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24 Mai 2024

Die Geschichte der 7,92x57mm von der M88 bis zur schweren Spitzpatrone

7,92x57 s.S. (ganz links)
Willkommen zu einem Post zum Thema Waffenkunde oder in diesem Fall Munitionskunde. Es geht um die deutsche 7,92x57mm Patrone in ihrem einzelnen Entwicklungsschritten von der M88 bis zur schweren Spitzpatrone sS.

Schon ab 1870 wollte die Gewehrprüfkommission die damalige M71 Patrone (11 x 60 mm R) durch eine moderne Patrone mit kleinerem Kaliber ersetzen. Tests mit Bleigeschossen ergaben jedoch, dass es bei einem Kaliber unter 11 mm zu starken Bleiablagerungen in gezogenen Läufen kam. Auch Versuche mit Hartbleigeschossen, verlauten lediglich eine Reduzierung auf 9 mm. Erst eine Ummantelung der Geschosse ermöglichte ein Kaliber von 8 mm. Aus diesem Grund, entschied man sich für die Entwicklung einer Patrone mit 8 mm Geschoss. Damalige M71 Gewehre, sollten als M71/84 auf 8 mm Kaliber umgerüstet werden, als Hülse war zunächst eine eingezogene Version der 60 mm langen M71 Patrone geplant.

Der 8mm Lebel Schock

Die Franzosen, der damalige Erzfeind des deutschen Kaiserreiches, führte 1884 mit dem Poudre B erstmal rauchschwaches Pulver in einer Infanteriepatrone ein, welche die Leistung enorm steigerte. Als die Waffe im deutschen Kaiserreich bekannt wurde, war dies ein Schock für das damalige Militär und man verlange sofort die Entwicklung einer ebenbürtigen deutschen Waffe für rauchschwaches Pulver.

M88 Patrone

Die Folge des Lebel Schocks war eine viel zu hastige Entwicklung einer eigenen Patrone. Man verwendete das Kaliber 8 mm, da man dieses zuvor für das geplante M71/84 getestet hatte. Zudem verwendete man eine randlose Hülse aus der Schweiz, welche nach ihrem Entwickler Rubin-Hülse genannt wurde. Als Geschoss wählte man ein langes Rundkopfgeschoss mit großer Masse. Der Grund war die damalige Ansicht, dass ein Geschoss eine möglichst große Querschnittsbelastung aufweisen sollte, um die nötige Stoppkraft gegen die Pferde der Kavallerie zu besitzen.

Das Geschoss sollte im Gegensatz zur M71 eine reine Pressführung erhalten, dabei besitzt ein Geschoss ein Leicht größeres Kaliber als der Lauf der Waffe. Durch das Einpressen in die Züge und Felder wird das Geschoss verformt und erhält so seine Führung. Das M71 hingegen besaß eine Stauchführung, dabei besaß das Geschoss ein mit dem Lauf identisches Kaliber, es wurde jedoch aufgrund seiner länglichen Form und seines Beharrungsvermögens gestaucht und so in die Züge und Felder des Laufes eingepresst.

Die passende Waffen wurde von einer Kommission aus verschiedenen deutschen Waffenentwicklern unter der Oberaufsicht der Gewehrprüfkommission entwickelt. Das Ergebnis wurde das Gewehr Modell 1888 (G88) auch Kommissionsgewehr genannt.

M88 .*. Patrone und *-Patrone

Aufgrund der überhasteten Einführung, ergaben sich immer wieder Probleme. Das erste Problem war ein zu kleiner Geschossraum. Beim setzen der Geschosse, während der Produktion oder dem Wiederladen, konnte sich der Hülsenmund weiten und reißen. Abhilfe schuf die .*.-Patrone (Punkt-Astrix-Punkt) mit erweitertem Geschossraum. Patronen mit nachträglich erweitertem Geschossraum erhielt die Bezeichnung *-Patrone (Astsrix Patrone).

M88 n/A Patrone

Auch der erweiterte Geschossraum führte nicht auf Dauer zur Lösung des Problems, denn auch hier zeigten oft sich feine Risse. Die Lösung bestand in dem Glühen des Hülsenmundes. Durch diese Methode, konnte der Geschossraum sogar wieder die ursprünglichen Maße der M88 bekommen. Die Patrone mit geglühter Hülse erhielt die Bezeichnung Patrone M88 n/A (neue Art).

M88 n/A Pulver 436

Das ursprüngliche Pulver der M88, welches Essigäther als Geliermittel verwendete, hatte die schlechte Eigenschaft sich nach langer Lagerung zu verschärfen. Überlagerte Patrone hatten demnach nicht übliche die Eigenschaft, über Zeit an Gasdruck zu verlieren, sondern zu gewinnen. Da dies durchaus gefährlich sein konnte, änderte man das Pulver zum Pulver 436, welches Schwefeläther als Geliermittel verwendete.

M88/E Einheitspatrone

Als erste Versuche mit im Ausland gekauften Maxim Maschinengewehren durchgeführt wurden, wurden einige dieser Waffen auf die deutsche M88 n/A Patrone umgerüstet. Dabei stellte sich heraus, dass immer wieder zu Abrissen der Hülsenböden kam. Um das Problem zu beheben, wurde die Gewehrprüfkommission damit beauftragt eine Einheitspatrone für Repetiergewehre und Maschinengewehre zu schaffen. Das Ergebnis war 1901 die Einführung der M88/E mit 71/28 Messinglegierung, welche den Belastungen bei der Selbstladefunktion der Maschinengewehre standhielt.

Belastung der Läufe (Militär)

Aufgrund der hektischen Einführung der Patrone, hatte man beim Geschoss vor allem auf eine große Querschnittsbelastung wert gelegt. Das Resultat war ein sehr langes und schweres Rundkopfgeschoss. Zudem hatte man vergessen, neben der gewünschten Pressführung auch die Tauchführung zu berechnen. Das Lange Rundkopfgeschoss stauchte sich wie das M71 Geschoss und nahm so im erstrebten Kaliber deutlich zu. Ergebnis war eine starke Belastung der Gewehrläufe und ein entsprechend schneller verschleißt der Züge und Felder. Dieses Problem wurde 1896 adHoc durch das schneiden tieferer Züge behoben.

