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06 März 2026

Blaise Pascall, Isaac Newton & die Thermodynamik erklären den Kompensator

Dieses mal sehen wir uns den Kompensator oder genauer den Mündungskompensator an, welchen man meist an Feuerwaffen findet, um dem Hochschlag entgegen zu wirken.

Die meisten wissen sicher, dass dieses Bau- oder meist Anbauteil die Pulvergase nach oben entlässt, was dabei genau passiert ist jedoch umstritten. Bedeutet, es gibt verschiedene Erklärungsansätze, dabei geht es jedoch nicht um richtig oder falsch, sondern um das physikalische Modell in welcher man sich gerade bewegt. Mit der Hoffnung, dass sich die Ambiguitätstoleranz in der deutschsprachigen Waffengemeinde wenigstens ein wenig verbessert hier drei Erklärungen nach Blaise Pascal, Issac Newton und der Thermodynamik. 

Blaise Pascall

Das erste Modell betrachtet die einzelnen Stöße, welche die vielen Gasteilchen den begrenzenden Flächen geben. Bei einem Kompensator bekommt die Unterseite mehr Stöße ab als die (nicht vorhandene) Oberseite, weswegen der Kompensator nach unten gedrückt wird. Bei einer Mündungsbremse würden die, zum Rohr hingerichtete, Prallfläche mehr Stöße durch Gasteilchen erfahren als deren Vorderseite.

Isaac Newton

Das zweite Modell ist nach Isaac Newton betrachtet und wirft einen genauen Blick darauf, welche Massen in welche Richtungen das System verlassen. Jede dieser "abgeschleuderten" Massen erzeugt eine auf das System wirkende Gegenreaktion. Das Geschoss Erzeugt dabei die stärkste Gegenreaktion (Oranger Pfeil-R) welche das Rohr nach hinten treibt (Geschossrückstoß), auch die nach vorne austretenden Pulvergase (horizontaler Roter Pfeil-R) treibt das Rohr nach rückwärts (Gasrückstoß oder Raketeneffekt). Die bei einem Kompensator nach oben austretenden Gasschwaden, erzeugen enefalls eine Gegenreaktion (vertikaler roter Peil-R), welche den Kompensator und damit das Rohr nach unten drücken. Das Resultat ist ein geänderter Gesamtimpuls der Waffe (blauer Pfeil-i). Dieser Ansatz erklärt die Wirkung einer Mündungsbremse jedoch nur in sofern, dass die meinst symmetrisch seitlich austretenden Pulvergase einer Mündungsbremse nur vom Raketeneffekt abgezogen werden.

Thermodynamik

Die modernste Form der Erklärung ist die der Thermodynamik. Hier wird dem gesamten System Waffe ein Masseschwerpunk Σmx gegeben, dieser umfasst alle Massen innerhalb der Waffe, ergo Waffengehäuse, noch unverbranntes Pulver und Geschoss. Bricht der Schuss setzt sich das Pulver in Gasschwaden um, welche das Geschoss antreiben. Dabei werden Gasschwaden und Geschoss nach wie vor als Teil der Gesamtmasse gesehen, welche zusammen mit dem Waffengehäuse immer noch einen Masseschwerpunkt Σmx besitzen. Nimmt man den Schützen als physikalischen Referenzpunkt, so verschiebt sich der Σmx durch Geschoss und Gasschwaden Bewegung nach vorne. Da der Σmx jedoch versucht, unbewegt zu bleiben, erfährt der Schütze Rückschlag entsprechend der Verlagerung des Σmx nach vorwärts. Beim Einsatz eines Kompensators, als auch beim Einsatz einer Mündungsbremse tritt ein Teil der Gasschwaden seitlich aus dem System heraus, wodurch es dich der Σmx nicht so weit nach vorne verlagert, als dies bei einer herkömmlichen Rohrmündung der Fall wäre. Bei einer reinen Mündungsbremse würde sich der Σmx weiterhin auf der Laufseelenachse befinden, bei einem Kompensator wandert er jedoch zusätzlich nach oben, da ein Teil der Gasmasse nach oben austreten kann. Um den Gemeinsamen Masseschwerpunkt Σmx unbewegt zu halten, sucht das Waffengehäuse nach unten zu wandern.


Sor, ich hoffe ich konnte helfen.

19 Dezember 2024

Die unfassbare Welt der Rückstoßleugner oder Isaac Newton rotiert im Grabe

Ich hatte ihnen im letzten Beitrag erklärt dass Gasdruckleugnung so ziemlich das dümmste ist, dass ein bildungsferner Hobbyschütz so von sich geben kann. Da hab ich mich leider vertan, denn es gibt noch etwas deutlich fragwürdigeres und zwar so ziemlich das genaue Gegenteil, die Rückstoßleugnung.

Ihr habt tatsächlich richtig gehört, es gibt tatsächlich Endbenutzer wie Sportschützen die genau das leugnen, was jedes Kind im Kindergarten auf einem Rollbrett mit einem Medizinball einfach ausprobieren kann. Oder ein Erwachsener auf einem Bürostuhl mit einem Sixpack Mineralwasser.

Da es sich bei Rückstoßleugnung um derart unwissenschaftlichen Schrott handelt, kann man diesen gleich mit mehreren physikalischen Gesetzen und Formeln begegnen aber legen wir los, wären Isaac Newton um Grab rotiert.

Eine Verschwörungserzählung?

Vertreten wird diese Idee vor allem von Laien, Endbenutzern und Betroffenen des Gunning-Kruger-Effekts und erfüllt keine nachvollziehbare Funktion. Denn durch die Leugnen des Rückstoßes in der Feuerwaffe erreicht der Gläubige meist keine Vorteile. Das einzig denkbare Szenario wäre, dass Jemand aus bloßer Unwissenheit eine solche Behauptung aufstellt und danach versucht diese zu verteidigen, um keinen persönliche Fehler eingestehen zu müssen. Es handelt sich demnach also nicht um eine Verschwörungserzählung.

Rückstoßleugnung ist theoretisch das genaue Gegenteil von Gasdruckleugnung. Jedoch sind einige Leugner so ungebildet, dass sie deswegen zu Rückstoßleugnern werden, da sie die physikalischen Größen Rückstoß und Gasdruck nicht zu unterscheiden in der Lage sind.

Newtonsche Physik

Rückstoß würde erstmals vom englischen Physiker Isaac Newton erforscht. Dabei konnte er das Phänomen jedoch noch nicht beweisen und stelle deswegen folgendes Axiom auf:

Actioni contrariam semper et aequalem esse reactionem: sive corporum duorum actiones in se mutuo semper esse aequales et in partes contrarias dirigi.

Für jede (semper) Bewegung (actiones) eines Körpers (corporum) gibt es eine entsprechende Gegenreaktion (reactionem).

Rückstoßleuger sind jedoch der Ansicht, dass dieses Axiom nicht auf die Funktion von Feuerwaffen anzuwenden sei, obwohl mit dem Geschoss eindeutig ein physikalischer Körper in eine starke Bewegung versetzt wird. Bei den meisten Schusswaffen, ist der Rückstoß als Rückschlag deutlich spürbar.

Beachtet man dieses grundliegende Axiom der physikalischen Mechanik entsprechend nicht, so wird die komplette Wissenschaft der Bewegung, die Kinetik, unberechenbar. Rückstoßleugner haben jedoch meist keine oder nur sehr unzureichende Kenntnisse der Physik im speziellen und der Wissenschaft im allgemeinen.

Experiment

Um den Rückstoß im realen Leben nachvollziehen zu können setzt man sich einfach auf einen Bürostuhl und wirft einen schweren Gegenstand von sich. Man wird erleben, dass man mit dem Bürostuhl nach hinten rollt. Alternativ bieten sich auch Einkaufswagen oder Rollbretter für dieses Experiment an. Zu beachten ist jedoch, dass die Rollen dieser Körper einen, wenn auch geringen, Reibungswiderstand aufweisen.

Thermodynamik

Was Newton nicht gelang, glückte der Wissenschaft der Thermodynamik. Aus dem Ersten Hauptsatz, betreffend die Energiebilanz in einem geschlossenen System, lässt sich der Rückstoß als eine Form des inneren Ruhezustandes ableiten:

ΔU = Q - W

Betrachtet man eine Feuerwaffe als ein geschlossenes System, so kann ohne Zufuhr von äußerer Energie (Q) keine Bewegung (W) stattfinden. Die innere Energie (ΔU) kann das System als ganzes nicht Bewegen.

Das System einer einfachen Feuerwaffe umfasst Rohr, Treibladung und Geschoss. Zündet nun die Treibladung, wird ein Teil der inneren (chemischen) Energie (ΔU) in kinetische Bewegungsenergie des Geschosses umgewandelt. Gemäß dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik (ΔU = Q - W) ist eine Bewegung (W) im Geschlossenen System nicht möglich, die Bewegung des Geschosses hätte jedoch eine Verlagerung des Schwerpunktes des System zur Folge. Bewegt sich aber nun nicht nur das Geschoss nach vorne, sondern auch der Rohr nach hinten, so kann der Schwerpunkt des Gesamtsystem in Ruhe blieben. Dabei ist zu beachten, das Rohr, Treibladung (nun in der Form von Triebgasen) und Geschoss zum System gehören und damit einen gemeinsamen Schwerpunkt besitzen, auch wenn kein direkter Kontakt mehr besteht. Da das Geschoss für gewöhnlich sehr viel leichter ist als das Rohr, kann sich das Geschoss schneller und weiter nach vorne bewegen, als dies das Rohr tun muss, um den gemeinsamen Massenschwerpunkt unbewegt zu lassen.

Energieerhaltungssatz

Der Energieerhaltungssagt der Physik besagt, dass Energie weder erschaffen noch vernichtet werden kann, stattdessen wird Energie immer in andere Formen überführt. Zudem wissen wir dank Issac Newton, dass hinter jeder Bewegung eine Kraft stecken muss. Unterstellt man Gasdruck für die Bewegung eines Körper verantwortlich zu sein, so muss die Energie, welche den Köper in Bewegung gesetzt hat, dem Druck verloren gehen. Dieser Energieverlust eines fluiden Druckkörpers macht sich in der Pneumatik durch Volumengewinn bemerkbar, der Druckraum vergrößert sich und der Druckkorpus verliert seine Spannenergie. Dabei gilt die Formel der allgemeinen Gasgleichung:

p = (k*N*T) / V

Druck (p) ist gleich Gaskonstante (k) mal Stoffmenge (N) mal Temperatur (T) geteilt durch Volumen V), da wir durch das Volumen (V) teilen bedeutet mehr Volumen (V) gleich weniger Druck (p).

Als Beispiel nehme man einen hydraulischen Arbeitszylinder, welcher ein Gewicht verschieben soll. In den Arbeitszylinder wird Öl gepresst, welches die Stoffmenge N erhöht und damit den Druck (p) im Zylinder, es entsteht Spannenergie. Dieser Druck ist in der Lage, an der Kolbenstirn Arbeit zu verrichten und das damit verbundene Gewicht zu bewegen, die vorige Spannenergie wird in kinetische Energie umgewandelt. Durch den bei dieser Arbeit entstehenden Volumengewinn (V+), im inneren des Arbeitszylinders, geht den Druckkörper Spannenergie verloren. Diese Energie wurde jedoch nicht vernichtet, sondern wurde in kinetische Energie von Kolben und Gewicht umgewandelt.

