Posts mit dem Label fachliteratur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label fachliteratur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

05 September 2024

Werden Masseverschlüsse vom Gasdruck angetrieben? Ein Blick in die Fachliteratur

Hallo alle zusammen und Willkommen zu einem neuen Post zum Thema Waffenkunde, welcher wohl in die Kategorie der Waffengeschichte fällt oder auch der Waffensemantik.

Mir ist folgendes Kuriosum aufgefallen, in einigen Büchern werden Masseverschlüsse zu den Rückstoßladern gezählt, weswegen einige Unkundige denken, dass Masseverschlüsse wirklich durch den Rückstoß angetrieben werden. Es fällt aber so gut wie immer neulich beim Durchlesen eines dieser Bücher auf, dass dort zwar Rückstoßlader steht, jedoch im Fließtext ganz eindeutig beschrieben wird, dass der Gasdruck den gemeinten Masseverschluss antreibt. Ich fand das natürlich kurios, hab mich aber erinnert, dass mir das vor Jahren schon mal in einem anderen Buch aufgefallen war. 

Ich hab das Ganze dann auch mal in einer kleinen Runde angesprochen, hab aber nur zu hören bekommen, dass das dieses Kuriosum normal sein und dass man es so in fast jedem Buch finden wird. Sprich: Auch wenn ein Fachbuch Masseverschlüsse Rückstoßlader nennt, dass es dann im Fließtext so gut wie immer heißt, dass der Gasdruck den Masseverschluss antreibt. Beziehungsweise die vom Gasdruck nach hinten rausgeschobene Hülse.

Natürlich hab ich mich dann gefragt, ob es nicht wenigstens ein einziges deutsches Fachbuch zum Thema Waffentechnik gibt, in dem als Rückstoßlader bezeichnete Masseverschlüsse denn auch vom Rückstoß angetrieben werden. Das dürfte ja nicht so schwer sein.

Also hab ich mich auf die Suche gemacht aber vorher folgende Kriterien aufgestellt:

  • A: Es muss sich wirklich um ein Fachbuch handeln, also ein wirkliches Buch und kein Heft. Zudem muss es in einem richtigen Verlag erschienen sein.
  • B: Es muss sich sich um ein Buch handeln, welches die Technik von Handfeuerwaffen entweder zum Kernthema hat oder es muss einen großen Technikteil von mindestens 10% der Gesamtseitenanzahl haben.
  • C: Wenn es eine englische Version des Buches gibt, darf in dieser nicht Blow-Back stehen.
  • D: Es muss deutlich aus dem Fließtext hervorgehen, dass Masseverschlüsse vom Rückstoß angetrieben werden.
  • E: Das Buch muss die jeweils aktuellste Ausgabe sein und es darf kein anderen Wert des Autoren geben in welchem er den Fehler nicht gemacht hat.
Mich  beschleicht nämlich langsam das Gefühl, dass es ein solches Buch gar nicht gibt. Ich werde also ab jetzt mal die Augen offen halten und aus diesem Grund auch immer wieder diesen Beitrag hier aktualisieren.

Damit es nicht ganz umsonst ist, wenn ich mal nichts finde, werde ich auch die negativen Ergebnisse dokumentieren. Der Übersicht halber werde ich alle Bücher in folgende Kategorien einteilen:
  • Klasse 1, Masseverschlüsse werden als Gasdrucklader oder Rückdrucklader benannt.
  • Klasse 2, Masseverschlüsse werden nicht in eine Richtung gehend bezeichnet aber als Gasdrucklader beschrieben.
  • Klasse 3, Masseverschlüsse werden als Rückstoßlader benannt aber als Gasdrucklader beschreiben
  • Klasse 3b, Masseverschlüsse werden als Rückstoßlader benannt aber in der englischen Version heißen sie Blow-Back.
  • Klasse 4, Masseverschlüsse werden als Rückstoßlader benannt und auch so beschrieben.
  • Klasse 5, Masseverschlüsse werden als Gasdrucklader benannt aber als Rückstoßlader beschrieben.
Klasse 1:

Hier sind die Hauptwerke der deutschen Waffentechnik vertreten, die ich später ergänze, da sie eh jeder kennt.

Klasse 2:

Moderne Faustfeuerwaffen Gerhard Bock 1911
"Der auf den Boden der Hülse wirkende Gasdruck sucht die Hülse zurückzutreiben;" Seite 174

Handbuch der Faustfeuerwaffen G. Bock, W. Weigel 1964

"Der auf den Boden der Hülse wirkende Gasdruck such die Hülse zurückzutreiben." Seite 163 

Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945 Hans-Dieter Götz 1981 B

"Der Schuß bricht und der Gasdruck im Lauf wirkt sich einerseits auf das Geschoß, andererseits auf den Verschluß aus. Beide setzen sich in entgegengesetzte Richtungen in Bewegung." Seite 225
Klasse 3:

Schützenwaffen Heute (1945-1985) Günter Wollert, Reiner Lidschun, Wilfried Kopenhagen 1998
"Bei diesen Schützenwaffen wird die Energie der Pulvergase über die Patronenhülse auf den Verschluss übertragen." Seite 40

"Sobald der Druck der Pulvergase entsprechen angestiegen ist beginnt der Rücklauf des Verschlusses zusammen mit der Hülse." Seite 40