Mangelnde Präzision (Jagd)

Ab 1890 wurde die Patrone M88 auch für die Jagd verwendet. Dort stellte sich die Präzision der M88 jedoch als ungenügend heraus. Büchsenmacher, wählten als Lösung ein neues deutlich engeres Laufprofil. Damit ging man im zivilen Bereich den genau umgekehrten Weg. M88 Patronen konnten, zu diesem Zeitpunkt, sowohl aus weiteren Militär, als auch aus engeren Jagdbüchen verschossen werden.

S-Patrone

Unzufrieden mit der M88/E arbeitete die Gewehrprüfkommission ab 1898 an einem besseren Geschoss. Hauptverantwortliche war eine Gruppe um den Hauptmann Thorbeck, dieser erstellte eine Vielzahl an Geschossen, welche alle mit einem Buchstaben, für die Geschossform, und einer fortlaufenden Nummer bezeichnet wurden. In umfangreichen Tests stellte sich das S-2 Geschoss (Spitz No.2) als das beste heraus. Ein kurzes Spitzgeschoss mit geradem Heck und 9,8 g Gewicht. Das lange schwere S-4, welches deutliche Ähnlichkeiten zum späteren sS-Geschoss hatte, wurde als zu langsam und zu teuer in der Fertigung abgelehnt.

Das S-2 hatte einen deutlich kürzeren Führungsteil sowie eine deutlich geringere Querschnittsbelastung, als das M88 Geschoss. Das S-2 neigte es dazu, im Ziel zu taumeln oder sogar dazu sich zu überschlagen. Damit würde ihm eine gute Stoppwirkung, auch gegen Pferde, attestiert. Zudem wurde seine Durchschlagskraft gelobt. Eine Eigenschaft, der zu diesem Zeitpunkt größere Bedeutung beigemessen wurde als noch 1888.

Aufgrund seiner kurzen Bauweise wurde das S-2 Geschoss, im Gegensatz zum M88, kaum noch im Lauf getaucht und besaß wirklich eine reine Pressführung. Was eigentlich ein Vorteil hätte sein können, erweis sich als Nachteil, denn bereits zehntausende Waffen G88 und G98 waren mit tieferen Zügen ausgestattet worden, um M88 Geschosse mit kombinierten Press- und Stauchführung verschießen zu können. Um aus diesen Waffen verschossen werden zu können, erhielt das S-2 ein mit 8,22 mm um 0,2 mm größeres Geschosskaliber. Um das S-2, später vereinfacht nur noch S-Geschoss, verladen zu können, müssten die M88/E Hülsen einen weiteren Mund bekommen. Die geänderten Hülsen würde als S-Hülsen bezeichnet.

Die Kaliberänderung verlange ein Umändern der Waffen. Dazu wurden die Patronenlager von G88 und G98 mit Speziellen Reibahlen auf das neue Maß gerieben. In nicht geänderte G88 und G98 konnte die neue S-Patrone nur mit Gewalt eingeführt werden, gelang dies, könnte die Patrone jedoch gefahrlos verschossen werden. Geänderte G88 erhielten die Beziehung G88S, geänderte G98 sind daran zu erkennen dass deren Lange-Visier bei 400 Metern beginnt, zuvor waren es 200 Meter. Geänderte G88 und G98 können die alte M88 Patrone verschießen, beim Zielen muss jedoch eine um 300 Meter höhere Einstellung verwendet werden.

Zudem wurde ein nun zweibasiges Pulver mit der Bezeichnung 682b verladen, welches deutlich mehr Leistung brachte. Im Zuge der Entwicklung, wurde es später vereinfacht S-Pulver genannt. Dieses besaß einen höheren mittleren Gasdruck, jedoch einen geringeren maximalen Gasdruck (Pmax).

Die S-Patrone wurde auf drängen Kaiser Wilhelms II im geheimen 1903 eingeführt. Erst 1905 geschah dies öffentlich. Mit der Einführung der S-Patrone erscheint das erste mal das Nennkaliber 7,92x57mm, um Verwechslungen mit französischen 8 mm Lebel Beutewaffen zu vermeiden.

SmK-Patrone

Zur Bekämpfung von Schützenschilden und Flugzeugen, wurde während des Ersten Weltkrieges eine Spezialpatrone mit der Bezeichnung Spitz mit Kern, kurz S.m.K., eingeführt. Diese besaß einen gehärteten Stahlkern, ein Gewicht von 11,5g und ein Torpedoheck. Zudem war es deutlich länger als das S-Geschoss der S-Patrone.

Inkompatibilität mit der M88 Jagd

Aufgrund des größeren Kalibers des S-2 Geschosses der S-Patrone ergeben sich erhebliche Probleme, wenn diese aus einer Jagdwaffe mit engeren Zügen verschossen wird. Dieses Problem trat das erste mal zu tage, als im Ersten Weltkrieg, zivile Jagdgewehre an Scharfschützen ausgegeben wurden. Diese enggezogenen Waffen durften nicht mit der S-Patrone, sondern nur mit der M88/E oder älter geladen werden. Aus Sicherheitsgründen, wurden an entsprechenden Waffen Plaketten angebracht, welche vor der Verwendung von S-Munition warnten.

sS Patrone

Schon während des ersten Weltkrieges, wurde ab August 1918 auch eine Patrone mit 12,8 schwerem Geschoss verwendet. Jedoch kam diese nur in schweren Maschinengewehren zum Einsatz, um deren Reichweite zu erhöhen. Das schwere Spitz-Geschoss, kurz sS, besaß zwar, wie das S-4 der Thorbeck-Gruppe, eine geringere Mündungsgeschwindigkeit, jedoch ab 400 Meter eine größere Endgeschwindigkeit als das S-Geschoss. Es war zudem deutlich länger und besaß ein Torpedoheck.

Nach Kriegsende verwendete die Reichwehr der Weimarer Republik sS-Patronen ausschließlich für Maschinengewehre und S-Patronen für Gewehre und Karabiner, was die Logistik erschwerte.

