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24 September 2024

Geschichtsrevision im Bezug auf das AR-15

Willkommen zu einem neuen Beitrag zum Thema Waffengeschichte beziehungsweise zu dunklen Seite der Geschichte und zwar der Geschichtsfälschung und wissenschaftlich korrekt dem Geschichtsrevisionismus oder umgangssprachlich der Geschichtsklitterung. 

In diesem Beitrag geht es darum, wie Sportschützen die Geschichte des AR-15 verbiegen, um diese Waffe, im angeblichen Gegensatz zum M16, als harmlos erscheinen zulassen. Aber sehen wir uns erstmal die Erzählungen im einzelnen an.

Im übrigen ist es wichtig, von Erzählungen zu sprechen und nicht von Theorien, da diese mit wissenschaftlichen Theorien nicht viel zu tun haben.

pre Populos Erzählung

Die schärfste Form der Geschichtsfälschung rund um das AR-15 ist die Behauptung, dass AR-15 Projekt habe von Anfang an einen zivilen Charakter gehabt und das M16 sein eine spätere Auskopplung aus diesem Programm. Dies ist jedoch nicht richtig, da die Entwicklung des AR-15 auf eine Anfrage des US-Militärs im Zuge des SCHV-Programms zurückgeht. Zudem waren schon die ersten Prototypen des AR-15 (XAR-15) schnellfeuerfähige Kriegswaffen.

Die Theorie (eigentlich eine reine Erzählung ohne wissenschaftlichen Anspruch) ist demnach zurückzuweisen.

silum Populos Erzählung

Die weniger scharfe Form der Leugnung des militärischen Ursprungs des AR-15 besagt, dass AR-15 und M16 zeitglich entwickelt wurden aber auch dies lässt sich anhand historischer Dokumente widerlegen, welche die Korrespondenz zwischen dem US-Militär und der Firma Armalite widergeben.

Da zwischen dem Start der Entwicklung des AR-15 1957 und der ersten zivilen Version der Waffe GX-4968 1963 sechs Jahre liegen, muss die Erzählung, dass zivile und militärische Modelle zeitgleich entwickelt wurden zurückgewiesen werden.

post Populos Theorie

Die Theorie, wobei es sich tatsächlich um eine wissenschaftliche Theorie handelt, gibt historisch nachvollziehbar an, dass erst nach dem militärischen Projekt eine zivile Version des AR-15 auf dem Markt angeboten wurde. Eine frühe zivile Version wurde als GX-4968 1963 von US Behörden geprüft und für den Zivilmarkt für geeignet befunden. Aufgrund dies Vietnamkrieges verzögerte sich jedoch die Herstellung von zivilen Waffen, so das erst 1964 mit dem Colt AR-15 SP1 Sporter, mit der internen Nummer R6000, auf den Mark kam.

Die bloße Aussage, dass nach den militärischen AR-15 Modellen auch zivile AR-15 Modelle angeboten wurden, ist demnach empirisch adäquat.

Begriffsverzerrung AR-15

Zum nachträglichen umschreiben den Geschichte des AR-15, kommt meinst noch eine nachträglich Begriffsverzerrung. So wird in der häufigsten Form der Erzählung behauptet, dass es sich beim AR-15 um eine rein zivile Waffe handelt soll, wohingegen das M16 die militärische Variante sei.

Die ist jedoch nicht richtig, da die ersten Versionen der Waffe auf ihren Gehäusen und in offiziellen Dokumenten als AR-15 bezeichnet werden. Dabei besitzen diese Waffe eine AUTO Einstellung an ihren Feuerwahlhebeln und werden in den Dokumenten als fully automatic (dt. vollautomatisch) oder select fire (dt. ~Wahlfeuer) beschrieben.

Die ersten AR-15 01 (Colt Model 601), welche in Vietnam eingesetzt wurden waren schnellfeuerfähig. Die später von der US-Luftwaffe als XM16 getestete AR-15 02 trägt noch die Bezeichnung AR-15 auf ihrem Gehäuse. Das gleiche gilt für das AR-15 03 der US-Armee, welches als XM16E1 eingeführt wurde, wie für das AR-15 04, welches die Luftwaffe als M16 führe. Auch das M16A1 führt noch die Beschriftung AR-15.

Waffen, welche Colt für andere Länder wie Singapur fertigte, tragen ebenfalls die Aufschrift AR-15 und wurden also solche vermarktet.

Demnach ist die Erzählung, nach der es sich beim AR-15 per se um eine zivile Version des M16 handelt als Geschichtsfälschung zurückzuweisen.

Ziel

Das Ziel der nachträglichen Änderung oder Umdeutung der Geschichte der Waffe ist, dass AR-15 als harmlosere Waffe darzustellen und von ihrem Ursprung als rein militärischen Projekt abzulenken. Damit soll Unkundigen der Eindruck vermittelt werden, dass das AR-15 harmloser sei als es ist.

Fazit

Viele Sportschützen lügen im Bezug auf die Geschichte des AR-15 und seiner Einführung als M16 und XM16E1, um die Waffe als harmloser darzustellen.

Quellen

  • The Black Rifle, M16 Retrospective von R. Blake Stevens & Edward C. Ezell
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart
  • The M16 von Gordon L. Rottman
  • The M16/AR15 Rifle A Shooter's Guide von Joe Poyer
  • Sturmgewehre der Welt Band III T -V von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16)
  • Visier Special Ausgabe 37 M16 & AR-15

04 August 2024

Verwendung des Begriffes AR-15

 

AR-15 aka. M16
im CAR-15 Programm
Hallo alle zusammen, im letzten Post habe ich die Geschichte des AR-15 grob abgerissen - heute geht es dagegen nochmal um die genaue Begriffsverwendung. Wer meint also was, wenn er oder sie AR-15 sagt und vor allem, wie verwendet man den Begriff richtig und eindeutig. 

Armalite AR Waffen

Die Firma Armalite entwickelte als Zweigfirma des Flugzeugherstellers Fairchild ab beginn der 50er Jahre Feuerwaffen. Das Ziel war es, die damals neuen leichten Materialien aus dem Flugzeugbau auch für Feuerwaffen nutzbar zu machen.

Die erste Waffe war das AR-1 ein äußerst leichtes Repetiergewehr mit dem Spitznamen Para Sniper. Die Benennung der einzelnen Projekte folgt dabei dem Muster AR plus einer fortlaufenden Nummer für jedes neue begonnene Projekt. Dabei steht AR für die Firma Armalite. Die Behauptung, AR stände für Assault Rifle oder Armalite Rifle müssen aufgrund der AR-9 zurückgewiesen werden, bei welcher es sich um eine Schrotflinte handelt. Da das englische Wort rifle sich gleich dem deutschen Wort Büchse lediglich auf Waffen mit gezogenen Läufen bezieht.

Armalite XAR-15

Das erste militärische Schnellfeuergewehr von Armalite war das AR-10, welches sich jedoch bei der Ausschreibung der US-Streitkräfte nicht gegen T-48 (FN FAL) und M14 durchsetzen konnte. Jedoch bat man die Firma Armalite eine kleinere Version des AR-10 für eine SCHV-Patrone (small caliber high velocity) zu entwickeln. Zunächst entwickelte man mit der AR-11 Stopette eine neue Waffe, kehrte dann aber zur Idee des geschrumpften AR-10 zurück und schuf das XAR-15.