Waffenschmidt, Waffen- und Munitionstechnisches Handbuch, Karl Böhlein, Rolf Brand 1968
"[...], bei denen ohne besondere Gasentnahmeeinrichtung der Druck der Pulvergase nach hinten (Rückdruck) über den Patronenboden direkt zum Antrieb des Schlosses verwendet wird." Seite 12

Waffenlehre für die Bundeswehr, Heiz Dathan 1972 

"Die großen Gasmengen üben nunmehr einen allseitig hohen Druck auf den Patronen- bzw. Kartuschenboden und damit auf den Waffenverschluß [...] aus." Seite 19

"Gleichzeitig drücken die Pulvergase auf die Patronenhülse. Die Hülse überträgt einen Teil des Gasdrucks auf den Verschluss, wodurch der Rücklauf eingeleitet wird." Seite 170

Die offizielle Geschichte der Oberndorfer Firma Heckler&Koch, Kersten & Schmid 1999 B

"Die Pulvergase treiben das Geschoß an, Gleichzeitig drücken die Pulvergase auf  die Patronenhülse. Die dabei auf den Stoßbodenfläche des Verschlußkopfes wirkenden Kräfte werden über die Verschlußrollen [...] auf den Verschlussträger übertragen." Seite 154

Waffenkunde für Sammler vom Luntenschloss zum Sturmgewehr Hans-Dieter Götz 1972 B
"Beim Schuß, wenn die Pulvergase auf den Hülsenboden der Patrone und damit auf den Verschlußkopf wirken," Seite 169

Mit Pulver und Blei,  kleine Waffenkunde für Liebhaber, Hans-Dieter Götz 1972 B

"Die Pulvergase, die sich beim Schuß entwickeln, wirken gleichmäßig nach allen Seiten. Da daß Geschoß leichter zu bewegen ist als [...] Verschußstück, [..] nimmt das Geschoß auch rascher Geschwindigkeit auf, der Verschluß dagegen setzt sich nur langsam in entgegengesetzte Richtung in Bewegung[...]" Seite 135 

Klasse 3b:

Das Maschinengewehr Die Geschichte einer vollautomatischen Waffe F.W.A. Hobart 1973 C
"[...] die durch den Gasdruck zurückgetriebene  Hülse drückt auch den Verschluss zurück," Seite 11
Klasse 4:

Hier konnte ich leider noch keine Bücher finden, welche die Kriterien erfüllen.

Klasse 5:

Wehrtechnischen Studiensammlung Teil 1 Band 2 Die Selbstlade- und automatischen Handfeuerwaffen Dieter Heinrich 1986 B
"[Tabelle] Rohr gehäusefest; Verschlußlader; Direkter Gasantrieb; unstarre Verriegelung" Seite 21

"Direkter Gasantrieb; Der entgegen der Schußrichtung auf den Hülsenboden wirkende Reaktion-Impuls (Rückstoß) bzw. die in Schußrichtung wirkenden Reibungskräfte[...] dienen als Antrieb." Seite 22

Anmerkung:

Ich weiß, dass nicht alle Bücher meine oben genannten Bedingungen erfüllen aber ich hatte sie halt eh schon in der Hand.

Zwischenfazit: 

Ich habe jetzt die üblichen Verdächtigen durch aber irgendwie scheint es Bücher, bei welchen Waffen mit Masseverschlüssen wirklich als durch den Rückstoß angetrieben beschrieben werden nicht zu geben zumindest nicht unter den seriösen Werken. Das einzige Buch, das ich bis her mit einer entsprechenden Beschreibung finden konnte, ist der Katalog der wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz. Und da ist das kuriose, dass die Waffen zwar als rückstoßbetrieben beschrieben werden aber als Gasdrucklader benannt werden. Aus diesem Grund musste ich auch die kuriose Klasse 5 nachtragen.

Selbst in Heiz Dathans Waffenlehre für die Bundeswehr ist der Fehler so nicht auffindbar und das, obwohl Peter Dannecker dieses Werk als Ursprung des Fehler benennt. Dathan benennt und beschreibt die Maschinenpistole MP2 "Uzi" zwar als Rückstoßlader jedoch aus dem Grund, da er der Waffe eine Zündung während des noch stattfindenden Verschlussvorlaufes attestiert. 

Die Suche geht weiter, sachdienliche Hinweise bitte in die Kommentare oder an Blogname@live.de

08 Mai 2024

AK-47 und SKS-45 wurden für 7,62x41mm und nicht für 7,62x39mm entwickelt, eine Quellensammlung

In diesem Post mal wolltet ihr wissen, ob AK-47 und SKS-45 wirklich für die Patrone 7,62x41mm entwickelt wurden und nicht für 7,62x39mm, wie man immer wieder von Unkundigen hört und ob ich denn mal einige Quellen zusammentragen kann.

Natürlich wurde die AK-47 für 7,62x41mm entwickelt, denn die 7,62x39mm existiert erst seit dem Jahreswechsel 1947/1948 und auch eine Quellensammlung kann ich gerne beibringen.

