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19 März 2023

Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader per Hebel ins Langsame übersetzter Masseverschluss (Angeblich)

Angebliche Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch direkten Gasdruck und Übersetzung ins Langsamere per Hebel, Masseverschluss. Verwendet in FN 57 "Sive-seveN".

Achtung: Bei dieser Beschreibung, handelt es sich um die Wiedergabe einer, im us-amerikanischen Sprachraum weit verbreiteten, Ansicht zur Funktion des Systems. Diese wurde jedoch widerlegt, eine Beschreibung der tatsächlichen Abläufe des Systems folgt bald

Direkter Gasdrucklader mit Hebelübersetzung
Kinematik: Direkter Gasdrucklader mit Hebelübersetzung

Bild 1: Die Waffe ist geladen und befindet sich in Ruheposition.

Bild 2: Der Schuss bricht, die Triebladung wird in die Treibgase umgesetzt. Der Druck dieser Gase wirkt in der Brennkammer der Patrone zu allen Seiten hin. Die auf den Geschossboden wirkenden Gase treiben das Geschoss aus der Hülse in den Lauf der Waffe. Sobald das Geschoss in den Übergangskonus eintritt, ist der Gasdruck in der Lage, die Patronenhülse nach hinten zu treiben. Da die Hülse vom Verschluss (rot) abgestützt wird, übertragt sich die Rücklaufkraft auf diesen. Da der Verschluss (rot) selber nur kraftschlüssig abgestützt ist bewegt sich dieser ebenfalls nach hinten.

Bild 3: In eine Mulde im Verschluss (rot) sitzt jedoch der Arm eines Hebels (grün). Bei seinem Rücklauf zwingt der Verschluss (rot) diesen Hebel (grün) dazu abzukippen. Da der Hebel (grün) auch Kontakt mit dem beweglich gelagerten Lauf (petrol) hat, überträgt der Hebel (grün) sie Öffnungsbewegung auch auf den Lauf. Dabei arbeitet der Hebel (grün) gegen die natürliche Vorwärtsbewegung des Laufes. Diese entsteht, wenn das Geschoss vom Gasdruck nach vorne durch den Lauf getrieben wird und durch Reibung diese Bewegung auf den Lauf überträgt.

Bild 4: Durch die Verkettung der Bewegung von Verschluss (rot), Hebel (grün) und Lauf (petrol) wird der Lauf gezwungen, für jede Strecke welcher der Verschluss (rot) zurücklegt ebenfalls eine kleinere Strecke zurückzulegen. Bei der Öffnung muss also also die Masseträgheit vom Verschluss (rot) und vom Lauf (petrol) überwunden werden. Zudem wird die Öffnungsbewegung dadurch erheblich verlangsamt, das der Lauf (petrol) mit seiner Patronenkammer dem Verschluss (rot) folgt.

Bild 5: Sobald das Geschoss den Lauf der Waffe verlassen hat, kommt es im Lauf der Waffe zu einem plötzlichen Abfall des Gasdrucks, wodurch er dem Verschluss (rot) als Antrieb nicht mehr zur Verfügung steht. Dieser hat jedoch bei seinem Rücklauf bis dahin genug Bewegungsenergie aufgenommen, um durch sein Beharrungsvermögen weiter zurückzulaufen. Dabei klingt sich seine Mulde aus dem Hebel (grün) aus und der Verschluss (rot) kann seinen Rücklauf, ohne die zusätzliche Massebelastung durch den Lauf (petrol), vorsetzen.

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung von:

waffentechnik.wordpress.com

08 März 2023

Waffenfunktion: Direkter Gasdrucklader mit Vertikalblock übersetztem Masseverschluss

 Funktionsbeschreibung eines Feuerwaffenverschlusssystems. Angetrieben durch direkten Gasdruck, verlangsamt durch Vertikalblock übersetzten Masseverschluss. Übersetzung ins langsamere auf kleinere Teilmasse. Verwendet in der US Maschinenpistole Thompson M1928

Achtung: Diese Funktionsbeschreibung beschreibt den Verschluss so, wie es sich nach dem aktuellen Stand der Forschung darstellt. Die Beschreibung dazu, wie der Blish-Verschluss laut dem Erschaffer angeblich funktionieren sollte folgt bald. 

Kinematik: Direkter Gasdrucklader mit übersetztem Vertikalblockverschluss
Kinematik: Direkter Gasdrucklader mit übersetztem Vertikalblockverschluss

Bild 1: Der Verschluss der Waffe ist geschlossen.

Bild 2: Der Schuss bricht, die Treibladung in der Brennkammer der Patronenhülse wird umgesetzt, der entstehende Gasdruck wirkt zu allen Seiten hin. Der auf den Patronenboden wirkende Gasdruck, schiebt das Geschoss aus dem Hülsenmund in den Übergangskonus. Sobald das Geschoss dort ankommt, ist der Gasdruck um Lauf in der Lage, die Patronenhülse nach hinten zu schieben. Da sie vom Verschluss (rot) abgestützt wird, überträgt sich die Kraft der rücklaufenden Patronenhülse auf diesen.