Bei Waffen, welche als direkte oder indirekte Gasdrucklader aufgeführt sind, kommt es bei der Betätigung der Antriebselemente zu einem Volumengewinn in einem Kolbensystem. Durch diesen Volumengewinn und der damit nachgewiesenen Umwandlung von Spannenergie in kinetische Energie, ist durch den Energieerhaltungssatz in Verbindung mit der allgemeinen Gasgleichung bewiesen, dass der Gasdruck für den Antrieb folgender Antriebselemente verantwortlich ist:

  • Bei direkten Gasdruckladern mit festem Lauf (auch Rückdrucklader genannt) wird die Patronenhülse wie ein Hohlkolben nach hinten aus dem Patronenlager geschoben, dabei kommt es zu einer künstlichen Vergrößerung der Brennkammer nach hinten, ergo einem Volumengewinn.
  • Bei direkten Gasdruckladern mit nach vorne beweglichem Lauf (auch Vordrucklader genannt) wird der Lauf nach vorne geschoben, dabei kommt es zu einer künstlichen Vergrößerung der Brennkammer nach vorne, ergo einem Volumengewinn.
  • Bei indirekten Gasdruckladern mit Kolbenantrieb in Richtung des Schützen (AK-47), kommt es durch die Rückwärtsbewegung des Antriebskloben im Arbeitszylinder zu einer Volumenvergrößerung.
  • Bei indirekten Gasdruckladern mit Kolbenantrieb in Richtung des Geschossaustritts (Bang-System), kommt es durch das nachvornegleiten des Ringkolbens zu einer Volumenvergrößerung in dessen Arbeitsrichtung.
  • Bei indirekten Gasdruckladern mit Gasaufleitung auf den Verschlussträger, kommt es durch das zurückgleiten des Verschlussträgers zu einer Volumenerweiterung.
  • Bei indirekten Gasdruckladern mit Gaseinleitung (AR-15 System), kommt es beim auseinanderschieben von Verschlussträger und Verschluss zu einer Volumenvergrößerung zwischen den beiden Verschlussteilen.
  • Bei indirekten Gasdruckladern mit Rohrhub, kommt es beim zurückgleiten des Rohres in der Mündungsstaudüse, zu einem Volumengewinn.

Bei Rückstoßladern, sieht es jedoch anders aus. Hier kommt es zu keiner Vergrößerung eines Volumens in Antriebsrichtung. Dem Gasdruck kann hier demnach nicht unterstellt werden, er sein für die Bewegung der Waffe oder für die Bewegung einer Koppelgruppe verantwortlich. Würde man dem Gasdruck trotzdem unterstellen, für eine solche Bewegung verantwortlich zu sein, ohne das diesem Spannenergie abhanden kommt, so würde man dem Energieerhaltungssatz widersprechen und einfach Energie erfinden. Man würde den Boden der Wissenschaft verlassen.

  • Bei Rückstoßladern mit beweglicher Kolbenplatte, kommt es zu keinem Volumengewinn beim Eindrücken der Kolbenplatte. Es herrscht bei einem abgestützten Abfeuern der Waffe von der Schulter und einem nicht abgestützten abfeuern aus der Hüfte der selbe Gasdruck. Dieser kann demnach nicht für das Repetieren verantwortlich sein, da die Waffe nur im erstgenannten Fall repetiert. Der Gasdruck verliert beim Antrieb der Kolbenplatte keine Spannenergie und kann demnach nicht für das Repetieren verantwortlich sein.
  • Bei Rückstoßladern mit beharrendem Entriegelungselement (Mauser M1916), kommt es beim der Bewegung des beharrenden Elementes zu keinem Volumengewinn in Antriebsrichtung. Wird die Waffe gegen eine unbewegliche Wand abgestützt, so ist die Waffe nicht in der Lage zu repetieren, obwohl der Gasdruck seine Wirkung nicht ändert. Der Gasdruck verliert beim Antrieb der des beharrenden Entriegelungselements keine Spannenergie und kann demnach nicht für das Repetieren verantwortlich sein.
  • Bei Rückstoßladern mit beharrendem Verschlussträger (Benelli M3), kommt es beim der Bewegung des Verschlussträgers und dem spannen der Feder zwischen Verschlusskopf und beharrendem Verschlussträger zu keinem Volumengewinn in Antriebsrichtung. Die Waffe ist zwar auf Druck angewiesen, jedoch auf den Federdruck zwischen den Verschlussteilen und nicht auf den Gasdruck. Der Gasdruck verliert beim Antrieb der des beharrenden Verschlussträgers keine Spannenergie und kann demnach nicht für das Repetieren verantwortlich sein.
  • Bei Rückstoßlader mit beharrendem Verschlusskopf (Sjörgen Schrotflinte), kommt es weder bei der Aufnahme von kinetischer Energie durch den Verschlusskopf noch bei der anschließenden, durch dessen Beharrungsvermögen bewerkstelligter, Öffnung, zu einem Volumengewinn in Funktionsrichtung. Eine Sjörgen Schrotflinte wird repetierunfähig, wenn man diese an eine unbewegliche Wand abgestützt abfeuert, obwohl dies den Gasdruck nicht beeinflusst. Der Gasdruck verliert beim Antrieb der des beharrenden Verschlusskopfes keine Spannenergie und kann demnach nicht für das Repetieren verantwortlich sein.
  • Bei Rückstoßladern mit lang und kurz zurückgeleitenden Lauf-Verschluss-Koppelgruppen, kommt es im Lauf zu keiner Volumenvergrößerung in Funktionsrichtung, da die Patronenhülse, bis zur Entriegelung, an ihrem Platzgehalten wird. Zudem ist der Lauf mit dem Stoßboden formschlüssig statisch verbunden und so kann die Brennkammer, durch ein vorgleiten des Laufes, ebenfalls nicht nach vorne erweitert werden. Da bei gleitenden Lauf-Verschluss-Koppelgruppen ohne Mündungsstausysteme (zb. Mündungsstaudüse), kein Volumengewinn verzeichnet werden kann, kann dem Gasdruck aus wissenschaftlicher Sicht mit Bezug auf den Energieerhaltungssatz, nicht empirisch adäquat unterstellt werden, die Bewegung von Lauf-Verschluss-Koppelgruppen zu verursachen.

Es bleibt jedoch wichtig zu erwähnen, dass die meisten Rückstoßlader mit kurz zurückgeleitender Lauf-Koppel-Gruppe nach der Entriegelung, welche bereits nach wenigen Millisekunden eintreten kann, den Verschlussantrieb als Gasdrucklader bewerkstelligen, wobei es dann, durch das rückwärtige herausdrücken der Patronenhülse, zu einem beweisfähigen Volumengewinn kommt. Ähnliches gilt für Rückstoßladern mit beharrendem Entriegelungselement.

Boot Beispiel

Als Experiment stelle man sich zwei Boote vor, welche auf einem See schwimmen. In jedem der Boote steht einer von zwei Zwillingen genau auf der Mittelbank, beide Brüder sind mit 80 kg genau gleich schwer und haben auch die gleiche Körperkraft von 80 kg. Der erste Bruder stemmt seine Füße gegen die Mittelbank und seine Arme gegen die Heckwand des Bootes und spannt nun seinen Körper an. Dabei wirkt eine Kraft von etwa 80 kg auf die Mittelbank des Bootes. Nun ist logischerweise zu beobachten, dass sich das Boot des ersten Bruders nicht bewegt.

Der Zweite Bruder aber macht etwas ganz anderes, der stützt auch zwar auch mit seinen beiden Füßen auf der Mittelbank ab aber spring stattdessen ans Ufer. Da der zweite Bruder etwa 80 Kilo schwer ist, wirkt auch bei seinem Boot eine Kraft von 80 kg auf die Mittelbank des Bootes. Nun bewegt sich das Boot vom zweiten Bruder.

Lösung

Der Grund, warum sich das Boot vom ersten Bruder nicht bewegt ist ein geschlossener Kräftekreislauf. Die Kraft aus den Beinen des ersten Bruders übertragen sich auf die Mittelbank des Booten, auf den Rumpf des Bootes, vom Rumpf auf das Heck, vom Heck in die Arme des Bruders und über den Körper wieder auf die Beine. Es ist keine Bewegung möglich, da sich die Kräfte im Gleichgewicht befinden. Das Ganze ist in etwa vergleichbar mit einem quengeligen Kind auf dem Rücksitz eines Autos auf einer langen Autobahnfahrt, welches seine Füße gegen den Vordersitz stemmt im Glauben, es könnte das Auto dadurch schneller nach vorne schieben und so schneller ankommen.

Der Zweite Bruder jedoch, welcher von Boot ans Ufer springt ist nach Newton die eine bewegte (actiones) Masse (corporum), welche der Masse des Bootes (duorum) eine Reaktion (reactionem) gibt oder in den Worten der Thermodynamik ist der zweite Bruder ein Teil des Gesamtsystems, welches den gemeinsamen Masseschwerpunkt gefährdet und zwar dadurch das Boot zu einer Bewegung in entgegengesetzter Richtung, wodurch der Gemeinsame Masseschwerpunkt gehalten werden kann.

Rückstoß auch bei nicht-Feuerwaffen

Eines der deutlichsten Belege für den Rückstoß in Waffen sind sowohl die Armbrust als auch Schienenkanonen, Railguns oder Gaus-Gewehrs. Armbrüste haben eindeutig keinen Gasdruck, weisen jedoch meist einen deutlich spürbaren Rückschlag auf. Das Gleich gilt für Schienenkanonen, welche ihre Geschosse mit Hilfe von Feldkräften in Form von Magnetfeldern antreiben und deswegen auf Treibgase verzichten können.

Zudem wird eine schlüssige Erklärung der russischen Pistole PSS erschwert, da bei dieser die Pulvergase in der Patronenhülse zurückgehalten werden.

Rückstoß bei Krummlaufwaffen

Rückstoß und Rückdruck wirken,
bei Waffen mit krummen Läufen,
in unterschiedliche Richtungen.

Bei keiner anderen Waffenart oder Waffenzubehör ist der Unterscheid zwischen Rückstoß und Rückdruck deutlicher als bei Waffen mit krummen Läufen oder Krummlaufaufsätzen, wie dem Vorsatz P für das Sturmgewehr 44. Durch den krummen Lauf, verlässt das Geschoss die Waffe seitlich, wodurch auch der Rückstoß final seitlich auf die Waffe wirkt. Ein Stg.44 mit Vorsatz P schlägt nicht nach hinten, in Richtung der Kolbenplatte, sondern, je nach Ausrichtung der Laufmündung, zur Seite oder nach oben. Folglich wirkt der Rückstoß hier entgegen dem Geschossaustritt. Der Rückdruck hingegen wirkt nach wie vor auf den Stoßboden der Waffe.

Gäb es keinen Rückstoß, sondern nur Rückdruck, würde ein Stg.44 mit Aufsatz P oder eine Waffe mit gekrümmten Lauf nicht seitlich ausschlagen sondern, wie eine Waffe mit gerade Lauf, gerade nach hinten laufen.

Rückstoß bei Filmwaffen

Von Rückstoßleugern wirf oft bedeutet, dass der Gasdruck für die Repetierfunktion von Rückstoßladern verantwortlich sei. Dies lässt sich jedoch deutlich anhand von Filmwaffen widerlegen. In einer Beretta 92 oder einer P.38 kann man beliebig starke Platzpatronen verwenden, ohne das eine Repetierfunktion einsetzt. Die als Rückstoßlader ausgeführten Waffen, benötigen zwingend eine Geschossbewegung, um ihre Lauf-Verschluss-Koppelgruppen nach hinten zu bewegen. Aus diesem Grund werden Filmwaffen, welche ursprünglich als Rückstoßlader ausgeführt waren, an ihren Verriegelungselementen so manipuliert, dass sie nicht mehr formschlüssig-statisch sondern kraftschlüssig-dynamisch verriegeln. Somit ist der Gasdruck in der Lage, den Verschluss der Waffe zu öffnen.

