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24 September 2024

Geschichtsrevision im Bezug auf den SKS Karabiner

Willkommen alle zusammen, heute widmen wir uns leider erneut dem leidigen Thema der Geschichtsrevision, ergo der absichtlichen Verfälschung der Geschichte. Was für den Historiker der jüngeren Zeitgeschichte die Holochaustleugnung ist, das ist für den Kenner der Waffengeschichte die Verfälschung der Geschichte des AR-15 sowie des SKS.

Mit den Verzerrungen rund um das AR-15, haben wir uns bereits in einem anderen Beitrag beschäftigt, heute geht es um den SKS-Karabiner, in der DDR als Karabiner-S bezeichnet. Im Gegensatz zum AR-15 geht es den Sportschützen dieses Mal nicht darum eine Waffe als harmloser erscheinen zu lassen. Im Bezug auf den SKS geht es um nichts geringeres als sich Zugang zu einer Kriegswaffe zu erschleichen, indem dessen historischen Daten dreist einseitig umgeschrieben werden.

Hintergrund

Den Hintergrund bildet das Kriegswaffenkontrollgesetz, welches Sportschützen den Besitz von sogenannten Halbautomaten mit einer Hülsenlänge von unter 40 mm nur erlaubt, wenn die betreffende Waffe vor 1945 eingeführt wurde.

Geschichtsfälschung

Dies ist jedoch beim SKS-Karabiner nicht der Fall, da dieser erst 1949 zusammen mit der AK, dem RPD offiziell eingeführt wurde.

Die Basis der Erzählung, dass der SKS 1945 eingeführt worden sei sind Angaben in veralteter Fachliteratur, wo eine Erprobung des SKS-45 im Jahre 1945 zu einer offiziellen Einführung hochstilisiert wurde. Dabei kann nicht eindeutig bewiesen werden, dass diese Erprobung in der Form stattgefunden hat. Experten halten dies auch für äußerst unwahrscheinlich, wenn man sich die strenge Geheimhaltung rum und das sowjetische Kurzpatronenprojekt ansieht. Deutlich wahrscheinlicher sind begrenze Erprobungen des SKS-44 für die alte Gewehrpatrone 7,62 x 54 mm R.

Eine Erprobung, geschweige denn eine Einführung, des SKS in 7,62 x 39 mm ist alleine aus dem Grund nicht möglich, da die Patrone mit 39 mm langer Hülse frühestens 1947 zur Verfügung stand.

Ursache

Für diese Geschichtsverfälschung kommen zwei Ursachen in Betracht. Zum einen könnte es sich um ein Versehen handeln, da die Informationslage vor dem Fall des Eisernen Vorhanges, im Bezug auf Waffen, sehr dürftig war.

Zum anderen kommt aber auch in Frage, dass hier Sportschützen gezielt um das Kriegswaffenkontrollgesetz herumgelogen haben, um so Zugang zu einer bestimmten Waffen zu erhalten, welche ihnen sonst verboten wäre.

Historische empirisch Adäquate Darstellung

SKS in 7,62x39mm

Der SKS-Karabiner eingerichtet für die Patrone 7,62x39mm M43 wurde offiziell 1949 mit der GAU-Nummer 56-A-231 in die Sowjetarmee (bis 1946 Rote Armee) eingeführt. Nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz ist die für Sportschützen nicht zugänglich, da die durch ihre Hülsenlänge unter 40 mm sanktioniert wird, durch die Einführung nach 1945 wird diese Sanktion nicht aufgehoben. Auch die früheste theoretisch mögliche Einführung der Waffe liegt im Jahre 1947, da erst zu diesem Datum die Patrone 7,62x39mm existiert.

SKS-45 in 7,62x41mm

Der SKS-45 wurde nie offiziell eingeführt, er besitzt demnach keine GAU-Nummer. Wären SKS-45 auf dem Mark verfügbar, so wurden diese, wegen ihrer Hülsenlänge von über 40 mm nicht vom Kriegswaffenkontrollgesetz sanktioniert und wären für Sportschützen verfügbar.

Fazit

Den deutschen Sportschützen ist es im Bezug auf den SKS-Karabiner in 7,62x39mm gelungen sich durch das reine erfinden einer Einführung dieser Waffe, zu einem Zeitpunkt, zu welches es diese Waffe gar nicht gegeben haben kann, den Zugang zu einer Kriegswaffe zu erschleichen.

Quellen

  • The World's Assault Rifles von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson
  • Эволюция Стррелкового Оружия von Wladmimir Fjedorow
  • Kalaschnikow, Das Genie und sein Lebenswerk von Edward Clinton Ezell
  • Visier Spezial Nr.25 Kalaschnikow Der Konstrukteur und seine Waffe Vom AK 47 zum PK

Geschichtsrevision im Bezug auf das AR-15

Willkommen zu einem neuen Beitrag zum Thema Waffengeschichte beziehungsweise zu dunklen Seite der Geschichte und zwar der Geschichtsfälschung und wissenschaftlich korrekt dem Geschichtsrevisionismus oder umgangssprachlich der Geschichtsklitterung. 

In diesem Beitrag geht es darum, wie Sportschützen die Geschichte des AR-15 verbiegen, um diese Waffe, im angeblichen Gegensatz zum M16, als harmlos erscheinen zulassen. Aber sehen wir uns erstmal die Erzählungen im einzelnen an.

Im übrigen ist es wichtig, von Erzählungen zu sprechen und nicht von Theorien, da diese mit wissenschaftlichen Theorien nicht viel zu tun haben.

pre Populos Erzählung

Die schärfste Form der Geschichtsfälschung rund um das AR-15 ist die Behauptung, dass AR-15 Projekt habe von Anfang an einen zivilen Charakter gehabt und das M16 sein eine spätere Auskopplung aus diesem Programm. Dies ist jedoch nicht richtig, da die Entwicklung des AR-15 auf eine Anfrage des US-Militärs im Zuge des SCHV-Programms zurückgeht. Zudem waren schon die ersten Prototypen des AR-15 (XAR-15) schnellfeuerfähige Kriegswaffen.

Die Theorie (eigentlich eine reine Erzählung ohne wissenschaftlichen Anspruch) ist demnach zurückzuweisen.

silum Populos Erzählung

Die weniger scharfe Form der Leugnung des militärischen Ursprungs des AR-15 besagt, dass AR-15 und M16 zeitglich entwickelt wurden aber auch dies lässt sich anhand historischer Dokumente widerlegen, welche die Korrespondenz zwischen dem US-Militär und der Firma Armalite widergeben.

Da zwischen dem Start der Entwicklung des AR-15 1957 und der ersten zivilen Version der Waffe GX-4968 1963 sechs Jahre liegen, muss die Erzählung, dass zivile und militärische Modelle zeitgleich entwickelt wurden zurückgewiesen werden.

post Populos Theorie

Die Theorie, wobei es sich tatsächlich um eine wissenschaftliche Theorie handelt, gibt historisch nachvollziehbar an, dass erst nach dem militärischen Projekt eine zivile Version des AR-15 auf dem Markt angeboten wurde. Eine frühe zivile Version wurde als GX-4968 1963 von US Behörden geprüft und für den Zivilmarkt für geeignet befunden. Aufgrund dies Vietnamkrieges verzögerte sich jedoch die Herstellung von zivilen Waffen, so das erst 1964 mit dem Colt AR-15 SP1 Sporter, mit der internen Nummer R6000, auf den Mark kam.

Die bloße Aussage, dass nach den militärischen AR-15 Modellen auch zivile AR-15 Modelle angeboten wurden, ist demnach empirisch adäquat.

Begriffsverzerrung AR-15

Zum nachträglichen umschreiben den Geschichte des AR-15, kommt meinst noch eine nachträglich Begriffsverzerrung. So wird in der häufigsten Form der Erzählung behauptet, dass es sich beim AR-15 um eine rein zivile Waffe handelt soll, wohingegen das M16 die militärische Variante sei.

Die ist jedoch nicht richtig, da die ersten Versionen der Waffe auf ihren Gehäusen und in offiziellen Dokumenten als AR-15 bezeichnet werden. Dabei besitzen diese Waffe eine AUTO Einstellung an ihren Feuerwahlhebeln und werden in den Dokumenten als fully automatic (dt. vollautomatisch) oder select fire (dt. ~Wahlfeuer) beschrieben.

Die ersten AR-15 01 (Colt Model 601), welche in Vietnam eingesetzt wurden waren schnellfeuerfähig. Die später von der US-Luftwaffe als XM16 getestete AR-15 02 trägt noch die Bezeichnung AR-15 auf ihrem Gehäuse. Das gleiche gilt für das AR-15 03 der US-Armee, welches als XM16E1 eingeführt wurde, wie für das AR-15 04, welches die Luftwaffe als M16 führe. Auch das M16A1 führt noch die Beschriftung AR-15.

Waffen, welche Colt für andere Länder wie Singapur fertigte, tragen ebenfalls die Aufschrift AR-15 und wurden also solche vermarktet.

Demnach ist die Erzählung, nach der es sich beim AR-15 per se um eine zivile Version des M16 handelt als Geschichtsfälschung zurückzuweisen.

Ziel

Das Ziel der nachträglichen Änderung oder Umdeutung der Geschichte der Waffe ist, dass AR-15 als harmlosere Waffe darzustellen und von ihrem Ursprung als rein militärischen Projekt abzulenken. Damit soll Unkundigen der Eindruck vermittelt werden, dass das AR-15 harmloser sei als es ist.

Fazit

Viele Sportschützen lügen im Bezug auf die Geschichte des AR-15 und seiner Einführung als M16 und XM16E1, um die Waffe als harmloser darzustellen.

Quellen

  • The Black Rifle, M16 Retrospective von R. Blake Stevens & Edward C. Ezell
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart
  • The M16 von Gordon L. Rottman
  • The M16/AR15 Rifle A Shooter's Guide von Joe Poyer
  • Sturmgewehre der Welt Band III T -V von Gary Paul Johnston & Thomas B. Nelson
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16)
  • Visier Special Ausgabe 37 M16 & AR-15

28 November 2022

Warum die Geschichte des M4 Karabiners so verwirrend ist

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Post zum Thema Waffenkunde und zwar genauer gesagt zur Waffengeschichte.

Es geht um das CAR-15, wer gut genug informiert ist weiß, dass sich der Terminus CAR-15 nicht auf eine einzelne Waffe bezieht, sondern auf eine ganze Gruppe. Kurz gesagt hat die Firma Colt, kurz nach dem Erhalt der AR-15 Lizenz von ArmaLite, eine ganze Produktpalette an Waffen angeboten. Dies ist auch sinnvoll, denn so könnte ein militärischer Kunde seine ganze Armee mit sehr ähnlichen Waffen ausrüsten und so Ersatzteile und Ausbildungskosten sparen.