Das XAR-15 war, wie das AR-10, schnellfeuerfähig und dank der verwendeten Patrone .222 Remington (5,7x43,2mm) auch aus heutiger Sicht ein vollwertiges Sturmgewehr. Die Abzugsgruppe des XAR-15 zeigt zwar nicht die Aufschrift AUTO, jedoch ist der Pinn, welcher den Schnellfeuerunterbrecher hält, deutlich von außen zu sehen.

Armalite AR-15

Da das XAR-10 vielversprechender war als die Stopette, wurde das XAR-15 zum AR-15 weiter entwickelt. Dabei wurden Kinderkrankheiten ausgebessert und eine neue Patrone für die Waffe geschaffen, welche zunächst den Namen .223 Special oder .223 Stoner erhielt, jedoch später als .223 Remington bezeichnet und unter diesem Name auch auf den zivilen Markt angeboten wurde, das Armalite AR-15 jedoch blieb zunächst ein rein militärisches Projekt.

Verwendet ein Fachkundiger den Begriff AR-15 mit bestimmtem Artikel, das AR-15, ist meist diese Waffe gemeint.

Colt AR-15

Da die Firma Armalite nicht die nötigen Produktionskapazitäten besaß, um das AR-15 in Massen zu produzieren, wurde zunächst eine begrenze Lizenz an die Firma Colt vergeben. Diese verbesserten das AR-15 und passen die Waffe an die Fertigung auf eigenen Maschinen an. Dabei bliebt die Bezeichnung AR-15 erhalten, Colt fügte lediglich eine Modellnummer an, welche sich aus Modell und einer bei 601 beginnenden Nummer zusammensetzt.

Aufgrund der begrenzten Lizenz tragen die Waffen den Namen Colt AR-15 gut lesbar auf ihren Gehäusen.

Verwendet ein Fachkundiger den Begriff AR-15 mit bestimmtem Artikel, das AR-15, können auch die ersten Modelle von Colt gemeint sein.

Das AR-15 beim US-Militär

Die US-Armee waren zunächst am AR-15 nur aus dem Grund interessiert, da man einige süd-ost asiatische Verbündete nicht ohne weiteres mit US-Waffen ausrüsten konnte. Vor allem die Süd Vietnamesen hatten sowohl Probleme mit dem M1 Grand als auch dem M14. Das Colt AR-15 mit der Modellnummer 601 auch AR-15 M601 oder nur AR-15 01 wurde als besser geeignet angesehen. Die USA kauften einige hundert AR-15 01 und rüsteten zunächst eigenen Militärberater mit dieser Waffe aus.

XM16 und M16

Da die Luftwaffe das damals neue M14 wegen seines hohen Gewichts ablehnte, wurde das AR-15 M601 erprobt und einige Verbesserungsvorschläge gemacht, das verbesserte AR-15 erhielt von Colt die Nummer M603 und wurde von der US-Luftwaffe als XM16 probeweise eingeführt. Dabei metrisierte man die Patrone .223 Remington zunächst als 5,64x45mm HV.

Nach weiteren Verbesserungen entstand das AR-15 M604, welches offiziell als US Rifle, 5,56mm, M16 eingeführt wurde. Die metrisierung der Patrone wurde von 5,64mm auf 5,56x45mm geändert.

Bei XM16 und M16, handelt es sich nachwievor um AR-15 Modelle, wie auf deren Gehäusen zu lesen ist. Ein Fachkundiger wird diese Modelle jedoch bei ihren militärischen Namen XM6 und M16 nennen.

XM16E1 und M16A1

Die zunächst am AR-15 eher uninteressierte US-Armee, interessierte sich später doch für das AR-15 bestand aber auf einem Sonderwunsch in Form einer Schließhilfe. Aus diesem Grund entwickelte Colt das Modell 603, welches als XM16E1 von US-Armee und US-Marines und teilen der Navy eingeführt wurde.

Nach starken Problemen der Waffe im Zuge des Vietnamkrieges wurden, zum Großteil durch falsches Pulver verursachte, wurden diese behoben und das verbesserte Modell als M16A1 eingeführt.

Auch XM16E1 und M16A1 sowie die SMG (XM177, XM177E1, GAU-5/A) und Commando-Versionen (XM177E2, GAU-5A/A) tragen noch die Bezeichnung AR-15 auf ihren Gehäusen.

CAR-15

Um das Sturmgewehr AR-15 M601 herum, schuf Colt eine ganze Waffenfamilie. Dabei wurde diese als CAR-15 vermarktet, was für Colt Automatic Rifle 15 steht. Dieses umfasste stark verkürzte Sturmgewehre wie das M607, Sturmgewehre in Karabinerlänge wie das M605 sowie leichte Maschinengewehre, welche als Colt LMG-1 und LMG-2 bezeichnet wurden.

Die Bezeichnung CAR-15 findet sich vor allem in Werbematerial und taucht nicht auf den Gehäusen der Waffen oder internen reintechnischen Dokumenten auf. Da sich von der Produktpalette nur die sehr kurzen Sturmgewehre durchgesetzt haben, wird der Begriff CAR-15 als Oberbegriff für sehr kurze AR-15 aus der Zeit vor dem M4 Karabiner verwendet.

Auf den Gehäusen der CAR-15 Waffen findet sich nachwievor die Bezeichnung AR-15.

AR-15 SP1 Sporter

Zusätzlich zu den vollautomatischen AR-15 Sturmgewehren, wurde von Colt eine auf Selbstladefunktion reduzierte Version, semi-auto, des AR-15 geschaffen. Diese Waffe wurde unter der Bezeichnung GX-4968 von der US-Behörde ATF (Amt für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen) geprüft und für den Zivilmarkt geeignet befunden.

Vermarktet wurde die Waffe als AR-15 SP1 Sporter, intern erhielt sie die Nummer R6000.

Sprechen Fachkundige von der zivilen AR-15, ist meist der SP1 Sporter gemeint.

M16A2, das AR-15 fällt weg

Aus markenrechtlichen Gründen, tragen alle Waffen von Colt bis zum M16A1 und XM177E2 die Bezeichnung AR-15 auf ihren Gehäusen. Diese verschwindet erst mit dem erscheinen des M16A1E1, welches zum M16A2 führen wird. Der Grund ist der Erwerb der Patentrechte des AR-15-Systems durch die US-Streitkräfte.

Beim M16A2, handelt es sich, auch ohne eine entsprechende Markierung auf dem Gehäuse, immer noch um eine Waffe mit AR-15-System.

Waffen mit AR-15 System

Das AR-15 besitzt als Gasdrucklader mit Gaseinleitung ein ziemlich einzigartiges System, welches zwar erstmals beim AR-10 verwendet wurde, aber für Waffen mit dem selben System und der selben Baugruppenanordnung als Waffenfamilienbezeichnung verwendet wird. Die erste Waffe, welche ein AR-15 System verwendete, bei welcher es sich jedoch nicht um eine Colt AR-15 oder ein Lizenzproduktion handelte, was die chinesische Raubkopie CQ 5.56.