Aufgabe zur Unterscheidung von Rückstoß und Gasdruck

Hellgrau: Gehäuse, lagert die Verschluss-Lauf-Koppelgruppe gefedert

Dunkelrot: Verschluss, schließt den Lauf nach hinten ab

Grün: Sperrriegel, verbindet den Verschluss mit dem Lauf und stellt einen Formschluss her

Dunkelgrau: Unverbranntes Treibmittel

Hellrot: Gasdruck, wirkt auf alle angrenzenden Flächen gleich ihrer Oberfläche

Dunkelpetrol: Lauf, ist über den Sperrriegel mit dem Verschluss verbunden

Orange: Geschoss/Pfropfen verschließt den Lauf temporär bei Fig.1 und dauerhaft bei Fig. 2 - 5

Pink: Sperrt die Pfropfen bei Fig. 2 - 5 mit dem Lauf und stellt so einen Formschluss her

In dieser Grafik seht man fünf Systeme, von Figur 1 bis Figur 5. Zu den jeweiligen Figur gibt es zusätzlich immer eine Zeitangabe, bezeichnet mit englisch time. Dabei hat die erste Figur die Besonderheit, dass sie an vier unterschiedlichen Zeitpunkten dargestellt wird. Die Figuren 2 bis 5 hingegen werden nur in jeweils einem Zeitpunkt dargestellt.

Die Aufgabe ist nun zu ergründen, warum sich Fig.1 time 1 und Fig.2 time 1 sowie Fig.1 time 2 und Fig.3 time 1 in der jeweils ersten und zweiten Reihe noch ähneln aber schon Fig.1 time 3 und Fig.4 time 1 bereits unterscheiden.

In der dritten Reihe haben sich bei Fig.1 time 3 Lauf (dunkel petrol) und Verschluss (rot) gemeinsam nach hinten bewegt, wohingegen diese Bewegung bei Fig.4 time 1 nicht zu beobachten ist. Dabei wirkt bei beiden Grafiken, der selbe Gasdruck (Pfeile mit weißen Spitzen) auf den Stoßboden des Verschlusses (rot) als auch auf das den Lauf (dunkel Petrol) zu diesem Zeitpunkt abschließende Element (orange).

Lösung

Der Unterschied liegt in der Bewegung des Geschosses. Bei Fig. 1 bewegt sich das Geschoss zwischen den Zeitpunkten time 3 und time 4. Nur durch diese Geschossbewegung kann eine Gegenreaktion entstehen, welche in der Lage ist, die Verschluss-Lauf-Koppelgruppe nach hinten zu bewegen.

Bei den Figuren Fig. 2 bis Fig. 5 findet eine Bewegung der Pfropfen (orange) nicht statt, da dieser durch die Sperren (pink) mit dem Lauf (petrol) verbunden sind. Die Pulvergase wirken zwar auf den Stoßboden des Verschlusses (rot) aber auch auf den Pfropfen (orange), beide Kräfte heben sich gegenseitig auf und es kann keine Bewegung der Koppelgruppe, weder nach hinten noch nach vorne stattfinden. Der Kräftekreislauf ist geschlossen.

Das Raketenproblem

Rückstoßleuger müssen annehmen, dass sich die dritte Rakete rückwärts bewegt

Rückstoßleugner haben erhebliche Probleme, den Flug einer einfachen Rakete zu belegen. Da Rückstoß in diesem Weltbild wegfällt, muss auf den Druck als Erklärung ausgewichen werden.

Sehen wir uns eine einfache Rakete mit einem großen Treibstofftank an. Dort könnte ein Mensch, mit mangelnder Bildung, auf die Idee kommen, dass die Rakete von eben jenem Druck angetrieben wird, welcher im inneren des Treibstofftankes wirkt. Die Beaufschlage Fläche wäre demnach die Oberfläche des noch nicht verbrannten Treibstoffes. Der Druck würde nach dieser fragwürdigen Erklärung die Rakete nach oben drücken.

Problematisch wird es jedoch, wenn der Treibstoff nicht mehr in einem großen Tank untergebracht ist, sondern, wie bei einigen Langstreckenraketen, gefaltet. Hier wirkt der Druck zunächst in Flugrichtung, wenn auch auf eine kleinere Fläche. Bei der Überwindung der Faltkurve, wirkt der Druck jedoch entgegen der Flugrichtung. Ginge man nach einem Weltbild, in welches es keinen Rückstoß gäbe, so müsste die Rakete jetzt kehrt machen und in die entgegengesetzt Richtung mit dem Leitwerk voraus fliegen.

Da Langstreckenraketen mit gefalteten Treibstofftanks jedoch nicht im Flug einfach umkehren, ist davon auszugehen, dass sowohl Rückstoß als auch der Impulserhaltungssatz Teil unsere Realität sind.

Nur die unmodifizierte Rakete erhält einen Bewegungsimpuls i.

Noch schwieriger für Rückstoßleugner ist die Erklärung der Bewegung einer Rakete, dessen Düsenaustritt unten mit einer Platte verstehen ist, welche mit etwas Abstand an der Rakete befestigt wurde. Diese Konstruktion, mit Ähnlichkeiten zur Mündungsbremse einer Feuerwaffe, verhindert, dass die Treibgase einen nach unten gerichteten Triebstahl erzeugen. Stattdessen breiten sich die Treibgase seitlich aus.

Obwohl bei einer nicht modifizierten Rakete, als auch bei einer derart umgebauten Rakete, im Treibstofftank der gleiche Druck Fp (Force Pressure) auf den unverbrannten Treibstoff wirkt, bewegt sich nur die modifizierte Rakete. Dieses Beobachtung kann ein Rückstoßleuger nicht erklären.

Lösungen

Die Bewegung von Raketen mit gefalteten Treibstofftanks, lässt sich sowohl anhand des zweiten Teils des dritten newtonschen Axioms, als auch anhand des Impulserhaltungssatzes erklären.

Rückstoß

Der Rückstoß R erzeugt den Impuls i der Rakete

Nach Newton erzeugt das abschleudern einer Teilmasse von einer größeren Hauptmasse eine als Rückstoß bezeichnete Gegenreaktion, welche in entgegengesetzter Richtung zur Abschleuderung, auf die Hauptmasse wirkt. Die Verbrennung des Treibstoffes erzeugt zwar Druck aber dieser wird nicht direkt für den Antrieb verwendet, viel wichtiger ist, dass die Verbrennungsgase die Rakete nach hinten verlassen. Dabei stellen die Gase die abgeschleuderte Teilmasse dar, während der Rest der Rakete die Hauptmasse bildet. Als Hauptmasse erfährt die Rakete die Rückstoßkraft, welche diese in die entgegengesetzt Richtung zur Ausstoßdüse beschleunigt.

Bei der mit einer Platte modifizierten Rakete wirken zwei entgegengesetzt Rückstoßkräfte, welche sich gegenseitig aufheben. Es herrscht ein Kräftegleichgewicht, die Rakete bleibt in Ruhe.

Impulserhaltungssatz

Rakete Impulserhaltung FiN fixpunkt

Der gemeinsame Masseschwerpunkt ∑mx aus Rakete und Treibstoff bleibt unbewegt.

Nach dem Impulserhaltungssatz bleibt der Impuls eines Systems immer gleiche, dieses System umfasst im Fall der Rakete: Die Rakete selber als auch den Treibstoff. Beide besitzen den gemeinsamen Masseschwerpunkt ∑mx, nach dem Impulserhaltungssatz, kann sich dieser gemeinsame Masseschwerpunkt ∑mx nicht bewegen, ohne das ein Kraft von außen auf das System einwirkt.

Zündet der Treibstoff in der Rakete, so entsteht im Inneren Druck, dieser wird jedoch nicht direkt für den Antrieb verwendet, viel wichtiger ist das austreten eines Teil des Treibstoffes, nun in Gasform, aus der Düse der Rakete. Dabei wandert ein Teil des Gesamtgewichtes in eine Richtung, da jedoch der gemeinsame Masseschwerpunkt ∑mx unbeweglich bleiben muss, wandert gleichzeitig die Restmasse (Rakete mit noch unverbranntem Treibstoff) in die entgegengesetzte Richtung.

Bei der modifizierten Rakete mit Platte, kommt es zwar ebenfalls, durch die Abschleuderung der Treibgase zu den Seiten hin, zu einer Bewegung von Masse. Da diese jedoch gleichmäßig zu den Seiten hin verteilt werden, bleibt der gemeinsame Masseschwerpunkt ∑mx in relativer Ruhe.

So das wars dann mit diesem unsäglichen Unsinn. Dieses mal bin ich mir jedoch recht sicher, die ein oder andere Endbenutzer-Seele retten zu können, den gegen Isaac Newton, die Thermodynamik, den Energieerhaltungssatz und Raketentechnik zu argumentieren wäre schon sehr sehr seltsam aber Sportschützen schaffen es leider immer wieder sich intellektuell zu unterbieten.

Die unfassbare Welt von Gasdruckleugnern

Es gibt ja wirklich viel dummes Zeug im Internet und auch so einigen Unsinn, welcher man sich von Hobbyschützen anhören kann aber nichts davon ist so strunz dumm wie das Leugnen des Gasdrucks in Feuerwaffen. Naja nicht ganz, denn obwohl wir seit Blaise Pascal wissen, dass Gasdruck in geschlossenen Systemen allseitig ist, wird meist nur eine ganz bestimmte Seite des Drucks geleugnet nämlich der Rückdruck, ergo die Stoßbodenkraft und damit die so ziemlich gefährlichste Kraft in einer Feuerwaffe. Die meisten wissen gar nicht wie nötig wir in Deutschland unsere ganzen Regeln und die Beschussämter haben, bis man es mit einem Rückdruckleugner zu tun bekommt. Aber fangen wir an, den Unsinn wissenschaftlich zu zerlegen.

Literatur

Der Ursprung ist ein bekannter Fehler in der amerikanisierten Waffensprache, wonach Waffen mit Masseverschlüssen zu den Rückstoßladern gezählt wurden. Dieser Fehler wurde leider sehr oft unreflektiert abgeschrieben. Trotz dieses Fehlern in der Benennung, ist die Beschreibung in der Fachliteratur meist richtig und gibt korrekt an, dass Masseverschlüsse vom Gasdruck angetrieben werden.