Nur leider war aus diesem CAR-15 Sortiment, neben der CAR-15 Rifle (beim der US-Armee XM16E1), nur eine Waffe wirklich erfolgreich. Und zwar die CAR-15 SMG, dabei halterte es sich jedoch nur den Abmessungen nach um eine Maschinenpistole, gekammert war die Waffe nach wie vor für 5,56x45mm M193. Intern trägt dieses Modell die Nummer 607 und wurde probeweise als als GX-5857 eingeführt. Aber auch mit diesem Modell gab es Probleme und so wurde mit dem Modell 610 eine stark verbesserte Form angeboten, welche von der Luftwaffe als XM177 erst getestet und dann als GAU-5/A offiziell eingeführt wurde.

Bis auf die merkwürdige Bezeichnung der US-Luftwaffe mit ihren Sonderzeichen, ist das auch nicht weiter ungewöhnliches. Aber jetzt kommt die Armee und besteht auf ihre Extrawurst in Form einer Schließhilfe. So entsteht das Modell 609 welches von der US-Armee als XM177E1 (Echo One) getestet wird. Da sowohl Armee als auch Luftwaffe gerne das Colt XM148 Gartengerät anbringen würden, werden die Waffen nochmal überarbeitet und mit einem leicht verlängerten Lauf ausgerüstet. Das Modell 630 wird bei der Luftwaffe zum GAU-5A/A und das Modell 629 bei der Armee zum XM177E2 (Echo Two). Zu allem Überfluss entscheidet die Marketingabteilung bei Colt, die uns später noch mehr Probleme bereiten wird, die Waffen jetzt nicht mehr als SMG, sondern als Commando zu vermarkten.

Es sind diese fünf Waffen, an die man denkt, wenn man CAR-15 im Kontext des Vietnamkrieges verwendet.

Es ist kein Wunder, dass dem bei diesen sehr ähnlichen Modellen, dem ein oder anderen die Übersicht verloren geht, weswegen einige Beobachter die kurzen AR-15 Modelle alle kollektiv als CAR-15 bezeichnen. Auch wenn es sich komisch anhört, der eigentlich Cluster-Fuu kommt erst noch.

Nach dem Ende dies Vietnamkrieges wird es noch einmal unübersichtlicher, denn die US-Armee entscheidet, dass die kurzen AR-15 nicht länger von Nutzen seien und gibt diese an die US-Luftwaffe ab. Bei dieser herrscht darauf hin ein totales Chaos an verschiedenen Modellen, dessen Teile zu allem Überfluss auch noch wild untereinander gemischt werden, wenn mal eine Waffe ausfällt und für Ersatzteile ausschlachtet wird.

Als immer mehr von den, an den Waffen angebrachten, Halbschalldämpfern ausfallen, ersetzt man diese bei der US-Luftwaffe mit gewöhnlichen Mündungsfeuerdämpfern. Der darauf hin auftretende enorme Mündungsknall macht jedoch Probleme. Die Waffen werden mit verlängerten Läufen ausgerüstet, welche die Commandos wieder in etwa auf die Länge des CAR-15 Carbine (Modell 605) bringen. Die Waffen mit den längeren Läufen werden kollektiv als GAU-5/P bezeichnet.

Die Leistung dieser von der US-Luftwaffe geschaffenen Waffen wird als gut betrachtet und als SMGs und Commandos ausgehen, welche man umbauen könnte, bestellt man fertige Waffen bei Colt, welche intern als Modell 653 bezeichnet werden.

Die Marketingabteilung von Colt beschließt darauf hin, das Modell 653 eigenmächtig als M16A1 Carbine zu bezeichnen und der US-Armee anzubieten, diese lehnt jedoch ab und ein M16A1 Carbine wird niemals offiziell eingeführt. CAR-15 als Bezeichnung für diese Modelle ist zunächst nicht üblich, da man damit nach wie vor die sehr kurzen SMG- und Commando-Modelle bezeichnet.

Quasi die Wiedergeburt der Bezeichnung CAR-15 kommt erst mit der Einführung der NATO-Patrone SS-109 beziehungsweise der US-Version M855. Das schwerere Geschoss, verlieht Waffen mit kürzeren Läufen eine bessere Leistung, als noch das leichte Geschoss der M193.

Als erstes macht die US-Luftwaffe diese Entdeckung, welche ihre verbastelten GAU-5/P mit neuen Läufen ausgestattet hatte, die eine zum neuen Geschoss passende Drallsteigung aufwiesen. Die nun als GUU-5/P bezeichneten Waffen erfreuten sich bald großer Beliebtheit.

Nun kommt es zum erwähnten Cluser-Fuu, denn es passieren nun sehr viele Dinge entweder gleichzeitig miteinander oder unabhängig voneinander. Der Übersicht halber, teile ich die Ereignisse in fünf Sparten, diese Sparten haben sich ohne Zweifel gegenseitig stark beeinflusst, es ist aber nicht klar wann, wie und warum.

Sparte I - Das XM4 Programm

Das während des Vietnamkrieges entwickelte Granatgerät M203 in Kombination mit dem M16A1 war einer feuerstärksten und vielseitigsten Waffensysteme im Arsenal der US-Marines aber es hatte den Nachteil sehr schwer zu sein. Als die US-Marines das schwerere M16A2 einführten, wurden Bedenken laut, dass die neue Kombination zu schwer für den einzelnen Soldaten sein könnte. Man überlegte M203 Grantgeräte nur zusammen mit einer verkürzten Version des M16A2 auszugeben, um den einzelnen Soldaten nicht zu überlasten.

1983 wurde bei der US-Armee ein Programm mit dem Namen High Technology Motorized Division aufgelegt, dieses sollte zu einem neues schnellen Einsatzkonzept für motorisierte und mechanisierte Infanterie führen. Das Problem war jedoch, dass das M16A1 beim schnellen absitzen aus Schützenpanzern hinderlich war. Also suchte man nach einer kompakteren Waffe für diese Aufgabe.

Um keine Inkompatibilitäten oder einer unnötige Doppelentwicklung innerhalb der US-Streitkräfte zu haben. wurde beschlossen einen einheitlichen Karabiner für alle Teilstreitkräfte zu schaffen. Dieser Entschluss fällt 1984. Ein Jahr drauf im Jahr 1985 beginnt die Entwicklung des XM4. Die US-Armee wird sich jedoch aus der Entwicklung zurückziehen und so dauert es bis 1987 bis der XM4 zum M4 wird. Dieser hat jedoch noch nicht alle heute bekannten Merkmale und wird auch nicht in größeren Stückzahlen beschafft, da der US-Kongress entsprechende Gelder nicht freigibt. 

So dauert es bis 1994 also fast zehn Jahre, bis der M4 Karabiner eingeführt wird, wie wir ihn heute kennen. Grund dafür ist die zwischenzeitliche Einstellung der Beteiligung der US-Streitkräfte und der damit verbundenen Fördergelder. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Colt den M4 in  der Zwischenzeit auf eigenen Kosten weiterentwickelt hat.

Als gesichert gilt, dass das heutige M4-Laufprofil mit der Delle für die Aufnahme des M203 Grantgerätes aus diesem Programm stammt. XM4 tragen in der Regel die Modellnummer 720 weisen aber extrem unterschiedliche Eigenschaften auf. Die als M4 früh bezeichneten M4 tragen die Modellnummer 777.

Sparte II -  Die C8 Entwicklung

In etwas zur gleichen Zeit, also kurz nach der Einführung der SS-109 Nato Patrone, drückt die kanadische Armee den Wunsch aus, neben ihrem C7 Gewehr, auch eine Karabinerversion einzuführen. Bei Colt, in den USA, wird darauf mit dem Modell 725 eine Waffe entwickelt, welche dann von der kanadischen Firma Diemaco gefertigt und bei den kanadischen Streitkräften als C8 eingeführt wird. Später werden mit der C8A1 auch eine Version mit Zubehörschiene auf dem Rücken entwickelt. Unbekannt ist das Maß, in dem sich C8 und XM4 Entwicklung gegenseitig beeinflusst haben.

Als gesichert gilt, das dabei kanadisches Know-How nach Colt geflossen ist, darunter auch Wissen über die Verwendung einer Adapterschiene auf dem Gehäuserücken der Waffen. Dabei handelte es sich jedoch bei C7A1 und C8A1 um Waver-Schienen und noch nicht um 1913-Rails.

Sparte III - Die Kommerziellen CAR-15

Auch Colt konnte die Einführung der SS-109 NATO-Patrone nicht ignorieren und versuchte das kommerzielle Angebot so schnell es geht, auf die neue Patrone umzustellen, um möglichste viele NATO-Länder als Kunden anzusprechen. Diese Pläne mussten jedoch verschoben werden, da Colt vor allem mit dem sehr anspruchsvollen M16A1E1-Programm der US-Marines beschäftigt war. Dieses Programm zog das komplette Konzept des AR-15 Gewehrs auf links und führte 1982 zur Einführung des M16A2.

Erst danach konnte Colt das nötige Personal einsetzen, um eigene neue Produkte zu schaffen. Eines davon war mit dem Modell 723 eine Waffe mit starken Ähnlichkeiten zu den GUU-5/P der US-Luftwaffe. Dieses Modell besaß jedoch noch das alte Visier in Form des M16A1. Eine Version mit dem neuen aufwändigeren Visier des M16A2 wurde zum Modell 727.

Besonders diese beiden Modelle erfreuten sich bei US-Spezialeinheiten aller Teilstreitkräfte großer Beliebtheit. Berühmtheit erlangten diese Waffen nach der Schlacht von Mogadischu, wo das Modell 727 von den US-Army-Rangern verwendet wurde. Dagegen bevorzugten die, ebenfalls in Mogadischu eingesetzten, Delta-Force das Modell 723, da man das A2-Visiser für eine kurze Waffe als unnötig erachtete.

Zu den Karabiner Versionen mit ihren 14,5 Inch langen Läufen wurden auch zwei entsprechende Commando Versionen mit 11,5 Inch Läufen von Colt angeboten und angenommen. Bei den Rangern war dies das Modell 735 Mit A2 und bei der Delta-Force das Modell 733 mit A1 Visier.

Um nicht mit den schwer zu merkenden Modellnummern jonglieren zu müssen, werden den Modellen meist Spitznamen gegeben. Ranger Carbine(727), Ranger Commando(735), Delta Carbine(733), Delta Commando(723), Mogadishu Carbine(727) und Mogadishu Commando(735). 