Als die Lizenz für das AR-15 von der US-Regierung erworben wurde, wurde der Weg frei für eine Vielzahl an lizensierten Versionen. Aufgrund der kleinen Unterschiede auf der einen Seite aber der nachwievor vorhandenen Ähnlichkeit auf der anderen, wird diese sehr unübersichtliche Waffengruppe als Waffen mit AR-15 System bezeichnet. Bekannte Vertreter sind unter anderem das XM15 der Firma Bushmaster, das K3B von Olympic Arms, das ADAR 2-15 von Molot oder das M&P 15 von Smith&Wesson.

Spricht ein Sachkundiger von einer AR-15, mit unbestimmten Artikel, so handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Waffe aus dieser Gruppe.

Waffen mit AR-15 Architektur

Wie das AR-10 auch, so besitzt das AR-15 eine besondere Baugruppenanordnung. Der Lauf ist am oberen Gehäuse befestigt, wohingegen Magazinschacht und Abzugsgruppe im unteren Gehäuse Platz finden. Dazu ist am hinteren Ende des Gehäuses eine Röhre befestigt, in welcher der Verschluss beim Schuss hineinläuft. Diese Röhre enthält zudem einen Puffer, welcher technisch Teil der Verschlussmasse ist.

Waffen, welche diese Baugruppenanordnung übernehmen aber nicht mehr als Gasdrucklader mit Gaseinleitung arbeiten, bezeichnet man nicht mehr als als AR-15, beziehungsweise als Waffen mit AR-15 System, sondern als solche mit AR-15 Architektur oder als Waffen mit AR-15 Baugruppenanordnung. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem das deutsche HK416 oder der MK556.

Waffen mit AR-15 Anlehnung

Ändert sich die Baugruppenanordnung nur leicht, meist durch den Wegfall der Röhre mit Schließeinrichtung, spricht man meist nur noch grob von Waffen mit Anlehnung oder Abstammung vom AR-15. So besitzen LR300 oder der SIG MCX Spear keine Buffertube/ Receiverextention mehr aber ihre übrige Baugruppenanordnung verrät ihre Herkunft.

Die äußere Grenze bildet hier das koreanische Daewoo K1, welches nicht mehr zur AR-15 Familie gezählt wird, obwohl es immer noch deutlich von dieser abstammt.

Falschbehauptungen

AR-15 wurden als M16
von Colt gekauft

Immer wieder hört man von Unkundigen, dass das AR-15 angeblich die halbautomatische Version des M16 sei. Diese Behauptung ist schon anhand der AR-15 Prototypen zurückzuweisen, welche alle über eine AUTO-Einstellung an ihrer Abzugsgruppe verfügten. Lediglich das XAR-15 weist diesen Schriftzug nicht auf, jedoch ist bei diesem Modell gut der Pinn für den Schnellfeuerunterbrecher zu sehen. Zudem existieren Bilder von der zerlegten Waffe, bei welchen der Schnellfeuerunterbrecher deutlich sichtbar ist.

Auch die ersten von Colt Produzierten AR-15 (AR-15 01, AR-15 M601) waren schnellfeuerfähig und wurden in der frühen Phase des Vietnamkrieges von US-Militärberatern eingesetzt. Offizielle US-Dokumente zu den ersten Bestelllungen und Feldberichte erwähnen AR-15 mit Schnellfeuer. Frühe Fachartikel und Fachbücher verwenden die Begriffe AR-15 und M16 parallel und gleichwertig. Da die US-Luftwaffe damals das Produkt AR-15 als M16 typenklassifiziert (type classified) hat.

Grundlagen:

  • The Black Rifle, M16 Retrospective von R. Blake Stevens & Edward C. Ezell
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart
  • The M16 von Gordon L. Rottman
  • The M16/AR15 Rifle A Shooter's Guide von Joe Poyer
  • Sturmgewehre der Welt Band III T -V von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16)
  • Visier Special Ausgabe 37 M16 & AR-15

29 Juli 2024

AR-15 von der Kriegswaffe zum zivilen Halbautomaten

Das AR-15 von Armalite
Willkommen zu einem neuen Beitrag mit dem Thema Waffengeschichte. Dieses mal sehen wir uns, aufgrund der aktuellen Ereignisse, schon wieder das AR-15 an und seinen Weg von einer reinen vollautomatischen Kriegswaffe zu einem zivilen Halbautomaten. 

Auch wenn alleine die letzte Aussage schon nicht ganz korrekt ist, denn die vielen zivilen AR-15 sind ein Nebenzweig der militärischen Geschichte der Waffe aber lasst und erklären.

Armalite

Der Flugzeugproduzent Fairchild hatte die Idee, die damals im Flugzeugbau neuen Materialien und Herstellungsmethoden, auch für den Bau von Feuerwaffen einzusetzen und gründete zu diesem Zweck die Firma Armalite. Bei dieser entstand als erstes das AR-1 ein äußerst leichtes Repetiergewehr, welches den Beinamen Para Sniper trug. Armalite nutzte die durch Fairchild bestehenden Kontakte zur US-Luftwaffe, um dieser die Waffe anzubieten. Die US-Luftwaffe hatte jedoch kein Interesse am AR-1, bekundete jedoch den Bedarf an einem leichten Überlebensgewehr für Piloten.

AR-5 & AR-7

Darauf begannen die Arbeiten für eine besonders leichte Waffe, welche man kompakt unter anderem unter dem Schleudersitz eines Flugzeuges verstauen konnte. Die Ergebnisse waren die AR-5 Survival Rifle für die Kleinkaliberpatrone .22 Hornet und das AR-7 Explorer für die Patrone .22lfb. Beide wurden zunächst in begrenzten Stückzahlen von der US-Luftwaffe bestellt.

AR-10

Zudem begannt 1955 bei Armalite die Entwicklung von automatischen Waffen unter der Leitung von Eugene Stoner, welcher ein damalig neuartiges Antriebsystem für Feuerwaffen entwickelt hatte. Sein System war ein Gasdrucklader, bei welchem die Pulvergase aus dem Lauf abgezapft und anschließend zwischen Verschlussträger und Verschlusskopf geleitet wurden, um den Verschlussträger exakt gerade nach hinten zu treiben und zeitgleich den Verschlusskopf durch Drehung zu entriegeln. Dieser lineare Verschlussantrieb verhinderte eine kippen des Verschlusses. Zudem war der Vorteil dieses System, dass man auf einen herkömmlichen Gaskolben gänzlich verzichten konnte. Somit wurde keine Zusätzliche Masse beim Schuss hin und her geworfen, das System bleib beim Schuss ruhiger.

Die erste Schnellfeuerwaffe mit diesem System wurde 1956 das AR-10 welches zunächst für die starke Gewehrpatrone .30-06, welche einen extremen Rückschlag aufweist. Um diesem weiter Herr zu werden, verlegte Stonder die Schulterstütze auf eine Höhe mit dem Lauf. Auf diese weise wurde der Rückschlag gerade auf die Schulter der Schützen übertragen und es kam zu keiner starken Drehung, wie bei gewöhnlichen Gewehrschäften.