1924 unternahmen die Tschechen erste Versuche mit schweren Geschossen in Infanteriegewehren und verkürzten Universalgewehren. Dabei stellte sich heraus, dass das Universalgewehr vz.24 mit schwerem Geschoss nicht mehr so stark an grellem Mündungsfeuer und lautem Mündungsknall litt, wie bei Verwendung des S-Geschosses. Die Folge war, das viele Staaten nun Mausergewehre mit mittlerer Länge den langen Infanteriegewehren vorzugen. Es worden nun sogar deutlich kürzere Waffen wie der vz.33 (später G98/29) möglich.

Nach der Machtergreifung in Deutschland und im Zuge der Widerbewaffnung, wurde zunächst 1934 die Produktion der S-Patrone gestoppt. Vorhandene Vorräte wurden zum Übungsschießen verwendet. 1935 wurde mit dem Kar98k ein Universalgewehr für die sS-Patrone eingeführt.

Bezeichnungen I und IS

Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg wurde die Anzahl an Kriegswaffen im Deutschen Reich deutlich begrenzt. Der private Besitz von Waffen für Militärpatronen wurde verboten. So verschwanden Jagdwaffen für die M88 offiziell aus dem privatem Besitz. Erst als sich ab 1933 die Situation änderte, tauchten diese wieder auf und wurden zur Jagd verwendet.

Zudem brachten einige Waffenhersteller Modelle auf den Markt, welche für die S-Patrone eingerichtet waren, wie den Sauer K18 von Sauer und Sohn. Das Problem bestand nun darin, dass die alten Waffen für die M88 Patrone und die neuen für die S-Patrone auf dem Papier mit 7,92x57mm die gleiche Patrone verschossen, jedoch zu einander inkompatibel waren. Der Grund dafür waren die engeren Züge vielen ziviler Jagdwaffen, im Vergleich zu den erweiterten Zügen militärischer M88 und S-Patronen Waffen.

Im besten Fall lies sich eine S-Patrone nicht gewaltlos in das Patronenlager einer M88 Jagdbüchse einführen. Im schlechtesten Fall konnte die S-Patrone zwar eingeführt und sogar geründet werden. Folge war meist eine Waffensprengung. Ursache dafür war meist eine Kombination aus dem größeren Kaliber der S-Patrone, dem engeren Laufprofil der M88 Jagdbüchsen und dem Leistungsfähigeren 682b Pulver der S-Patrone.

Um Unfälle zu vermeiden, wurde 1939 eine Normierungsorder herausgegeben, welche die jagdlich modifizierte M88 Patrone und ihre Büchsen unter der Zeichnung I (Infanterie) zusammenfasste. Auf der anderen Seite wurden Patronen und Büchsen für S- und sS-Patrone als IS (Infanterie Spitz) zusammengefasst.

Grund war auch, dass selbst 1939 bei Kriegsbeginn noch zivile Jagdgewehre von Scharfschützen verwendet wurden und eine Unterscheidung zwischen der modifizierten M88 und der sS-Patrone dringet nötig war.

Falschbezeichnung 8x57 mm Jagd Stark

Nach der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg, gelangen eine Menge Waffen für die Patrone 7,92x57mm sS in die Hände der US-Amerikaner, welche die Waffen ausgiebig analysierten. Dabei wurde die Waffen nicht als 7,92 mm, sondern als 8mm klassifiziert. Da in den USA, das Kaliber nicht nach dem Feld-Feld, sondern dem Zug-Zug-Kaliber gemessen wird, ergaben sich anderen Messwerte. Nach eine Abrundung wurde das Kaliber als 8 mm Mauser bezeichnet, obwohl Mauser mit der Entwicklung der Patrone nichts zu tun hatte.

Da den meisten Amerikanern die damals in deutschen Dokumenten verwendete Frakturschrift unbekannt war, wurde das (I für Infanterie) als J gelesen und entsprechend eingetragen. Dies führte zu den falschen Bezeichnungen J und JS. Laien behaupten oft, das J würde dabei für das Wort Jagd stehen.

Für Anfänger existiert eine immer wieder angebotene Eselsbrücke, bei welcher das S bei IS fälschlicherweise als stark denn als spitz gelesen wird. Auf diese Weise soll sich der Laie, den Unterschied durch das größere Kaliber der IS besser merken können. Aus diesem Grund, hört man bei Laien häufig die Behauptung, IS/JS stände für Infanterie stark/Jagd stark. Dabei handelt es sich jedoch um Irrtum, den selbst jagdliche Fachliteratur wie Alles über Munition für Jagdwaffen in Theorie und Praxis von Wolfgang Rausch bezeichnet Auf Seite 25 die S-Patrone als Spitz. Auch im Waffenrecht findet sich der Ausdruck stark nicht, so wird im Standardwerk Waffenrecht Band 2: Waffenkunde, Munitionskunde von Andreé Busche IS als Infanterie Spitz erklärt.

Es handelt sich demnach um eine weitere war gewordene Eselsbrücke.

Grundlagen:

  • Mauser Military Rifles von Niel Grant
  • Die deutschen Militärgewehre und Maschinenpistolen 1871-1945 von Hans-Dieter Götz
  • Mauser Rifles Vol. 1 1870-1918 von Luc Guillou
  • Mauser Rifles Vol. 2 1918-1945 von Luc Guillou
  • Waffensammeln Waffen-Technik 1/87 Karabiner 98 K unter Christian Schönfeld
  • Die Handwaffen des brandenburgisch-preußischen Heeres 1640-1945 von Werner Eckhardt & Otto Morawietz
  • Patronen des 20. Jahrhunderts von J. Lenselink, H.E. Wanting, W.D. de Hek
  • Gewehr & Karabiner 98, Die Schußwaffen 98 des deutschen Reichsheeres von 1898 bis 1918 von Dieter Stolz
  • Mauser Bolt Rifles von Ludwig Olsen
  • Waffen Revue Nr.1 Juni 1971 unter Karl R. Pawlas
  • Alles über Munition für Jagdwaffen in Theorie und Praxis von Wolfgang Rausch
  • Visier Special Ausgabe 56 Repetierfamilie System 98 unter Matthias S. Reckenwald

24 April 2022

Haben G3 und AK47 das gleiche Kaliber?