Die Marketingabteilung von Colt hingegen entschloss sich, die Waffen als M16A2 Carbine zu vermarkten und auch der US-Regierung anzubieten, diese zeigte jedoch kein Interesse. Der Grund dürfte gewesen sein, dass ja mit dem M4 eine beinahe identische Waffe vorhanden war. Das Modell 727 wurde als Government Carbine jedoch von einigen US-Behörden beschafft.

Es sind diese vier Waffen, an die man heute denkt, wenn man CAR-15 im Kontext der 90er Jahre verwendet.

Warum die Spezialeinheiten auf kommerzielle Modelle von Colt zurückgriff, könnte daran gelegen haben, dass der M4 früh (777) einen mechanisierten Feuerstoß anbot und nicht das von Spezialeinheiten bevorzugte Dauerfeuer. Ob und wie stark M4 früh und die kommerziellen CAR-15 sich gegenseitig beeinflusst haben, muss noch geklärt werden.

Offensichtlich ist jedoch, dass die Karabiner alle schon die M4 typische Delle im Lauf für das M203 Granatgerät aufweisen. Was den Waffen aber noch fehlt, ist der ovale Handschutz mit dem doppelten Hitzeschild. Gesichert ist auch, das nach der Schlacht von Mogadishu 1993 das M4 Programm plötzlich wieder aufgenommen wurde und schon 1994 die ersten größeren Stückzahlen von M4 Karabinern ausgeliefert wurden. Diese M4 der 90er tragen wieder die Modellnummer 777, weisen jedoch einige Änderungen auf. Unbewiesen bleibt jedoch, dass die Ereignisse in Somalia das M4 Programm wiederbelebt haben.

Sparte IV -  Der Colt M4 für Behörden

Dass die Marketingabteilung von Colt immer wieder Ärger macht, ist bekannt aber mit der Parallelvermarkung des M4, hat sie für einen ganz besonders vertrackten Knoten gesorgt. Es ist nicht bekannt ob Colt vor oder nach der massenhaften Einführung des M4 Carbine 1994 bei den US-Streitkräften damit begonnen hat aber die Firma vermarktete parallel ein Produkt mit dem Namen "Colt M4" an behördliche Spezialeinheiten. Dabei weichen diese kommerziellen Colt M4 teilweise stark vom "US M4 Carbine" ab. 

Ungesichert ist hier lediglich der Zeitpunkt ab dem die Vermarkung genau begann. Auch ist unklar ob der Colt M4 (Modell 927) welcher Dauerfeuer bot, einen Einfluss auf dem US M4A1 Carbine (Modell 921) hatte oder ob dies umgekehrt der Fall gewesen ist.

Sparte V - Die Colt Marketingabteilung

Wie jede kommerzielle Firma will Colt Geld verdienen. Dies ist bekanntermaßen nur dann möglich, wenn man Kunden findet und dabei hilft die Marketingabteilung. Die bei Colt bildet da keinen Unterschied und so werden die Produkte halt in der Werbung so genannt, dass sie möglichst viele kaufen. Dabei wird herzlich wenig Rücksicht auf die eigentlichen Eigenschaften der Produkte genommen oder sich gar um eine einheitliche Benennung bemüht.

Es ist einfach profitabler, wenn man eine neue Waffe nicht kryptisch als Modell 653 bewirbt, sondern als M16A1 Carbine. Damit weiß der potenzielle Kunde genau was er bekommt und es wird effektiv an ein bereits auf dem Markt etabliertes Produkt, das M16A1 Gewehr, angeknüpft. 

Das die M-Nummern eigentlich von der US-Armee vergeben werden und diese nie einen M16A1 Carbine eingeführt oder genutzt hat, ist dabei völlig egal.

Nur leider sorgt die Marketingabtelung von Colt damit bis heute für Verwirrung, weil je nach Laune oder besser je nach Möglichkeit mal Waffen mit diesen oder jenen Eigenschaften mal unter diesem oder jenem Namen beworben wurden. Aus diesem Grund, wird diese Sparte von seriösen Militärhistorikern einfach ignoriert oder beiläufig am Rande erwähnt.

Fazit:

Wir sehen also, wie verworren das Thema CAR-15 ist und man nicht einfach sagen kann, dass der M4 Karabiner aus dem CAR-15 Sortiment hervorgegangen ist. Schließlich beginnt das XM4 Programm schon 1985 und damit weit vor Zeitpunkt an dem die CAR-15 in den 90ern ihren zweiten Frühling erleben. Auch spielt das kanadische C8 eine bedeutende Rolle, die noch nicht abschließend geklärt ist. Zu allem Überfluss spuckt uns die Colt Marketingabteilung ganz kräftig in die Suppe.

Natürlich kann man alle die Fragen klären, wenn sich jemand bereit erklärt einige tausend Seiten an Dokumenten bei Colt und Diemaco zu sichten aber dass muss erstmal jemand machen und Colt wird schön vorsichtig sein, wem sie das zutrauen. Man darf nicht vergessen, der M4 Karabiner ist immer noch Colts Prestigeobjekt Nummer 1.

Nachtrag:

Leider ist es nicht möglich, einfach die Modellnummern abzuzählen um zu beweisen, dass dieses Modell vor jenem das Licht der Welt erblickte. Vom XM177 (610)  wissen wir zum Beispiel, dass es vor dem XM177E1 (609) existierte. Auch folgte die Benennung eine kurze Zeit lang einer gewissen Logik, in welcher die erste Nummer die Generation angabt und die letzten beiden Ziffern die ungefähren Eigenschaften. So ist das Commando der A2 Generation das M733 und das der A4 Generation das M933. So stand eine Weile X01 für das Gewehr, X20 für den Karabiner und X33 für die Commandos. Diese Logik hat sich jedoch nicht durchsetzen können, weswegen man sich nicht sicher an ihr orientieren kann.

zweiter Nachtrag:

Nachdem ich an einige ergänzende Informationen gelangt bin, haben sich einige ursprüngliche Fragen geklärt. So Wird der XM4 bereits 1987 zum M4 und nicht erst 1994, dieser frühe M4 unterscheidet sich jedoch deutlich von unseren heutigen M4 Karabinern und so verschiebt sich nur ein Name, die alten Fragen bleiben bestehen.

Quellen:

  • The Black Rifle, M16 Retrospective vonR. Blake Stevens & Edward C. Ezell, 1992
  • The Black Rifle II, the M16 into the 21st Century von Cristopher Bartocci, 2004
  • Waffen Revue Nr.18 Sept.-Nov. 1975 Waffensystem AR 15 (M-16), 1975
  • Small Arms Profile 22 Armalite Weapons von F.W.A. Hobart, 1973
  • Weapons Band 14, The M16 von Gordon L. Rottman, 2011
  • Weapons Band 77, The M4 Carbine von Chris MCNab, 2021

02 November 2022

"Rückdrucklader" der geheime Freimaurergruß der Waffenexperten?

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag.

Angestoßen wurde das Thema von einer Kollegin, welche mich auf eine interessante Frage bracht und zwar:

Hat die Frage nach dem Rückdrucklader unter Waffenexperten die gleiche Funktion, wie der geheime Gruß unter den Freimaurern?

Ich fand die Idee einfach zu interessant und so haben wir dann auch eine ganze Weile lang diskutiert. Für Leute, welche sich nicht eingehend mit der Freimaurerei auskennen, hier ein kleiner Abriss, warum deren geheimer Gruß damals so wichtig war.

Dabei geht es eher um die Freimaurerei im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert und nicht um die Bruderschaften in den Dombauhütten des Hochmittelalters. Letzteren ging es vor allem darum, durch gezieltes Abfragen von Fachwissen, zu verhindern, dass keine unbefugten Zutritt zu den Bauhütten bekamen, in denen damals wertvolles technisches Wissen vermittelt wurde.

Die spekulative Freimaurerei, also die rein spirituelle, um 1900 hatten ein ganz anderen Problem. Die Freimaurerei war derart populär geworden, dass die alt eingesessenen Logen nicht alle Interessierten aufnehmen konnten. Um das Bedürfnisse befriedigen zu können, brachte der "Markt" in Anführungszeichen, immer neue Logen hervor, meist gegründet von nicht voll ausgebildeten Freimaurer oder gleich von Laien, welche das schnelle Geld durch Mitgliedsbeiträge witterten.

Diese neuen Logen konnten natürlich nicht die gleiche Qualität an Ausbildung gewehrleisten, wie die alten Logen. Dies führte im Endeffekt dazu, dass auf den Straßen viele Menschen unterwegs waren, welche sich zwar für Freimaurer hielten, jedoch nicht über das gleiche Wissen verfügten wie Lehrlinge, Gesellen oder Meister der ursprünglichen in Anführungszeichen "echten" Logen.

Traf man also als Mitglied einer alt ehrwürdigen Loge zum Beispiel in einem Kaffee auf einen Gentleman, welche sich durch subtile Gesten ebenfalls als Freimaurer entpuppte, stieß man schnell auf ein Problem. Man konnte zu dieser Zeit nämlich nie wirklich sagen, ob das Gegenüber jetzt zu einer ebenfalls alt ehrwürdigen Loge gehörte oder nicht. Der Unterschied besteht darin, dass man von einem echten Freimaurer durchaus lernen könnte. Besonders, wenn dieser einen höheren Rang als man selber hätte.

Auf der anderen Seite jedoch bestand die Möglichkeit, dass es sich beim Gegenüber um ein Mitglied einer der neuen Logen handeln könnte. Von einem Solchen könnte man nichts lernen und würde erstens Gefahr laufen falschen Wissen aufzunehmen oder eigenes Wissen einer kommerziellen Loge zu offenbaren.

Aus diesem Grund, wurden neben dem allbekannten Händedruck mit dem langen Finger, weitere Erkennungszeichen auf einer zweiten Ebene eingeführt. Auch, und jetzt wird es für uns interessant, sprachen sich einige Fehler der neune Logen in den Reihen der alten Logen schnell herum. So konnte ein Mitglied einer altehrwürdigen Logen durch ein zwei Simple Fragen zu speziellen Ansichten oder Ritualen sehr schnell herausfinden, ob es sich bei einem anderen Freimaurer um einen echten oder um einen Freimaurer der Mode wegen handelte.

Genau diese Methode ist auch unter den Waffenexperten unsere Tage zu finden. Möchte man wissen, ob sich eine Lady oder ein Gentleman tiefer mit der Materie der Waffentechnik auskennt, fragt man einfach:

Was ist ein Rückdrucklader?

Kommt hier eine Antwort wie: "Das ist eine Waffe, welche durch den nach hinten gerichteten Gasdruck im Lauf ihre automatische Funktion antreibt." oder "Das ist ein Begriff aus der amerikanisierten Waffensprache.", so kann man sicher sein, dass die- oder derjenige sich tatsächlich mit dem Thema auskennt.