Um die neuen leichten Materialien aus dem Flugzeugbau nutzbar zu machen, wurde der Schildzapfen, ea. das Verrigelungstsück, in welches die Verschlusszapfen eingriffen, aus einem Teil mit dem Lauf gefertigt. So konnten Lauf und Verschlusskopf miteinander verriegeln und dem Gasdruck der Pulvergase gemeinsam standhalten. Der Vorteil dieser Bauweise war, dass das Gehäuse nun kein Gastragendes Teil mehr war - es konnte nun aus leichtem Aluminium gefertigt werden.

Als 1957 die NATO-Patrone 7,62x51 mm vorgestellt wurde, entwickelte Stonder das AR-10 für diese Patrone weiter und schuf so eine sehr leichte Waffe, welche in der Lage war, die starke moderne Gewehrpatrone in kurzen Feuerstoßen zu verschießen, ohne das die Mündung aus dem Ziel wanderte. Mit anderen Waffen für diese Patrone, war dies nicht möglich oder aber diese hatten ein deutlich höheres Gewicht.

Als die USA für die nächste Waffe nach dem M1 Garand Test durchführen, trat das AR-10 in den letzten Test gegen T-48 (FN FAL) und M14 an. Da das AR-10, zu diesen Zeitpunkt, jedoch deutlich früher in der eigenen Entwicklung steckte, zeigte es deutlich mehr Probleme als bei seine Konkurrenten. Zudem kam es zu einer Laufsprengung, da die Läufe der früheren AR-10 aus Aluminium mit einer dünnen inneren Stahleilage bestanden. spätere AR-10 erhielten aus diesem Grund Vollstahlläufe.

Auch die Bundeswehr testete das AR-10 als G4 neben G1 FN FAL (FN Gewehr), G2 SIG 510-2 und G3 (CETME Gewehr). Lehnte es jedoch ab. Lediglich der Sudan und Portugal kaufen das AR-10 in größeren Stückzahlen.

Eine für die Patrone 7,62x39mm M43 eingerichtete Version des AR-10, wurde als AR-10F von Finnland erprobt ajedoch nicht eingeführt. Das AR-10F war Armalites erste Waffe für eine echte Mittelpatrone.

AR-11 Stoppete

Parallel zur Entwicklung des konservativen M14 forschten die USA an neuen progressiven Waffenkonzepten, ein Programm Namens SALVO, sollte die Trefferwahrscheinlichkeit im Feuerkampf erhöhen. Eine Auskopplung dieses Programms war das SCHV-Konzept, welches für small caliber high velocity (kleines Kaliber hohe Geschwindigkeit) steht. Dabei sollten eine Waffe und Munition geschaffen werden, welche durch ihr kleines Kaliber leicht zu schießen waren aber durch die hohe Geschwindigkeit der Geschosse dennoch großen Schaden anrichten sollten. Der Vorteil für den Schützen wäre zum einen gewesen, dass er mehr Schüsse in kürzerer Zeit hätte abgeben und zudem auch mehr Munition mitführen können.

Die Idee kam schon durch die Patrone .220 Swift von 1935, welche ein .22 Kalibergeschoss auf über 1000 m/s beschleunigte und dabei gute Stoppwirkung zeigte. Da die Patrone für die Verwendung in den gewünschten vollautomatischen Waffen ungeeignet war, forschte man auf Grundlage der .222 Remington von 1950 für welche jedoch zu diesem Zeitpunkt keine automatischen Waffen existierten.

Die Verantwortlichen des SCHV-Programms wendeten sich deshalb an Armalite, dessen AR-10 gerade erst aus dem Test, für das neue reguläre Gewehr, ausgeschieden war. Man bad die Firma genau diese Waffe für .222 Remington einzurichten. Man erhoffte sich aus der Kombination des kleinen Kalibers, zusammen mit den Rückschlag reduzierenden Eigenschaften des AR-10 eine äußert angenehm zu schießende Waffe ershalten zu können.

Eugene Stoner wurde dem Wunsch jedoch nicht gerecht, da er die Meinung vertrat, dass das kleine Kaliber diese Maßnahmen nicht nötig hätte und konstruierte mit der AR-11 Stopette ein Gewehr mit klassischer Schäftung mit ergonomischer Ähnlichkeit zum M2 Carbine. Die Arbeiten an der Stoppete wurden jedoch gestoppt. Die offiziellen Gründe geben technische Schwierigkeiten an. Es wird jedoch angenommen, das Armalite Stoner stoppte, da der M2 Carbine gerade im Korea Krieg eine sehr schlechte Figur machte.

AR-15 in .222

Armalite beauftragte 1957 James Sullivan mit der Umsetzung der Wünsche des SCHV-Programms. Dieser begann mit Stoners Unterstützung das AR-10 zum AR-15 einzuschrumpfen und für die Patrone .222 Remington einzurichten. Die Waffe war äußerst angenehm zu schießen, es gab jedoch häufig Probleme mit Ladehemmungen, welche auf die 25-Schuss-Magazine zurückzuführt wurden. Man entschied sich für eine Reduktion der Magazinkapazität auf 20 Schuss.

Da auch beim Einsatz von leistungsfähigem IMR-Pulver die .222 Remington Patrone nicht die geforderte Leistung der Waffe erbracht werden konnte und das Druckmaximum der .222 ohnehin schon erreicht war, entschied sich Stoner eine komplett neue eigene Patrone für das AR-15 zu entwickelt. So entstand 1958 zunächst die .222 Special oder .222 Stoner. Um eine höhere Leistung zu erzielen, wurde die Hülsenschulter nach vorne gezogen, um einen größeren Pulverraum zu schaffen. Zudem erhielt die Patrone eine für automatische Waffen angepasste Ausziehernut. Um Verwechslungen zu vermeiden, wurde die .222 Special in .223 Remington umbenannt.

AR-15 in .224

Um das AR-15 nicht konkurrenzlos im SCHV-Programm zu haben, baten die Verantwortlichen Winchester eine Konkurrenzmodell zu entwickeln. Das Ergebnis war eine als Winchester Light Weight Rifle bezeichnete Waffe für die experimentelle Patrone .224 E2. Um die beiden Waffen fair vergleichen zu können, wurden auch AR-15 in .224 E2 gefordert und von Armalite geliefert. Das AR-15, kam jedoch mit der Patrone nicht gut zurecht.

Die Verantwortlichen mit dem AR-15 in .223 zufrieden und so wurde angedacht, dass AR-15 im begrenzten Maß als Zwischenlösung zwischen M14 und dem erwarteten Ergebnis des SPIW-Programms zu nutzen. Dieses Programm sollte für die Zukunft eine Waffe liefern, welche dem einzelnen Infanteristen eine deutlich höhere Trefferwahrscheinlichkeit und Feuerkraft geben sollte.

Da die ursprüngliche Entwicklungsfirma ArmaLite sich lediglich als ein Thinktank für die Entwicklung neuer Waffen verstand und selbst keine ausreichenden industriellen Kapazitäten für die Produktion des AR-15 besaß, wurden 1959 die Rechte und Pläne für die Produktion an die Firma Colt übertragen. Colt fertigte eine verbesserte und an die eigenen Produktionsmittel angepasste Version des als AR-15 01 intern Colt Modell 601 genannt. Dieses Modell unterscheidet sich vom AR-15 von Armalite unter anderem durch seinen abgerundet dreieckigen Handschutz. Entgegen der Erwartungen von Colt fanden sich jedoch zunächst keine Abnehmer für das AR-15.