Ihr findet die 7,62x41mm in folgenden Fachbüchern und Sekundärliteratur:

  • In Kalaschnikow, Das Genie und sein Lebenswerk von Edward Clinton Ezell auf Seite 138 findet sich die AK-47 No.1 in 7,62x41mm. Eine Beschreibung der Patrone findet sich auf Seite 287.* 
  • Im Visier Special 25 mit dem Titel Kalaschnikow Der Konstrukteur und seine Waffe Vom AK 47 zum PK findet man die Patrone auf der Seite 15 die AK-47 für 41mm Patronen und auf Seite 28 die Patrone selbst.
  • In Sturmgewehre der Welt Band III steht auf Seite 95 "Die sowjetische Patrone M 43 war ursprünglich im Kaliber 7,62 x 41 mm entwickelt worden. Sie wurde im Jahr 1947 durch die Patrone 7,62 x 39 mm ersetzt."
  • Selbst in Sturmgewehr 44 Vorgänger, Entwicklung und Fertigung der revolutionärsten Infanteriewaffe von Dieter Handrich findet man die Patrone auf der Seite 91.
  • Im Gesamtwerk The World's Assault Rifles, findet sich ab der Seite 1723*² eine genau Beschreibung der Patrone auf der Seite 1729 findet sich dann die AK-47 No.3 in der Patrone mit 41mm.
  • In Оружие Калашникова von Alexei Nedelin  finden wir auf Seite 37 die AK-47 No.1.
  • In История автомата в СССР и России findet wir auf Seite 29 beide Patronen im Vergleich.

* Glücklicherweise stellt der DWJ-Verlag einige Seiten des Bucher als Vorschau zur Verfügung. Hier kann man die Seite 131 betrachten, auf welcher allerdings die AK-46 zu sehen ist.

*² Für Leute, welche die E-Book Ausgabe des Werkes gekauft haben, findet sich hier ein Link auf die Seite 1723 und hier die Seite 1729.

Besuch der Webseiten auf eigene Gefahr.

06 September 2023

Die Suche nach dem Buch in dem Masseverschlüsse durch Rückstoß angetrieben werden

 Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Post zum Thema Waffenkunde, welcher wohl in die Kategorie der Waffengeschichte fällt oder auch der Waffensemantik (Waffensprache).

Und zwar ist mir folgendes Kuriosum aufgefallen, in einigen Büchern werden ja Masseverschlüsse zu den Rückstoßladern gezählt, weswegen Einige denken, dass Masseverschlüsse wirklich durch den Rückstoß angetrieben werden. Aber dann ist mir neulich beim Durchlesen eines dieser Bücher aufgefallen, dass dort zwar Rückstoßlader steht aber im Fließtext ganz eindeutig beschrieben wird, dass der Gasdruck den gemeinten Masseverschluss antreibt. Ich fand das natürlich kurios, hab mich aber erinnert, dass mir das vor Jahren schon mal in einem anderen Buch aufgefallen war. 

Ich hab das Ganze dann auch mal in einer kleinen Runde angesprochen, hab aber nur zu hören bekommen, dass das dieses Kuriosum normal sein und dass man es so in fast jedem Buch finden wird. Sprich: Auch wenn ein Fachbuch Masseverschlüsse Rückstoßlader nennt, dass es dann im Fließtext so gut wie immer heißt, dass der Gasdruck den Masseverschluss antreibt. Beziehungsweise die vom Gasdruck nach hinten rausgeschobene Hülse.

Natürlich hab ich mich dann gefragt, ob es nicht wenigstens ein einziges deutsches Fachbuch zum Thema Waffentechnik gibt, in dem als Rückstoßlader bezeichnete Masseverschlüsse denn auch vom Rückstoß angetrieben werden. Das dürfte ja nicht so schwer sein.

Also hab ich mich auf die Suche gemacht aber vorher folgende Kriterien aufgestellt:

  • A: Es muss sich wirklich um ein Fachbuch handeln, also ein wirkliches Buch und kein Heft. Zudem muss es in einem richtigen Verlag erschienen sein.
  • B: Es muss sich sich um ein Buch handeln, welches die Technik von Handfeuerwaffen entweder zum Kernthema hat oder es muss einen großen Technikteil von mindestens 10% der Gesamtseitenanzahl haben.
  • C: Wenn es eine englische Version des Buches gibt, darf in dieser nicht Blow-Back stehen.
  • D: Es muss deutlich aus dem Fließtext hervorgehen, dass Masseverschlüsse vom Rückstoß angetrieben werden.
  • E: Das Buch muss die jeweils aktuellste Ausgabe sein und es darf kein anderen Wert des Autoren geben in welchem er den Fehler nicht gemacht hat.
Mich  beschleicht nämlich langsam das Gefühl, dass es ein solches Buch gar nicht gibt. Ich werde also ab jetzt mal die Augen offen halten und aus diesem Grund auch immer wieder diesen Beitrag hier aktualisieren.