Kommt jedoch ein flapsiges "Rückdrucklader gibt es nicht!", so kann man sich heutzutage genau so sicher sein, dass man vom Gegenüber nichts lernen kann, wie ein Freimaurer im ausgehenden achtzehnten Jahrhundert von einem Mitglied einer kommerziellen Freimaurerloge.

Es gibt übrigens auch ein entsprechendes Äquivalent der Waffengeschichte, dessen Frage lautet:

Für welche Patrone, wurde die AK-47 entwickelt?

Die richtige Antwort darauf lautet 7,62x41 mm, denn die Patrone M43 von 1943 hatte noch eine 41 mm lange Hülse, diese wird erst 1948 um 2 mm auf das heute bekannte 7,62x39 mm gekürzt.

So, damit soll es das aber auch für heute gewesen sein. Ich weiß, dass es vor allem in der Waffengeschichte noch zig andere ähnlicher Fragen gibt aber die liste ich ein anders Mal auf.

Quellen:

  • Die Freimaurer von Helmut Reinalter, 2000
  • Die Geheimbünde: Eine kulturgeschichtliche Analyse von Marco Frenschkowski, 2010

30 Mai 2022

Ärger um den "Rückdrucklader" in 100 Worten erklärt

 Rückdruck ist ein Antriebssystem von automatischen Feuerwaffen, Waffen die dieses benutzen, nennt man Rückdrucklader. Da aber eh fast jeder Rückdrucklader einen Masseverschluss hat, hat man irgendwann aufgehört diese Waffen nach ihrem Antrieb zu benennen, sondern nach ihrem Verschlussprinzip: Waffen mit Feder-Masse-Verschluss.


Als dann irgendwann mal jemand nicht nur das Verschlussprinzip, sondern auch das Antriebsprinzip dieser Waffen nennen wollte, hat dieser nicht den vergessenen Begriff benutzt, sondern das bekannte Wort Rückstoßlader. Das ist zwar physikalisch falsch aber wurde ab da an so oft abgeschrieben, das es vor allem für Laien zur neuen Wahrheit wurde.

Heute ist es ein Lackmustest für vermeintliche Experten.


So, das war der Ärger um den Rückdrucklader in 100 Worten. Im Englischen gibt es diesen Fehler übrigens nicht. Für ChinnHatcher, Whilliams und Popenker sind Recoil und Blowback zwei verschiedene Systeme die andere Berechnungen erfordern.

18 Mai 2022

Welche Warschauer-Pakt Staaten nenne ihre AK - Maschinenpistole?

 Hallo alle zusammen und damit herzlich Willkommen zu einer kleinen Rechnung.

In einigen Publikationen zum Thema Kalaschnikow oder genauer AK-47 und AKM liest man immer wieder einen Satz: "vieler Staaten des ehemaligen Warschauer Vertrages [haben die AK-47] als Maschinenpistole bezeichnet."

Dieser Behauptung, in diesem Fall ein direktes Zitat aus der deutschen Wikipedia, gehen wir doch mal schnell auf den Grund, das kann ja so lange nicht dauern.

Der Warschauer Pakt umfasste folgende Staaten:
  • Albanien
  • Bulgarien
  • DDR
  • Polen
  • Rumänien
  • Sowjetunion
  • CSSR
  • Ungarn
Macht also acht, davon ziehen wir die CSSR gleich wieder ab, denn diese hat keine Form der AK-47 oder AKM eingeführt. Aber jetzt mal der Reihe nach.

Albanien hat eine Abwandlung der chinesischen Type-56 als Automatiku Shqiptar modeli 56 Tip 1 (ASh-56) eingeführt. Auf Deutsch in etwa Automatisches albanisches Modell Typ 1. Und damit nicht als Maschinenpistole.

Bulgarien hat eine Form des AK-47 Type III als Аўтаматычныя карабіны Калашников (AKK) eingeführt. Auf Deutsch in etwa Automatischer Karabiner Kalaschnikow. Und auch damit nicht als Maschinenpistole.

Die DDR hat eine Version des AK-47 Type III als Maschinenpistole Kalaschnikow (MPi-K) eingeführt und damit wirklich als Maschinenpistole.

Polen hat eine Version des AK-47 Type III als Karabinek automat Kałasznikowa (KbK AK) eingeführt. Auf Deutsch in etwas Karabiner automatisch Kalaschnikow. Und damit nicht als Maschinenpistole.

Rumänien hat eine Version des AKM als Pistol Mitralieră model 1963 (Pm md. 63) eingeführt. Auf Deutsch in etwa Pistolen-Maschinengewehr. Man könnte es also durchgehen lassen.

Die Sowjetunion, hat bekanntermaßen ihre AK-47 als Автомат Калашникова eingeführt. Auf Deutsch Automat Kalaschnikow. Also auch nicht als Maschinenpistole.

Ungarn hat eine Form der AK-47 Type III als Automata Kalasnyikova 1955 (AK-55) eingeführt. Auf Deutsch in etwa Automat Kalaschnikow. Und damit auch nicht als Maschinenpistole.


Als Fazit kann man also zusammenfassen:

Entweder sind gutmütige 2 von 8 für einige Leute bereits Zitat:"viele" oder viele Leuten haben einfach sehr wenig Ahnung.

12 Mai 2022

Kalaschnikow-Prototypen und ihre Namen (AK-46, AK-47 & AK-48)

Und damit herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag, dieses mal geht es um den verwirrenden Dschungel der AK-Prototypen und ihre Bezeichnungen.

Um ein wenig  Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir uns auf den Hosenboden gesetzt und eine Liste mit allen Kalaschnikow-Prototypen zusammen getragen und wie wer diese nennt, denn das kann schon mal ziemlich unübersichtlich werden, wenn die Modelle in jeden Fachbuch zum Thema Waffengeschichte anders heißen.


Imgur: http://imgur.com/gallery/VbZai6Q

Hier erstmal als Bild also als praktisches PNG zum speichern und weiter verschicken und dann noch mal als Google Tabelle zum kopieren und weiter verschicken aber auch zum ausdrucken und bearbeiten, ihr müsst es jedoch vorher kopieren.

Link http://docs.google.com/spreadsheets/d/1aLaLmBbQhC-1E08cM06rkxDjqgCLiBARsiEn74gnOdk/edit#gid=0

So jetzt wisst ihr, was die anderen Militärhistoriker meinen, wenn sie zb. etwas schreiben wie:

AK-46 No.1
AK-46 No.2
AK-46 No.3
AK-47 No.1
AK-47 No.2
AK-47 No.3
AK-48 No.1
AK-47 No.3 (x39)
AK-47 Type I
AK-47 Type II
AK-47 Type III
AKM (früh)
AKM (spät)
AK-74 (früh)
AK-74 (spät)
AK-74M

09 Mai 2022

Was ist alles eine Ak47 und muss man sie vom AKM unterscheiden?

 Hallo alle zusammen,

wer sich mit Militärgeschichte und noch viel interessanter Militärgegenwart beschäftigt, der wird sicher früher oder später über die Ak47 stolpern, nur um früher oder später von der typischen Verwirrung über dieses Modell überrollt zu werden.

Denn dieser Begriff bezeichnet mal ein einzigen Modell, nur um dann an andere Stelle plötzlich eine ganze Waffengruppe zu bezeichnen. In diesem Beitrag werde ich euch in einem Post nicht die einzelnen Modelle und dessen Merkmale erklären, sondern nur kurz anreißen, warum es zu solchen Verwirrungserscheinungen kommt.

1947 erblicke ein neues Sturmgewehr das Licht der Welt die Ak47, dabei handelte es sich um eine weiterentwickelte Version der Ak46 und eigentlich auch um einen Prototypen, welcher schon 1948 von der Ak48 überholt wurde, da jedoch ein wichtiger Test anstand und die Ak48 noch nicht bereit für diesen Test war, reichte man eine Ak47 ein, welche den Test für sich entscheiden konnte.

Die serienreife Version der Ak47 hieß jedoch in der Sowjetunion nicht Ak47, sondern einfach nur AK. Die ersten Modelle bestanden noch aus im Blechprägeverfahren gefertigten Gehäusen erst die 1949 verbesserte Version kennzeichneten zwei Merkmale, zum einen wurde diese aus einem massiven Block Stahl gefräst und zum anderen besitzt sie einen abfallenden Kolben. Da es aber relativ teuer ist, an einem Stahlblock solange herum zu fräsen, bis ein Ak47 Gehäuse übrig bleibt, ist man 1959 her gegangen und hat die Produktion wieder auf das günstigere Blechprägeverfahren umgestellt. Diese neue Waffe hieß AKM und bekam noch eine ganze weitere Reihe von neune Eigenschaften spendiert. So besitzt sie einen geraden Kolben zur besseren Handhabung bei automatischem Feuer, ab  1970 einen schrägen Mündungskompensator ebenfalls zur Stabilisierung bei der Abgabe von Feuerstößen. Zudem bekam die AKM ein neues Zubehörsystem unter anderem mit neuem Seitengewehr, auch eine neue Schwalbenschwanzschiene wurden eingeführt, mit der die AKM eine Reihe von Optiken aufnehmen kann, welche der Ak47 versagt bleiben.

Ist die AKM jetzt eine neue Waffe oder eine Version der Ak47? Nun sehen wir uns das ganze doch mal aus der Sicht einiger Beteiligter an.

Ich schätze es sollte klar sein, dass ein Soldat, welcher AKM und oder Ak47 selber verwendet diese Modelle unterscheiden muss. Man stelle sich nur mal die Situation vor, in der ein Soldat ein Nachtsichtvisier mit in den Einsatz nimmt nur im im Feld festzustellen, dass dieses nicht auf seine Waffe passt. Ein Ak47 oder AKM Träger muss diese Waffen also unterscheiden.

Wie sieht es nun aber mit einem Soldaten aus, welcher auf der anderen Seite steht? Sprich einem der sich mit Ak47 und oder AKM konfrontiert sieht, wie dies häufig beim US Militär der Fall ist. Dazu müssen wir aber kurz ausholen und erwähnen, dass es neben den russischen Modellen Ak47 und AKM noch eine Vielzahl weiterer Modelle gibt, wie die chinesische Typ-56 welche wie das AKM aus Blech geprägt wird aber die Ak47 Ergonomie soweit beibehalten hat aber auf der anderen Seite ein ganz eigenes Bajonettsystem besitzt. Von den Modellen aus Jugoslawien, Rumänien, Ungarn, Ägypten und der ehemaligen DDR wollen wir hier gar nicht erst anfangen und kehren zurück zur US Armee. Diese sieht sich in ihren Einsätzen im asymmetrischen Krieg meist einer Vielzahl verschiedener Abkömmlinge von Ak47 und AKM gegenüber, wobei es im Kern für den US Soldaten eigentlich egal ist, welches Seitengewehr oder Visiersystem die Waffe besitzt mit der er gerade beschossen wird. Die Waffe des Gegners hat ein Seitengewehr oder sie hat eben keines.