AR-15 in Vietnam

Ab 1961 spitzte sich die Lange in Vietnam weiter zu worauf die USA begannen die süd-vietnamesische Armee ARVN zu bewaffnen, dabei stellte sich jedoch heraus, dass die vietnamesischen Soldaten, aufgrund ihrer Statur, nur schlecht mit dem ausgegebenen M1 Grand zurecht kamen, weswegen man davon absah M14 für diese zu produzieren. AR-10 und AR-15 schienen besser geeignet und so beschafften die USA testweise einige AR-15 mit der Modellnummer 601 für US-Militärberaten, welche bis dahin mit dem M2 Carbine ausgerüstet waren. Das AR-15 601 oder kurz AR-15 01 zeigte gute Ergebnisse sowohl in den Händen von ARVN-Soldaten als auch in denen der us-amerikanischen Berater.

Die US-Luftwaffe war von Anfang an mit dem M14 unzufrieden, da sie die Waffe als zu schwer empfanden. Die Wachmannschaften der Flugfelder waren bis dahin mit M2 Carbine ausgerüstet, da aber die Munition der Waffen, .30 Carbine, aus der Logistik der US-Streitkräfte ausgesondert werden sollte, suchte die Luftwaffe nach einer neuen Waffe.

Das AR-15 wurde von der Luftwaffe getestet und nach einigen Änderungswünschen 1961 testweise als XM16 eingeführt. Dabei trägt die Waffe noch immer die Bezeichnung AR-15 auf ihrem Gehäuse und wird als AR-15 02 bezeichnet. Colt intern als sie als Model 602 oder kurz M602 geführt. Dabei wurde das Klaiber auf 5,64 mm metrisiert und die Patrone als 5,64x45mm HV bezeichnet.

M16 Der US-Luftwaffe

Die Luftwaffe zeigte sich zufrieden mit dem XM16 und so wurde das AR-15 mit der Nummer 604 1962 offiziell als US Rifle, 5,56mm, M16 kurz M16 eingeführt. Das Nennkaliber wurde von 5,64mm auf 5,56mm geändert und die Patrone als 5,56x45mm M193 bezeichnet.

XM16E1 der US-Armee

Die Armee interessierte sich immer stärker für das AR-15, da man darin eine Zwischenlösung bis zum erscheinen der ersten Waffen des SPIW-Programms sah. Jedoch bestand die Armee auf einer Schließhilfe, welche, nach damaliger Meinung der US-Armee, jede Waffe haben sollte.

Colt rüstete eine solche nach und so wurde 1963 das AR-15 mit der Modellnummer M603 testweise als US Rifle, 5,56mm, XM16E1 kurz XM16E1 eingeführt. Als 1965 neben US-Militärberatern auch reguläre Truppen der US-Armee nach Vietnam verlegt wurden, trugen diese bereits das XM16E1. Lediglich später eintreffende hinter gelagerte Truppen der US-Armee führen noch das M14.

Ziviles AR-15 SP-1

Für den zivilen US-Markt, Colt schuf ein Modell des AR-15 welches keinen Schnellfeuermodus mehr hallte und reichte diese 1963 als GX-4968 bezeichnete Modell beim us-amerikanischen ATF (Amt für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen) ein. Diese Behörde gab grünes Licht für die Waffe, es kam jedoch zunächst nur zur Produktion von sehr geringen Stückzahlen der 1964 als AR-15 SP-1 Sporter vermarkteten Waffe. Der Grund war zum einen das geringe Interesse der us-amerikanischen Zivilbevölkerung, zum anderen nahm der Krieg in Vietnam immer weiter Fahrt auf und so hätte Colt, selbst bei großem Interesse am SP-1 Sporter, nicht die nötigen Produktionskapazitäten gehabt.

Der Name AR-15 wurde von Colt für die gesamte Waffenfamilie übernommen und so tragen selbst XM16E1, M16 und noch M16A1 sowie XM177E2 die Aufschrift Colt AR-15 über der jeweiligen militärischen Bezeichnung. Erst mit der M16A2 in den 80er Jahren verschwand die Bezeichnung von den Gehäusen.

Die von Colt gefertigten zivilen Halbautomaten erhielten ebenfalls die Oberbezeichnung AR-15, so trägt die Sporter SP-1 (intern R6000) die Bezeichnung AR-15 Sporter SP1.

Dieser Umstand führt bei einigen Unkundigen zu der Annahme, dass man mit AR-15 nur die halbautomatischen Mitglieder der Waffenfamilie AR-15 meint. Was jedoch faktisch falsch ist.

Falschbehauptungen

Häufig hört man von Unkundigen zudem die Behauptung, dass AR-15 sein kein Sturmgewehr, weil dieses ein reiner Halbautomat sei. Dies ist jedoch nicht richtig, alle bei Armalite als AR-15 gefertigten Waffen besitzen eine mit AUTO beschriftete Stellung für ihre Feuerwahlhebel. Auch das AR-15 01 von Colt, ist Schnellfeuerfähig.

Eine Weitere Behauptung lautet, dass AR-15 und M16 zwei verschiedene Waffen sein. Auch diese Behauptung ist anhand von offiziellen Dokumenten sowie der Beschriftung der Waffe selber zurückzuweisen. So tragen M16, XM16E1 und M16A1 die Beschriftung Colt AR-15 auf ihren Gehäusen. Daneben belegen zeitgenössische Dokumente, dass das AR-15 als M16 eingeführt wurde.

Grundlagen:

  • The Black Rifle, M16 Retrospective von R. Blake Stevens & Edward C. Ezell
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart
  • The M16 von Gordon L. Rottman
  • The M16/AR15 Rifle A Shooter's Guide von Joe Poyer
  • Sturmgewehre der Welt Band III T -V von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16)
  • Visier Special Ausgabe 37 M16 & AR-15

28 November 2022

Warum die Geschichte des M4 Karabiners so verwirrend ist

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Post zum Thema Waffenkunde und zwar genauer gesagt zur Waffengeschichte.

Es geht um das CAR-15, wer gut genug informiert ist weiß, dass sich der Terminus CAR-15 nicht auf eine einzelne Waffe bezieht, sondern auf eine ganze Gruppe. Kurz gesagt hat die Firma Colt, kurz nach dem Erhalt der AR-15 Lizenz von ArmaLite, eine ganze Produktpalette an Waffen angeboten. Dies ist auch sinnvoll, denn so könnte ein militärischer Kunde seine ganze Armee mit sehr ähnlichen Waffen ausrüsten und so Ersatzteile und Ausbildungskosten sparen.

Nur leider war aus diesem CAR-15 Sortiment, neben der CAR-15 Rifle (beim der US-Armee XM16E1), nur eine Waffe wirklich erfolgreich. Und zwar die CAR-15 SMG, dabei halterte es sich jedoch nur den Abmessungen nach um eine Maschinenpistole, gekammert war die Waffe nach wie vor für 5,56x45mm M193. Intern trägt dieses Modell die Nummer 607 und wurde probeweise als als GX-5857 eingeführt. Aber auch mit diesem Modell gab es Probleme und so wurde mit dem Modell 610 eine stark verbesserte Form angeboten, welche von der Luftwaffe als XM177 erst getestet und dann als GAU-5/A offiziell eingeführt wurde.