Bild 3: Da der Verschluss selbst nur kraftschlüssig verriegelt ist, beginnt dieser mit dem Rücklauf. Im Verschlusskörper ist ein Vertikalblock (grün) vertikal beweglich gelagert. Dieser weißt zwei schräge Kulissen auf, welche auf Gegenkulissen (blau) des Waffengehäuses ruhen. Bei seinem Rücklauf presst der Verschluss (rot) den Vertikalblock (grün) gegen diesen Kulissen (blau).

Bild 4: Dadurch zwingt der Verschluss (rot) bei seiner Rückwärtsbewegung den Vertikalblock (grün) zu einer Aufwärtsbewegung. Die Bewegung des Verschlusses (rot) wird übersetzt und zwar in eine langsamere Bewegung einer geringeren Masse. Beim öffnen der Waffe müssen also die horizontal-lineare Masseträgheit von Verschluss (rot) und Vertikalblock (grün) überwunden werden und zudem die vertikale Masseträgheit des Vertikalblocks (grün).

Bild 5: Die Übersetzung der Öffnungsbewegung endet, wenn der Vertikalblock (grün) nach der gehäusefesten schrägen Steuerkulisse (blau) dessen geraden Teil erreicht. Der Vertikalblock (grün) ist dann maximal nach oben bewegt worden und es findet keine Übersetzung mehr statt. Der Verschluss kann sich ohne zusätzliche Belastung öffnen.

Quellen:

Die principiellen Eigenschaften der automatischen Feuerwaffen, Karel Krnka, 1902

Die Handfeuerwaffen Ihre Entwicklung und Technik, Robert Weisz, 1912

Innere Ballistik. Die Bewegung des Geschosses durch das Rohr, C. Cranz, 1926

Handfeuerwaffen, Systematischer Überblick, Jaroslav Lugs, 1956

Rheinmetall Waffentechnisches Taschenbuch, Dr. R. Germershausen, 1977

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre, Wolfgang Pietzner, 1998

Verschlusssysteme von Feuerwaffen, Peter Dannecker, 2016

Hatcher's Notebook, A Standard Reference Book, Julian S. Hatcher, 1948

The Machine Gun Analysis of Automatic Firing Mechanism, Georg M. Chinn ,1955

Engineering Design Handbook Automatic Weapons, USA Materiel Command, 1970

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung von:

waffentechnik.wordpress.com

09 Oktober 2022

Warum sich Waffenteile nicht bewegen, nur weil sie sich bewegen müssen

Hallo alle zusammen und herzlich Willkommen zu einem neuen Beitrag zum Thema Waffenkunde.

Na da musste ich mir doch neulich mal wieder einen Unsinn anhören. Dieser lautete in etwas so:

"Der Verschluss des Gewehrs G3 kann sich nicht öffnen, bevor nicht die Rollen aus dem Waffengehäuse heraus in den Verschluss gerückt sind .. also passiert das."

Wo ich mir nur gedacht habe: "Warum? Warum sollten die Rollen das tun? Haben die Rollen eine Art Intelligenz, dass sie wissen wann sie dies zu tun haben?"

Im Kern ist das das Gleiche, was wir schon von intelligentem Gas kennen. Also Gas welches mit seinem Druck immer nur genau die Flächen beaufschlagt, die man für die Waffenfunktion gerade bracht.

Dabei gilt in der Mechanik: 

Körper bewegen sich, wenn sie bewegt werden.

Und nicht dann, wenn ein Apparat diese Bewegung gerade braucht. Die Rollen im Rollenverschluss des G3 bewegen sich nach hinten, weil sich der Verschlusskopf nach hinten bewegt und nach oben, weil sie über die schrägen im Gehäuse gleiten. Das tun sie im übrigen auch nicht primär, um die Waffe zu entriegeln*, sondern um den Verschlussträger abzuschleudern.

Auch ist bei der Aussage der Ablauf falsch, es gehen nicht erst die Rollen in den Verschluss und dann der Verschluss nach hinten. Erst wird der Verschluss von den Pulvergasen im Lauf nach hinten getrieben und gleichzeitig gehen die Rollen in den Verschluss zurück, angetrieben durch dessen Bewegung.

Wir sehen also: 

Eine Bewegung muss man verursachen, die kommt nicht nur, weil man die braucht.

Wenn man wissen will, was die Ursache einer Bewegung in einer Waffe ist, muss man eben suchen und kann sich nicht einfach mit einem "weil das sich bewegen muss und sonst nicht funktioniert" aus der Verantwortung ziehen.

Quellen:

Verschlusssysteme von Feuerwaffen von Peter Dannecker, 2016

Waffenlehre - Grundlage der Systemlehre von Wolfgang Pietzner, 1998