Und da dies egal ist, hat man sich beim US Militär darauf geeinigt, einfach alle Abkömmlinge von Ak47 und AKM schlicht als Ak47 zu bezeichnen. Weil im Grunde sind beides Sturmgewehre im Kaliber 7,62mm x39 mit ähnlicher Reichweite und Kadenz.

Man stelle sich nur mal vor, wie ein US-Späher eine Gruppe von vier Aufständischen erblickt und deren Bewaffnung wie folgt an den diensthabenden Offizier weitergibt:

"Ich sehen vier Aufständische, einer hat eine AKM ganz ohne Kolben, der andere eine Typ-56 dessen Bajonett abgenommen wurde, der dritte trägt eine AMD-65 mit AKM Handschutz und der letzte eine MPi-K, dessen Schulterstütze durch den Griff einer Gartenschaufel ersetzt wurde."

Wie man oft sieht, sind die üblichen Kombattanten noch nicht mal mit kompletten Waffen dieser Gattung ausgestattet, sondern bauen sich oft aus zwei kaputten eine funktionierende Waffe. Das geht zwar nur begrenzt und zischen Ak47 und AKM kaum aber Handschutz und Schulterstützen Roulette scheint bei Aufständischen seit jeher sehr beliebt zu sein. Daher wird der obere Satz beim US Militär meist wie folgt abgekürzt:

"Vier Aufständische, vier Ak47"

Soweit so klar und logisch aber wie kommt dieser Jargon zu uns? Ganz einfach durch die Presse, Kriegsberichterstattung erfolgt in den aktuellen Konflikten meist aus Sicht des US-Militärs und bedient sich deren Dokumenten und Aussagen und in den modernen Konflikten ist es für die Journalisten eh schwer genug objektiv zu sein, da bleibt einfach keine Zeit sich zudem noch mit der Unterscheidung von Handwaffen auseinander zu setzten. Was auch fast nicht schlimm ist, der einzige negative Effekt besteht darin, dass viele immer noch der Meinung sind, Russland beliefere alle Aufständischen von Taliban bis Boko-Haram aktiv mit Waffen.

P.S.

So wir hoffen wir konnten ein wenig Mündungsfeuer ins dunkel bringen und euch hat der Post gefallen.

Als Militärhistoriker muss man übrigens noch Ak47 Type I bis III unterscheiden. Type-I mit Blechprägegehäuse, Type-II mit Metallmanschetten an Kolben und Pistolengriff und Type-III mit Manschette nur noch am Pistolengriff.

28 April 2022

Welche Teile einer Waffen haben den größten Einfluss auf die Präzision?

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem keinen Erklärpost.

Ich wurde gefragt, welche Teiler einer Waffe denn den meisten Einfluss auf die Präzision haben und dies beantworte ich hier jetzt einfach mal.

Alternativ könnte der Titel auch lauten: 
Warum sind Repetiergewehre präziser als selbstladende Scharfschützengewehre?
Da es hier um das Gewehr geht und nicht um das Scharfschießen in der Praxis, lasse ich hier den menschlichen Faktor einfach mal soweit es geht weg, hier geht es um die kalte Theorie unter isolierten Laborbedingungen. Ich unterteile dazu den Vorgang einfach mal in Phasen:

Phase #1 Zielen
Im Kern zwar noch Teil des menschlichen Faktor aber der Vollständigkeit halber. Wenn man nicht richtig zielen kann, kann man auch nicht richtig treffen. Deswegen benötigt eine präzise Waffe immer auch ein präzises Zielinstrument und vorallem ein gut justiertes, das teuerste Zielfernrohr nützt nichts, wenn es nicht dorthin zeigt wo die Kugel auf X Metern auftreffen wird.

Phase #2 Zündung ( Kaltbewegung )
Eine Patrone zünden, sobald das Zündhütchen vom Zündstift getroffen wird, aber hier gibt es einige verschieden Möglichkeiten wie eine Waffe - den Zündstift überhaupt in Bewegung setzt. Wir sehen uns hier zwei verbreitete Möglichkeiten an. Die erste wäre, den Zündstift einfach zu spannen - er wird also gegen eine Feder grade nach hinten gezogen, von einer Nase fest gehalten und einfach beim Durchziehen des Abzuges freigegeben, er schnellt dann durch den Druck seiner Feder nach vorne und zünden die Patronen. Der Vorteil liegt auf der Hand, der Zündstift besitzt nicht wirklich Masse und er bewegt sich selengleich zur Laufachse. Der Nachteil ist die Sicherheit, denn einen ständig gespannten Stift in seiner Waffe zu haben, ist kein gutes Gefühl, außerdem ist der Stift sehr klein und kleine Sachen sind immer anfällig für Verschmutzung.

Eine andere Methode ist die Zündung per Hammer, hier wird nicht der Zündstift gespannt, sondern ein massives Metallstück wird gegen eine Feder aufgezogen und meist direkt von der Abzugsgruppe festgehalten. Beim Durchziehen - freigegeben, schwingt der Hammer auf einen freibeweglichen Zündstift und überträgt so eine Kraft auf das Zündhütchen der Patrone. Das hat einige Vorteile, unter anderem kann der Hammer besser gesichert  werden da er, direkt über der Abzugsgruppe gelegen, besser von einer Sicherung erfasst werden kann. Dazu kommt noch, dass ein so gearbeitetes Stück sich nicht so leicht von Schmutz in seinem Lauf aufhalten lässt. Das wichtigste ist allerdings, das eine Konzeption mit Hammer das entwickeln von  automatischen Waffen sehr erleichtert, da der Hammer bei jedem Schuss durch die Rückwärtsbewegung automatisch gespannt wird und man für den nächsten Schuss einer Vollautomatik den Hammer besser steuern kann, als einen gespannten Zündstift. Der große Nachteil eines Hammer ist jedoch, das eine menge Metall im Gehäuse bewegt wird und das oft nicht ein einer geraden horizontalen Schlagbewegung sondern in Form eines Schwingens. Und das alles noch bevor die Kugel überhaupt gezündet wurde, es geht wie zwar nur um Millimeter aber auch Millimeter werden auf eine gewisse Entfernung schon zu Zentimetern und irgendwann zu Metern.

Ihr seht schon, es dreht sich viel um die Frage, wie weit - wie schwere Teile - wie schnell - mit welcher Kraft - in welche Richtung bewegt werden. Stark vereinfacht kann man sich das in etwa so vorstellen, eine leere Blechdose zu schütteln ist kein Problem und erfordert fast gar keine Kraft - die gleiche Blechdose mit einem Stein darin kann, je nach große des Steins, schon anstrengender sein.

Um das ganze noch ein Stück näher an die Praxis zu bringen und weil sich einige immer wieder beschweren, dass ich nie Namen - also Waffen nenne hier zwei Kontraktoren und zwar das L96 und das SVD Dragunov.

Das L96 zündet elegant per gespanntem Zündstift, das SVD dagegen verwenden einen recht massiven Hammer.

Phase #3 Verbrennung
Ist das Zündhütchen gequetscht verbrennt das Pulver, aber auch hier gibt es Unterscheide, Scharfschützengewehre werden nicht umsonst meist mit Spezialversionen der jeweiligen Munition verwendet. Hier gibt es sehr feines, gleichmäßig abebbendes Pulver aber auch grobes Pulver welches nicht immer ganz gleichmäßig abbrennt. Es ist zwar kein Hauptfaktor, aber schön ist es nicht, wenn das Pulver unten schneller abbrennt als jenes oben in der Patrone. Auch ist es zu wünschen, dass das Pulver möglichst sauber abbrennt und möglichst wenig ruß in Lauf und eventuell der Mechanik hinterlässt. Hier haben Repetiergewehre einen weiteren Vorteil, den für ihren Ladevorgang benötigen sie keinerlei Pulvergase sondern nur die Hand des Schützen, die Waffe verschmutzt sich also nicht unnötig selbst. Die Verwendung verschiedener Pulversorten ist hauptsächlich ein Kostenfaktor, feines Pulver ist recht teuer und damit alle Elemente in preiswertem Pulver wenigsten die gleiche Oberfläche also Verbrenngeschwindigkeit haben, presst man meist einfach alles in eine einheitlich Stäbchenform.

Phase #3 Lauf
Getrieben vom Pulver, tritt das Geschoss seinen Lauf durch den Lauf an, dabei wird es von weiteren Faktoren beeinflusst. Der erste und nicht extra aufgezählt ist die Qualität und das Material von Lauf und Geschoss, hier gibt es teilweise gravierende Qualitätsunterschiede im Material, aber ich will euch nicht mit Legierungen aufhalten.

-Faktor #1 Seeligkeit
Dieser etwas sperrige Fachbegriff gibt einfach an, wie "gerade" der Lauf in der Mikroebene ist, denn nicht jeder Lauf ist mathematisch so gerade wie er von außen wirkt. Die Läufe hochwertiger Präzisionsgewehre werden speziell in besonderen Verfahren hergestellt - bei machen Selbstladern werden dagegen nur "ausgesuchte" Läufe aus der ganz normalen Sturmgewehrproduktion verbaut. Es kommt dann noch mal darauf an, ob diese elektronisch oder von Fachleuten - "gerichtet" werden. Natürlich kann die Seeligkeit auch nachträglich noch Schaden nehmen, hier kommt es zu einem auch dicke des Laufes an, ein dicker Lauf verbiegt schwerer und darauf wie gut der Lauf durch die Konstruktion also hauptsächlich die Schäftung - geschützt ist. Unter Russischen Soldaten kursiert die Geschichte, dass wenn man am SVD das mitgelieferte Bajonett anbringt, dass man alle Entfernung, ab einer bestimmten Distanz, plus 5 Meter rechnen muss, weil das Messer durch sein Gewicht, den Lauf schon zu stark nach unten zieht.

-Faktor #2 Abnutzung
Aus eines "ausgefressenen" Lauf, bei dem man die Züge und Felder nur noch wage erahnen kann, kann man auch keine präzisen Schüsse mehr Abgeben. Ausnahmsweise mal eine Faktor, der auf beide Typen gleichermaßen zu trifft, aber da aus Selbstladern in der Regel mehr Schüsse in kürzerer Zeit abgegeben werden, leiden die Läufe dieser Modelle natürlich stärker unter dem Abrieb ihrer Felder. Aus diesem Grund scheuen auch viele Armeen den Einsatz von hochwertigen Selbstlader.