 Hallo und herzlich Willkommen,

also ich bekomme in letzter Zeit eine menge Streit mit, ob denn Ak47 und G3 nun das gleich Kaliber haben und welche Patrone / Munition man denn jetzt aus welche Waffe abfeuern kann.

Als erste mal zur Kernfrage, ob beide Waffen das gleiche Kaliber haben.

Wer meine Kaliber, Patrone und Munition Serie verfolgt hat, der weiß natürlich die Antwort und diese lautet - Ja. Das Heckler&Koch G3 und die russische AK47 haben beide das Kaliber 7,62mm.

Wer mehr als nur gut auf gepasst hat weiß allerdings auch, dass es sich bei den beiden Angabe um nominal Kaliber handelt könnte und da habt ihr auch Recht. Leider komm ich an die genau Innenlauf Abmessung nicht heran aber die genauen Geschossdurchmesser habe ich zur Hand und diese wären:
7,85mm bei der AK47 (7,62x39mm M43)
7,85mm beim G3 (7,62x51mm Nato)
Also erstaunlicherweise gleich, es ist also nicht nur das nominal Kaliber gleich. Es kann jetzt natürlich auch sein, dass der G3 Lauf innen enger ist als jener der AK47.

M43 links und 7,62x51 Nato rechts
Kann man jetzt tatsächlich AK47 Munition aus einem G3 verschießen? Nein, denn die Hülsen haben eine andere Form. Da die Nato Hülse länger ist, würde sich der Verschluss der Ak47 nicht schließen können, die M43 Patrone hingegen würde durch ihre kürzere Baumform vermutlich einfach im Patronenlager durchrutschen und vom Zündstift des G3 nicht mehr erreicht werden können.

Wenn man schon die Patrone nicht austauschen kann, kann man denn wenigstens das Projektil austauschen? Diese Frage kann ich leider nur theoretisch beantworten, denn ich bin leider nicht im Besitzt entsprechender Läufe. Rein theoretisch, könnte man wahrscheinlich ein M43 Geschoss durch einen G3 Lauf treiben, aber da Züge, Drall und Pulver auf ein anders geformten Geschoss abgestimmt sind, sehe ich bei einer vernünftigen Trefferpunktlage - schwarz.

So jetzt zum spannenden Teil und zwar zu der Behauptung, man könnte hergehen und G3 Munition im AK47 verschießen und oder umgekehrt. Ursprung dieser Behauptung ist, dass man von einigen Bundeswehrausbildern immer wieder zu hören bekommt, man könnte mit dem G3 zur Not auch AK47 Munition verschießen.

Ich sehe formlich die Fragezeichen in euren Augen .. oder auch Ausrufungszeichen, ja nach Gemütslage.

Im Grunde ist diese Behauptung natürlich falsch, aber hinter jeder Behauptung steckt auch ein bissen Wahrheit und diese heißt HK32. Das HK32 war eine Umentwicklung des G3 und verwendete wirklich die AK47 Patrone M43 und sogar deren Magazine. Es ist nicht ganz klar, ob man dies tat um die Magazine potentieller Feinde in den Ostblockstaaten verwenden zu können oder ob man bei Heckler und Koch einfach neue Märkte erschließen wollte. Fakt ist jedoch, es gibt grob gesagt eine Version des G3, welche AK47 Munition verscheißen kann. Der oder die Ausbilder haben, dies allerdings falsch aufgenommen und noch unkorrekter weitergegeben.

Wo das HK32 eine ziemliche Rarität darstellt, da ist der Konterpart, als die AK47 Version mit G3 Munition schon etwas häufiger anzutreffen und zwar in ehemaligen Jugoslawien. Dort war man der Meinung, dass die Westpatrone viel besser zur Militärdoktrinen des Landes passen würde. Genannt haben sie das Endergebnis dieser Verschmelzung zwischen Ost und West dann, Zastava M77. Soweit ich das in Erinnerung habe, verwendete dieses aber keine reguläre Nato Munition sondern Munition mit geringere Treibladung.

Es gibt also zwei Versionen der beiden Waffen, welche die Patronen der jeweils anderen verwenden, das sollte der Ursprung dieser Gerüchte sein.

Quellen:
  • Manfred R. Rosenberg und Katrin Hanne, Vom Pulverhorn zum Raketengeschoß Die Geschichte der Handfeuerwaffen-Munition, Stuttgart 1993
  • Reiner Lidschun, Günter Wollert, Infanteriewaffen Illustrierte Enzyklopädie der Infanteriewaffen aus aller Welt bis 1945, Königswinter 1999
  • Günter Wollert, Reiner Lidschun und Wilfried Kopenhagen, Schützenwaffen Heute (1945-1985) Band 1 & 2, Berlin 1998

22 April 2022

Munition - Unterschied zwischen Kaliber, Patrone und Munition

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zum nunmehr letzten Teil der "Kaliber, Patrone, Munition" Reihe. Es tut mir leid, dass dieser Teil erst heute kommt, aber es gab da eine kleine Diskussion über die Korrektheit meiner Ausführung, welche jetzt auch entsprechen einfließen wird.

So, wie ihr im Titel lesen konntet, geht es heute um Munition. Was Munition ist, weiß sicherlich jeder, Munition kommt in eine Waffe, ohne funktioniert diese nämlich nicht so gut.

Aber wie unterscheidet sich der Begriff Munition von den begriffen Kaliber und Patrone. Dazu stellen wir wie immer die Frage: Gibt es Patronen die zwar die exakt gleichen Maße haben aber trotzdem in einer Waffe funktionieren und in der anderen nicht? Oder etwas ungenauer in einer Behauptung, welche ich erst neulich so lesen musste:

Wenn eine Waffe das Kaliber 5,56x45mm Nato hat, dann kann sie auch alle 5,56x45mm Patronen verschießen.

Nein, nur weil eine Waffe mit einer Patrone mit gewissen Maßen umgehen kann, also diese wegen ihrer Form dort hinein passen, heißt das nicht, dass sie auch mit jeglichem Material, jeglicher Ladung und jeglichem Geschoss umgehen kann.