Rückdruckleugner sind jedoch der falschen Überzeugung, dass die Benennung als Rückstoßlader, für Masseverschlüsse, richtig sei und argumentieren teils sehr aggressiv dagegen, wenn man sie darauf aufmerksam gemacht werden, dass dies nicht den mechanisch physikalischen Tatsachen entspricht. Ihre Argumentation besteht dabei meist aus Scheinargumenten sowie aus Geschwurbel, das zwar auf den ersten Blick wissenschaftlich klingt aber keiner empirischen Prüfung stand hält. Zudem widersprechen sie, mit dieser Ansicht, folgenden deutschen Fachwerken:

  • Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen von Karel Krnka
  • Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick über die Handfeuerwaffen und ihre Geschichte von Jaroslav Lugs
  • Verschlusssysteme von Feuerwaffen von Peter Dannecker
  • Waffen-Schmidt Waffen- und Munitionstechnisches Handbuch von Karl Böhlein, Rolf Brand
  • Moderne Faustfeuerwaffen von Gerhard Bock
  • Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr von C. Cranz
  • Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik von Robert Weisz
  • Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch von der Rheinmetall GmbH, Dr. R. Germershausen
  • Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik von Thomas Enke
  • Waffenlehre für die Bundeswehr von Heinz Dathan
  • Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945 von Hans-Dieter Götz
  • Visier Special Ausgabe 68 P.38 & P1 Die Pistolenfamilie von Matthias S. Reckenwald
  • Schützenwaffen Heute (1945-1985) von Günter Wollert, Reiner Lidschun, Wilfried Kopenhagen
  • Die offizielle Geschichte der Oberndorfer Firma Heckler&Koch von Manfred Kersten, Walter Schmid
  • ...sowie weitere

Das Phänomen existiert im übrigen nur in der deutschen Sprache. Im englischen zählt die Antriebsart Blowback als Unterkategorie von Gas Operation im Gegensatz zur Recoil Operation. Auch das versuchen Rückdruckleugner zwar zu leugnen, stehen dabei aber gegen:

  • The World's Assault Rifles von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson
  • Sub-Machine Gun, The Development of Sub-Machine Guns and their Ammunition von Maxim Popenker & Anthony G. Williams
  • Engineering Design Handbook - Gun Series - Automatic Weapons vom United States Army Materiel Command
  • Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book von Julian S. Hatcher
  • The Machine Gun Vol. IV Design Analysis of Automatic Firing Mechanism von Georg M. Chinn
  • Tactical Small Arms of the 21st Century von Charls Cutshaw
  • ...sowie gegen weitere englische Autoren.
Ursachen

Die Ursache für dieses Verhalten ist wahrscheinlich darin begründet, dass Rückdruckleugner nicht zugeben können und wollen, dass sie jahrelang unrecht hatten. Wir erinnern uns an den von Simon Stolle beschriebenen Gunning-Kruger-Effekt, wonach das Wissen über Waffen zu einem Teil der Persönlichkeit von machen Laien und Endbenutzern wird. Geht nun Jemand her und macht sie auf einen Fehler aufmerksam, so hat das Ego des Rückdruckleugners Angst, dass ein Teil der Persönlichkeit weggerissen werden kann. Dagegen muss sich das Ego des Rückdruckleugners mit allen Mitteln wehren, sie es hat und das sind meist keine sachlichen Argumente, sondern Scheinargumente, persönliche Angriffe auf das Gegenüber und pseudo wissenschaftliches Geschwurbel. Das es Messungen und Zeitlupenaufnahmen der Waffen gibt, wird von Betroffenen einfach weg ignoriert.

Rückdruckleuger verstehen zudem meist nicht, dass es sich bei der Frage um eine naturwissenschaftliche Frage handelt und versuchen mit Argumenten aus anderen Wissenschaftsbereichen zu argumentieren. So versuchen sie es oft mit Axiomen aus Strukturwissenschaften, dem sogenannten Axiomenexport.

Typische Argumente

Rückdruckleugner benutzt, für die Untermauerung ihrer Schwurbelei häufig die immer gleichen Argumente. Die meisten davon Scheinargumente oder Behauptungen ins blaue hinein, in der Umgangssprache auch Lügen genannt.

Es war schon immer so.

Nein, der Fehler stammt hauptsächlich aus den 50er Jahren. Die erste Kategorisierung der automatischen Waffen in der deutschen Sprache von Karel Krnka listet Waffen mit Masseverschluss als Gasdrucklader auf.

In der Mehrheit der Fachliteratur steht...

Nein, es wird zwar manchmal das Wort Rückstoßlader verwendet aber in Fließtext liest man, dass der Gasdruck den Verschluss antreibt. Selbst wenn, so hat eine Mehrheit in einer Naturwissenschaft wenig Gewicht gegen ein Experiment. Es sei an das Buch 100 Autoren gegen Einstein erinnert.

Aber in der Dienstvorschrift steht...

Ja aber in einer anderen Dienstvorschrift steht auch, die P1 sei ein Rückdrucklader und auch das ist physikalisch nicht richtig. Hier wird versucht eine naturwissenschaftliche Tatsache mit einem Axiom aus einer Formalwissenschaft zu belegen, typischen Schwurbler verhalten.

Aber der Hersteller sagt...

Nein, Heckler & Koch haben schon vor Jahren die Drucksache 358 rep.6 herausgegeben und dort klar Stellung bezogen. Warum im Werbematerial was anders steht, sieht man am verhalten der Rückdruckleugner. Die Firmen haben keine Lust sich böse Emails von Schwurblern schicken zu lassen.

Dann gibt es aber gar keine Rückstoßlader...

Doch, die gibt es eine Glock 17 wird ohne Geschoss nicht repetieren, egal wie groß der Gasdruck im Lauf ist.

Es ist doch Egal, ob die Waffe mit Manöverpatronengerät funktioniert und nicht

Nein, ist es nicht, denn genau das ist eines der Experimente zur Kräftefindung, das ist ein der Physik eines der wichtigsten Formen der Erkenntnisgewinnung. Das wissen aber die Schwurbler nicht. Repetiert eine Waffe ohne Geschoss ist sie kein Rückstoßlader.

Was ist mit dem MG42?

Das nutzt ein hybrides Antriebsystem aus Rückstoß und Gasdruck, ohne Rückstoß arbeitet das Gasssystem weiter. Ist aber auch seit Jahren bekannt.

Mathematische Probe

Es existiert eine einfache mathematisch Rechnung, um empirisch adäquat feststellen zu können, ob es sich bei einer Feuerwaffe, um einen Rückstoßlader handelt. In seinem Magnum Opus Philosophiae Naturalis Principia Mathematica definiert Issac Newton die natur Gegenreaktionen im zweiten Teil des dritten Axioms wie folgt:

Actioni contrariam semper et aequalem esse reactionem, sive corporum duorum actiones in se mutuo semper esse aequales et in partes dirigi.

Daraus ergibt sich folgende mathematische Formel:

Actio-Masse × Actio-Geschwindigkeit = Reactio-Masse × Reactio-Geschwindigkeit

Übertragen auf Feuerwaffen:

Geschoss-Masse × Geschoss-Geschwindigkeit = Verschluss-Masse × Verschluss-Geschwindigkeit

Nun setzt man nun die Masse-Werte für die israelische Maschinenpistole Uzi (MP2 bei der Bundeswehr) ein. 6860 Gramm für den Verschluss sowie 8 Gramm für ein durchschnittliches Geschoss einer 9x19 mm Patrone. Gesucht ist die Verschlussgeschwindigkeit ergo der resultierende Impuls der Reactio-Masse. Für die Rechnung nimmt man jedoch einen Geschosstecker im Übergangskonus an, bei welchem sich das Geschoss nicht bewegt. Mathematisch setzt man dazu für die Variable der Geschossgeschwindigkeit eine Null ein.

8 Gramm × 0 = 6860 Gramm × ?

Da Null multipliziert mit einer natürlichen Zahl immer ebenfalls Null ergibt, steht auf der liken Seite ein Wert von genau Null.

0 = 6860 Gramm × ?

Auf der anderen Seite wird mit 6860 Gramm das Verschlussgewicht der Uzi eingetragen. Da Null gleich Null ist, müsste man mathematisch davon ausgehen, dass sich der Verschluss der Uzi bei einem Geschossstecker nicht bewegen dürfte, damit auf der anderen Seite der Gleichung ebenfalls ein Wert von Null steht. Da sich der Verschluss in der Realität trotzdem bewegt, gibt es zwei Möglichkeiten:

Entweder man akzeptiert, dass 0 nicht gleich 0 ist. Dies widerspricht jedoch der wissenschaftlichen Mathematik. Aus diesem Grund muss diese Lösung des Problems als unwissenschaftlich verworfen werden.

0 = ≥1

Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass man der Mathematik, damit der Wissenschaft und ihren empirischen Arbeitsmuster treu bleibt und davon ausgeht, dass der Rückstoß, welcher mathematisch gleich Null ist und damit den Verschluss nicht bewegen kann, nicht für die Verschlussbewegung der Uzi verantwortlich ist.

0 = 0

Lösung

Der Verschluss der Uzi Maschinenpistole wird nicht vom Rückstoß, sondern vom Gasdruck angetrieben. Das dritte Axiom nach Issac Newton greift hier nicht, um die Verschlussbewegung zu berechnen. Die richtigen physikalischen Gesetze wären zum einen die Definition des Drucks als:

p = F / A

Druck (p) ist die Kraft (F) geteilt auf die Fläche (A). Umgestellt nach F:

F = p * A

Die Kraft, welche auf den Verschluss wirkt ergibt sich aus dem Druck (p) mal der Fläche (A) des Patroneninnebodens.

Die zweite Formale ist die Definition eines Kraftstoßes als:

i = f / m

Der gesuchte resultierende Bewegungsimpuls (i) des Verschlusses ist gleich der resultierenden Gasdruckkraft (F) geteilt durch die Masse (m) des Verschlusses. Der Verschluss der Uzi wird von der Kraft (f) des Gasdrucks (p) angetrieben und erhält dabei eine Geschwindigkeit anhängig von seiner Masse (m), aus diesem Grund wird das Verriegelungssystem der Uzi wissenschaftlich als Masseverschluss bezeichnet sowie das Antriebssystem als indirekter Gasdrucklader.

Beweis Krummlaufwaffen


Die obere Kanone fährt beim Schuss, durch den Rückstoß der abgefeuerten Kugel, zurück. Die zweite Kanonen, dessen Lauf nach oben gebogen ist, wird jedoch nach unten gestoßen und landet im Dreck.

Rückstoß und Rückdruck wirken,
bei Waffen mit krummen Läufen,
in unterschiedliche Richtungen.
Bei keiner anderen Waffenart oder Waffenzubehör ist der Unterscheid zwischen Rückstoß und Rückdruck deutlicher als bei Waffen mit krummen Läufen oder Krummlaufaufsätzen, wie dem Vorsatz P für das Sturmgewehr 44. Durch den krummen Lauf, verlässt das Geschoss die Waffe seitlich, wodurch auch der Rückstoß final seitlich auf die Waffe wirkt. Ein Stg.44 mit Vorsatz P schlägt nicht nach hinten, in Richtung der Kolbenplatte, sondern, je nach Ausrichtung der Laufmündung, zur Seite oder nach oben. Folglich wirkt der Rückstoß hier entgegen dem Geschossaustritt. Der Rückdruck hingegen wirkt nach wie vor auf den Stoßboden der Waffe.

Gäbe es keinen Rückdruck, sondern nur Rückstoß, so würden direkte Gasdrucklader mit Krummläufen, wie eine Ruger 10/22 nicht mehr in der Lage sein zu repetieren, da nun der Rückstoß nicht mehr nach hinten auf den Stoßboden wirken würde, sondern seitlich auf die Waffe. Direkte Gasdrucklader (Rückdrucklader) genauso wie indirekte Gasdrucklader (Stg.44 mit Vorsatz P) sind jedoch auch mit gebogenen Läufen oder Krummlaufaufsätze nachwievor in der Lage zu repetieren.

Rückstoßlader, wie die Walther P.38 oder Glock 17 hingegen stellen beim Aufsatz eines Krummlaufes jegliche Repetierfunktion ein. Aus diesem Grund, wird im israelischen Cornershot die gesamte Pistole mit Stoßboden angewinkelt und auf einen Krummlauf für die eingesetzte Pistole verzichtet.

Der Text wird wahrscheinlich nicht reichen, um bildungsferne Hobbyschützen aus ihrer an Verschwörungsmythen grenzenden Sturheit zu holen und ins Licht der empirischen Wissenschaft zu führen aber eventuell fand es ja der ein oder anderen unterhaltsam.

Weitere Grundladen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

24 September 2024

Geschichtsrevision im Bezug auf den SKS Karabiner

Willkommen alle zusammen, heute widmen wir uns leider erneut dem leidigen Thema der Geschichtsrevision, ergo der absichtlichen Verfälschung der Geschichte. Was für den Historiker der jüngeren Zeitgeschichte die Holochaustleugnung ist, das ist für den Kenner der Waffengeschichte die Verfälschung der Geschichte des AR-15 sowie des SKS.