Damit es nicht ganz umsonst ist, wenn ich mal nichts finde, werde ich auch die negativen Ergebnisse dokumentieren. Der Übersicht halber werde ich alle Bücher in folgende Kategorien einteilen:
  • Klasse 1, Masseverschlüsse werden als Gasdrucklader oder Rückdrucklader benannt.
  • Klasse 2, Masseverschlüsse werden nicht in eine Richtung gehend bezeichnet aber als Gasdrucklader beschrieben.
  • Klasse 3, Masseverschlüsse werden als Rückstoßlader benannt aber als Gasdrucklader beschreiben
  • Klasse 3b, Masseverschlüsse werden als Rückstoßlader benannt aber in der englischen Version heißen sie Blow-Back.
  • Klasse 4, Masseverschlüsse werden als Rückstoßlader benannt und auch so beschrieben.
  • Klasse 5, Masseverschlüsse werden als Gasdrucklader benannt aber als Rückstoßlader beschrieben.
Klasse 1:

Hier sind die Hauptwerke der deutschen Waffentechnik vertreten, die ich später ergänze, da sie eh jeder kennt.

Klasse 2:

Moderne Faustfeuerwaffen Gerhard Bock 1911
"Der auf den Boden der Hülse wirkende Gasdruck sucht die Hülse zurückzutreiben;" Seite 174

Handbuch der Faustfeuerwaffen G. Bock, W. Weigel 1964

"Der auf den Boden der Hülse wirkende Gasdruck such die Hülse zurückzutreiben." Seite 163 

Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945 Hans-Dieter Götz 1981 B

"Der Schuß bricht und der Gasdruck im Lauf wirkt sich einerseits auf das Geschoß, andererseits auf den Verschluß aus. Beide setzen sich in entgegengesetzte Richtungen in Bewegung." Seite 225
Klasse 3:

Schützenwaffen Heute (1945-1985) Günter Wollert, Reiner Lidschun, Wilfried Kopenhagen 1998
"Bei diesen Schützenwaffen wird die Energie der Pulvergase über die Patronenhülse auf den Verschluss übertragen." Seite 40

"Sobald der Druck der Pulvergase entsprechen angestiegen ist beginnt der Rücklauf des Verschlusses zusammen mit der Hülse." Seite 40

Waffenschmidt, Waffen- und Munitionstechnisches Handbuch, Karl Böhlein, Rolf Brand 1968
"[...], bei denen ohne besondere Gasentnahmeeinrichtung der Druck der Pulvergase nach hinten (Rückdruck) über den Patronenboden direkt zum Antrieb des Schlosses verwendet wird." Seite 12

Waffenlehre für die Bundeswehr, Heiz Dathan 1972 

"Die großen Gasmengen üben nunmehr einen allseitig hohen Druck auf den Patronen- bzw. Kartuschenboden und damit auf den Waffenverschluß [...] aus." Seite 19

"Gleichzeitig drücken die Pulvergase auf die Patronenhülse. Die Hülse überträgt einen Teil des Gasdrucks auf den Verschluss, wodurch der Rücklauf eingeleitet wird." Seite 170

Die offizielle Geschichte der Oberndorfer Firma Heckler&Koch, Kersten & Schmid 1999 B

"Die Pulvergase treiben das Geschoß an, Gleichzeitig drücken die Pulvergase auf  die Patronenhülse. Die dabei auf den Stoßbodenfläche des Verschlußkopfes wirkenden Kräfte werden über die Verschlußrollen [...] auf den Verschlussträger übertragen." Seite 154

Waffenkunde für Sammler vom Luntenschloss zum Sturmgewehr Hans-Dieter Götz 1972 B
"Beim Schuß, wenn die Pulvergase auf den Hülsenboden der Patrone und damit auf den Verschlußkopf wirken," Seite 169

Mit Pulver und Blei,  kleine Waffenkunde für Liebhaber, Hans-Dieter Götz 1972 B

"Die Pulvergase, die sich beim Schuß entwickeln, wirken gleichmäßig nach allen Seiten. Da daß Geschoß leichter zu bewegen ist als [...] Verschußstück, [..] nimmt das Geschoß auch rascher Geschwindigkeit auf, der Verschluß dagegen setzt sich nur langsam in entgegengesetzte Richtung in Bewegung[...]" Seite 135 

Klasse 3b:

Das Maschinengewehr Die Geschichte einer vollautomatischen Waffe F.W.A. Hobart 1973 C
"[...] die durch den Gasdruck zurückgetriebene  Hülse drückt auch den Verschluss zurück," Seite 11
Klasse 4:

Hier konnte ich leider noch keine Bücher finden, welche die Kriterien erfüllen.

Klasse 5:

Wehrtechnischen Studiensammlung Teil 1 Band 2 Die Selbstlade- und automatischen Handfeuerwaffen Dieter Heinrich 1986 B
"[Tabelle] Rohr gehäusefest; Verschlußlader; Direkter Gasantrieb; unstarre Verriegelung" Seite 21

"Direkter Gasantrieb; Der entgegen der Schußrichtung auf den Hülsenboden wirkende Reaktion-Impuls (Rückstoß) bzw. die in Schußrichtung wirkenden Reibungskräfte[...] dienen als Antrieb." Seite 22

Anmerkung:

Ich weiß, dass nicht alle Bücher meine oben genannten Bedingungen erfüllen aber ich hatte sie halt eh schon in der Hand.