Wie die meisten sicher wissen, bestehen die meisten Hülsen aus Messing, aber es gibt einige Waffen, die damit nicht gut zurechtkommen, bei einigen liegt das lediglich daran, das beim Ausziehen der Hülsen zuviel Reibung auftritt, dann wird die Hülse meist einfach lackiert - bei anderen hingegen, wirken zu starke Kräfte auf die Hülse, als dass man sie aus Kupfer fertigen könnte. Diese Hülsen fertigt man dann meist aus Aluminium oder in ganz harten Fällen aus Stahl wie in nachfolgenden Beispiel.
5,45x45mm Nato SS109
5,45x45mm Nato SS109 Steel or French-made
Das Famas, verwendet zwar 5,56x45mm Nato Patronen, aber durch ihren übersetzten Masseverschluss, ist die Hülse enormen Belastungen ausgesetzt und muss deswegen aus Stahl gefertigt werden, die Verwendung von regulärer Nato Munition mit Messinghülse würde unter dem Druck zerreißen. Unüblicherweise, ändert sich der Name der Munition - SS109 - hier nicht, oft wird einfach nur ein Steel oder "French-made" angehängt.

Darüber hinaus, gibt es noch eine ganze Reihe von Waffen, vor allem leichte Maschinengewehre, welche nur mit laktierten Hülsen zurecht kommen. Der Name der Munition ändert sich auch hier eher selten.

Wie sicherlich jeder weiß, hat jede Patrone eine Ladung, also eine gewisse Menge an "Schießpulver". Nimmt man mehr davon, so erhöht sich der Gasdruck, dieser kann je nach System schon den kompletten Ablauf der Waffe durcheinanderbringen. Aber damit nicht genug, es gibt auch noch verschiedenste Arten von "Schießpulver" und dieses kann auch noch in verschiedensten Formen austreten, zb. in Stäbchen-, Plättchen- oder Kugelform. Diese wiederum können verschiedenen Größen und Längen besitzen. Die Form ist maßgeblich dafür, wie schnell das Pulver abbrennt. Die Summe aus Menge, Form und Große des Pulvers bildet die Laborierung. Hier zwei Beispiele:
7,62x51mm Nato
7,62x51mm CETME
Erste sollte wohl jedem bekannt sein, die erste einheitliche Patrone der Nato, welche unter anderem im Heckler und Koch G3 Verwendung findet. Die andere jedoch 7,62x51mm CETME sollte wohl wenigen von euch etwas sagen. Das "CETME Modelo B" ist ein Vorgänger des deutschen G3, verwendet also ebenfalls einen durch Rollen übersetzten Masseverschluss. Das Modelo B kommt übrigens aus Spanien. Die Spanier mochten zwar die 7,62x51mm Patrone aber die 7,62x51mm Nato Munition war ihnen viel zu stark geladen und hatte einen viel zu hohen Rückschlag, als dass man damit hätte effektives automatischen Feuer abgeben können. Also gingen die Spanier her und reduzierten einmal die Menge an Pulver und zusätzlich noch das Gewicht des Geschosses. So entstand die 7,62x51mm CETME Patrone. Natürlich musste man jetzt auch hergehen und den Widerstand des Verschlusses des Modelo B verringern, damit der schwächere Druck der neuen Munition, diesen überhaupt öffnen kann. Als Resultat haben wir jetzt zwei Gewehre die beinahe gleich aufgebaut sind, aber zwei verschiedenen Sorten von Munition verwenden, kann man die Munition austauschen? Theoretisch - ja, denn die Patronen haben die gleichen Maße, passen also, ob sie auch funktionieren? Nein - oder zumindest nicht richtig. Zündet man CETME Munition im G3, so wäre der Gasdruck nicht stak genug, um den Verschluss ganz zu öffnen, die Patrone würde also zünden und der Schuss würde abgegeben, aber wahrscheinlich würde die Automatik nicht richtig ablaufen und der Schütze müsste jede Patrone manuell fertigladen. Zündet man hingegen reguläre Nato Munition im Modelo B, so wäre der Gasdruck viel zu hoch, der Verschluss würde sich öffnen, lange bevor der Gasdruck im Lauf auf ein ungefährliches Maß abgesunken wäre, dadurch könnte es zu Hülsenreißern oder schlimmeren kommen.

Des weiteren seien hier nur kurz das Beispiel dreier japanischer Munitionssorten aufgeführt. Die Japaner änderten ihre Gewehrmunition zwei mal ab, einmal mit etwas weniger Pulver für ihr leichtes Maschinengewehr und einmal mit rauchreduziertem Pulver und leicht verändertem Projektil für ihr Scharfschützengewehr. Die Japanischen LMGs verwendeten Munition mit weniger Pulver um dessen Feuerrate zu senken, verwendete man die reguläre Gewehrmunition in diesen Waffen so stiegen deren Schüsse pro Minute auf ein unkontrollierbares Maß an und der Verschleiß der Waffen war, durch die höhere Belastung der einzelnen Bauteile, enorm. Die Reduzierung der Ladung bei der Munition der Scharfschützenwaffen, hatten dagegen die Hintergrund, dass das Mündungsfeuer nicht zu sehen sein sollte. Allerdings gab es oft Probleme mit der Logistik, weswegen die japanischen Scharfschützen gezwungen waren reguläre Gewehrmunition zu verwenden. Eine Folge von dessen höhere Ladung war, das jetzt die Visierlinien in den Zielfernrohren der Waffen nicht mehr stimmten, außerdem waren die Mündungsfeuer jetzt wieder gut zu erkennen.

Jetzt zum letzten Punkt, den Projektil. Wie wir von den Spaniern und Japanern nun mehr wissen, gibt es Geschosse die schwere und leichter sein können, das hat zwar Auswirkungen aus dessen Flugbahn, aber die Mechanik wird bei Mehrladern nur selten wirklich berührt. Was die Mechanik wirklich interessiert ist die Geschossform, FMJ also Full metal Jacket sollte wohl jedem ein Begriff sein, aber Hollowpoint - da hört es bei den meisten auch schon auf, besonders da diese im militärischen Bereich selten vorkommen, anders als zum Beispiel in der Jagd. Kurz gesagt ist FMJ Munition also Vollmantelmunition wie ein Schwert und Hollowpoint also Hohlspitz Munition wie ein Hammer - also an der Spitze eher flach. Und damit haben machen Waffen, besonders ältere Modelle von Selbstladepistolen so ihre Probleme. So kommt es bei machen Colt M1911 Modellen in Verbindung mit Hohlspitzmunition immer wieder zu Zuführstörungen.