Mit den Verzerrungen rund um das AR-15, haben wir uns bereits in einem anderen Beitrag beschäftigt, heute geht es um den SKS-Karabiner, in der DDR als Karabiner-S bezeichnet. Im Gegensatz zum AR-15 geht es den Sportschützen dieses Mal nicht darum eine Waffe als harmloser erscheinen zu lassen. Im Bezug auf den SKS geht es um nichts geringeres als sich Zugang zu einer Kriegswaffe zu erschleichen, indem dessen historischen Daten dreist einseitig umgeschrieben werden.

Hintergrund

Den Hintergrund bildet das Kriegswaffenkontrollgesetz, welches Sportschützen den Besitz von sogenannten Halbautomaten mit einer Hülsenlänge von unter 40 mm nur erlaubt, wenn die betreffende Waffe vor 1945 eingeführt wurde.

Geschichtsfälschung

Dies ist jedoch beim SKS-Karabiner nicht der Fall, da dieser erst 1949 zusammen mit der AK, dem RPD offiziell eingeführt wurde.

Die Basis der Erzählung, dass der SKS 1945 eingeführt worden sei sind Angaben in veralteter Fachliteratur, wo eine Erprobung des SKS-45 im Jahre 1945 zu einer offiziellen Einführung hochstilisiert wurde. Dabei kann nicht eindeutig bewiesen werden, dass diese Erprobung in der Form stattgefunden hat. Experten halten dies auch für äußerst unwahrscheinlich, wenn man sich die strenge Geheimhaltung rum und das sowjetische Kurzpatronenprojekt ansieht. Deutlich wahrscheinlicher sind begrenze Erprobungen des SKS-44 für die alte Gewehrpatrone 7,62 x 54 mm R.

Eine Erprobung, geschweige denn eine Einführung, des SKS in 7,62 x 39 mm ist alleine aus dem Grund nicht möglich, da die Patrone mit 39 mm langer Hülse frühestens 1947 zur Verfügung stand.

Ursache

Für diese Geschichtsverfälschung kommen zwei Ursachen in Betracht. Zum einen könnte es sich um ein Versehen handeln, da die Informationslage vor dem Fall des Eisernen Vorhanges, im Bezug auf Waffen, sehr dürftig war.

Zum anderen kommt aber auch in Frage, dass hier Sportschützen gezielt um das Kriegswaffenkontrollgesetz herumgelogen haben, um so Zugang zu einer bestimmten Waffen zu erhalten, welche ihnen sonst verboten wäre.

Historische empirisch Adäquate Darstellung

SKS in 7,62x39mm

Der SKS-Karabiner eingerichtet für die Patrone 7,62x39mm M43 wurde offiziell 1949 mit der GAU-Nummer 56-A-231 in die Sowjetarmee (bis 1946 Rote Armee) eingeführt. Nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz ist die für Sportschützen nicht zugänglich, da die durch ihre Hülsenlänge unter 40 mm sanktioniert wird, durch die Einführung nach 1945 wird diese Sanktion nicht aufgehoben. Auch die früheste theoretisch mögliche Einführung der Waffe liegt im Jahre 1947, da erst zu diesem Datum die Patrone 7,62x39mm existiert.

SKS-45 in 7,62x41mm

Der SKS-45 wurde nie offiziell eingeführt, er besitzt demnach keine GAU-Nummer. Wären SKS-45 auf dem Mark verfügbar, so wurden diese, wegen ihrer Hülsenlänge von über 40 mm nicht vom Kriegswaffenkontrollgesetz sanktioniert und wären für Sportschützen verfügbar.

Fazit

Den deutschen Sportschützen ist es im Bezug auf den SKS-Karabiner in 7,62x39mm gelungen sich durch das reine erfinden einer Einführung dieser Waffe, zu einem Zeitpunkt, zu welches es diese Waffe gar nicht gegeben haben kann, den Zugang zu einer Kriegswaffe zu erschleichen.

Quellen

  • The World's Assault Rifles von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson
  • Эволюция Стррелкового Оружия von Wladmimir Fjedorow
  • Kalaschnikow, Das Genie und sein Lebenswerk von Edward Clinton Ezell
  • Visier Spezial Nr.25 Kalaschnikow Der Konstrukteur und seine Waffe Vom AK 47 zum PK

Geschichtsrevision im Bezug auf das AR-15

Willkommen zu einem neuen Beitrag zum Thema Waffengeschichte beziehungsweise zu dunklen Seite der Geschichte und zwar der Geschichtsfälschung und wissenschaftlich korrekt dem Geschichtsrevisionismus oder umgangssprachlich der Geschichtsklitterung. 

In diesem Beitrag geht es darum, wie Sportschützen die Geschichte des AR-15 verbiegen, um diese Waffe, im angeblichen Gegensatz zum M16, als harmlos erscheinen zulassen. Aber sehen wir uns erstmal die Erzählungen im einzelnen an.

Im übrigen ist es wichtig, von Erzählungen zu sprechen und nicht von Theorien, da diese mit wissenschaftlichen Theorien nicht viel zu tun haben.

pre Populos Erzählung

Die schärfste Form der Geschichtsfälschung rund um das AR-15 ist die Behauptung, dass AR-15 Projekt habe von Anfang an einen zivilen Charakter gehabt und das M16 sein eine spätere Auskopplung aus diesem Programm. Dies ist jedoch nicht richtig, da die Entwicklung des AR-15 auf eine Anfrage des US-Militärs im Zuge des SCHV-Programms zurückgeht. Zudem waren schon die ersten Prototypen des AR-15 (XAR-15) schnellfeuerfähige Kriegswaffen.

Die Theorie (eigentlich eine reine Erzählung ohne wissenschaftlichen Anspruch) ist demnach zurückzuweisen.

silum Populos Erzählung

Die weniger scharfe Form der Leugnung des militärischen Ursprungs des AR-15 besagt, dass AR-15 und M16 zeitglich entwickelt wurden aber auch dies lässt sich anhand historischer Dokumente widerlegen, welche die Korrespondenz zwischen dem US-Militär und der Firma Armalite widergeben.

Da zwischen dem Start der Entwicklung des AR-15 1957 und der ersten zivilen Version der Waffe GX-4968 1963 sechs Jahre liegen, muss die Erzählung, dass zivile und militärische Modelle zeitgleich entwickelt wurden zurückgewiesen werden.

post Populos Theorie

Die Theorie, wobei es sich tatsächlich um eine wissenschaftliche Theorie handelt, gibt historisch nachvollziehbar an, dass erst nach dem militärischen Projekt eine zivile Version des AR-15 auf dem Markt angeboten wurde. Eine frühe zivile Version wurde als GX-4968 1963 von US Behörden geprüft und für den Zivilmarkt für geeignet befunden. Aufgrund dies Vietnamkrieges verzögerte sich jedoch die Herstellung von zivilen Waffen, so das erst 1964 mit dem Colt AR-15 SP1 Sporter, mit der internen Nummer R6000, auf den Mark kam.

Die bloße Aussage, dass nach den militärischen AR-15 Modellen auch zivile AR-15 Modelle angeboten wurden, ist demnach empirisch adäquat.

Begriffsverzerrung AR-15

Zum nachträglichen umschreiben den Geschichte des AR-15, kommt meinst noch eine nachträglich Begriffsverzerrung. So wird in der häufigsten Form der Erzählung behauptet, dass es sich beim AR-15 um eine rein zivile Waffe handelt soll, wohingegen das M16 die militärische Variante sei.

Die ist jedoch nicht richtig, da die ersten Versionen der Waffe auf ihren Gehäusen und in offiziellen Dokumenten als AR-15 bezeichnet werden. Dabei besitzen diese Waffe eine AUTO Einstellung an ihren Feuerwahlhebeln und werden in den Dokumenten als fully automatic (dt. vollautomatisch) oder select fire (dt. ~Wahlfeuer) beschrieben.

Die ersten AR-15 01 (Colt Model 601), welche in Vietnam eingesetzt wurden waren schnellfeuerfähig. Die später von der US-Luftwaffe als XM16 getestete AR-15 02 trägt noch die Bezeichnung AR-15 auf ihrem Gehäuse. Das gleiche gilt für das AR-15 03 der US-Armee, welches als XM16E1 eingeführt wurde, wie für das AR-15 04, welches die Luftwaffe als M16 führe. Auch das M16A1 führt noch die Beschriftung AR-15.

Waffen, welche Colt für andere Länder wie Singapur fertigte, tragen ebenfalls die Aufschrift AR-15 und wurden also solche vermarktet.

Demnach ist die Erzählung, nach der es sich beim AR-15 per se um eine zivile Version des M16 handelt als Geschichtsfälschung zurückzuweisen.

Ziel

Das Ziel der nachträglichen Änderung oder Umdeutung der Geschichte der Waffe ist, dass AR-15 als harmlosere Waffe darzustellen und von ihrem Ursprung als rein militärischen Projekt abzulenken. Damit soll Unkundigen der Eindruck vermittelt werden, dass das AR-15 harmloser sei als es ist.

Fazit

Viele Sportschützen lügen im Bezug auf die Geschichte des AR-15 und seiner Einführung als M16 und XM16E1, um die Waffe als harmloser darzustellen.

Quellen

  • The Black Rifle, M16 Retrospective von R. Blake Stevens & Edward C. Ezell
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart
  • The M16 von Gordon L. Rottman
  • The M16/AR15 Rifle A Shooter's Guide von Joe Poyer
  • Sturmgewehre der Welt Band III T -V von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16)
  • Visier Special Ausgabe 37 M16 & AR-15

04 August 2024

Verwendung des Begriffes AR-15

 

AR-15 aka. M16
im CAR-15 Programm
Hallo alle zusammen, im letzten Post habe ich die Geschichte des AR-15 grob abgerissen - heute geht es dagegen nochmal um die genaue Begriffsverwendung. Wer meint also was, wenn er oder sie AR-15 sagt und vor allem, wie verwendet man den Begriff richtig und eindeutig. 

Armalite AR Waffen

Die Firma Armalite entwickelte als Zweigfirma des Flugzeugherstellers Fairchild ab beginn der 50er Jahre Feuerwaffen. Das Ziel war es, die damals neuen leichten Materialien aus dem Flugzeugbau auch für Feuerwaffen nutzbar zu machen.

Die erste Waffe war das AR-1 ein äußerst leichtes Repetiergewehr mit dem Spitznamen Para Sniper. Die Benennung der einzelnen Projekte folgt dabei dem Muster AR plus einer fortlaufenden Nummer für jedes neue begonnene Projekt. Dabei steht AR für die Firma Armalite. Die Behauptung, AR stände für Assault Rifle oder Armalite Rifle müssen aufgrund der AR-9 zurückgewiesen werden, bei welcher es sich um eine Schrotflinte handelt. Da das englische Wort rifle sich gleich dem deutschen Wort Büchse lediglich auf Waffen mit gezogenen Läufen bezieht.

Armalite XAR-15

Das erste militärische Schnellfeuergewehr von Armalite war das AR-10, welches sich jedoch bei der Ausschreibung der US-Streitkräfte nicht gegen T-48 (FN FAL) und M14 durchsetzen konnte. Jedoch bat man die Firma Armalite eine kleinere Version des AR-10 für eine SCHV-Patrone (small caliber high velocity) zu entwickeln. Zunächst entwickelte man mit der AR-11 Stopette eine neue Waffe, kehrte dann aber zur Idee des geschrumpften AR-10 zurück und schuf das XAR-15.

Das XAR-15 war, wie das AR-10, schnellfeuerfähig und dank der verwendeten Patrone .222 Remington (5,7x43,2mm) auch aus heutiger Sicht ein vollwertiges Sturmgewehr. Die Abzugsgruppe des XAR-15 zeigt zwar nicht die Aufschrift AUTO, jedoch ist der Pinn, welcher den Schnellfeuerunterbrecher hält, deutlich von außen zu sehen.