Bis auf die merkwürdige Bezeichnung der US-Luftwaffe mit ihren Sonderzeichen, ist das auch nicht weiter ungewöhnliches. Aber jetzt kommt die Armee und besteht auf ihre Extrawurst in Form einer Schließhilfe. So entsteht das Modell 609 welches von der US-Armee als XM177E1 (Echo One) getestet wird. Da sowohl Armee als auch Luftwaffe gerne das Colt XM148 Gartengerät anbringen würden, werden die Waffen nochmal überarbeitet und mit einem leicht verlängerten Lauf ausgerüstet. Das Modell 630 wird bei der Luftwaffe zum GAU-5A/A und das Modell 629 bei der Armee zum XM177E2 (Echo Two). Zu allem Überfluss entscheidet die Marketingabteilung bei Colt, die uns später noch mehr Probleme bereiten wird, die Waffen jetzt nicht mehr als SMG, sondern als Commando zu vermarkten.

Es sind diese fünf Waffen, an die man denkt, wenn man CAR-15 im Kontext des Vietnamkrieges verwendet.

Es ist kein Wunder, dass dem bei diesen sehr ähnlichen Modellen, dem ein oder anderen die Übersicht verloren geht, weswegen einige Beobachter die kurzen AR-15 Modelle alle kollektiv als CAR-15 bezeichnen. Auch wenn es sich komisch anhört, der eigentlich Cluster-Fuu kommt erst noch.

Nach dem Ende dies Vietnamkrieges wird es noch einmal unübersichtlicher, denn die US-Armee entscheidet, dass die kurzen AR-15 nicht länger von Nutzen seien und gibt diese an die US-Luftwaffe ab. Bei dieser herrscht darauf hin ein totales Chaos an verschiedenen Modellen, dessen Teile zu allem Überfluss auch noch wild untereinander gemischt werden, wenn mal eine Waffe ausfällt und für Ersatzteile ausschlachtet wird.

Als immer mehr von den, an den Waffen angebrachten, Halbschalldämpfern ausfallen, ersetzt man diese bei der US-Luftwaffe mit gewöhnlichen Mündungsfeuerdämpfern. Der darauf hin auftretende enorme Mündungsknall macht jedoch Probleme. Die Waffen werden mit verlängerten Läufen ausgerüstet, welche die Commandos wieder in etwa auf die Länge des CAR-15 Carbine (Modell 605) bringen. Die Waffen mit den längeren Läufen werden kollektiv als GAU-5/P bezeichnet.

Die Leistung dieser von der US-Luftwaffe geschaffenen Waffen wird als gut betrachtet und als SMGs und Commandos ausgehen, welche man umbauen könnte, bestellt man fertige Waffen bei Colt, welche intern als Modell 653 bezeichnet werden.

Die Marketingabteilung von Colt beschließt darauf hin, das Modell 653 eigenmächtig als M16A1 Carbine zu bezeichnen und der US-Armee anzubieten, diese lehnt jedoch ab und ein M16A1 Carbine wird niemals offiziell eingeführt. CAR-15 als Bezeichnung für diese Modelle ist zunächst nicht üblich, da man damit nach wie vor die sehr kurzen SMG- und Commando-Modelle bezeichnet.

Quasi die Wiedergeburt der Bezeichnung CAR-15 kommt erst mit der Einführung der NATO-Patrone SS-109 beziehungsweise der US-Version M855. Das schwerere Geschoss, verlieht Waffen mit kürzeren Läufen eine bessere Leistung, als noch das leichte Geschoss der M193.

Als erstes macht die US-Luftwaffe diese Entdeckung, welche ihre verbastelten GAU-5/P mit neuen Läufen ausgestattet hatte, die eine zum neuen Geschoss passende Drallsteigung aufwiesen. Die nun als GUU-5/P bezeichneten Waffen erfreuten sich bald großer Beliebtheit.

Nun kommt es zum erwähnten Cluser-Fuu, denn es passieren nun sehr viele Dinge entweder gleichzeitig miteinander oder unabhängig voneinander. Der Übersicht halber, teile ich die Ereignisse in fünf Sparten, diese Sparten haben sich ohne Zweifel gegenseitig stark beeinflusst, es ist aber nicht klar wann, wie und warum.

Sparte I - Das XM4 Programm

Das während des Vietnamkrieges entwickelte Granatgerät M203 in Kombination mit dem M16A1 war einer feuerstärksten und vielseitigsten Waffensysteme im Arsenal der US-Marines aber es hatte den Nachteil sehr schwer zu sein. Als die US-Marines das schwerere M16A2 einführten, wurden Bedenken laut, dass die neue Kombination zu schwer für den einzelnen Soldaten sein könnte. Man überlegte M203 Grantgeräte nur zusammen mit einer verkürzten Version des M16A2 auszugeben, um den einzelnen Soldaten nicht zu überlasten.

1983 wurde bei der US-Armee ein Programm mit dem Namen High Technology Motorized Division aufgelegt, dieses sollte zu einem neues schnellen Einsatzkonzept für motorisierte und mechanisierte Infanterie führen. Das Problem war jedoch, dass das M16A1 beim schnellen absitzen aus Schützenpanzern hinderlich war. Also suchte man nach einer kompakteren Waffe für diese Aufgabe.

Um keine Inkompatibilitäten oder einer unnötige Doppelentwicklung innerhalb der US-Streitkräfte zu haben. wurde beschlossen einen einheitlichen Karabiner für alle Teilstreitkräfte zu schaffen. Dieser Entschluss fällt 1984. Ein Jahr drauf im Jahr 1985 beginnt die Entwicklung des XM4. Die US-Armee wird sich jedoch aus der Entwicklung zurückziehen und so dauert es bis 1987 bis der XM4 zum M4 wird. Dieser hat jedoch noch nicht alle heute bekannten Merkmale und wird auch nicht in größeren Stückzahlen beschafft, da der US-Kongress entsprechende Gelder nicht freigibt. 

So dauert es bis 1994 also fast zehn Jahre, bis der M4 Karabiner eingeführt wird, wie wir ihn heute kennen. Grund dafür ist die zwischenzeitliche Einstellung der Beteiligung der US-Streitkräfte und der damit verbundenen Fördergelder. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Colt den M4 in  der Zwischenzeit auf eigenen Kosten weiterentwickelt hat.

Als gesichert gilt, dass das heutige M4-Laufprofil mit der Delle für die Aufnahme des M203 Grantgerätes aus diesem Programm stammt. XM4 tragen in der Regel die Modellnummer 720 weisen aber extrem unterschiedliche Eigenschaften auf. Die als M4 früh bezeichneten M4 tragen die Modellnummer 777.