Zwischenfazit: 

Ich habe jetzt die üblichen Verdächtigen durch aber irgendwie scheint es Bücher, bei welchen Waffen mit Masseverschlüssen wirklich als durch den Rückstoß angetrieben beschrieben werden nicht zu geben zumindest nicht unter den seriösen Werken. Das einzige Buch, das ich bis her mit einer entsprechenden Beschreibung finden konnte, ist der Katalog der wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz. Und da ist das kuriose, dass die Waffen zwar als rückstoßbetrieben beschrieben werden aber als Gasdrucklader benannt werden. Aus diesem Grund musste ich auch die kuriose Klasse 5 nachtragen.

Selbst in Heiz Dathans Waffenlehre für die Bundeswehr ist der Fehler so nicht auffindbar und das, obwohl Peter Dannecker dieses Werk als Ursprung des Fehler benennt. Dathan benennt und beschreibt die Maschinenpistole MP2 "Uzi" zwar als Rückstoßlader jedoch aus dem Grund, da er der Waffe eine Zündung während des noch stattfindenden Verschlussvorlaufes attestiert. 

Die Suche geht weiter, sachdienliche Hinweise bitte in die Kommentare oder an Blogname@live.de

25 April 2022

Fachliteratur: Infanteriewaffen, Illustrierte Enzyklopädie der Infanteriewaffen aus aller Welt bis 1945

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einer neuen Rezension eines Fachbuches - kam ja jetzt eine ganze Weile keine mehr. Dieses mal geht es um einen echten Klassiker

Selbiges, nennt sich "Infanteriewaffen - Illustrierte Enzyklopädie der Infanteriewaffen aus aller Welt bis 1945" die beiden Autoren dieses Werkes heißen Reiner Lidschun und Günter Wollert.

Hier seht ihr ein Bild des Buches. Mich hat mein Exemplar im Einzelhandel fünfzehn Euro gekostet, ihr könnt allerdings wesentlich günstiger wegkommen, im Internet werden gebrauchte Exemplare schon ab neun Euro angeboten.

Aber worum geht es eigentlich in diesem Buch? Und noch viel wichtiger: Warum zeige ich euch keine einzige Seite dieses Buches? Das, liegt leider an den hiesigen Gesetzen, die es mir nicht gestatten, den Inhalt ungenehmigt elektronisch zu verbreiten.

Es geht in dem Buch, wie der Titel vielleicht vermuten lässt, um Infanteriewaffen und zwar um solche, welche von 1918 bis 1945 hergestellt wurden. Also vom Ende des ersten Weltkrieges bis zum Ende des zweiten. Dabei kann es aber durchaus auch vorkommen, dass wesentlich ältere Modelle behandelt werden, wenn diese zwischen 1918 und 1945 noch in Gebrauch waren.

Zur genauen Entstehung des Buches konnte ich leider nicht das Meiste in Erfahrung bringen, aber es ist soviel klar, dass es sich um den Nachfolger des Buches Schützenwaffen Heute (1945-1985) handelt. Dieser Vorgänger stammt allerdings noch aus der DDR und ist entsprechend politisch gefärbt. Ob unser Buch auch noch zu DDR Zeiten entstand oder erst danach ist mir nicht bekannt, es könnte einerseits bereits im vereinigen Deutschland entstanden sein oder es könnte sich um eine stark revierte und entpolitisierte Fassung handeln.

Jetzt aber erstmal was zur Verarbeitung, diese ist für ein Buch vollkommen ausreicht. Das Buch selber, befindet sich noch mal in einem Schutzumschlag, dieser ist matt gehalten und hat bei mir hier schon einige Knicke und Macken. Unter dem Umschlag befindet sich nach mal das selbe Motiv mit Stahlhelm und MP40 diesmal allerdings in Hochglanz  was im Bücherregal eines mehr her macht.  Die Seiten sind nicht zu dünn, die Schrift ist klar und ausgezeichnet lesbar, die Bindung wirkt stabil und hat noch keinerlei Einrisse oder sonstige Beschädigungen. Dafür, das dieses Buch in China gedruckt wurde hat es eine mehr als ausreichende Qualität.

Nun zur Handhabung. Leider ist das Buch recht groß und auch nicht gerade leicht, was die Handhabung doch sehr einschränkt, das Buch ist einfach zu schwerm um es in der Schwebe zu halten und zu groß um es mit einer Hand zu halten. Wenn man das Buch zum Lesen auf einem Tisch legt ist das war kein Problem, aber sollte man vorhaben es unterwegs oder im Bett zu lesen, stößt man schnell an Grenzen, besonders wenn man nicht allein ist und etwaige Katzen oder Schnabeltiere dazukommen und Kuscheln wollen.  

Aber nun zu den einzelnen Abschnitten des Buches.

Das Vorwort, lässt bereits den Schluss zu, dass hier keinesfalls leichtfertig oder sogar verherrlichend mit dem Thema Krieg oder Waffen umgegangen wird.

Zum Gebrauch des Buches, ist ein unerlässlicher Teil, in welchem erklärt wird, nach welchen Mustern dieses Buch vorgeht. So erfolgt zum Beispiel die Benennung in einer genormten Reihenfolge und zwar: "Land Waffengattung Modellbezeichung Kaliber". Dies kann zwar zu Anfang zur Verwirrung führen, aber erleichtert auf Dauer die Orientierung. So War ich doch etwas verdutzt die "PPSch", als "Maschinenpistole Modell Schpagin PPSch 1941 7,62mm" wieder zu finden.