-Faktor #3 Vibration ( volle Heißbewegung )
Ein Lauf steht während des Laufes und auch nach der Geschossabgabe unter enormen Kräften und wie das mit Kräften so ist, versucht auch der Lauf diese Kräfte abzugeben, dies kann er jedoch nicht und fängt an zu "Schwingen" wie Fachleute sagen. Die Schwingung ist völlig natürlich - nur sollte man den Lauf auch schwingen lassen und ihn nicht daran hintern, vor allem nicht einseitig, also ihn nur an einer stelle festhalten. Und hier kommt es zur Kollision zweier Interessen, denn viele Selbstlader müssen Gas aus dem Lauf abzapfen - um überhaupt funktionieren zu können und dazu muss nun mal der Lauf irgendwo abgebohrt werden oder eine Staudüse muss vorne an den Lauf, um das Gas oder dessen Kraft irgendwie zurück ins Gehäuse zu leiten und dazu muss man einfach einen Gasentnahmeblock am Lauf und einen damit verbundenen Gaszylinder unter oder über dem Lauf befestigen. Eine solche Einrichtung hindert den Lauf natürlich daran gleichmäßigen zu schwingen und das wirkt sich merklich auf die Präzision aus. 

Auch das SVD hat einen Gasblock und einen Kolben von nicht geringen Ausmaßen und auch der Handschutz ist am Lauf befestigt. Das L96 dagegen, hat wie fast alle Repetierscharfschützengewehre nichts am Lauf befestigt, das ist auch gar nicht nötig den die nächste Patrone wird vom Schützen, nicht vom Gasdruck, geladen. Und auch der Schaft berührt den Lauf nicht wie das bei einigen Weltkriegsrepetierern der Fall ist, wo sich der Schaft, zum Schutz des Laufes, regelrecht um selbigen klammert.

-Faktor #4 Gasabzug
Wie ihr jetzt wisst, zapfen sehr viele Selbstalder, Gas aus dem Lauf ab. Einigen davon zapfen nur ein wenig, andere müssen ganze Röhren mit Gas füllen, wieder andere Modelle besitzen Überdruckbohrungen, die das Modell zwar vor Beschädigung schützen aber auch unnötig viel Gas entweichen lassen. Wer sich auskennt wir sich sicher jetzt fragen, was dieser Faktor unter Präzision zu suchen hat, denn verlorenes Gas bedeutet in erster Linie verlorene Kraft bzw. verlorene Mündungsgeschwindigkeit. Da das Gas immer an einer Stelle abgesaugt wird, kann sich hier eine ungleiche Verteilung bilden aber nur bei unnötig viel Gasentnahme und auch nur im sehr kleinen Maß.

Zur Überraschung mancher schnappt das SVD gar nicht mal so viel Gas, denn was viele immer wieder vergessen ist, dass das Gasdrucksystem des Dragunov mit dem des Ak47 nicht viel gemeint hat und damals das Kurzhubsystem von Tokarev SVT-40 übernahm. Das L96 hat natürlich gar keine Gasbohrung und entnimmt so auch kein Gas aus dem Lauf.

Phase #4 Systembewegung mit Kugel ( volle Heißbewegung )
Hier wird die Präzision mit Füßen getreten denn einige Modelle beginnen bereits damit, eine neu Kugel zu laden - während die alte noch nicht mal den Lauf verlassen hat. Ich schätze mal, dass sich jeder der auch nur halb aufpasst, sich jetzt sofort an den Stein in der Dose erinnert führt und die Hände über dem Kopf zusammen schlägt. Ja, so ganz so schlimm ist das Ganze nicht, denn diese Modelle, die man Rückdrucklader nennt, benötigen dagegen keine Gasbohrung. Zudem sei gesagt, dass hier nicht der ganze Ladevorgang mit Läufiger Kugel abläuft, sondern sich nur der Verschluss für einige Millimeter bewegt. Alles andere währe viel zu gefährlich, komplett offener Verschluss mit Kugel im Lauf? Da fragt sich nur noch was gefährlicher ist, die Stichflamme oder die Kupfersplitter in welche die Hülse zerrissen wird. Ob sich diese kleine Bewegung mit dem eingesparten Gasblock aufwiegt darüber schreiten sich die Fachleute. Besonders da es zu wenig Modelle gibt, welche diese Version wirklich in Präzisionswaffen verbauen, denn die Verwendung eines Masseverschlusses ist meist nicht dadurch motiviert des Gasblock zu sparen, sondern um Konstruktionen mit einem sanfteren Rückschlag zu erreichen. Famas und G3 benötigen beide keinen Gasblock trotzdem sind ihre Läufe nicht frei, bei erstem schlingt sich der Schaft um den Lauf, ein frei Schwingender wäre im Bullpop Design auch schwierig zu machen. Auf dem Lauf des G3 hingegen, befindet sich trotzdem eine Röhre aber nicht für Gas, sondern der Ladehebel wurde dort untergebracht .. warum auch immer.

Die Verschlussteile des Dragunov sind massiv genug um still zu bleiben bis die Kugel den Lauf verlassen hat, beim L96 hingegen bewegt sich verschlusstechnisch nichts, bevor der Schütze nicht Hand anlegt.

Phase #5 Systembewegung ohne Kugel ( leere Heißbewegung )
Ist die Kugel aus dem Haus, so tanzen die Systemteile auf dem Tisch, soll heißen auch bei den steifesten Selbstladern müssen die Teile spätestens jetzt in Bewegung kommen, sonst wird das mit dem Selbstladen nicht mehr.

Bevor ihr euch jetzt wundert, warum ich hier fleißig weiter schreibe, obwohl die Kugel schon weg ist und sich jetzt eigentlich nicht mehr außer Wind und Wetter ihrer Präzision in den Weg stellen kann. Manche Leute zählen zur Präzision noch etwas hinzu, das man eigentlich "Dauerfeuerstabilität" oder um Volksmund  - Verriss nennt, also das verhalten der Waffe bei vollautomatischen Feuer oder eben wie schnell man einen Selbstlader hinter einander Abdrücken kann ohne das der Lauf anfängt vollkommen vom Ziel abzuweichen. Die leere Heißbewegung bestimmt als im Kern die Präzision der nächsten Kugel.

Ich bitte zu beachten, dass die leere Heißbewegung nur eine Komponente des vielseitigen Rückschlages darstellt. Der Löwenanteil wird immer durch die Patrone bestimmt.

Die Systemteile, also Verschluss, Verschlussträger und wenn vorhanden Gaskolben setzten sich also in Bewegung und hier kommt wieder das Sinnbild vom Stein in der Dose zum tragen, denn umso mehr sich hier bewegt umso schwerer ist die Waffe bei Automatischenfeuer ruhig zu halten und um so schwere ist der Rückschlag eines Selbstladers zu verdauen. Hier gibt es die erwähnten Rückdrucklader, ohne Gasentnahme oder irgendwelche Kolben - diese bewegen meist nur den Verschluss samt Träger und sind recht weich vom Rückschlag her, besonders da sie wie erwähnt den Zeitraum nach vorne strecken. Etwas altbacken aber sehr störungsfrei ist der trägerfeste Kolben, der Kolben ist einfach fest am Verschlussträger verbaut und wird somit von ihm überall mit hingeschleppt, sehr viel unnötiges Material wird her bewegt. So erhält man zuverlässige Modelle wie die Ak47. Besser dagegen für die Stabilität ist der Kurzhubkolben, dieser stößt den Verschlussträger einfach nur kurz an und überträgt seine Kraft auf ihn - bleibt danach aber wo er ist und lässt den Verschlussträger seinen weg allein gehen, hier wird weniger Material bewegt, dafür hat man aber ein bewegliches kritisches Teil mehr, viele moderne Waffen wie das G36 oder die ACR verwenden dieses System. Ein ganz andere Weg ist der gaseinleitende Gasdrucklader, dieser besitzt zwar auch ein Gasrohr aber ohne Kolben im inneren, hier wird einfach das Gas direkt auf den Verschlussträger geleitet - Vorteil das Gas hat keine große bewegte Masse und zählt deswegen nicht als Bewegliches Teil so erhält man Rückschlag arme Modelle wie das M16 oder den M4. Hauptnachteil hier ist, dass Pulvergase keine saubere Angelegenheit sind und auch immer eine gewisse menge Ruß und Pulverresten mit sich treiben und die hat man bei einem solchen Systemen eben nicht nur am Kolben sondern im Verschluss.

Das SVD verwendet wie bereits erwähnt einen Impulskolben, dadurch liegt es im Mittelfeld und lässt sich zur  Not recht flott hinter einander abfeuern ohne extrem vom Ziel abzuweichen.

Phase #6 Manuelle Systembewegung ( kalte Nachbewegung )
Kein Faktor mehr aber eventuell erwähnenswert um Verwechslungen vorzubeugen ist, dass es sich beim dem Repetiervorgang von Scharfschützengewehren nicht um eine Systembewegung ohne Kugel handelt weil diese den Zusatz ( leere Heißbewegung ) trägt und eine Waffe ist nur solange "heiß" wie sich noch Pulvergase von einem gewissen Druck, in der Waffe befinden und das ist nur für Sekunden der Fall, einen Repetierverschluss bekommt ein Mensch so schnell gar nicht bewegt. Manuelle Repetiervorgänge, egal ob bei Schrotflinten oder Scharfschützengewehren, zählen also immer als kalte Nachbewegung. Natürlich, hat diese Bewegung keinen Einfluss mehr aus die bereits abgegebene Kugel aber er hat immer Einfluss auf die Nächste oder besser gesagt es hat Einfluss darauf wie schnell der Schütze die nächste Kugel fertiggeladen bekommt und weiter schießen kann.

Hier gibt es eine ganze Masse an Verschlüssen, wer sich schon mal gefragt hat, warum es denn zig Modelle von Scharfschützengewehre gibt, die im Kern alle gleich aussehen, der hat hier drin die Antwort. Ich versuch hier schnell zu sein deswegen das ganze im Schnelldurchlauf. Es ist wichtig wann die Waffe spannt, also wann der Zündstift aus der ersten Phase gespannt wird, mache spannen beim öffnen also hochdrehen des Kammerstängels, machen spannen beim Schießen also beim vorschieben der Kammer, manche muss man mit einem extra Hebel spannen. Dann gibt es verschiedenen Orte wo sich der Verschluss überhaupt schießt, mache verriegeln direkt hinter dem Patronenlager, andere hinten im Gehäuse, wieder andere gleich an beiden Stellen gleichzeitig. Es gibt hier zig Möglichkeiten.

Keinen Einfluss hat dieser Vorgang auf die Präzision, ich hab öfters schon mal gehört, dass man dadurch, dass man per Hand alles bewegt alles noch mal präziser machen kann, aber das stimmt nicht, man stellt durch die Bewegung nichts eine und man kann auch nicht besonders schön Durchladen. Alles was man kann ist schnell sein oder langsam .. und man kann natürlich durch unnötigen Gehampel eine Ladehemmung verursachen das geht natürlich auch.

