicken und dann noch mal als Google Tabelle zum kopieren und weiter verschicken aber auch zum ausdrucken und bearbeiten, ihr müsst es jedoch vorher kopieren.

Link http://docs.google.com/spreadsheets/d/1aLaLmBbQhC-1E08cM06rkxDjqgCLiBARsiEn74gnOdk/edit#gid=0

So jetzt wisst ihr, was die anderen Militärhistoriker meinen, wenn sie zb. etwas schreiben wie:

AK-46 No.1
AK-46 No.2
AK-46 No.3
AK-47 No.1
AK-47 No.2
AK-47 No.3
AK-48 No.1
AK-47 No.3 (x39)
AK-47 Type I
AK-47 Type II
AK-47 Type III
AKM (früh)
AKM (spät)
AK-74 (früh)
AK-74 (spät)
AK-74M

09 Mai 2022

Was ist alles eine Ak47 und muss man sie vom AKM unterscheiden?

 Hallo alle zusammen,

wer sich mit Militärgeschichte und noch viel interessanter Militärgegenwart beschäftigt, der wird sicher früher oder später über die Ak47 stolpern, nur um früher oder später von der typischen Verwirrung über dieses Modell überrollt zu werden.

Denn dieser Begriff bezeichnet mal ein einzigen Modell, nur um dann an andere Stelle plötzlich eine ganze Waffengruppe zu bezeichnen. In diesem Beitrag werde ich euch in einem Post nicht die einzelnen Modelle und dessen Merkmale erklären, sondern nur kurz anreißen, warum es zu solchen Verwirrungserscheinungen kommt.

1947 erblicke ein neues Sturmgewehr das Licht der Welt die Ak47, dabei handelte es sich um eine weiterentwickelte Version der Ak46 und eigentlich auch um einen Prototypen, welcher schon 1948 von der Ak48 überholt wurde, da jedoch ein wichtiger Test anstand und die Ak48 noch nicht bereit für diesen Test war, reichte man eine Ak47 ein, welche den Test für sich entscheiden konnte.

Die serienreife Version der Ak47 hieß jedoch in der Sowjetunion nicht Ak47, sondern einfach nur AK. Die ersten Modelle bestanden noch aus im Blechprägeverfahren gefertigten Gehäusen erst die 1949 verbesserte Version kennzeichneten zwei Merkmale, zum einen wurde diese aus einem massiven Block Stahl gefräst und zum anderen besitzt sie einen abfallenden Kolben. Da es aber relativ teuer ist, an einem Stahlblock solange herum zu fräsen, bis ein Ak47 Gehäuse übrig bleibt, ist man 1959 her gegangen und hat die Produktion wieder auf das günstigere Blechprägeverfahren umgestellt. Diese neue Waffe hieß AKM und bekam noch eine ganze weitere Reihe von neune Eigenschaften spendiert. So besitzt sie einen geraden Kolben zur besseren Handhabung bei automatischem Feuer, ab  1970 einen schrägen Mündungskompensator ebenfalls zur Stabilisierung bei der Abgabe von Feuerstößen. Zudem bekam die AKM ein neues Zubehörsystem unter anderem mit neuem Seitengewehr, auch eine neue Schwalbenschwanzschiene wurden eingeführt, mit der die AKM eine Reihe von Optiken aufnehmen kann, welche der Ak47 versagt bleiben.

Ist die AKM jetzt eine neue Waffe oder eine Version der Ak47? Nun sehen wir uns das ganze doch mal aus der Sicht einiger Beteiligter an.

Ich schätze es sollte klar sein, dass ein Soldat, welcher AKM und oder Ak47 selber verwendet diese Modelle unterscheiden muss. Man stelle sich nur mal die Situation vor, in der ein Soldat ein Nachtsichtvisier mit in den Einsatz nimmt nur im im Feld festzustellen, dass dieses nicht auf seine Waffe passt. Ein Ak47 oder AKM Träger muss diese Waffen also unterscheiden.