Armalite AR-15

Da das XAR-10 vielversprechender war als die Stopette, wurde das XAR-15 zum AR-15 weiter entwickelt. Dabei wurden Kinderkrankheiten ausgebessert und eine neue Patrone für die Waffe geschaffen, welche zunächst den Namen .223 Special oder .223 Stoner erhielt, jedoch später als .223 Remington bezeichnet und unter diesem Name auch auf den zivilen Markt angeboten wurde, das Armalite AR-15 jedoch blieb zunächst ein rein militärisches Projekt.

Verwendet ein Fachkundiger den Begriff AR-15 mit bestimmtem Artikel, das AR-15, ist meist diese Waffe gemeint.

Colt AR-15

Da die Firma Armalite nicht die nötigen Produktionskapazitäten besaß, um das AR-15 in Massen zu produzieren, wurde zunächst eine begrenze Lizenz an die Firma Colt vergeben. Diese verbesserten das AR-15 und passen die Waffe an die Fertigung auf eigenen Maschinen an. Dabei bliebt die Bezeichnung AR-15 erhalten, Colt fügte lediglich eine Modellnummer an, welche sich aus Modell und einer bei 601 beginnenden Nummer zusammensetzt.

Aufgrund der begrenzten Lizenz tragen die Waffen den Namen Colt AR-15 gut lesbar auf ihren Gehäusen.

Verwendet ein Fachkundiger den Begriff AR-15 mit bestimmtem Artikel, das AR-15, können auch die ersten Modelle von Colt gemeint sein.

Das AR-15 beim US-Militär

Die US-Armee waren zunächst am AR-15 nur aus dem Grund interessiert, da man einige süd-ost asiatische Verbündete nicht ohne weiteres mit US-Waffen ausrüsten konnte. Vor allem die Süd Vietnamesen hatten sowohl Probleme mit dem M1 Grand als auch dem M14. Das Colt AR-15 mit der Modellnummer 601 auch AR-15 M601 oder nur AR-15 01 wurde als besser geeignet angesehen. Die USA kauften einige hundert AR-15 01 und rüsteten zunächst eigenen Militärberater mit dieser Waffe aus.

XM16 und M16

Da die Luftwaffe das damals neue M14 wegen seines hohen Gewichts ablehnte, wurde das AR-15 M601 erprobt und einige Verbesserungsvorschläge gemacht, das verbesserte AR-15 erhielt von Colt die Nummer M603 und wurde von der US-Luftwaffe als XM16 probeweise eingeführt. Dabei metrisierte man die Patrone .223 Remington zunächst als 5,64x45mm HV.

Nach weiteren Verbesserungen entstand das AR-15 M604, welches offiziell als US Rifle, 5,56mm, M16 eingeführt wurde. Die metrisierung der Patrone wurde von 5,64mm auf 5,56x45mm geändert.

Bei XM16 und M16, handelt es sich nachwievor um AR-15 Modelle, wie auf deren Gehäusen zu lesen ist. Ein Fachkundiger wird diese Modelle jedoch bei ihren militärischen Namen XM6 und M16 nennen.

XM16E1 und M16A1

Die zunächst am AR-15 eher uninteressierte US-Armee, interessierte sich später doch für das AR-15 bestand aber auf einem Sonderwunsch in Form einer Schließhilfe. Aus diesem Grund entwickelte Colt das Modell 603, welches als XM16E1 von US-Armee und US-Marines und teilen der Navy eingeführt wurde.

Nach starken Problemen der Waffe im Zuge des Vietnamkrieges wurden, zum Großteil durch falsches Pulver verursachte, wurden diese behoben und das verbesserte Modell als M16A1 eingeführt.

Auch XM16E1 und M16A1 sowie die SMG (XM177, XM177E1, GAU-5/A) und Commando-Versionen (XM177E2, GAU-5A/A) tragen noch die Bezeichnung AR-15 auf ihren Gehäusen.

CAR-15

Um das Sturmgewehr AR-15 M601 herum, schuf Colt eine ganze Waffenfamilie. Dabei wurde diese als CAR-15 vermarktet, was für Colt Automatic Rifle 15 steht. Dieses umfasste stark verkürzte Sturmgewehre wie das M607, Sturmgewehre in Karabinerlänge wie das M605 sowie leichte Maschinengewehre, welche als Colt LMG-1 und LMG-2 bezeichnet wurden.

Die Bezeichnung CAR-15 findet sich vor allem in Werbematerial und taucht nicht auf den Gehäusen der Waffen oder internen reintechnischen Dokumenten auf. Da sich von der Produktpalette nur die sehr kurzen Sturmgewehre durchgesetzt haben, wird der Begriff CAR-15 als Oberbegriff für sehr kurze AR-15 aus der Zeit vor dem M4 Karabiner verwendet.

Auf den Gehäusen der CAR-15 Waffen findet sich nachwievor die Bezeichnung AR-15.

AR-15 SP1 Sporter

Zusätzlich zu den vollautomatischen AR-15 Sturmgewehren, wurde von Colt eine auf Selbstladefunktion reduzierte Version, semi-auto, des AR-15 geschaffen. Diese Waffe wurde unter der Bezeichnung GX-4968 von der US-Behörde ATF (Amt für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen) geprüft und für den Zivilmarkt geeignet befunden.

Vermarktet wurde die Waffe als AR-15 SP1 Sporter, intern erhielt sie die Nummer R6000.

Sprechen Fachkundige von der zivilen AR-15, ist meist der SP1 Sporter gemeint.

M16A2, das AR-15 fällt weg

Aus markenrechtlichen Gründen, tragen alle Waffen von Colt bis zum M16A1 und XM177E2 die Bezeichnung AR-15 auf ihren Gehäusen. Diese verschwindet erst mit dem erscheinen des M16A1E1, welches zum M16A2 führen wird. Der Grund ist der Erwerb der Patentrechte des AR-15-Systems durch die US-Streitkräfte.

Beim M16A2, handelt es sich, auch ohne eine entsprechende Markierung auf dem Gehäuse, immer noch um eine Waffe mit AR-15-System.

Waffen mit AR-15 System

Das AR-15 besitzt als Gasdrucklader mit Gaseinleitung ein ziemlich einzigartiges System, welches zwar erstmals beim AR-10 verwendet wurde, aber für Waffen mit dem selben System und der selben Baugruppenanordnung als Waffenfamilienbezeichnung verwendet wird. Die erste Waffe, welche ein AR-15 System verwendete, bei welcher es sich jedoch nicht um eine Colt AR-15 oder ein Lizenzproduktion handelte, was die chinesische Raubkopie CQ 5.56.

Als die Lizenz für das AR-15 von der US-Regierung erworben wurde, wurde der Weg frei für eine Vielzahl an lizensierten Versionen. Aufgrund der kleinen Unterschiede auf der einen Seite aber der nachwievor vorhandenen Ähnlichkeit auf der anderen, wird diese sehr unübersichtliche Waffengruppe als Waffen mit AR-15 System bezeichnet. Bekannte Vertreter sind unter anderem das XM15 der Firma Bushmaster, das K3B von Olympic Arms, das ADAR 2-15 von Molot oder das M&P 15 von Smith&Wesson.

Spricht ein Sachkundiger von einer AR-15, mit unbestimmten Artikel, so handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Waffe aus dieser Gruppe.

Waffen mit AR-15 Architektur

Wie das AR-10 auch, so besitzt das AR-15 eine besondere Baugruppenanordnung. Der Lauf ist am oberen Gehäuse befestigt, wohingegen Magazinschacht und Abzugsgruppe im unteren Gehäuse Platz finden. Dazu ist am hinteren Ende des Gehäuses eine Röhre befestigt, in welcher der Verschluss beim Schuss hineinläuft. Diese Röhre enthält zudem einen Puffer, welcher technisch Teil der Verschlussmasse ist.

Waffen, welche diese Baugruppenanordnung übernehmen aber nicht mehr als Gasdrucklader mit Gaseinleitung arbeiten, bezeichnet man nicht mehr als als AR-15, beziehungsweise als Waffen mit AR-15 System, sondern als solche mit AR-15 Architektur oder als Waffen mit AR-15 Baugruppenanordnung. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem das deutsche HK416 oder der MK556.

Waffen mit AR-15 Anlehnung

Ändert sich die Baugruppenanordnung nur leicht, meist durch den Wegfall der Röhre mit Schließeinrichtung, spricht man meist nur noch grob von Waffen mit Anlehnung oder Abstammung vom AR-15. So besitzen LR300 oder der SIG MCX Spear keine Buffertube/ Receiverextention mehr aber ihre übrige Baugruppenanordnung verrät ihre Herkunft.

Die äußere Grenze bildet hier das koreanische Daewoo K1, welches nicht mehr zur AR-15 Familie gezählt wird, obwohl es immer noch deutlich von dieser abstammt.

Falschbehauptungen

AR-15 wurden als M16
von Colt gekauft

Immer wieder hört man von Unkundigen, dass das AR-15 angeblich die halbautomatische Version des M16 sei. Diese Behauptung ist schon anhand der AR-15 Prototypen zurückzuweisen, welche alle über eine AUTO-Einstellung an ihrer Abzugsgruppe verfügten. Lediglich das XAR-15 weist diesen Schriftzug nicht auf, jedoch ist bei diesem Modell gut der Pinn für den Schnellfeuerunterbrecher zu sehen. Zudem existieren Bilder von der zerlegten Waffe, bei welchen der Schnellfeuerunterbrecher deutlich sichtbar ist.

Auch die ersten von Colt Produzierten AR-15 (AR-15 01, AR-15 M601) waren schnellfeuerfähig und wurden in der frühen Phase des Vietnamkrieges von US-Militärberatern eingesetzt. Offizielle US-Dokumente zu den ersten Bestelllungen und Feldberichte erwähnen AR-15 mit Schnellfeuer. Frühe Fachartikel und Fachbücher verwenden die Begriffe AR-15 und M16 parallel und gleichwertig. Da die US-Luftwaffe damals das Produkt AR-15 als M16 typenklassifiziert (type classified) hat.

Grundlagen:

  • The Black Rifle, M16 Retrospective von R. Blake Stevens & Edward C. Ezell
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart
  • The M16 von Gordon L. Rottman
  • The M16/AR15 Rifle A Shooter's Guide von Joe Poyer
  • Sturmgewehre der Welt Band III T -V von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16)
  • Visier Special Ausgabe 37 M16 & AR-15

29 Juli 2024

AR-15 von der Kriegswaffe zum zivilen Halbautomaten

Das AR-15 von Armalite
Willkommen zu einem neuen Beitrag mit dem Thema Waffengeschichte. Dieses mal sehen wir uns, aufgrund der aktuellen Ereignisse, schon wieder das AR-15 an und seinen Weg von einer reinen vollautomatischen Kriegswaffe zu einem zivilen Halbautomaten. 

Auch wenn alleine die letzte Aussage schon nicht ganz korrekt ist, denn die vielen zivilen AR-15 sind ein Nebenzweig der militärischen Geschichte der Waffe aber lasst und erklären.

Armalite

Der Flugzeugproduzent Fairchild hatte die Idee, die damals im Flugzeugbau neuen Materialien und Herstellungsmethoden, auch für den Bau von Feuerwaffen einzusetzen und gründete zu diesem Zweck die Firma Armalite. Bei dieser entstand als erstes das AR-1 ein äußerst leichtes Repetiergewehr, welches den Beinamen Para Sniper trug. Armalite nutzte die durch Fairchild bestehenden Kontakte zur US-Luftwaffe, um dieser die Waffe anzubieten. Die US-Luftwaffe hatte jedoch kein Interesse am AR-1, bekundete jedoch den Bedarf an einem leichten Überlebensgewehr für Piloten.