Also kommen wir zu dem Schluss, nur das auf einer Waffe eine Patronengröße angegeben ist, heißt das noch lange nicht, dass man dort auch alles mit der selben Größe hineinstopfen darf. Was man darf erfährt man mit Glück aus dem beiliegendem Handbuch.

Ich schließe die Riehe mit einem Zitat ab:
"Don't use anything in your M1 Garand, but factory M2 Ball."
Verwende nichts in deinem M1 Granad als M2 Ball Munition aus der Fabrik.

Vergleiche: Waffen-Online.de Artikel: Munitionssorte

Quellen:
  • Manfred R. Rosenberg und Katrin Hanne, Vom Pulverhorn zum Raketengeschoß Die Geschichte der Handfeuerwaffen-Munition, Stuttgart 1993
  • Reiner Lidschun, Günter Wollert, Infanteriewaffen Illustrierte Enzyklopädie der Infanteriewaffen aus aller Welt bis 1945, Königswinter 1999
  • Günter Wollert, Reiner Lidschun und Wilfried Kopenhagen, Schützenwaffen Heute (1945-1985) Band 1 & 2, Berlin 1998

21 April 2022

Patronenamen - Unterschied zwischen Kaliber, Patrone und Munition

Hallo und Willkommen zurück.

Zusätzlich zu ihren inchi und metrischen Maßangaben, bzw. Nominalkalibern haben mache "Kaliber" zusätzlich noch Namen, besonders verbreitet ist dies unter den inchi Kalibern. Eigentlich hat jede Patrone einen Namen, es kommt nur darauf an, wie oft dieser genannt wird. So gibt es zum Beispiel mehrere Kaliber .50 Patronen.
.50 AE ( Action Express )
.50 Beowulf
.50 BMG ( Browning Mashinegun )
Dies sind nur die drei bedeutendsten. Erste ist eine Hochleistungspatrone für Pistolen, zweite ebenfalls eine Patrone mit gesteigerter Leistung, diesmal allerdings für Gewehre. Letztere ist eine Patrone für schwere Maschinengewehre, ja diese Patrone wird auch von einigen Antimaterial-Gewehren verwendet, aber ursprüngliche wurde sie vor dem zweiten Weltkrieges zusammen mit dem Schwere MG - Browning M2 entwickelt, als die noch davor geplante Panzerbüchse in der Entwicklung stecken blieb.

Wir sehen also, dass inchi Kaliber oft einen Namen bekommen, damit sie sich nichts doppeln und dies tun sie oft, den ihnen fehlt im Vergleich zu den metrischen Angaben die Hülsenlänge im Namen. Ich wurde vor nicht allzu langer Zeit mal mit der Behauptung konfrontiert, dass es kein einzigen metrischen Kaliber gäbe wo zwei völlig inkompatible Patronen die kleine Maße X mal Y hätten. Und sogar noch weiter, dass dies gar nicht sein könnte, denn da sobald Beides gleich sei, die Patrone ja überall passen könnte.

Letzteres ist recht leicht zu widerlegen, denn nur weil Geschossdurchmesser und Hülsenlänge bei zwei Waffen und Patronen gleich sind, heißt das nichtm dass auch alles andere auch gleich ist. Eine Patrone hat noch sehr viel mehr Maße - Hülsenhals, Hülsenschulter, Hülsenrand und Hüslenboden um nur ein paar zu nennen. Wäre zb. die Hülsenschulter zu weit vorne, so könnte die Patrone nicht richtig in das Patronenlager eingebracht werden und der Verschluss könnte sich nicht schließen. Wäre die Schulter zu weit hinten, könnte die Patrone weiter ins Patronenlager vorgleiten als eigentlich gedacht, der Verschluss würde zwar schließen, der Schlagbolzen könnte aber der Zündhütchen nicht erreichen.

Jetzt weiter zur Ersten Behauptung, das es keine zwei völlig inkompatiblem Patronen mit den gleichen metrischen Abmessungen gibt.
Doch gibt es: 7,62x39mm.
Ja, werden sich vielleicht einige denken, die Kalaschnikow Patrone 7,62x39mm namentlich oft WP ( Warschauerpackt ) aber eigentlich 7,62x39mm M43 (Model 1943).
Ja, aber es gibt auch 7,62x39mm M1895. 
Ja, werden vielleicht jetzt eine denken. Eine uralte Patrone von irgendwo auf der Welt, die keiner kennt. Nein, die Patrone ist zwar alt, aber die kommt nicht irgendwo her, sondern aus Russland, da wo auch die M43 herkommt und so unbekannt ist Patrone auch nicht, es ist eben jene Patrone, die in dem russischen Nagant-Revolver M1895 verwendet wurde und von dem sind nicht gerade wenige hergestellt worden sind.

Moment mal, werden jetzt einige einwenden, wie können den ein Sturmgewehr und ein Revolver, eine Patrone mit den gleichen Maßen verwenden. Wie gesagt, sagen diese zwei Maße relativ wenig über die Leistung einer Patrone aus.
 
Das sich ab und zu mal schwere Maschinengewehre und Pistolen das gleiche Kaliber teilen sollte schon bekannt sein. schwieriger zu erklären ist hingegen, wie ein Revolver an eine so lange Hülse kommt, vor allem wenn man weiß, das der Nagant-Revolver nicht gerade der Leistungsstärkste seiner Art war. Nun, dies kommt daher, dass es sich bei den Geschossen der Patrone 7,62x39mm M1895 um ein eingelagertes Geschoss handelte, also ein Geschoss welches nicht vorne aus der Hülse herausschaut, sondern um eines, welches von außen nicht zu sehen ist, die Hülse umschließt das Geschoss komplett.

Natürlich, sind M43 und M1895 nicht austauschbar, und können nicht in der jeweils anderen Waffe verwendet werden.