24 April 2022

Haben G3 und AK47 das gleiche Kaliber?

 Hallo und herzlich Willkommen,

also ich bekomme in letzter Zeit eine menge Streit mit, ob denn Ak47 und G3 nun das gleich Kaliber haben und welche Patrone / Munition man denn jetzt aus welche Waffe abfeuern kann.

Als erste mal zur Kernfrage, ob beide Waffen das gleiche Kaliber haben.

Wer meine Kaliber, Patrone und Munition Serie verfolgt hat, der weiß natürlich die Antwort und diese lautet - Ja. Das Heckler&Koch G3 und die russische AK47 haben beide das Kaliber 7,62mm.

Wer mehr als nur gut auf gepasst hat weiß allerdings auch, dass es sich bei den beiden Angabe um nominal Kaliber handelt könnte und da habt ihr auch Recht. Leider komm ich an die genau Innenlauf Abmessung nicht heran aber die genauen Geschossdurchmesser habe ich zur Hand und diese wären:
7,85mm bei der AK47 (7,62x39mm M43)
7,85mm beim G3 (7,62x51mm Nato)
Also erstaunlicherweise gleich, es ist also nicht nur das nominal Kaliber gleich. Es kann jetzt natürlich auch sein, dass der G3 Lauf innen enger ist als jener der AK47.

M43 links und 7,62x51 Nato rechts
Kann man jetzt tatsächlich AK47 Munition aus einem G3 verschießen? Nein, denn die Hülsen haben eine andere Form. Da die Nato Hülse länger ist, würde sich der Verschluss der Ak47 nicht schließen können, die M43 Patrone hingegen würde durch ihre kürzere Baumform vermutlich einfach im Patronenlager durchrutschen und vom Zündstift des G3 nicht mehr erreicht werden können.

Wenn man schon die Patrone nicht austauschen kann, kann man denn wenigstens das Projektil austauschen? Diese Frage kann ich leider nur theoretisch beantworten, denn ich bin leider nicht im Besitzt entsprechender Läufe. Rein theoretisch, könnte man wahrscheinlich ein M43 Geschoss durch einen G3 Lauf treiben, aber da Züge, Drall und Pulver auf ein anders geformten Geschoss abgestimmt sind, sehe ich bei einer vernünftigen Trefferpunktlage - schwarz.

So jetzt zum spannenden Teil und zwar zu der Behauptung, man könnte hergehen und G3 Munition im AK47 verschießen und oder umgekehrt. Ursprung dieser Behauptung ist, dass man von einigen Bundeswehrausbildern immer wieder zu hören bekommt, man könnte mit dem G3 zur Not auch AK47 Munition verschießen.

Ich sehe formlich die Fragezeichen in euren Augen .. oder auch Ausrufungszeichen, ja nach Gemütslage.

Im Grunde ist diese Behauptung natürlich falsch, aber hinter jeder Behauptung steckt auch ein bissen Wahrheit und diese heißt HK32. Das HK32 war eine Umentwicklung des G3 und verwendete wirklich die AK47 Patrone M43 und sogar deren Magazine. Es ist nicht ganz klar, ob man dies tat um die Magazine potentieller Feinde in den Ostblockstaaten verwenden zu können oder ob man bei Heckler und Koch einfach neue Märkte erschließen wollte. Fakt ist jedoch, es gibt grob gesagt eine Version des G3, welche AK47 Munition verscheißen kann. Der oder die Ausbilder haben, dies allerdings falsch aufgenommen und noch unkorrekter weitergegeben.

Wo das HK32 eine ziemliche Rarität darstellt, da ist der Konterpart, als die AK47 Version mit G3 Munition schon etwas häufiger anzutreffen und zwar in ehemaligen Jugoslawien. Dort war man der Meinung, dass die Westpatrone viel besser zur Militärdoktrinen des Landes passen würde. Genannt haben sie das Endergebnis dieser Verschmelzung zwischen Ost und West dann, Zastava M77. Soweit ich das in Erinnerung habe, verwendete dieses aber keine reguläre Nato Munition sondern Munition mit geringere Treibladung.

Es gibt also zwei Versionen der beiden Waffen, welche die Patronen der jeweils anderen verwenden, das sollte der Ursprung dieser Gerüchte sein.

Quellen:
  • Manfred R. Rosenberg und Katrin Hanne, Vom Pulverhorn zum Raketengeschoß Die Geschichte der Handfeuerwaffen-Munition, Stuttgart 1993
  • Reiner Lidschun, Günter Wollert, Infanteriewaffen Illustrierte Enzyklopädie der Infanteriewaffen aus aller Welt bis 1945, Königswinter 1999
  • Günter Wollert, Reiner Lidschun und Wilfried Kopenhagen, Schützenwaffen Heute (1945-1985) Band 1 & 2, Berlin 1998

22 April 2022

Munition - Unterschied zwischen Kaliber, Patrone und Munition

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zum nunmehr letzten Teil der "Kaliber, Patrone, Munition" Reihe. Es tut mir leid, dass dieser Teil erst heute kommt, aber es gab da eine kleine Diskussion über die Korrektheit meiner Ausführung, welche jetzt auch entsprechen einfließen wird.

So, wie ihr im Titel lesen konntet, geht es heute um Munition. Was Munition ist, weiß sicherlich jeder, Munition kommt in eine Waffe, ohne funktioniert diese nämlich nicht so gut.

Aber wie unterscheidet sich der Begriff Munition von den begriffen Kaliber und Patrone. Dazu stellen wir wie immer die Frage: Gibt es Patronen die zwar die exakt gleichen Maße haben aber trotzdem in einer Waffe funktionieren und in der anderen nicht? Oder etwas ungenauer in einer Behauptung, welche ich erst neulich so lesen musste:

Wenn eine Waffe das Kaliber 5,56x45mm Nato hat, dann kann sie auch alle 5,56x45mm Patronen verschießen.

Nein, nur weil eine Waffe mit einer Patrone mit gewissen Maßen umgehen kann, also diese wegen ihrer Form dort hinein passen, heißt das nicht, dass sie auch mit jeglichem Material, jeglicher Ladung und jeglichem Geschoss umgehen kann.

Wie die meisten sicher wissen, bestehen die meisten Hülsen aus Messing, aber es gibt einige Waffen, die damit nicht gut zurechtkommen, bei einigen liegt das lediglich daran, das beim Ausziehen der Hülsen zuviel Reibung auftritt, dann wird die Hülse meist einfach lackiert - bei anderen hingegen, wirken zu starke Kräfte auf die Hülse, als dass man sie aus Kupfer fertigen könnte. Diese Hülsen fertigt man dann meist aus Aluminium oder in ganz harten Fällen aus Stahl wie in nachfolgenden Beispiel.
5,45x45mm Nato SS109
5,45x45mm Nato SS109 Steel or French-made
Das Famas, verwendet zwar 5,56x45mm Nato Patronen, aber durch ihren übersetzten Masseverschluss, ist die Hülse enormen Belastungen ausgesetzt und muss deswegen aus Stahl gefertigt werden, die Verwendung von regulärer Nato Munition mit Messinghülse würde unter dem Druck zerreißen. Unüblicherweise, ändert sich der Name der Munition - SS109 - hier nicht, oft wird einfach nur ein Steel oder "French-made" angehängt.

Darüber hinaus, gibt es noch eine ganze Reihe von Waffen, vor allem leichte Maschinengewehre, welche nur mit laktierten Hülsen zurecht kommen. Der Name der Munition ändert sich auch hier eher selten.

Wie sicherlich jeder weiß, hat jede Patrone eine Ladung, also eine gewisse Menge an "Schießpulver". Nimmt man mehr davon, so erhöht sich der Gasdruck, dieser kann je nach System schon den kompletten Ablauf der Waffe durcheinanderbringen. Aber damit nicht genug, es gibt auch noch verschiedenste Arten von "Schießpulver" und dieses kann auch noch in verschiedensten Formen austreten, zb. in Stäbchen-, Plättchen- oder Kugelform. Diese wiederum können verschiedenen Größen und Längen besitzen. Die Form ist maßgeblich dafür, wie schnell das Pulver abbrennt. Die Summe aus Menge, Form und Große des Pulvers bildet die Laborierung. Hier zwei Beispiele:
7,62x51mm Nato
7,62x51mm CETME
Erste sollte wohl jedem bekannt sein, die erste einheitliche Patrone der Nato, welche unter anderem im Heckler und Koch G3 Verwendung findet. Die andere jedoch 7,62x51mm CETME sollte wohl wenigen von euch etwas sagen. Das "CETME Modelo B" ist ein Vorgänger des deutschen G3, verwendet also ebenfalls einen durch Rollen übersetzten Masseverschluss. Das Modelo B kommt übrigens aus Spanien. Die Spanier mochten zwar die 7,62x51mm Patrone aber die 7,62x51mm Nato Munition war ihnen viel zu stark geladen und hatte einen viel zu hohen Rückschlag, als dass man damit hätte effektives automatischen Feuer abgeben können. Also gingen die Spanier her und reduzierten einmal die Menge an Pulver und zusätzlich noch das Gewicht des Geschosses. So entstand die 7,62x51mm CETME Patrone. Natürlich musste man jetzt auch hergehen und den Widerstand des Verschlusses des Modelo B verringern, damit der schwächere Druck der neuen Munition, diesen überhaupt öffnen kann. Als Resultat haben wir jetzt zwei Gewehre die beinahe gleich aufgebaut sind, aber zwei verschiedenen Sorten von Munition verwenden, kann man die Munition austauschen? Theoretisch - ja, denn die Patronen haben die gleichen Maße, passen also, ob sie auch funktionieren? Nein - oder zumindest nicht richtig. Zündet man CETME Munition im G3, so wäre der Gasdruck nicht stak genug, um den Verschluss ganz zu öffnen, die Patrone würde also zünden und der Schuss würde abgegeben, aber wahrscheinlich würde die Automatik nicht richtig ablaufen und der Schütze müsste jede Patrone manuell fertigladen. Zündet man hingegen reguläre Nato Munition im Modelo B, so wäre der Gasdruck viel zu hoch, der Verschluss würde sich öffnen, lange bevor der Gasdruck im Lauf auf ein ungefährliches Maß abgesunken wäre, dadurch könnte es zu Hülsenreißern oder schlimmeren kommen.