AR-5 & AR-7

Darauf begannen die Arbeiten für eine besonders leichte Waffe, welche man kompakt unter anderem unter dem Schleudersitz eines Flugzeuges verstauen konnte. Die Ergebnisse waren die AR-5 Survival Rifle für die Kleinkaliberpatrone .22 Hornet und das AR-7 Explorer für die Patrone .22lfb. Beide wurden zunächst in begrenzten Stückzahlen von der US-Luftwaffe bestellt.

AR-10

Zudem begannt 1955 bei Armalite die Entwicklung von automatischen Waffen unter der Leitung von Eugene Stoner, welcher ein damalig neuartiges Antriebsystem für Feuerwaffen entwickelt hatte. Sein System war ein Gasdrucklader, bei welchem die Pulvergase aus dem Lauf abgezapft und anschließend zwischen Verschlussträger und Verschlusskopf geleitet wurden, um den Verschlussträger exakt gerade nach hinten zu treiben und zeitgleich den Verschlusskopf durch Drehung zu entriegeln. Dieser lineare Verschlussantrieb verhinderte eine kippen des Verschlusses. Zudem war der Vorteil dieses System, dass man auf einen herkömmlichen Gaskolben gänzlich verzichten konnte. Somit wurde keine Zusätzliche Masse beim Schuss hin und her geworfen, das System bleib beim Schuss ruhiger.

Die erste Schnellfeuerwaffe mit diesem System wurde 1956 das AR-10 welches zunächst für die starke Gewehrpatrone .30-06, welche einen extremen Rückschlag aufweist. Um diesem weiter Herr zu werden, verlegte Stonder die Schulterstütze auf eine Höhe mit dem Lauf. Auf diese weise wurde der Rückschlag gerade auf die Schulter der Schützen übertragen und es kam zu keiner starken Drehung, wie bei gewöhnlichen Gewehrschäften.

Um die neuen leichten Materialien aus dem Flugzeugbau nutzbar zu machen, wurde der Schildzapfen, ea. das Verrigelungstsück, in welches die Verschlusszapfen eingriffen, aus einem Teil mit dem Lauf gefertigt. So konnten Lauf und Verschlusskopf miteinander verriegeln und dem Gasdruck der Pulvergase gemeinsam standhalten. Der Vorteil dieser Bauweise war, dass das Gehäuse nun kein Gastragendes Teil mehr war - es konnte nun aus leichtem Aluminium gefertigt werden.

Als 1957 die NATO-Patrone 7,62x51 mm vorgestellt wurde, entwickelte Stonder das AR-10 für diese Patrone weiter und schuf so eine sehr leichte Waffe, welche in der Lage war, die starke moderne Gewehrpatrone in kurzen Feuerstoßen zu verschießen, ohne das die Mündung aus dem Ziel wanderte. Mit anderen Waffen für diese Patrone, war dies nicht möglich oder aber diese hatten ein deutlich höheres Gewicht.

Als die USA für die nächste Waffe nach dem M1 Garand Test durchführen, trat das AR-10 in den letzten Test gegen T-48 (FN FAL) und M14 an. Da das AR-10, zu diesen Zeitpunkt, jedoch deutlich früher in der eigenen Entwicklung steckte, zeigte es deutlich mehr Probleme als bei seine Konkurrenten. Zudem kam es zu einer Laufsprengung, da die Läufe der früheren AR-10 aus Aluminium mit einer dünnen inneren Stahleilage bestanden. spätere AR-10 erhielten aus diesem Grund Vollstahlläufe.

Auch die Bundeswehr testete das AR-10 als G4 neben G1 FN FAL (FN Gewehr), G2 SIG 510-2 und G3 (CETME Gewehr). Lehnte es jedoch ab. Lediglich der Sudan und Portugal kaufen das AR-10 in größeren Stückzahlen.

Eine für die Patrone 7,62x39mm M43 eingerichtete Version des AR-10, wurde als AR-10F von Finnland erprobt ajedoch nicht eingeführt. Das AR-10F war Armalites erste Waffe für eine echte Mittelpatrone.

AR-11 Stoppete

Parallel zur Entwicklung des konservativen M14 forschten die USA an neuen progressiven Waffenkonzepten, ein Programm Namens SALVO, sollte die Trefferwahrscheinlichkeit im Feuerkampf erhöhen. Eine Auskopplung dieses Programms war das SCHV-Konzept, welches für small caliber high velocity (kleines Kaliber hohe Geschwindigkeit) steht. Dabei sollten eine Waffe und Munition geschaffen werden, welche durch ihr kleines Kaliber leicht zu schießen waren aber durch die hohe Geschwindigkeit der Geschosse dennoch großen Schaden anrichten sollten. Der Vorteil für den Schützen wäre zum einen gewesen, dass er mehr Schüsse in kürzerer Zeit hätte abgeben und zudem auch mehr Munition mitführen können.

Die Idee kam schon durch die Patrone .220 Swift von 1935, welche ein .22 Kalibergeschoss auf über 1000 m/s beschleunigte und dabei gute Stoppwirkung zeigte. Da die Patrone für die Verwendung in den gewünschten vollautomatischen Waffen ungeeignet war, forschte man auf Grundlage der .222 Remington von 1950 für welche jedoch zu diesem Zeitpunkt keine automatischen Waffen existierten.

Die Verantwortlichen des SCHV-Programms wendeten sich deshalb an Armalite, dessen AR-10 gerade erst aus dem Test, für das neue reguläre Gewehr, ausgeschieden war. Man bad die Firma genau diese Waffe für .222 Remington einzurichten. Man erhoffte sich aus der Kombination des kleinen Kalibers, zusammen mit den Rückschlag reduzierenden Eigenschaften des AR-10 eine äußert angenehm zu schießende Waffe ershalten zu können.

Eugene Stoner wurde dem Wunsch jedoch nicht gerecht, da er die Meinung vertrat, dass das kleine Kaliber diese Maßnahmen nicht nötig hätte und konstruierte mit der AR-11 Stopette ein Gewehr mit klassischer Schäftung mit ergonomischer Ähnlichkeit zum M2 Carbine. Die Arbeiten an der Stoppete wurden jedoch gestoppt. Die offiziellen Gründe geben technische Schwierigkeiten an. Es wird jedoch angenommen, das Armalite Stoner stoppte, da der M2 Carbine gerade im Korea Krieg eine sehr schlechte Figur machte.

AR-15 in .222

Armalite beauftragte 1957 James Sullivan mit der Umsetzung der Wünsche des SCHV-Programms. Dieser begann mit Stoners Unterstützung das AR-10 zum AR-15 einzuschrumpfen und für die Patrone .222 Remington einzurichten. Die Waffe war äußerst angenehm zu schießen, es gab jedoch häufig Probleme mit Ladehemmungen, welche auf die 25-Schuss-Magazine zurückzuführt wurden. Man entschied sich für eine Reduktion der Magazinkapazität auf 20 Schuss.

Da auch beim Einsatz von leistungsfähigem IMR-Pulver die .222 Remington Patrone nicht die geforderte Leistung der Waffe erbracht werden konnte und das Druckmaximum der .222 ohnehin schon erreicht war, entschied sich Stoner eine komplett neue eigene Patrone für das AR-15 zu entwickelt. So entstand 1958 zunächst die .222 Special oder .222 Stoner. Um eine höhere Leistung zu erzielen, wurde die Hülsenschulter nach vorne gezogen, um einen größeren Pulverraum zu schaffen. Zudem erhielt die Patrone eine für automatische Waffen angepasste Ausziehernut. Um Verwechslungen zu vermeiden, wurde die .222 Special in .223 Remington umbenannt.

AR-15 in .224

Um das AR-15 nicht konkurrenzlos im SCHV-Programm zu haben, baten die Verantwortlichen Winchester eine Konkurrenzmodell zu entwickeln. Das Ergebnis war eine als Winchester Light Weight Rifle bezeichnete Waffe für die experimentelle Patrone .224 E2. Um die beiden Waffen fair vergleichen zu können, wurden auch AR-15 in .224 E2 gefordert und von Armalite geliefert. Das AR-15, kam jedoch mit der Patrone nicht gut zurecht.

Die Verantwortlichen mit dem AR-15 in .223 zufrieden und so wurde angedacht, dass AR-15 im begrenzten Maß als Zwischenlösung zwischen M14 und dem erwarteten Ergebnis des SPIW-Programms zu nutzen. Dieses Programm sollte für die Zukunft eine Waffe liefern, welche dem einzelnen Infanteristen eine deutlich höhere Trefferwahrscheinlichkeit und Feuerkraft geben sollte.

Da die ursprüngliche Entwicklungsfirma ArmaLite sich lediglich als ein Thinktank für die Entwicklung neuer Waffen verstand und selbst keine ausreichenden industriellen Kapazitäten für die Produktion des AR-15 besaß, wurden 1959 die Rechte und Pläne für die Produktion an die Firma Colt übertragen. Colt fertigte eine verbesserte und an die eigenen Produktionsmittel angepasste Version des als AR-15 01 intern Colt Modell 601 genannt. Dieses Modell unterscheidet sich vom AR-15 von Armalite unter anderem durch seinen abgerundet dreieckigen Handschutz. Entgegen der Erwartungen von Colt fanden sich jedoch zunächst keine Abnehmer für das AR-15.

AR-15 in Vietnam

Ab 1961 spitzte sich die Lange in Vietnam weiter zu worauf die USA begannen die süd-vietnamesische Armee ARVN zu bewaffnen, dabei stellte sich jedoch heraus, dass die vietnamesischen Soldaten, aufgrund ihrer Statur, nur schlecht mit dem ausgegebenen M1 Grand zurecht kamen, weswegen man davon absah M14 für diese zu produzieren. AR-10 und AR-15 schienen besser geeignet und so beschafften die USA testweise einige AR-15 mit der Modellnummer 601 für US-Militärberaten, welche bis dahin mit dem M2 Carbine ausgerüstet waren. Das AR-15 601 oder kurz AR-15 01 zeigte gute Ergebnisse sowohl in den Händen von ARVN-Soldaten als auch in denen der us-amerikanischen Berater.

Die US-Luftwaffe war von Anfang an mit dem M14 unzufrieden, da sie die Waffe als zu schwer empfanden. Die Wachmannschaften der Flugfelder waren bis dahin mit M2 Carbine ausgerüstet, da aber die Munition der Waffen, .30 Carbine, aus der Logistik der US-Streitkräfte ausgesondert werden sollte, suchte die Luftwaffe nach einer neuen Waffe.

Das AR-15 wurde von der Luftwaffe getestet und nach einigen Änderungswünschen 1961 testweise als XM16 eingeführt. Dabei trägt die Waffe noch immer die Bezeichnung AR-15 auf ihrem Gehäuse und wird als AR-15 02 bezeichnet. Colt intern als sie als Model 602 oder kurz M602 geführt. Dabei wurde das Klaiber auf 5,64 mm metrisiert und die Patrone als 5,64x45mm HV bezeichnet.

M16 Der US-Luftwaffe

Die Luftwaffe zeigte sich zufrieden mit dem XM16 und so wurde das AR-15 mit der Nummer 604 1962 offiziell als US Rifle, 5,56mm, M16 kurz M16 eingeführt. Das Nennkaliber wurde von 5,64mm auf 5,56mm geändert und die Patrone als 5,56x45mm M193 bezeichnet.

XM16E1 der US-Armee

Die Armee interessierte sich immer stärker für das AR-15, da man darin eine Zwischenlösung bis zum erscheinen der ersten Waffen des SPIW-Programms sah. Jedoch bestand die Armee auf einer Schließhilfe, welche, nach damaliger Meinung der US-Armee, jede Waffe haben sollte.