Vergleiche: Waffen-Online.de Artikel: Patronenname

Quellen:
  • Manfred R. Rosenberg und Katrin Hanne, Vom Pulverhorn zum Raketengeschoß Die Geschichte der Handfeuerwaffen-Munition, Stuttgart 1993
  • Reiner Lidschun, Günter Wollert, Infanteriewaffen Illustrierte Enzyklopädie der Infanteriewaffen aus aller Welt bis 1945, Königswinter 1999
  • Günter Wollert, Reiner Lidschun und Wilfried Kopenhagen, Schützenwaffen Heute (1945-1985) Band 1 & 2, Berlin 1998

20 April 2022

Patrone - Unterschied zwischen Kaliber, Patrone und Munition

Hallo und Willkommen zurück zum nächsten Teil.

Jetzt geht es weiter mit der Patrone, die Patrone bestimmt vor allem die Form der Hülse und in einem gewissen Rahmen auch die des Geschosses.

Ich wurde vor eine ganzen Weile mal gefragt, warum man denn das so bekannte 9mm auch 9x19mm nennt, es gäbe je schließlich nur ein 9mm. Das ist leider falsch, es gibt eine ganze Reihe von 9 Millimetern oder eher 9mm Patronen.
9x17mm
9x18mm
9x19mm
9x21mm
9x23mm
9x39mm
Um nur die Wichtigsten zu nennen, erste ist eine extrem kurze Patrone für sogenannte Westentaschenpistolen, also Pistolen die nicht größer sind als eine menschliche Hand. Letztere dagegen ist eine Patrone für schallgedämpfte russische Spezialschützengewehre.

Wir sehen also, die Leistung einer Patrone hängt nicht nur vom Kaliber ab, sondern viel mehr von dem Was hinter Kugel steht, also der Pulverladung. Mehr Pulver bedeutet in jedem Fall mehr Geschwindigkeit und auch mehr Kraft. Wie sicher jeder weiß, wird das Pulver in der Patronenhülse gelagert und um desto länger diese ist um so mehr Pulver findet dort Platz. Und genau das, wird durch die zweite Zahl angegeben, also die ungefähre Länge der Hülse, wie beim nominal Kaliber auch, geht es hier eher um ungefähre Werte.

Leider kann man von dieser Angabe alleine, nicht sofort auf die genau Leistung der Patrone schießen. Denn es gibt viele unterschiedliche Formen von Hülsen. Grade Hülsen, also Hülsen, bei denen die Hülse fast den gleichen Durchmesser hat wie das Geschoss. Diese Art ist bei Pistolen am weitesten verbreitet, auch wenn nicht alle Pistolen diese Art der Hülse verwenden und auch obwohl es auch vereinzelt Gewehre gibt, die grade Hülsen verwenden. Die am weitesten verbreiteten nicht graden Hülsen sind sogenannte Flaschenhülsen oder genauer Patronen mit Flaschenhals. Diese sind bei Gewehren weit verbreitet, auch wenn es vereinzelt auch Pistolen mit dieser Art Hülse gibt. Flaschenförmige Patronen, können natürlich um ein einiges mehr an Pulver aufnehmen, als Gradlinige mit identischen Kaliber und haben da durch um einiges mehr an Leistung.

Kurz etwas zur Aussprache, diese ist nämlich im metrischen System um einiges einfacher und folgt den gängigen mathematischen Regeln, wie wir sie in der Schule gelernt haben. Nehmen wir uns als Beispiel mal die bekannte 5,45x45mm - Die Zahl vor dem Komma, spricht man als ganze Zahl aus, bei der 5 (Fünf) ist das noch einfach aber bei 12mm würde man Zwölf Millimeter Sagen und nicht Eins Zwei Millimeter. Die Zahlen hinter dem Komma, werden allerdings einzeln aufgezählt. Also 5,45 - sprich Fünf Komma Vier Fünf. Man kann allerdings das Komma auch weglassen, das ist zwar mathematisch nicht korrekt aber es ist üblich. Also 5,45 ( Fünf Vier Fünf ). Kommen wir zu dem x, welche man einfach im Deutschen als Mal ausspricht, hier gibt es drei Schreibmöglichkeiten, die einfachste besteht daraus, einfach ein kleingeschriebenes X zu verwenden, die zweite eher unübliche besteht in Verwendung dieses Zeichens ×, dies ist das offizielle Malzeichen wie man es zb. bei Wikipedia sieht, sollte ich in Zukunft einmal herausfinden, wie man dieses Zeichen mit einer deutschen Tastatur erzeugt, sage ich euch umgehen bescheid. Die dritte Möglichkeit die vor eine paar Jahre mal aktuell war, von der man dann aber Abstand genommen hat ist die Verwendung des Hoch-Sternchens * ( 5,45*45mm ), man sieht es zwar immer noch häufig, besonders im englischsprachigen Raum, aber es wird nicht mehr gern benutzt. Kommen wir aber zum Ende der Aussprache, die Zahl hinter dem Multiplikatorzeichen, welches auch immer ihr wählen mögt. Diese wird, sollte es sich um eine ganze Zahl handeln auch wie eine ausgesprochen also im ganzen. 5,45x45mm - Fünf (Komma) Vier Fünf mal Fünfundvierzig Millimeter. Ganz wichtig ist auch, dass metrische Patronenangaben kein er bekommen. es heißt also nicht Fünfundvierziger sondern Fünfundvierzig.

Sprachlich im Zusammenhang mit einer Waffe sagt man also nicht: Die MP5 hat das Kaliber 9x19mm. Sondern: Die MP5 verwendet 9x19mm Patronen. Oder sprachlich etwas schöner: Die MP5 ist gekammert für 9x19mm Patronen oder sie ist eingerichtet für Patronen 9x19mm.

Nichts desto trotz hat sie immer noch das Kaliber 9mm.

Vergleiche: Waffen-Online.de Artikel: Patronenabmessung

Quellen:
  • Manfred R. Rosenberg und Katrin Hanne, Vom Pulverhorn zum Raketengeschoß Die Geschichte der Handfeuerwaffen-Munition, Stuttgart 1993
  • Reiner Lidschun, Günter Wollert, Infanteriewaffen Illustrierte Enzyklopädie der Infanteriewaffen aus aller Welt bis 1945, Königswinter 1999
  • Günter Wollert, Reiner Lidschun und Wilfried Kopenhagen, Schützenwaffen Heute (1945-1985) Band 1 & 2, Berlin 1998

19 April 2022

Kaliber - Unterschied zwischen Kaliber, Patrone und Munition

Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von: Feuerwaffentechnik versucht Waffentechnik zu erklären und zwar so, dass es möglichst Jeder versteht.