Taktik, einer der wenigen meiner Kritikpunkte haftet hier, denn unter Taktik wird weniger der taktische Einsatz der Infanterie, mit Hilfe von Versatzstücken wie "Feuerdichte" oder "Vorrücken und Feuer" erklärt, sondern hier wird lediglich die Geschichte der einzelnen Waffengattungen erklärt und wie sich das Gleichgewicht bis zum Kriegsende hin verschob. Es beginnt also mit einem Abschnitt Namens "Gewehre dominieren" und endet mit "Distanz des Infanteriefeuers herabgesetzt". Kein uninteressantes Thema, besonders da auch noch mal auf den ersten Weltkrieg zurück geblickt wird. Auch der Einblick in die damals herrschenden Meinungsverschiedenheiten, zum Beispiel die Kontroversen um das für und wieder der Maschinenpistole, sind sehr interessant. Aber dann, hätte das Kapitel eher "Waffengattungen und ihre Geschichte" heißen sollen.

Technik, auch wenn dieses Kapitel einen anderen Namen hat, so geht es hier zumindest teilweise einfach weiter mit der Geschichte der Waffengattungen und zwar unter anderem mit "Maschinenpistole setzt sich durch" beendet wird das Kapitel mit dem Abschnitt "Panzerbüchsen nach altem und neuen Prinzip". Einem Kapitel was sich jeder mal zu Auge führen sollte, denn dann wird einem auch klar, dass der Name "Raketenwerfer", doch besser nicht mehr in militärischen Zusammenhang gebraucht werden sollte. Auch der Abschnitt über Sinn und Zweck einen Universal-Maschinengewehrs sollte von so einigen gelesen werden. Ab interessantesten sind allerdings mehrere Abschnitte zum Thema - vereinfachter Konstruktionen, welche vor allem die Frage beantwortet, warum viele Militärs einfachen Modellen den Vorzug eingeräumt haben, auch wenn diese leitungsmäßig meist hinter komplizierten Modellen zurückbleiben.

Definitionen, meiner Meinung nach eines der Kapitel, welches von einigen Leuten am dringendsten gelesen werden sollte. Hier wird ausführlich erklärt, wie sich die einzelnen Gattungen von Selbstladepistole bis hin zum Mehrladekarabiner von einander unterscheiden und besonders wichtig, wie sie sich definieren. Beigestellt sind einige Explosionszeichnungen und Röntgenschnitte, natürlich mit nummerieren Bauteilen und dazu passender Legende.

Mehrsprachiger Teil, hier finden sich noch mehr Explosionszeichnungen und Röntgenschnitte. Sind diese bereits im vorherigem Kapitel außerordentlich praktisch, so wird hier noch mehr geboten und zwar bekommt man eine Legende in Tabellenform geboten, die das durch eine Zahl auf der Zeichnung markierte Bauteil in gleich fünf Sprachen benennt und zwar in deutsch, englisch, spanisch, französisch und russisch. Solltet man also einmal nicht wissen, wie man ein bestimmtes Bauteil eines Modells nennt, wird auch dieses Kapitel sicher nur in seltensten Fällen im Stich lassen. Neben Waffen gibt es hier auch Zeichnungen nebst Legende von einer ballistischen Kurve, mehreren Patronen, einer handvoll Visieren inklusive eines Optischen, ein paar Lafetten und sogar innere Bauteile wie ein Verschluss und ein Zuführer fehlen nicht.

Patronen, wer immer schon oder immer noch Probleme damit hat, verschiedenste Patronen auseinander zu halten oder sich einen guten Überblick verschaffen will, ist hier genau richtig. In diesem Kapitel werden so gut wie alle in dieser Zeit übliche Patronen aufgelistet, beschreiben und sogar in Originalgröße abgebildet. Die Beschreibung der Patronen folg immer dem selben Muster und zwar wird erst der Typ genannt, also ob es sich zum Beispiel um eine Pistolen, Revolver oder Gewehrpatrone handelt. Dann der Name der Patrone oder eben die Namen, da damals viele europäische Patronen für den amerikanischen Markt andere Namen erhielten und umgekehrt. Danach folgt für Patronen mit inchi Kaliber Angabe, was ich als sehr praktisch erachte, immer auch die Abmessung in Millimeter. Danach folgt eine Spalte mit der Geschichte zur Entstehung, auch wird meist auf die Fertigung eingegangen und natürlich aus welchen Modellen die Patrone verschossen werden kann, auch wenn nur selten wirklich -alle- Modelle genannt werden. Zum Schluss, wird meist noch eine Expertenmeinung zur Leistung eingeholt. Unter dem Text, finden man eine Tabelle mit sehr praktischen Parametern wie Geschossmasse, Pulverladung soviel Mündungsenergie in Joule und Mündungsgeschwindigkeit in Meter die Sekunde. Ganz am unteren Ende findet sich dann die besagte Abbildung der Patrone in Realgröße ausgezeichnet mit den Maßen von Hülsenboden, Hülsenrand, Hülsenmund, Hülsenlänge und Patronenlänge. Am wichtigen jedoch, ist die Angabe des Realkalibers des Projektiles. Wer schon mal einen Blick in die Waffentechnik des vorigen Jahrhunderts geworfen hat der weiß, dass es zu dieser Zeit nicht grade wenige verschiedene Patronen gab. Deswegen würde ich empfehlen, dieses Kapitel zwar einmal komplett durchzulesen, aber es immer wieder zu rate zu ziehen wenn bei einer Waffenbeschreibung plötzlich von einer Patrone die Rede ist, die einem so gar nichts sagt.