Wie sieht es nun aber mit einem Soldaten aus, welcher auf der anderen Seite steht? Sprich einem der sich mit Ak47 und oder AKM konfrontiert sieht, wie dies häufig beim US Militär der Fall ist. Dazu müssen wir aber kurz ausholen und erwähnen, dass es neben den russischen Modellen Ak47 und AKM noch eine Vielzahl weiterer Modelle gibt, wie die chinesische Typ-56 welche wie das AKM aus Blech geprägt wird aber die Ak47 Ergonomie soweit beibehalten hat aber auf der anderen Seite ein ganz eigenes Bajonettsystem besitzt. Von den Modellen aus Jugoslawien, Rumänien, Ungarn, Ägypten und der ehemaligen DDR wollen wir hier gar nicht erst anfangen und kehren zurück zur US Armee. Diese sieht sich in ihren Einsätzen im asymmetrischen Krieg meist einer Vielzahl verschiedener Abkömmlinge von Ak47 und AKM gegenüber, wobei es im Kern für den US Soldaten eigentlich egal ist, welches Seitengewehr oder Visiersystem die Waffe besitzt mit der er gerade beschossen wird. Die Waffe des Gegners hat ein Seitengewehr oder sie hat eben keines.

Und da dies egal ist, hat man sich beim US Militär darauf geeinigt, einfach alle Abkömmlinge von Ak47 und AKM schlicht als Ak47 zu bezeichnen. Weil im Grunde sind beides Sturmgewehre im Kaliber 7,62mm x39 mit ähnlicher Reichweite und Kadenz.

Man stelle sich nur mal vor, wie ein US-Späher eine Gruppe von vier Aufständischen erblickt und deren Bewaffnung wie folgt an den diensthabenden Offizier weitergibt:

"Ich sehen vier Aufständische, einer hat eine AKM ganz ohne Kolben, der andere eine Typ-56 dessen Bajonett abgenommen wurde, der dritte trägt eine AMD-65 mit AKM Handschutz und der letzte eine MPi-K, dessen Schulterstütze durch den Griff einer Gartenschaufel ersetzt wurde."

Wie man oft sieht, sind die üblichen Kombattanten noch nicht mal mit kompletten Waffen dieser Gattung ausgestattet, sondern bauen sich oft aus zwei kaputten eine funktionierende Waffe. Das geht zwar nur begrenzt und zischen Ak47 und AKM kaum aber Handschutz und Schulterstützen Roulette scheint bei Aufständischen seit jeher sehr beliebt zu sein. Daher wird der obere Satz beim US Militär meist wie folgt abgekürzt:

"Vier Aufständische, vier Ak47"

Soweit so klar und logisch aber wie kommt dieser Jargon zu uns? Ganz einfach durch die Presse, Kriegsberichterstattung erfolgt in den aktuellen Konflikten meist aus Sicht des US-Militärs und bedient sich deren Dokumenten und Aussagen und in den modernen Konflikten ist es für die Journalisten eh schwer genug objektiv zu sein, da bleibt einfach keine Zeit sich zudem noch mit der Unterscheidung von Handwaffen auseinander zu setzten. Was auch fast nicht schlimm ist, der einzige negative Effekt besteht darin, dass viele immer noch der Meinung sind, Russland beliefere alle Aufständischen von Taliban bis Boko-Haram aktiv mit Waffen.

P.S.

So wir hoffen wir konnten ein wenig Mündungsfeuer ins dunkel bringen und euch hat der Post gefallen.

Als Militärhistoriker muss man übrigens noch Ak47 Type I bis III unterscheiden. Type-I mit Blechprägegehäuse, Type-II mit Metallmanschetten an Kolben und Pistolengriff und Type-III mit Manschette nur noch am Pistolengriff.

24 April 2022

Haben G3 und AK47 das gleiche Kaliber?

 Hallo und herzlich Willkommen,

also ich bekomme in letzter Zeit eine menge Streit mit, ob denn Ak47 und G3 nun das gleich Kaliber haben und welche Patrone / Munition man denn jetzt aus welche Waffe abfeuern kann.

Als erste mal zur Kernfrage, ob beide Waffen das gleiche Kaliber haben.

Wer meine Kaliber, Patrone und Munition Serie verfolgt hat, der weiß natürlich die Antwort und diese lautet - Ja. Das Heckler&Koch G3 und die russische AK47 haben beide das Kaliber 7,62mm.