Des weiteren seien hier nur kurz das Beispiel dreier japanischer Munitionssorten aufgeführt. Die Japaner änderten ihre Gewehrmunition zwei mal ab, einmal mit etwas weniger Pulver für ihr leichtes Maschinengewehr und einmal mit rauchreduziertem Pulver und leicht verändertem Projektil für ihr Scharfschützengewehr. Die Japanischen LMGs verwendeten Munition mit weniger Pulver um dessen Feuerrate zu senken, verwendete man die reguläre Gewehrmunition in diesen Waffen so stiegen deren Schüsse pro Minute auf ein unkontrollierbares Maß an und der Verschleiß der Waffen war, durch die höhere Belastung der einzelnen Bauteile, enorm. Die Reduzierung der Ladung bei der Munition der Scharfschützenwaffen, hatten dagegen die Hintergrund, dass das Mündungsfeuer nicht zu sehen sein sollte. Allerdings gab es oft Probleme mit der Logistik, weswegen die japanischen Scharfschützen gezwungen waren reguläre Gewehrmunition zu verwenden. Eine Folge von dessen höhere Ladung war, das jetzt die Visierlinien in den Zielfernrohren der Waffen nicht mehr stimmten, außerdem waren die Mündungsfeuer jetzt wieder gut zu erkennen.

Jetzt zum letzten Punkt, den Projektil. Wie wir von den Spaniern und Japanern nun mehr wissen, gibt es Geschosse die schwere und leichter sein können, das hat zwar Auswirkungen aus dessen Flugbahn, aber die Mechanik wird bei Mehrladern nur selten wirklich berührt. Was die Mechanik wirklich interessiert ist die Geschossform, FMJ also Full metal Jacket sollte wohl jedem ein Begriff sein, aber Hollowpoint - da hört es bei den meisten auch schon auf, besonders da diese im militärischen Bereich selten vorkommen, anders als zum Beispiel in der Jagd. Kurz gesagt ist FMJ Munition also Vollmantelmunition wie ein Schwert und Hollowpoint also Hohlspitz Munition wie ein Hammer - also an der Spitze eher flach. Und damit haben machen Waffen, besonders ältere Modelle von Selbstladepistolen so ihre Probleme. So kommt es bei machen Colt M1911 Modellen in Verbindung mit Hohlspitzmunition immer wieder zu Zuführstörungen.

Also kommen wir zu dem Schluss, nur das auf einer Waffe eine Patronengröße angegeben ist, heißt das noch lange nicht, dass man dort auch alles mit der selben Größe hineinstopfen darf. Was man darf erfährt man mit Glück aus dem beiliegendem Handbuch.

Ich schließe die Riehe mit einem Zitat ab:
"Don't use anything in your M1 Garand, but factory M2 Ball."
Verwende nichts in deinem M1 Granad als M2 Ball Munition aus der Fabrik.

Vergleiche: Waffen-Online.de Artikel: Munitionssorte

Quellen:
  • Manfred R. Rosenberg und Katrin Hanne, Vom Pulverhorn zum Raketengeschoß Die Geschichte der Handfeuerwaffen-Munition, Stuttgart 1993
  • Reiner Lidschun, Günter Wollert, Infanteriewaffen Illustrierte Enzyklopädie der Infanteriewaffen aus aller Welt bis 1945, Königswinter 1999
  • Günter Wollert, Reiner Lidschun und Wilfried Kopenhagen, Schützenwaffen Heute (1945-1985) Band 1 & 2, Berlin 1998

21 April 2022

Patronenamen - Unterschied zwischen Kaliber, Patrone und Munition

Hallo und Willkommen zurück.

Zusätzlich zu ihren inchi und metrischen Maßangaben, bzw. Nominalkalibern haben mache "Kaliber" zusätzlich noch Namen, besonders verbreitet ist dies unter den inchi Kalibern. Eigentlich hat jede Patrone einen Namen, es kommt nur darauf an, wie oft dieser genannt wird. So gibt es zum Beispiel mehrere Kaliber .50 Patronen.
.50 AE ( Action Express )
.50 Beowulf
.50 BMG ( Browning Mashinegun )
Dies sind nur die drei bedeutendsten. Erste ist eine Hochleistungspatrone für Pistolen, zweite ebenfalls eine Patrone mit gesteigerter Leistung, diesmal allerdings für Gewehre. Letztere ist eine Patrone für schwere Maschinengewehre, ja diese Patrone wird auch von einigen Antimaterial-Gewehren verwendet, aber ursprüngliche wurde sie vor dem zweiten Weltkrieges zusammen mit dem Schwere MG - Browning M2 entwickelt, als die noch davor geplante Panzerbüchse in der Entwicklung stecken blieb.

Wir sehen also, dass inchi Kaliber oft einen Namen bekommen, damit sie sich nichts doppeln und dies tun sie oft, den ihnen fehlt im Vergleich zu den metrischen Angaben die Hülsenlänge im Namen. Ich wurde vor nicht allzu langer Zeit mal mit der Behauptung konfrontiert, dass es kein einzigen metrischen Kaliber gäbe wo zwei völlig inkompatible Patronen die kleine Maße X mal Y hätten. Und sogar noch weiter, dass dies gar nicht sein könnte, denn da sobald Beides gleich sei, die Patrone ja überall passen könnte.

Letzteres ist recht leicht zu widerlegen, denn nur weil Geschossdurchmesser und Hülsenlänge bei zwei Waffen und Patronen gleich sind, heißt das nichtm dass auch alles andere auch gleich ist. Eine Patrone hat noch sehr viel mehr Maße - Hülsenhals, Hülsenschulter, Hülsenrand und Hüslenboden um nur ein paar zu nennen. Wäre zb. die Hülsenschulter zu weit vorne, so könnte die Patrone nicht richtig in das Patronenlager eingebracht werden und der Verschluss könnte sich nicht schließen. Wäre die Schulter zu weit hinten, könnte die Patrone weiter ins Patronenlager vorgleiten als eigentlich gedacht, der Verschluss würde zwar schließen, der Schlagbolzen könnte aber der Zündhütchen nicht erreichen.

Jetzt weiter zur Ersten Behauptung, das es keine zwei völlig inkompatiblem Patronen mit den gleichen metrischen Abmessungen gibt.
Doch gibt es: 7,62x39mm.
Ja, werden sich vielleicht einige denken, die Kalaschnikow Patrone 7,62x39mm namentlich oft WP ( Warschauerpackt ) aber eigentlich 7,62x39mm M43 (Model 1943).
Ja, aber es gibt auch 7,62x39mm M1895. 
Ja, werden vielleicht jetzt eine denken. Eine uralte Patrone von irgendwo auf der Welt, die keiner kennt. Nein, die Patrone ist zwar alt, aber die kommt nicht irgendwo her, sondern aus Russland, da wo auch die M43 herkommt und so unbekannt ist Patrone auch nicht, es ist eben jene Patrone, die in dem russischen Nagant-Revolver M1895 verwendet wurde und von dem sind nicht gerade wenige hergestellt worden sind.

Moment mal, werden jetzt einige einwenden, wie können den ein Sturmgewehr und ein Revolver, eine Patrone mit den gleichen Maßen verwenden. Wie gesagt, sagen diese zwei Maße relativ wenig über die Leistung einer Patrone aus.
 
Das sich ab und zu mal schwere Maschinengewehre und Pistolen das gleiche Kaliber teilen sollte schon bekannt sein. schwieriger zu erklären ist hingegen, wie ein Revolver an eine so lange Hülse kommt, vor allem wenn man weiß, das der Nagant-Revolver nicht gerade der Leistungsstärkste seiner Art war. Nun, dies kommt daher, dass es sich bei den Geschossen der Patrone 7,62x39mm M1895 um ein eingelagertes Geschoss handelte, also ein Geschoss welches nicht vorne aus der Hülse herausschaut, sondern um eines, welches von außen nicht zu sehen ist, die Hülse umschließt das Geschoss komplett.

Natürlich, sind M43 und M1895 nicht austauschbar, und können nicht in der jeweils anderen Waffe verwendet werden.

Vergleiche: Waffen-Online.de Artikel: Patronenname

Quellen:
  • Manfred R. Rosenberg und Katrin Hanne, Vom Pulverhorn zum Raketengeschoß Die Geschichte der Handfeuerwaffen-Munition, Stuttgart 1993
  • Reiner Lidschun, Günter Wollert, Infanteriewaffen Illustrierte Enzyklopädie der Infanteriewaffen aus aller Welt bis 1945, Königswinter 1999
  • Günter Wollert, Reiner Lidschun und Wilfried Kopenhagen, Schützenwaffen Heute (1945-1985) Band 1 & 2, Berlin 1998

18 April 2022

Leserfrage: Wie heißen Gewehre bei denen man nach jedem Schuss manuell nachladen muss?

 Hallo und herzlich Willkommen zu einer sehr guten Leserfrage.

Die Frage Lautet: 

"Wie den Waffen heißen bei denen man nach jedem Schuss einzeln nachladen muss? Besonders bezogen auf Scharfschützengewehre."

Als die Notwendigkeit nach jedem Schuss einen Hebeln an der Waffe zu bedienen, um die nächste Patrone in die Kammer zu transportieren, nennt man Repetieren. Man repetiert eine Patrone in die Kammer.

Deswegen ist auch die Meinung der Meisten, dass solche Waffen - Repetiergewehre heißen im Grunde zwar richtig, aber doch etwas unpräzise. Denn, auch andere Waffen müssen repetiert werden, wie Vorderschaft-Repetierter, oder umgangssprachlich "Pumpguns" oder Unterhebel-Repetierer, wie die M1887. Diese sind ebenfalls Repetierter.

Die richtige Antwort lautet Zylinderverschluss, denn die Patronenkammer wird von einem zylinderförmigen Kolben verschlossen. So gut wie alle manuellen Scharfschützengewehre sind also Zylinderverschlussgewehre oder weniger umständlich Gewehre mit Zylinderverschluss.

Kammerverschluss ist auch richtig, denn es ist per Definition einfach ein synonym für Zylinderverschluss, den nur weniger Leute kennen, den eine verschlossene Kammer, hat so gut wie jede Waffe.

Ein Gradzugverschuss, wie einige Scharfschützengewehre fälschlicherweise bei einigen Videospielen genannt werden, ist etwas anderes. Ein Gradzugverschluss, ist ein Verschluss an dem nur gezogen aber nicht gedreht werden muss. Der Schütze muss also lediglich den Kammerstängel ergreifen nach hinten ziehen und anschließend nach vorne drücken.

Es gibt zwar eine handvoll Gradzugverschluss Gewehre die auch gleichzeitig einen Zylinderverschluss besitzen, diese sind allerdings recht knapp besessen, die einzigen von Bedeutung sind das österreichische Mannlicher 1895, das schweizerische K31 aus den 30er Jahren und das deutsche Präzisionsgewehr Blaser R93 Tactical.