Waffen, endlich geht es an den Kern des Buches und zwar zu den eigentlichen Waffen oder auch Modellen. Die Waffen sind nach Ländern sortiert, begonnen wird mit Argentinien und beendet wird das Buch mit den USA. Wie ihr euch beim dem Namen Argentinien eventuell bereits denken könnt, wird hier nicht bloß an der Oberfläche gekratzt sondern, es werden auch Länder und Modelle behandelt die man eventuell nicht kennt. Auch werden immer mal wieder Liezensnachbauten und Kopien andere Modelle behandelt.

Innerhalb der Länder wird mit Pistolen begonnen und mit Panzerbüchsen geendet. Viele Länder beginnen mit einer meist, nicht auf den ersten Blick überschaubaren, Anzahl an sogenannten Westentaschenpistolen - kleinst Pistolen die meist von Offizieren privat beschafft wurden, dieser Teil kann mitunter recht zäh und langweilig sein, sollte man sich nicht zufällig aus beruflichen Gründen mit solchen Waffen interessiert. Nach den Pistolen folgen meist die Maschinenpistolen, sollte das entsprechende Land welche gefertigt haben, diese sind meist sehr interessant aber es kann auch mal vorkommen das man sich bei der Zigsten MPi mit Masseverschluss doch etwas langweilt. Danach folgen Mehrlader- und Selbstladegewehre, was wieder etwas zäh werden könnte ist das nächste und übernächste Maschinengewehr  nach Maxim-Konstruktion, von denen es sich so anfühlt als hätte da jedes Land sein eigenes gehabt. Richtig freudig wird es da hingegen bei den ganzen schweren und teilweise sogar überschweren Maschinengewehren die jedem Technikgigantomanen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Gleiches gilt natürlich auch für die Panzerbüchsen, die im Verlauf der Geschichte in immer größeren Kalibern ihren Weg in die Bewaffnung einzelner Armeen fanden. Es werden sogar ein paar Maschienenkanonen beschreiben.

Wer plant nicht das ganze Buch zu lesen, sondern sich nur für ein einzelnes Land oder sogar nur für ein paar vereinzelte Modelle interessiert, der braucht keine Sorge zu haben, es ist absolut kein Problem mal ein einzelnes Land komplett zu überspringen, allerdings sollte man das Vorwort sowie die beiden Kapitel - Technik und Taktik gelesen haben um das Buch besser zu verstehen. Allerdings bin ich persönlich der Meinung, das sich das Buch nur voll entfaltet wenn man es wirklich komplett liest und ich einem der daraus folgende Gesamtüberblick erschließt.

Bei jedem Modell wird als erste die Entstehunggeschichte beleuchtet, die ein oder andere davon ist sogar recht spannend, weil die meist entweder persönliche Schicksale und das ganzer Länder umschreibt. Dabei verliert das Buch zum Glück nie seine Sachlichkeit. Es ist meist überaus interessant zu sehen, wie aus einer Idee ein Einsatztaugliches Modell heranreift. Dabei werden auch oft Zwischenschritte und Prototypen beschreiben, einige davon sogar mit Bild. Es kommen sogar Testmodelle ohne jede militärische Relevanz vor allein aus dem Grund, das sie die Grundlage für spätere Modelle darstellten oder einfach aus dem Grund das diese auf Grund ihrer Art doch recht unterhaltsam sein können. Es wird auch der ein oder andere Mythos entweder konträr erklärt oder widerlegt.

Nachdem ich erst in der Mitte das Buches erfahren habe, dass dieses Werk aus der DDR stammt, hatte ich zwar einerseits eine Erklärung dafür, warum die Sowjetunion und ihre Industrie außergewöhnlich positiv dargestellt werden aber auch ein wenig Bedenken, dass andere Länder die in der DDR traditionell nicht immer im besten Licht dargestellt werden, absichtlich schlechter wegkommen würden. Aber am Ende wurde ich eines besseren belehrt, sowohl das damalige Deutschland als auch die USA kommen nicht schlechter weg als andere, die Geschichte der beiden Länder wird sehr neutral behandelt .. im Fall von Deutschland sogar schon fast etwas zu neutral.

Auch die genaue Technik, welche in der Waffe arbeitet wird meist recht gut beschreiben, besonders wenn ein außergewöhnlicher Mechanismus am Werk ist - wird einem meist unter die Arme gegriffen und eine Röntgenzeichung der Verschlussteile angestellt. Es kann allerdings immer mal wieder sein, das man trotz aller Mühen ein System nicht versteht oder viel wahrscheinlicher einen Begriff nicht kennt und diesen anderswo nachschlagen muss. Auch, werden ein paar Verschlusssysteme und Vorgänge anders benannt, als zum Beispiel ich das gewöhnt bin, so habe ich erst recht spät gemerkt, dass mit "Verschluss durch Rest an Bewegungsenergie", das gemeint war das ich als "Momentverschluss" kenne. Was mir besonders gut gefallen hat ist, dass dieses Buch auch mal genauer auf die Sicherungseinrichtungen ein geht und wie diese auf welche Teile wirken, ein Thema welche sonst in Bücher immer sträflich vernachlässigt wird. Auch wird meist sehr gut auf die Anordnung der Bedienelemente wie Magazinsparre, Sicherungshebel und Feuerwahlhebel eingegangen. Bei einigen wenigen Modellen wird sogar beschreiben, wie man diese zum Beispiel zur Reinigung zerlegt, leider fehlte mir oft das nötige Vorstellungsvermögen. um die einzelnen Schritte an Hand der normalen Abbildungen nachzuvollziehen. 