Sparte II -  Die C8 Entwicklung

In etwas zur gleichen Zeit, also kurz nach der Einführung der SS-109 Nato Patrone, drückt die kanadische Armee den Wunsch aus, neben ihrem C7 Gewehr, auch eine Karabinerversion einzuführen. Bei Colt, in den USA, wird darauf mit dem Modell 725 eine Waffe entwickelt, welche dann von der kanadischen Firma Diemaco gefertigt und bei den kanadischen Streitkräften als C8 eingeführt wird. Später werden mit der C8A1 auch eine Version mit Zubehörschiene auf dem Rücken entwickelt. Unbekannt ist das Maß, in dem sich C8 und XM4 Entwicklung gegenseitig beeinflusst haben.

Als gesichert gilt, das dabei kanadisches Know-How nach Colt geflossen ist, darunter auch Wissen über die Verwendung einer Adapterschiene auf dem Gehäuserücken der Waffen. Dabei handelte es sich jedoch bei C7A1 und C8A1 um Waver-Schienen und noch nicht um 1913-Rails.

Sparte III - Die Kommerziellen CAR-15

Auch Colt konnte die Einführung der SS-109 NATO-Patrone nicht ignorieren und versuchte das kommerzielle Angebot so schnell es geht, auf die neue Patrone umzustellen, um möglichste viele NATO-Länder als Kunden anzusprechen. Diese Pläne mussten jedoch verschoben werden, da Colt vor allem mit dem sehr anspruchsvollen M16A1E1-Programm der US-Marines beschäftigt war. Dieses Programm zog das komplette Konzept des AR-15 Gewehrs auf links und führte 1982 zur Einführung des M16A2.

Erst danach konnte Colt das nötige Personal einsetzen, um eigene neue Produkte zu schaffen. Eines davon war mit dem Modell 723 eine Waffe mit starken Ähnlichkeiten zu den GUU-5/P der US-Luftwaffe. Dieses Modell besaß jedoch noch das alte Visier in Form des M16A1. Eine Version mit dem neuen aufwändigeren Visier des M16A2 wurde zum Modell 727.

Besonders diese beiden Modelle erfreuten sich bei US-Spezialeinheiten aller Teilstreitkräfte großer Beliebtheit. Berühmtheit erlangten diese Waffen nach der Schlacht von Mogadischu, wo das Modell 727 von den US-Army-Rangern verwendet wurde. Dagegen bevorzugten die, ebenfalls in Mogadischu eingesetzten, Delta-Force das Modell 723, da man das A2-Visiser für eine kurze Waffe als unnötig erachtete.

Zu den Karabiner Versionen mit ihren 14,5 Inch langen Läufen wurden auch zwei entsprechende Commando Versionen mit 11,5 Inch Läufen von Colt angeboten und angenommen. Bei den Rangern war dies das Modell 735 Mit A2 und bei der Delta-Force das Modell 733 mit A1 Visier.

Um nicht mit den schwer zu merkenden Modellnummern jonglieren zu müssen, werden den Modellen meist Spitznamen gegeben. Ranger Carbine(727), Ranger Commando(735), Delta Carbine(733), Delta Commando(723), Mogadishu Carbine(727) und Mogadishu Commando(735). 

Die Marketingabteilung von Colt hingegen entschloss sich, die Waffen als M16A2 Carbine zu vermarkten und auch der US-Regierung anzubieten, diese zeigte jedoch kein Interesse. Der Grund dürfte gewesen sein, dass ja mit dem M4 eine beinahe identische Waffe vorhanden war. Das Modell 727 wurde als Government Carbine jedoch von einigen US-Behörden beschafft.

Es sind diese vier Waffen, an die man heute denkt, wenn man CAR-15 im Kontext der 90er Jahre verwendet.

Warum die Spezialeinheiten auf kommerzielle Modelle von Colt zurückgriff, könnte daran gelegen haben, dass der M4 früh (777) einen mechanisierten Feuerstoß anbot und nicht das von Spezialeinheiten bevorzugte Dauerfeuer. Ob und wie stark M4 früh und die kommerziellen CAR-15 sich gegenseitig beeinflusst haben, muss noch geklärt werden.

Offensichtlich ist jedoch, dass die Karabiner alle schon die M4 typische Delle im Lauf für das M203 Granatgerät aufweisen. Was den Waffen aber noch fehlt, ist der ovale Handschutz mit dem doppelten Hitzeschild. Gesichert ist auch, das nach der Schlacht von Mogadishu 1993 das M4 Programm plötzlich wieder aufgenommen wurde und schon 1994 die ersten größeren Stückzahlen von M4 Karabinern ausgeliefert wurden. Diese M4 der 90er tragen wieder die Modellnummer 777, weisen jedoch einige Änderungen auf. Unbewiesen bleibt jedoch, dass die Ereignisse in Somalia das M4 Programm wiederbelebt haben.

Sparte IV -  Der Colt M4 für Behörden

Dass die Marketingabteilung von Colt immer wieder Ärger macht, ist bekannt aber mit der Parallelvermarkung des M4, hat sie für einen ganz besonders vertrackten Knoten gesorgt. Es ist nicht bekannt ob Colt vor oder nach der massenhaften Einführung des M4 Carbine 1994 bei den US-Streitkräften damit begonnen hat aber die Firma vermarktete parallel ein Produkt mit dem Namen "Colt M4" an behördliche Spezialeinheiten. Dabei weichen diese kommerziellen Colt M4 teilweise stark vom "US M4 Carbine" ab. 

Ungesichert ist hier lediglich der Zeitpunkt ab dem die Vermarkung genau begann. Auch ist unklar ob der Colt M4 (Modell 927) welcher Dauerfeuer bot, einen Einfluss auf dem US M4A1 Carbine (Modell 921) hatte oder ob dies umgekehrt der Fall gewesen ist.

Sparte V - Die Colt Marketingabteilung

Wie jede kommerzielle Firma will Colt Geld verdienen. Dies ist bekanntermaßen nur dann möglich, wenn man Kunden findet und dabei hilft die Marketingabteilung. Die bei Colt bildet da keinen Unterschied und so werden die Produkte halt in der Werbung so genannt, dass sie möglichst viele kaufen. Dabei wird herzlich wenig Rücksicht auf die eigentlichen Eigenschaften der Produkte genommen oder sich gar um eine einheitliche Benennung bemüht.

Es ist einfach profitabler, wenn man eine neue Waffe nicht kryptisch als Modell 653 bewirbt, sondern als M16A1 Carbine. Damit weiß der potenzielle Kunde genau was er bekommt und es wird effektiv an ein bereits auf dem Markt etabliertes Produkt, das M16A1 Gewehr, angeknüpft. 

Das die M-Nummern eigentlich von der US-Armee vergeben werden und diese nie einen M16A1 Carbine eingeführt oder genutzt hat, ist dabei völlig egal.

Nur leider sorgt die Marketingabtelung von Colt damit bis heute für Verwirrung, weil je nach Laune oder besser je nach Möglichkeit mal Waffen mit diesen oder jenen Eigenschaften mal unter diesem oder jenem Namen beworben wurden. Aus diesem Grund, wird diese Sparte von seriösen Militärhistorikern einfach ignoriert oder beiläufig am Rande erwähnt.