Wer mehr als nur gut auf gepasst hat weiß allerdings auch, dass es sich bei den beiden Angabe um nominal Kaliber handelt könnte und da habt ihr auch Recht. Leider komm ich an die genau Innenlauf Abmessung nicht heran aber die genauen Geschossdurchmesser habe ich zur Hand und diese wären:
7,85mm bei der AK47 (7,62x39mm M43)
7,85mm beim G3 (7,62x51mm Nato)
Also erstaunlicherweise gleich, es ist also nicht nur das nominal Kaliber gleich. Es kann jetzt natürlich auch sein, dass der G3 Lauf innen enger ist als jener der AK47.

M43 links und 7,62x51 Nato rechts
Kann man jetzt tatsächlich AK47 Munition aus einem G3 verschießen? Nein, denn die Hülsen haben eine andere Form. Da die Nato Hülse länger ist, würde sich der Verschluss der Ak47 nicht schließen können, die M43 Patrone hingegen würde durch ihre kürzere Baumform vermutlich einfach im Patronenlager durchrutschen und vom Zündstift des G3 nicht mehr erreicht werden können.

Wenn man schon die Patrone nicht austauschen kann, kann man denn wenigstens das Projektil austauschen? Diese Frage kann ich leider nur theoretisch beantworten, denn ich bin leider nicht im Besitzt entsprechender Läufe. Rein theoretisch, könnte man wahrscheinlich ein M43 Geschoss durch einen G3 Lauf treiben, aber da Züge, Drall und Pulver auf ein anders geformten Geschoss abgestimmt sind, sehe ich bei einer vernünftigen Trefferpunktlage - schwarz.

So jetzt zum spannenden Teil und zwar zu der Behauptung, man könnte hergehen und G3 Munition im AK47 verschießen und oder umgekehrt. Ursprung dieser Behauptung ist, dass man von einigen Bundeswehrausbildern immer wieder zu hören bekommt, man könnte mit dem G3 zur Not auch AK47 Munition verschießen.

Ich sehe formlich die Fragezeichen in euren Augen .. oder auch Ausrufungszeichen, ja nach Gemütslage.

Im Grunde ist diese Behauptung natürlich falsch, aber hinter jeder Behauptung steckt auch ein bissen Wahrheit und diese heißt HK32. Das HK32 war eine Umentwicklung des G3 und verwendete wirklich die AK47 Patrone M43 und sogar deren Magazine. Es ist nicht ganz klar, ob man dies tat um die Magazine potentieller Feinde in den Ostblockstaaten verwenden zu können oder ob man bei Heckler und Koch einfach neue Märkte erschließen wollte. Fakt ist jedoch, es gibt grob gesagt eine Version des G3, welche AK47 Munition verscheißen kann. Der oder die Ausbilder haben, dies allerdings falsch aufgenommen und noch unkorrekter weitergegeben.

Wo das HK32 eine ziemliche Rarität darstellt, da ist der Konterpart, als die AK47 Version mit G3 Munition schon etwas häufiger anzutreffen und zwar in ehemaligen Jugoslawien. Dort war man der Meinung, dass die Westpatrone viel besser zur Militärdoktrinen des Landes passen würde. Genannt haben sie das Endergebnis dieser Verschmelzung zwischen Ost und West dann, Zastava M77. Soweit ich das in Erinnerung habe, verwendete dieses aber keine reguläre Nato Munition sondern Munition mit geringere Treibladung.

Es gibt also zwei Versionen der beiden Waffen, welche die Patronen der jeweils anderen verwenden, das sollte der Ursprung dieser Gerüchte sein.

Quellen:
  • Manfred R. Rosenberg und Katrin Hanne, Vom Pulverhorn zum Raketengeschoß Die Geschichte der Handfeuerwaffen-Munition, Stuttgart 1993
  • Reiner Lidschun, Günter Wollert, Infanteriewaffen Illustrierte Enzyklopädie der Infanteriewaffen aus aller Welt bis 1945, Königswinter 1999
  • Günter Wollert, Reiner Lidschun und Wilfried Kopenhagen, Schützenwaffen Heute (1945-1985) Band 1 & 2, Berlin 1998