Von den Hauptmodellen sind meist ohnehin mehrere Bilder vorhanden. Ganz besondere Meilensteine bekommen sogar noch mal extra eigenen Explosionszeichnungen und Röntgenschnitte meist leider ohne Legende.

Nach der Entstehung, werden dann meist die Fertigungsstätten beschrieben und meist sogar die Kosten die dabei pro Modell entstanden, was ich sehr interessant finde. Danach folgt meist eine Aufzählung der Abnehmer, meist sogar mit genauen Stückzahlen und dem Preis den der Hersteller dem Kunden machte, meist handelt es sich dabei um das Militär des eigenen Landes. Bei größeren Ländern kommt es natürlich auch vor das Exportaufträge in großem Stil anfallen, die dann auch meist aufgeführt werden, auch äußerst interessant. Bei einigen wenigen Modellen wird noch etwaiges verfügbares Zubehör aufgezählt, zum Beispiel Bajonette aber auch frühe Zieloptiken.

Eine kleine Warnung, muss ich bezüglich der Feuergeschwindigkeit anbringen. Im Buch ist meist von praktischer Feuergeschwindigkeit die Rede, diese gibt im unterscheid zur theoretischen Feuergeschwindigkeit, an wie schnell man damit praktisch angeben kann, also unter Berücksichtigung von Feuerpausen, Nachladen und anderen Begebenheiten. Das ist in sofern sinnvoll, da die damaligen frühen Maschinenpistolen meist eine viel zu hohe Kadenz hatten und sich im Dauerfeuer kaum gezielt einsetzen ließen.

Am Fuß jeder Beschreibung folgt dann noch mal eine kleine Tabelle mit allen technischen Daten zu Längen Höhen, Gewichten in geladenen und ungeladenen Zuständen, Lauflängen und Zügen. Darunter natürlich auch die wichtigen Parameter, also Mündungsgeschwindigkeit und Einsatzschussweite. Aber auch Angaben wie die genaue Visierlänge.

Register, am Ende des Buches ist noch mal ein Register zu finden, in dem alle Modelle noch mal ein mal dem Namen nach und ein mal nach Kaliber aufgelistet werden um diese schneller finden zu können. Falls ihr euch jetzt fragt, warum dort auch Modelle auftauche, die erstens im Buch nicht zu finden sind und zweitens erst lange nach 1945 hergestellt wurden. Das liegt daran, dass dort auch alle Modelle des Vorgänger Buches (1945-1985) mit aufgezählt werden.

Sonstige Highlights.

Die MP40 ist hier selbstverständlich nicht von Schmeisser.

Auch wenn das Buch alles in allem sehr übersichtlich ist so haben die Autoren doch einen Fehler gemacht und zwar werden bei Frankreich zwei Gewehre in einem Abschnitt beschreiben, hier ist Verwirrung unumgänglich.

Ein weiteres Highlight, ist eine reihe britischer Kommandowaffen, hier gibt es neben einer Revolver-Schlagring Kombination - frühe schallgedämpfte Pistolen, eine davon zum Tragen um Ärmel.

Einer der unterhaltsamsten Länder stellt Japan, deren Modell so ganz anders sind als die Westlichen. Kuriose Ideen wechseln sich hier ab mit totalen Fehlschlägen und "es hätte funktionieren können".

Besonders interessant, ist auch die Geschichte Italiens welche sehr gut veranschaulicht, das die Einführung eines neuen Kaliber zu extremen Problemen führe kann.

Sehr gut beschreiben ist auch die, meist völlig ignorierte, Geschichte des Federow Avtomaten, einem der ersten Proto-Sturmgewehre.

Auch sehr interessant und gleichzeitig kurios ist der Liberator einer kleine Pistole aus den USA, bei der der Schütze länger brauchte diese nachzuladen als man in der Fabrik brauchte diese Waffe herzustellen.

Besonders gut gefallen hat mir auch die Geschichte der Thompson MP, die auf ihrem Weg in die US-Armee so einige Veränderungen über sich ergehen lassen musste, so sind in ihrer Beschreibung sogar zwei Röntgenschnitte ihres Verschlusses zu begutachten einmal der Verschluss vor und einmal nach einer Vereinfachung der Mechanik. Auch kann man im Folgenden Abschnitt, in dem der M3 Greasegun, gut anhand von Prototypen beobachten, wie selbige Schritt für Schritt wuasi aus der Thompson hervorgeht.

Fazit, wer ein möglichst umfangreiches Sachbuch über Waffen aus der besagten Zeit sucht, wird um dieses Buch nicht herum kommen.