Also ich wurde gefragt ob man die Begriffe Kaliber, Patrone und Munition einfach auswechseln darf oder ob das nicht ohnehin alles das Gleiche sei.

Nein, man darf diese Begriffe nicht durcheinanderschmeißen. Überhaupt bin ich der Meinung, dass man überhaupt nur sehr wenige Begriffe einfach auswechseln darf, egal ob in oder außerhalb der Waffentechnik.

Aber genug davon, auf zum ersten Begriff - Kaliber, dies hat meist herzlich wenig mit der Kugel zu tun, sondern bezieht sich auf den Innendurchmesser des Laufes der Waffe und zwar von Feld zu Feld, wenn welche vorhanden sind. 

Jetzt muss ich erst "Feld" erklären, wie ihr sicher wisst, haben so gut wie alle modernen Waffen einen gezogenen Lauf, also eine Art Spirale, die das Geschoss dazu verleitet sich zu drehen. Wenn man also von vorne in den lauf schauen würde (Macht das ja nicht, das ist extrem gefährlich) sieht man etwas was aussieht wie ein nach innen gedrehtes Zahnrad, die vorstehenden Teile also sozusagen die Zähne, sind die Felder. Der Abstand zwischen zwei Feldern ergibt das (Feld-)Kaliber der Waffe.
"Wenn man also eine Waffe hat, die von Feld zu Feld, 9mm Abstand aufweist, dann hat diese Waffe das Kaliber 9mm?"
Ja, das real Kaliber 9mm. Die Realität ist aber, dass meist nicht das Real-Kaliber genannt wird, sondern das Nominal-Kaliber. Die wenigsten Waffen haben wirklich das Kaliber was angegeben ist, sondern meist wird hier gerundet oder anderweitig getrickst, das hat verschiedenen Gründe aber später dazu mehr.

Die Antwort, auf die Frage, welches Kaliber eine Waffe hat, lautet also entweder, metrisch zb. 9mm (Sprich: neun Millimeter) oder inchi zb. .45 (sprich: Kaliber fünfundvierzig). Man antwortet also korrekt immer mit einer Maßangabe in Millimetern oder Hundertstel Inch.

Hier ein kleiner Einschub zum Thema, Inch und wie man durch die Verwendung dieser Maße auf .45 rauskommt. Wie jeder weiß, der schon mal einen Taschenrechner eingestellt hat, benutze man in Amerika, nicht das Komma zum trennen von Kommastellen sondern den Punkt. Also ist recht leicht zu erkennen, dass .45 für 0.45 Inch (sprich: Null Punkt Fünf Vier Inch)  steht, also auf deutsch 0,45 Inch (sprich: Null Komma Fünf Vier Inch). Nur hat man eben angefangen sich die Null zu sparen und man sagt nicht Null Punkt - sondern Kaliber.

Zur Korrekten Aussprache der Inch-Kaliber kann ich leider nicht genaues sagen, den obwohl die meisten zweistelligen Kaliber, als Vollzehner ausgesprochen werden.
.45 sprich Kaliber Fünfundvierzig,  
.38 sprich Kaliber Achtunddreißig, 
.22 sprich Kaliber Zweiundzwanzig,
.50 sprich Kaliber Fünfzig 
So ändert sich die bei dreistelligen Zahlen meist, besonders wenn eine Null in der Mitte liegt, dann werden die Zahlen oft separat aufgezählt.
 .308 sprich Kaliber Drei Null Acht 
 .303 sprich Kaliber Drei Null Drei 
Mache dreistellige Kaliber, spricht man aber auch wiederum als ganze Zahl aus .300 sprich Kaliber Dreihundert - wieder andere hört man mal so mal so...
.338 sprich Kaliber Drei Drei Acht
oder
.338 sprich Kaliber Dreihundertachtunddreißig. 
Eine feste Regel gibt es hier also nicht, jedenfalls ist mir keine Bekannt.

Aber wieder zurück zum Kaliber, denn es heißt nicht: Die MP5 hat das Kaliber 9x19mm. Denn das Kaliber hat noch nichts mit der Länge der Patronenhülse zu tun. Richtig ist nur: Die MP5 hat das Kaliber 9mm. Denn das Kaliber ist nur der Innendurchmesser des Laufes, wenn man von einer Waffe Spricht.

Spricht man hingegen von Munition, so sagt man entweder: Diese Munition ist für Waffen im Kaliber 9mm. Also dass diese Munition für die Verwendung in 9mm Waffen gedacht ist oder: Diese Munition hat das Kaliber 9mm. Diese Aussage wird zwar nur selten korrekt gemacht, aber dann meint man den Durchmesser des Geschosses an der dicksten Stelle.

Die Unterscheidung im vorherigen Block, macht man heute meist so nicht mehr, sie stammt viel eher aus einer Zeit, in der der Maßunterschied zwischen Lauf und Geschoss relativ groß war, damit man die Kugel einfacher laden konnte, sieh dazu Vorderlader.

Trotzdem wird von Unkundigen immer wieder das Gegenteil behauptet 

Ah, es sieht so aus, als müsste ich den Beitrag wieder ein mal teilen. Also, wir sehen uns im nächsten Teil.

Vergleiche: Waffen-Online.de Artikel: Kaliber

Quellen:
  • Manfred R. Rosenberg und Katrin Hanne, Vom Pulverhorn zum Raketengeschoß Die Geschichte der Handfeuerwaffen-Munition, Stuttgart 1993
  • Reiner Lidschun, Günter Wollert, Infanteriewaffen Illustrierte Enzyklopädie der Infanteriewaffen aus aller Welt bis 1945, Königswinter 1999
  • Günter Wollert, Reiner Lidschun und Wilfried Kopenhagen, Schützenwaffen Heute (1945-1985) Band 1 & 2, Berlin 1998