Fazit:

Wir sehen also, wie verworren das Thema CAR-15 ist und man nicht einfach sagen kann, dass der M4 Karabiner aus dem CAR-15 Sortiment hervorgegangen ist. Schließlich beginnt das XM4 Programm schon 1985 und damit weit vor Zeitpunkt an dem die CAR-15 in den 90ern ihren zweiten Frühling erleben. Auch spielt das kanadische C8 eine bedeutende Rolle, die noch nicht abschließend geklärt ist. Zu allem Überfluss spuckt uns die Colt Marketingabteilung ganz kräftig in die Suppe.

Natürlich kann man alle die Fragen klären, wenn sich jemand bereit erklärt einige tausend Seiten an Dokumenten bei Colt und Diemaco zu sichten aber dass muss erstmal jemand machen und Colt wird schön vorsichtig sein, wem sie das zutrauen. Man darf nicht vergessen, der M4 Karabiner ist immer noch Colts Prestigeobjekt Nummer 1.

Nachtrag:

Leider ist es nicht möglich, einfach die Modellnummern abzuzählen um zu beweisen, dass dieses Modell vor jenem das Licht der Welt erblickte. Vom XM177 (610)  wissen wir zum Beispiel, dass es vor dem XM177E1 (609) existierte. Auch folgte die Benennung eine kurze Zeit lang einer gewissen Logik, in welcher die erste Nummer die Generation angabt und die letzten beiden Ziffern die ungefähren Eigenschaften. So ist das Commando der A2 Generation das M733 und das der A4 Generation das M933. So stand eine Weile X01 für das Gewehr, X20 für den Karabiner und X33 für die Commandos. Diese Logik hat sich jedoch nicht durchsetzen können, weswegen man sich nicht sicher an ihr orientieren kann.

zweiter Nachtrag:

Nachdem ich an einige ergänzende Informationen gelangt bin, haben sich einige ursprüngliche Fragen geklärt. So Wird der XM4 bereits 1987 zum M4 und nicht erst 1994, dieser frühe M4 unterscheidet sich jedoch deutlich von unseren heutigen M4 Karabinern und so verschiebt sich nur ein Name, die alten Fragen bleiben bestehen.

Quellen:

  • The Black Rifle, M16 Retrospective vonR. Blake Stevens & Edward C. Ezell, 1992
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci, 2004
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16), 1975
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart, 1973
  • Weapons Band 14, The M16 von Gordon L. Rottman, 2011
  • Weapons Band 77, The M4 Carbine von Chris MCNab, 2021

16 Oktober 2022

Der Unterschied zwischen AR-15, M16 und Colt Model 604

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag. Heute sehen wir uns mal an, was den jetzt genau der Unterschied ist zwischen dem bekannten AR-15, dem ebenfalls bekannten US M16 und dem Colt Model 604 welches weniger bekannt sein dürfte.

Um den Unterschied zu erfassen sehen wir uns erstmal kurz die Geschichte der Waffe an. Ihr geistiger Geburtsort ist die Firma ArmaLite. Diese entwickelt Waffen und zwar nicht eine sondern gleich mehrere. Um die Waffen innerhalb der Firma auseinanderhalten zu können, hat man dort eine interne Zählung. Wäre ja auch doof, wenn die Mitarbeiter untereinander nicht wüssten, von welcher Waffe gerade die Rede ist.

Die ArmaLite Zählung ist denkbar einfach, jede Waffe fängt mit AR an und bekommt dann eine Nummer. Die Waffen werden also einfach abgezählt von 1 bis eben 15. Die AR-15 ist einfach die fünfzehnte Waffe der Firma ArmaLite. Genau genommen ist es eher das fünfzehnte angefangene Projekt, denn Waffen brauchen intern schon einen Namen, wenn es mit der Planung losgeht. Leider ist nicht aus jeder AR etwas geworden, einige Projekten entpuppten sich als Sackgassen.

Nun haben wir aber unser AR-15 Projekt, welches zu real existierenden Waffen führte. Jedoch hatte die kleine Firma ArmaLite nicht die nötigen Einrichtungen, um diese Waffe in Massen zu fertigen. Einer der Verantwortlichen bestand zwar auf der Errichtung einer entsprechenden Produktionsstätte aber konnte sich damit nicht durchsetzen.

Also vergab man eine Lizenz zur Fertigung des AR-15 an die Firma Colt. Colt nahm einige Änderungen an der Waffe vor, bevor diese in Serienproduktion ging. Jetzt hat Colt aber eine eigene Zählung seiner Waffen, die Colt Modell Zählung. Diese ist auch recht einfach und zwar heißen die Waffen immer Modell, dann eine 6 und dann eine fortlaufende Nummer. Das von Colt für die Massenproduktion optimierte AR-15 heiß bei Colt Model 601. Meist wurde auch die 6 einfach weggelassen und nur Model 01 geschrieben.

Wir haben es jetzt also mit zwei Zählungen zu tun, das kommt daher, dass Colt ja nicht einfach für eine andere Firma weiterzählen kann und die geänderte AR-15 zur AR-16 erklären könnte. Das hätte auch ein ziemliches Durcheinander gegeben, denn ArmaLite war nach dem AR-15 nicht untätig und hat noch AR-16, AR-17 und die bekannte AR-18 entwickelt.

Die Waffen von Colt liefen also unter der Bezeichnung AR-15 Model 01, meist auch einfach kurz AR-15 01.

Nun interessierte sich jedoch die US-Luftwaffe für das AR-15 01 und wollte dieses einführen. Und nun kommt die dritte Zählung ins Spiel und zwar die US M-Zählung der US Ordonanzgewehre. Früher hat man da einfach ein M mit nachfolgender Jahreszahl bevorzugt, wie beim M1903 Springfield Gewehr. Das wurde dann aber irgendwann aufgegeben und ab dem M1 Garand Gewehr wird einfach gezählt, auch wenn nach dem M1, das M14 Gewehr kam. Nach dem M14 gab es einige Versuche mit einem M15, welche aber nicht zu einem neuen Gewehr führten. Demzufolge bekam das AR-15 04, null vier weil die Luftwaffe einige Sachen an der Waffe geändert haben wollte, die nächste freie Nummer und wurde als M16 eingeführt. 

Dem entsprechend ist auf dem Gehäuse eines M16 zu lesen:

Colt AR-15, M16

Die Colt interne Nummer 604 lies man auf den an die US-Luftwaffe gelieferten Waffen einfach weg. Auch auf den folgenden Waffen wie XM16E1, M16A1, XM177, XM177E1 und vielen der CAR-15 Familie zugerechneten Waffen, wird man noch AR-15 lesen können.

Erst in den 80er Jahren und dem M16A2 und dem damit verbundenen Änderung der Rechtslage bezüglich des geistigen Eigentums der Firma ArmaLite wird die Aufschrift AR-15 vom Gehäuse der Waffen verschwinden.


Fazit: Wir haben es hier einfach mit drei Zählungen von zwei Firmen und einer Armee zu tun. Das ist nichts ungewöhnliches, wenn man sich mit Waffen und deren Geschichte auseinandersetzt.


Quellen:

  • The Black Rifle, M16 Retrospective von R. Blake Stevens & Edward C. Ezell erschienen bei Collector Grade Publications
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci erschienen bei Collector Grade Publications
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart erschienen bei Profile Publications Ltd.
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16) von Karl R. Pawlas erschienen bei Publizistisches Archiv für Militär und Waffenwesen