Colt rüstete eine solche nach und so wurde 1963 das AR-15 mit der Modellnummer M603 testweise als US Rifle, 5,56mm, XM16E1 kurz XM16E1 eingeführt. Als 1965 neben US-Militärberatern auch reguläre Truppen der US-Armee nach Vietnam verlegt wurden, trugen diese bereits das XM16E1. Lediglich später eintreffende hinter gelagerte Truppen der US-Armee führen noch das M14.

Ziviles AR-15 SP-1

Für den zivilen US-Markt, Colt schuf ein Modell des AR-15 welches keinen Schnellfeuermodus mehr hallte und reichte diese 1963 als GX-4968 bezeichnete Modell beim us-amerikanischen ATF (Amt für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen) ein. Diese Behörde gab grünes Licht für die Waffe, es kam jedoch zunächst nur zur Produktion von sehr geringen Stückzahlen der 1964 als AR-15 SP-1 Sporter vermarkteten Waffe. Der Grund war zum einen das geringe Interesse der us-amerikanischen Zivilbevölkerung, zum anderen nahm der Krieg in Vietnam immer weiter Fahrt auf und so hätte Colt, selbst bei großem Interesse am SP-1 Sporter, nicht die nötigen Produktionskapazitäten gehabt.

Der Name AR-15 wurde von Colt für die gesamte Waffenfamilie übernommen und so tragen selbst XM16E1, M16 und noch M16A1 sowie XM177E2 die Aufschrift Colt AR-15 über der jeweiligen militärischen Bezeichnung. Erst mit der M16A2 in den 80er Jahren verschwand die Bezeichnung von den Gehäusen.

Die von Colt gefertigten zivilen Halbautomaten erhielten ebenfalls die Oberbezeichnung AR-15, so trägt die Sporter SP-1 (intern R6000) die Bezeichnung AR-15 Sporter SP1.

Dieser Umstand führt bei einigen Unkundigen zu der Annahme, dass man mit AR-15 nur die halbautomatischen Mitglieder der Waffenfamilie AR-15 meint. Was jedoch faktisch falsch ist.

Falschbehauptungen

Häufig hört man von Unkundigen zudem die Behauptung, dass AR-15 sein kein Sturmgewehr, weil dieses ein reiner Halbautomat sei. Dies ist jedoch nicht richtig, alle bei Armalite als AR-15 gefertigten Waffen besitzen eine mit AUTO beschriftete Stellung für ihre Feuerwahlhebel. Auch das AR-15 01 von Colt, ist Schnellfeuerfähig.

Eine Weitere Behauptung lautet, dass AR-15 und M16 zwei verschiedene Waffen sein. Auch diese Behauptung ist anhand von offiziellen Dokumenten sowie der Beschriftung der Waffe selber zurückzuweisen. So tragen M16, XM16E1 und M16A1 die Beschriftung Colt AR-15 auf ihren Gehäusen. Daneben belegen zeitgenössische Dokumente, dass das AR-15 als M16 eingeführt wurde.

Grundlagen:

  • The Black Rifle, M16 Retrospective von R. Blake Stevens & Edward C. Ezell
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart
  • The M16 von Gordon L. Rottman
  • The M16/AR15 Rifle A Shooter's Guide von Joe Poyer
  • Sturmgewehre der Welt Band III T -V von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16)
  • Visier Special Ausgabe 37 M16 & AR-15

04 Juli 2024

Wie funktioniert eine Waffe mit Vorlaufzündung?

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Post. Heute sehen wir uns die Funktion einer Waffen mit echter Vorlaufzündung an. Bedeutet, die Zündung beschied wirklich noch während des Vorlaufes und nicht erst danach, wenn der Verschluss bereits zum stehen gekommen ist.

Weil es immer wieder zu Verwechslungen kommt, hier nochmal der deutliche Hinweis, dass so gut wie keine bekannte Handfeuerwaffe echte Vorlaufzündung verwendet. Die meisten günstigen Maschinenpistolen wie Uzi, Sten, PPSch-51 oder Thompson M1A1 zünden durch ihren Verschlussvorlauf, nicht während diesem. Eine Ausführliche Erklärung des Unterschiedes findet sich am Ende des Posts.

Aber nun zur Erklärung, denn im Gegensatz zur ''Zündung durch Vorlauf'' ist die '''Zündung während des Vorlaufes''' (eng. Advanced Primer Ignition) verriegelungsrelevant. Durch eine spezielle Einrichtung, wird die Patrone bereits gezündet, noch bevor der Verschluss in seiner vordersten Position angekommen ist. Dadurch müssen die Stoßbodenkräfte, vor allem der Gasdruck, nicht nur die Masseträgheit des Verschlusskörpers überwinden, sondern zusätzlich gegen dessen nach vor gerichteten Bewegungsimpuls ankämpfen, um diesem jetzt endlich zu einer Bewegung nach hinten zu zwingen.

Eine Zündung während des Vorlaufes ist nur möglich wenn, zum einen der Zündstift zu einem genau bestimmten Zeitpunkt auf das Zündmittel der Patrone trifft. Zum anderen muss dem Zündstift ein Gegenlager geboten werden, damit sein auftreffen auf das Zündmittel nicht einfach zu einem ''nach vorne schieben'' der Patrone führt.

Die Waffe befindet sich in Ruhe, eine Patrone ist jedoch bereits aus dem Patronenvorrat entnommen worden und wird von den Auszieherkrallen (dunkelrot) des Verschlusses (rot) gehalten. Der Verschluss (rot) befindet sich in hinterster Stellung und wurde gegen die Verschlussfeder gespannt.

Der Bewegungsimpuls beträgt zu diesem Zeitpunkt 0, der Gasdruck in der Patrone beträgt mit 1 bar in etwas den Druck der Umgebungsluft.


Der Schütze hat den Abzug abgekrümmt, der Verschluss (rot) beginnt seinen Weg nach vorne. Angetrieben wird er dabei von seiner Schließfeder. Bei seinem Vorlauf stößt die Zündwippe (grün) des Verschlusses (rot) auf eine gehäusefeste schräge Ebene (cyan), die Zündwippensteuerkurve. Diese zwingt die Zündwippe, zur einer Rotation, welche den Zündstift (schwarz) langsam in Richtung Zündhütchen zwingt.

Der Bewegungsimpuls des Verschlusses ist nun hoch, der Gasdruck liegt noch bei 1 bar.

Der Verschluss (rot) setzt seinen Vorlauf weiter fort, dabei wird die Zündwippe (grün) von der gehäusefesten Steuerkurve (cyan) soweit zur Rotation gezwungen, dass der Zündstift (schwarz) in das Zündhütchen der Patrone (messingfarben) gedrückt wird. Dies ist nur deshalb möglich, weil die Auszieherkrallen (dunkelrot) die Patrone an ihrem Platz halten, wären diese nicht vorhanden, würde die Patrone einfach nach vorne weg gedrückt werden.

Es kommt zur Zündung der Patrone, da sich jedoch der Gasdruck in der Brennkammer der selbigen erst entwickeln muss, setzt der Verschluss seinen Vorlauf noch ein wenig fort.

Der Bewegungsimpuls des Verschlusses ist nach wie vor hoch, der Druck in der Patrone steigt, kann aber vorerst wenig ausrichten, da die Patrone erst noch ein geschlossenes System darstellt.

Das Geschoss hat den Mund der Patronenhülse verlassen, die Gasdrucksäule im Lauf ist nun in der Lage, sowohl das Geschoss durch den Lauf zu treiben als auch die Patronenhülse nach hinten. Ursache dafür ist die Allseitigkeit des Drucks in Geschlossenen Räumen nach den Gesetzen von Blaise Pascal.

Der auf die Patronenhülse ausgeübte Druck versucht diese nach hinten aus der Patronenkammer heraus zu treiben, diese wird jedoch vom Verschluss (rot) abgestützt. Diese besitzt jedoch zu diesem Zeitpunkt immer noch einen nach vorne gerichteten Bewegungsimpuls, welcher zunächst vom Gasdruck überwunden werden muss. Ist dies geschehen, besitzt der Verschluss (rot) für einige Sekundenbruchteile eine Geschwindgeit von genau 0. Er bleibt kurz stehen, bevor er seine vorderste Position erreichen kann. Der stehende Verschluss besitzt, zwar keinen Bewegungsimpuls mehr, jedoch noch einen Ruheimpuls entsprechend seiner Masse. 

Ab dem Zeitpunkt seines Zwischenstopps, verhält sich ein Verschluss mit ''Zündung während des Vorlaufes'' genau wie ein regulärer Masseverschluss. Der Gasdruck treibt nun den Verschluss nach hinten, wobei die Patronenhülse wieder aus dem Patronenlager herausgezogen und schließlich ausgeworfen wird. Dabei zieht sich der Zündstift meist aus Sicherheitsgründen wieder aus dem Stoßboden zurück.

Vorteile und Nachteile

Das große Vorteil des Systems ist, dass man durch ''Zündung während des Vorlaufes'' den Verschluss deutlich leichter konzipieren kann als bei reinen Masseverschlüssen. Je nach Gasdruck der verwendeten Patronen und der Verschlussvorlaufgeschwindigkeit, lässt sich das Gewicht um bis zu 66% verringern. Da die Vorlauf Geschwindigkeit eine derart große Bedeutung für das System darstellt, werden meist sehr potente Verschlussfedern verbaut. Die Verschlussfeder der 20 mm Oerlikon Maschinenkanone muss entweder von drei Mann oder durch ein Spannseil mit starker Hebelwirkung gespannt werden.

Der große Nachteil des Systems ist zum einen die aufwändige Zuführung. Aus dem Patronenvorrat entnommene Patronen müssen umfassend ergriffen werden und gegen den Stoßboden fixiert werden, um dem Zündstift ein Gegenlager zu bieten. 

Zu anderen muss die Munition sehr sorgfältig produziert werden. Sollte es zu einem Spätzünder kommen, bei welchem ein abgeschlagenes Zündhütchen erst zeitlich verzögert die Treibladung entzündet, so wird es vorkommen, dass der Verschluss seinen Vorlauf bereits abgeschlossen hat. Vorne an- und zum stehen gekommen, würde sich der Verschluss wie ein normaler Masseverschluss verhalten, hätte jedoch für den Druck der Patrone nicht die nötige Masse. Die sichere Verschlussgeschwindigkeit würde überschritten werden.

Verschlüsse mit ''Zündung während des Vorlaufes'' haben zudem ein Problem mit der S-Strecke mancher Patronen und setzen deshalb meist zwingend besondere Munition voraus. Ist dies nicht möglich, so müssen entsprechende Waffen mit verlängerten Patronenkammern ausgestattet werden, welche eine Patrone auch dann schon umfänglich abstützen, auch wenn diese noch nicht vollständig in das Patronenlager eingeführt wurde.

Waffen die nachweisliche keine echte Vorlaufzündung besitzen

Immer wieder wird vor allem in Sachbücher] einfachen Maschinenpistolen wie der israelischen Uzi eine ''Zündung während des Vorlaufes'' nachgesagt. Dies ist jedoch durch aktuelle Zeitlupenaufnahmen und zeitgenössische Experimente widerlegt worden.

Für das Experiment wurden 30 Schuss im Einzelfeuer aus einer Uzi-Maschinenpistole regulär abgegeben. Danach wurde ein blinder Auszieher verbaut, die Patronen einzeln in die Patronenkammer der Waffe gelegt und abgefeuert. Da keine schnellere Verschlussrücklaufgeschwindigkeit gemessen wurde, ist dazu auszugehen, dass die Patronen erst bei vollständiger Einführung in die Patronenkammer zünden und nicht schon während des Vorlaufes.

Grundlagen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik, Thomas Enke, 2021

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970